Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

400-Seelen-Dorf Kaiserstuhl: Wo die Durchsetzungs-Initiative so gut wie abgelehnt ist

In Kaiserstuhl hat die Durchsetzungsinitiative der SVP geringe Chancen. Diesen Schluss lässt der Blick auf vergangene Abstimmungen zu. Das Städtchen ist ein Spezialfall.

Andreas Fretz / az Aargauer Zeitung



Kaiserstuhl (Bild: Zvg Gemeindeverwaltung)

Der Blick über die Grenze gehört in Kaiserstuhl zum Alltag.
Bild: Zvg gemeindeverwaltung

Zehn Autokilometer sind es von Böbikon – wo die Durchsetzungs-Initiative so gut wie angenommen ist – nach Kaiserstuhl. Wer die kurze Reise unter die Räder nimmt, landet punkto «Haltung zu restriktiver Ausländerpolitik» in einer komplett anderen Welt.

Bei der Ausschaffungsinitiative 2010 wies Kaiserstuhl den zweithöchsten Nein-Anteil im Kanton aus (64 Prozent). Gegen die Masseneinwanderungsinitiative 2014 stimmten 59.5 Prozent – Rang vier im Aargau. Die 400-Seelen-Gemeinde befindet sich damit in der Gesellschaft von linksregierten Städten wie Baden oder Aarau.

Nach Zürich ausgerichtet

Wie erklärt sich Stadtammann Ruedi Weiss diese ausländerfreundliche Haltung? «Die Kaiserstuhler orientieren sich stark Richtung Zürich. Die Zusammensetzung unserer Bevölkerung ist städtisch geprägt, obwohl der Ort an und für sich ländlich ist.» Weiss selbst passt perfekt in dieses Bild: Bevor er 2012 nach Kaiserstuhl zog, lebte er 60 Jahre in der Stadt Zürich.

Wer in Kaiserstuhl lebt, arbeitet häufig in Zürich, geht dort in den Ausgang oder zum Einkaufen. «Die Menschen hier ticken urban», schrieb auch der Tages-Anzeiger und bezeichnete die Bewohner in einem Artikel als «Aargauer mit städtischem Selbstbewusstsein». Oft würden sie ganz anders abstimmen als in der übrigen Region oder im Kanton.

Linke, Künstler, Schauspieler

Der Charme des Städtchens am Rhein zieht eine spezielle Klientel an. «Die ist eher links», sagt Weiss und macht darauf aufmerksam, dass in Kaiserstuhl viele Künstler und Kunsthandwerker leben und lebten. Auch Schauspieler und Moderator Dietmar Schönherr, seine Frau, die Schauspielerin und Sängerin Vivi Bach oder Fernsehmann Dieter Moor wohnten einst in Kaiserstuhl.

«Die Kaiserstuhler orientieren sich stark Richtung Zürich. Die Zusammensetzung unserer Bevölkerung ist städtisch geprägt, obwohl der Ort an und für sich ländlich ist.»

Stadtammann Ruedi Weiss

Mit 34 Prozent ist der Ausländeranteil im Städtchen verhältnismässig hoch. Weiss erklärt, was zahlreiche Studien belegen: «Wer in Kontakt mit fremden Kulturen kommt, verliert die Berührungsängste und vermag auch die positiven Seiten zu erkennen.» Weiss freut sich über so viel Offenheit. Denn diese sei eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben in Kaiserstuhl.

Umfrage

Wie gedenkst du, bei der Durchsetzungs-Initiative abzustimmen?

18,256 Votes zu: Wie gedenkst du, bei der Durchsetzungs-Initiative abzustimmen?

  • 15%Ja
  • 82%Nein
  • 3%Weiss nicht

Grenze gehört zum Alltag

Der Blick über die Grenze gehört in der flächenmässig kleinsten Gemeinde des Aargaus zum Alltag. Die Beziehungen zur deutschen Anrainergemeinde Hohentengen sind eng. Einige Bürger besitzen Wald oder Land in Deutschland. Die links-liberale Haltung spiegelt sich in den Abstimmungsresultaten.

Vor dem Urnengang zur Durchsetzungsinitiative hat sich niemand im Städtchen exponiert, politische Parteien, die für die eine oder andere Seite Stimmung machen, gibt es keine. Eine Prognose will Stadtammann Ruedi Weiss nicht abgeben. «Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir sie ablehnen werden», sagt er. (aargauerzeitung.ch)

Mehr zur Durchsetzungs-Initiative

7 Gründe, warum das Nein zur DSI ein historischer Entscheid ist

Link to Article

DSI-Nein: Ein Stimmvolk, das sich schlau macht, ist ein übermächtiger Gegner für die SVP

Link to Article

Die SBB erliegen dem heissesten Abstimmungskampf seit Jahren – wie jeden Winter dem ersten Schnee

Link to Article

Der «Appenzeller Volksfreund» schreibt etwas vom Besten über die DSI und sorgt damit für einen Dorf-Knatsch

Link to Article

DSI-«Arena»: Ein alter Berner Secondo sagt, wie's ist – und Guts und Amstutz' Abend ist gelaufen

Link to Article

Tippspiel zur Abstimmung: 47,5 Prozent legen ein Ja zur DSI ein

Link to Article

Das Hakenkreuz ist weg – dafür hat die SBB jetzt einen Shitstorm am Hals

Link to Article

NEIN, NO, NON – die DSI-Gegner kaufen eine ganze Seite in der «Weltwoche» 

Link to Article

Weil wir stimmen, wie wir liken: Siegt die Durchsetzungs-Initiative, dann auch wegen des Namens 

Link to Article

21 aktive oder ehemalige SVPler, die sich nicht ans Gesetz hielten

Link to Article

Die Eindrittel-Rösti: Der «Club» zur Durchsetzungsinitiative in Zahlen

Link to Article

Von der Härtefall- zur Täterschutzklausel: Wie die SVP die Sprache instrumentalisiert

Link to Article

SVP-Nationalrat Heinz Brand: «Die Durchsetzungs-Initiative ist möglicherweise nicht perfekt, aber ...»

Link to Article

Durchsetzungs-«Arena»: SVPler amüsieren sich über hässige Sommaruga 

Link to Article

Alles auf einen Blick: So verschärft sollen wir nach dem 28. Februar ausschaffen

Link to Article

Staatsanwälte schalten sich in die Durchsetzungs-Debatte ein: «Die Initiative ist nicht praktikabel»​

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • tonofbasel 24.02.2016 10:22
    Highlight Highlight Hmm..ich bin mir zu 99.9999% sicher das die meisten Leute die in Kaiserstuhl leben in Waldshut einkaufen und nicht Zürich :)
    8 4 Melden
  • "let's dance" 24.02.2016 05:24
    Highlight Highlight Es gibt sowieso ein ja, und für die Röhre auch ein ja, für Heirat ein nein, so wie auch nein zur Nahrungsmittel....das ist so meine Prognosse für den 28. März.
    5 17 Melden
    • Julian Peter (1) 24.02.2016 08:46
      Highlight Highlight Egal solange die sie am 28. Februar abgelehnt wird.
      8 2 Melden
  • Moelal 23.02.2016 21:39
    Highlight Highlight Eine GUTE Stadt!
    70 17 Melden
  • Maya Eldorado 23.02.2016 21:12
    Highlight Highlight Watson-Leser lehnen die Durchsetzungsinitiative auch ab. Im Moment sind es 82% Nein-Stimmen.
    105 19 Melden
  • Kookaburra 23.02.2016 21:06
    Highlight Highlight Kaiserstuhl ist ein sehr schönes Dorf.
    59 6 Melden
    • Hubertus Herbstlaub 23.02.2016 21:34
      Highlight Highlight Es ist eine Stadt! 😉
      48 5 Melden

«Angriff auf den Rechtsstaat!» – «Lügenkampagne!»: Das grosse Streitgespräch zur SBI

Am 25. November stimmen wir über die Selbstbestimmungs-Initiative (SBI) der SVP ab. Auf der watson-Redaktion trafen sich Initiativ-Gegnerin Laura Zimmermann von der Operation Libero und Jung-SVP-Präsident Benjamin Fischer zum hitzigen Schlagabtausch – und schenkten sich nichts.

«Direkte Demokratie vor gierigen Grosskonzernen!» Mit dieser Parole trat die Junge SVP auf dem Bundesplatz auf, als die Economiesuisse gegen die SBI warb. Herr Fischer, sind Sie im Herzen ein Jungsozialist?Benjamin Fischer: Nein, natürlich nicht. Wir wollten aufzeigen, wessen Interessen die Economiesuisse hier wirklich vertritt. Es sind jene der internationalen Grosskonzerne, deren Spitzen eigentlich nichts mehr mit der Schweiz zu tun haben und demzufolge auch kein Verständnis für die …

Artikel lesen
Link to Article