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Berns Justin Krüger enttäuscht nach der Niederlage gegen den ZSC. Bild: KEYSTONE

Weichgespülte «Big Bad Bears»: Dieser SCB ist ganz einfach zu weich für die Playoffs

Die ZSC Lions spielen wie ein neues Meisterteam und brauchen nur noch einen Sieg um ins Finale einzuziehen. Oder ist der SC Bern zu einer heftigen Reaktion fähig?

03.04.18, 06:44 03.04.18, 07:03


Den Meister gewogen und für die Playoffs als zu leicht und zu weich befunden. So lässt sich nach der ostermontäglichen Niederlage des Titelverteidigers im Hallenstadion (1:3) die Serie in wenigen Worten erklären.

Die ZSC Lions waren in den ersten drei Spielen bereits bissiger und nur einmal besiegt worden. Im zweiten Spiel mit viel Pech in der Verlängerung (3:4). Sie hatten die zwei Partien in Bern gewonnen. Und doch waren es noch keine ganz grossen Siege. Denn dieser SCB, den sie da zweimal besiegt hatten, konnte doch nicht der wahre, der raue, der echte, der grosse, der mächtige, der meisterliche SCB gewesen sein. Diesen wahren SCB würden die ZSC Lions schon noch zu spüren bekommen.

Kein Bär brüllt, sondern ein Löwe: Mathias Seger (Mitte). Bild: KEYSTONE

Aber nun hat am Ostermontag zum ersten Mal der wahre, der raue, der echte, der grosse, der mächtige, der meisterliche SCB verloren. Es war das Spiel der Wahrheit. Diese Partie war nicht mehr Playoff-Auftakt und auch kein zweites oder drittes Spiel, das man noch verlieren durfte. Weil noch Gelegenheit zur Korrektur bleibt. Am Ostermontag waren im Hallenstadion tiefe Playoffs ohne Rückzugsmöglichkeiten.

Der SCB ist nicht meisterlich genug

Von der ersten Sekunde an ist in dieser vierten Partie klar, dass die Berner diesmal alles mobilisieren. Und nun zeigt sich: der echte SCB ist nicht gross, rau, mächtig und meisterlich genug, um gegen die ZSC Lions zu bestehen. Die Berner können sich in den Zweikämpfen nicht durchsetzen. Sie werden dort dominiert, wo das Spiel aufhört und der Kampf beginnt. Ausgerechnet in dem Bereich, der eigentlich seit jeher zur Kultur, zur DNA dieses Klubs («Big Bad Bears») gehört. Und die Berner wurden von allen vier ZSC-Linien physisch dominiert und zu Fehlern verleitet.

Diese nicht ganz überraschende Verweichlichung ist die bittere Frucht einer zu grossen spielerischen und taktischen Überlegenheit, die es dem SCB ermöglicht hat, die Qualifikation als «weichstes» Team (am wenigsten Strafminuten) nach Belieben zu dominieren. Und auch in diesen Playoffs haben die Berner bisher am wenigsten Strafminuten verbüsst. Der Direktvergleich: Qualifikation: 394 Strafminuten gegen den SCB, 591 gegen die ZSC Lions. Playoffs: 48 Strafminuten gegen den SCB, 154 gegen die ZSC Lions – bei gleich vielen Spielen. Die Berner haben verlernt, wie es ist, wenn gerumpelt wird.

Den Bernern fehlt es an Playoff-Tauglichkeit

Wer fast zwei Jahre lang nie mehr hart zur Sache gehen musste, wer sich fast zwei Jahre lang in jeder Partie ein paar Fehler und Nachlässigkeiten leisten konnte und nie richtig herausgefordert worden ist, kann seine Playoff-Tauglichkeit verlieren. Inzwischen fehlt den Bernern diese. Sie haben im Hallenstadion 1:3 verloren.

Obwohl sie alles versucht hatten und Leonardo Genoni kein Lottergoalie war. Aber es gab ein symbolisches Bild: Im ersten und dritten Drittel hütete Leonardo Genoni das SCB-Tor auf der Seite, auf der oben das Trikot der ZSC-Legende Ari Sulander mit der Nummer 31 hängt. Genoni hat die Nummer 30. Eine Nummer kleiner als Sulander – und weniger gut als der aktuelle ZSC-Goalie Lukas Flüeler.

Allerdings ist es nicht möglich, alleine mit Härte den SCB zu bezwingen. Es braucht auch das blitzende Schwert des Talentes. Es braucht Spieler wie Fabrice Herzog (23). Er personifiziert die Auferstehung der ZSC Lions in diesen Playoffs. Unter Trainer Hans Wallson war Fabrice zum Mitläufer geworden. Der Schwede setzte nicht auf den sensiblen Titanen (189 cm/80 kg) der Aussenbahnen. Und Fabrice Herzog ist ein sanfter Musterprofi, der es nicht wagte, zu rebellieren und still verkümmerte. Als Hans Wallson endlich, endlich, endlich gehen musste, da mochte Fabrice Herzog nicht schlecht über den abgesetzten Chef reden und sagte, er sehe den Trainerwechsel als Chance.

Er hat diese Chance unter Hans Kossmann genützt. Seine Treffer zum 1:0, 2:0 und 3:1 waren wie Stiche ins Herz des schnaubenden Bären, geführt mit schneller, sicherer Hand. Der zweite eiskalt vollendet beim schnellen Gegenangriff bei numerischer Unterlegenheit. In 50 Qualifikationspartien hat er sieben Tore erzielt. Gestern buchte er die Playoff-Treffer Nummer vier, fünf und sechs.

Mann des Abends: Fabrice Herzog. Bild: KEYSTONE

Haben die Berner genug Energie?

Die ZSC Lions brauchen noch einen Sieg fürs Finale. Für die Entthronung des Meisters. Sie bekommen für diesen Sieg drei Chancen. Die erste am Donnerstag in Bern. Die Frage ist, ob sich der SCB auch vor seinem Publikum, dem grössten Europas, in den Zweikämpfen dominieren lassen wird. Die Frage ist auch, ob die Berner noch genug Energie haben.

SCB-Leitwolf Andrew Ebbett will nichts von Müdigkeit wissen. «Das ist kein Problem.» Er analysierte die Situation nach dem 1:3 im Hallenstadion nüchtern und professionell: «Wir haben alles versucht. Aber der Gegner war einfach besser. Wir hatten grösste Schwierigkeiten durch die neutrale Zone zu kommen.» Und er macht den ZSC Lions ein Kompliment: «Wir spielen gegen den härtesten Gegner, seit ich in Bern bin. Wir sind mussten 2016 und 2017 in den Playoffs nie über sieben Spiele gehen. Jetzt müssen wir, wenn wir ins Finale wollen…»

Was ist nun zu tun? Andrew Ebbett sagt: «Es ist nun an den Leadern, die Verantwortung zu schultern und dieses Team zutragen. Das gilt auch für mich.» Wo er Recht hat, da hat er Recht. Die Titanen sind gefordert. Simon Moser (-1), Andrew Ebbett (-2), Mark Arcobello (-2), Maxim Noreau (-1) und Gaëtan Haas haben das Eis am Ostermontag mit einer Minus-Bilanz verlassen.

Wird das noch was mit der Titelverteidigung? Berns Spieler schleichen in die Kabine. Bild: KEYSTONE

Vor Schluss gab es eine Kostprobe der starken Berner

Der kanadische Stürmer ist zuversichtlich und sagt, in der Kabine seien genug starke, erfahrene Persönlichkeiten, um diese Serie zu drehen. Und auch genug Meisterschaften. Oder haben diese Spieler am Ende schon zu viele Titel gewonnen? «Nein, das ist kein Problem. Wir sind alle hungrig.» Die Zürcher müssen damit rechnen, dass der SCB, tief im Stolz gekränkt, doch noch wie der der wahre, der echte, der grosse, der mächtige, der meisterliche SCB auftreten wird.

Eine Kostprobe hat es im Hallenstadion in der Schlussphase gegeben. 211 Sekunden vor Schluss ersetzte Kari Jalonen den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler und die Berner liessen nicht locker, bis sie das 2:1 erzielt hatten. Aber es war zu spät. Zu spät für dieses Spiel. Aber noch nicht zu spät für diese Serie.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 03.04.2018 14:14
    Highlight Mal sehen was Donnerstag abgeht. Ob Sieg oder Niederlage für Bern ich hoffe es wird eine Schlacht. Das Spiel gestern war hochstehend aber dieses Playoff gefühl fehlte mir komplett.
    10 14 Melden
  • emptynetter 03.04.2018 12:47
    Highlight Wo bleibt der Kommentar von Tikkanen? Ist er womöglich schon in die Ferien abgeflogen? Gar etwa vom Flughafen in Hipsterville aus? - Egal, noch 1 bis Ferien.
    63 7 Melden
    • pjj 03.04.2018 15:15
      Highlight Er kann es höchstwahrscheinlich nicht ertragen, dass das Hipstertum nun - mit der üblichen Verspätung? 😉 - auch Bern bzw. den SCB übernommen hat...
      18 3 Melden
  • DerUnsichtbare 03.04.2018 12:14
    Highlight Ich dachte Genoni hat sich entschieden Meister zu werden?🤷🏻‍♂️
    50 1 Melden
  • Max Pauer 03.04.2018 10:55
    Highlight „ Genoni hat die Nummer 30. Eine Nummer kleiner als Sulander – und weniger gut als der aktuelle ZSC-Goalie Lukas Flüeler.“

    Flüeler hat auch die 30.

    58 8 Melden
  • Hayek1902 03.04.2018 09:53
    Highlight Lugano hielt am Entschluss fest, foch noch ins Finale zu gehen. Aber was ist mit Genoni? Meinung wieder geändert? Und was will eigentlich Flüeler? Hat er auch etwas beschlossen?
    68 2 Melden
    • Ah-Jah 03.04.2018 21:33
      Highlight Meister werden ohne es dem Chef Zaugg mitzutilen!!!!
      8 0 Melden
  • Wayne99 03.04.2018 09:47
    Highlight Bern ist nicht weicher als letztes oder vorletztes Jahr.(Halbfinal gegen die sehr harten Davoser zB.)
    Der Z spielt einfach gut (Kein Wunder mit dem Kader) und wir nicht mehr ganz so gut und präzise wie auch schon! Inklusive Genoni.
    That`s all Folks!
    83 1 Melden
  • Ursus ZH 03.04.2018 08:14
    Highlight Berner Burnout führt zum Bernout.
    81 15 Melden
  • Deleted93 03.04.2018 08:02
    Highlight Tikanen 😂😂😂
    110 10 Melden
    • el heinzo 03.04.2018 09:22
      Highlight Steckt wohl noch im Osterstau am Gotthard fest. 🤓
      62 6 Melden
  • Tommyboy Jones 03.04.2018 08:01
    Highlight Aber nächsten Donnerstag kommen die Bären dann so richtig! Immerhin haben sie die letzten beiden Heimspiele gewonnen...oh nein halt😂
    54 12 Melden
  • kiwichris 03.04.2018 07:52
    Highlight wird wohl ein neues Gefühl werden... nachdem wir den Pokal bereits in Bern, in LugaNO und in Kloten stemmen durften, hoffe ich nun, dass es dieses Jahr in Biel sein wird. Wird ein schöner Frühling für Züri, es gibt ja noch einen Pokal in Bern zu holen... :-) und der FCZ wird zugesehen haben wie man auf Bärenjagd geht...
    39 48 Melden
    • MARC AUREL 03.04.2018 08:52
      Highlight 👎Die 2 Jahren ohne Titel waren wohl nicht genug für gewisse Züzis...
      27 107 Melden
    • kiwichris 03.04.2018 09:13
      Highlight lebst wohl immer noch in der Vergangenheit...
      24 7 Melden
    • Hayek1902 03.04.2018 09:49
      Highlight In Biel werdet ihr in nicht stemmen, aber in Lugano dürft ihr zuschauen
      40 21 Melden
  • Avalanche89 03.04.2018 07:25
    Highlight Die ZSC Lions erinnern mich stark an den SCB in der Saison als sie mit Lars Leuenberger den Titel holten. Für mich sind sie mittlerweile der Favorit.
    96 12 Melden
  • Ranger55 03.04.2018 07:14
    Highlight Wir schreiben das Jahr 2018. Ganz Hockey-Schweiz ist von den Bernern besetzt. Ganz Hockey-Schweiz? Nein - eine Stadt voller Hipsters wehrt sich mit allen Kräften und bringt die exzellent justierte und eingeölte Hockeymaschine aus der Stadt des Beamtenmikado ins Wanken. Möge die Macht weitherhin mit den Löwen sein und die Teddys ins gloreiche Taka-Tuka Land verbannen..
    189 37 Melden
    • Micha Moser 03.04.2018 14:16
      Highlight Man könnte meinen ZSC sei sowas wie der SC Herisau. Zürich ist nicht gerade ein kleines armes Hipsterdorf.
      12 11 Melden
  • joe 03.04.2018 07:06
    Highlight Gestern musste ich gar nicht das Spiel verfolgen um zu wissen wie es ausging. Der Blick auf die Spielerbank genügte. Bei Zürich aufmunterndes abklatschen und lächeln und bei Bern ratlosigkeit und gehässige diskusionen. Vor zwei Jahren sah es noch umgekehrt aus.
    Ich hoffe sie ziehen da noch was aus dem Hut, aber gestern war das gar nichts!
    54 7 Melden
  • Nelson Muntz 03.04.2018 07:04
    Highlight Will Genoni jetzt Meister werden oder die Badehose einpacken?
    222 10 Melden
    • N0pe 03.04.2018 07:32
      Highlight I was looking for this ;)
      26 8 Melden
  • Die Keule 03.04.2018 07:03
    Highlight Herr Zaugg scheint ein etwas ambivalenter Charakter zu haben, nicht? Vielleicht irre ich mich auch, brauchte meine Hirnzellen über die Ostertage nur bedingt - aber war es nicht Herr Zaugg, der vor einigen Tagen den SCB bereits als sicherer Meister angepriesen hat? Ich irre mich bestimmt.. ;-)
    314 14 Melden
    • Nosgar 03.04.2018 07:36
      Highlight Zaugg kann nichts dafür. Genoni hat sich wahrscheinlich ohne Absprache umentschieden.
      179 2 Melden
    • Röbi Roux 03.04.2018 08:32
      Highlight Das stimmt schon, ein hin und her
      20 1 Melden
    • Nelson Muntz 03.04.2018 08:39
      Highlight Kläusi ist ein Meister der gepflegten Provokation, der den Hockeyfans aller Mannschaften immer wieder genüsslich ein Gesprächsthema serviert.
      50 3 Melden
  • Goon 03.04.2018 06:58
    Highlight Noch ein Spiel bis zu 🛫🌴🏖
    204 36 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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