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Ob Sieg oder nicht, sie sind wahre Helden: Patrick Geering, Fabrice Herzog und Reto Schäppi. Bild: KEYSTONE

So oder so – die ZSC Lions sind wahre Helden

Ob die ZSC Lions am Mittwoch oder am Freitag Meister werden, ist inzwischen fast unerheblich. Helden sind sie auf jeden Fall.

23.04.18, 05:04 23.04.18, 06:21

Es ist die erste Playoff-Niederlage 2018, die den ZSC Lions so richtig eingefahren ist. Unter die Haut geht, das Selbstvertrauen erschüttert, Zweifel in die Seele, Herzen und Köpfe streut. Und zum ersten Mal den Gedanken aufkommen lässt, dass es vielleicht doch nicht reicht. 0:4 in Lugano.

Lugano hat ja nicht einfach gewonnen. Die Tessiner sind über die Zürcher hinweggebraust wie ein Nordföhnsturm. 60 Minuten lang. Ohne zu ruhen und zu rasten. Als sei der Leibhaftige vom Monte San Salvatore herabgefahren.

Die Luganesi haben nicht nur gewonnen, sie haben die Zürcher hinweggefegt. Jani Lajunen in Aktion. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Zum ersten Mal seit dem 10. März, seit dem Playoff-Auftakt in Zug (1:4) sind die ZSC Lions «gerockt» worden. Dieses 1:4 war damals eine «Ruck-Niederlage». Sie führte dazu, dass ein Ruck durch die ganze Mannschaft ging. Es war der Anfang der Wiedergutmachung. Einer Mission. Aber dieses 0:4 in Lugano könnte nun (muss aber nicht) der Anfang vom Ende sein.

Was denken sie wirklich?

Es gibt die Berufsbezeichnung Psychophysiognom. Bei diesem Handwerk wird aus der Mimik, dem Ausdruck der Sinnesorgane, der Augen, der Nase, des Mundes, des Gesichtes und des Untergesichtes sowie der Ohren gelesen. Dabei wird versucht herauszufinden, ob ein Mensch wirklich das denkt und fühlt, was er sagt.

Dieses Finale wäre für einen Psychophysiognomen eine echte Herausforderung. Jetzt gibt es eine offensichtliche Differenz zwischen Worten und tatsächlicher Verfassung herauszuarbeiten.

Das Spiel ist vorbei. Im Kabinengang der Resega zu Lugano stellen sich die besiegten Helden den Chronistinnen und Chronisten. Sie sagen die auswendig gelernten Playoff-Sprüchlein auf. Wie es Brauch geworden ist. «Wir nehmen Spiel für Spiel.» – «Wir müssen das Spiel abhaken und nach vorne schauen.»

Was steckt hinter den auswendig gelernten Phrasen? Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Es ist auch der Moment der tiefschürfenden Analysen. Oder wenigstens des Versuches. Auf der Suche nach den Ursachen des samstäglichen Untergangs wird von einem Chronisten die besondere Form der Anreise vorgebracht. Ob es eine Rolle gespielt habe, dass man für einmal nicht mit dem Bus sondern mit der Eisenbahn nach Lugano gefahren sei. Ob man deshalb nicht bereit gewesen sei und schon nach 27 Sekunden das 0:1 kassiert habe.

Aber diese goldene Brücke zur Ausrede betritt keiner. Nein, nein, die Reise mit der Bahn sei sogar sehr angenehm gewesen. Man habe mehr Platz als im Bus gehabt. Heimwärts sind die Zürcher dann wieder mit dem Bus gereist.

Ehrlich wäre, dass es ein Schock war

Wenn jeder sagen dürfte, was er tief in der Hockey-Seele fühlt und sein Hockey-Herz ausschütten dürfte, dann würde es wahrscheinlich anders tönen. Dann wäre die Rede von einem «Schock». Von der «Wucht» des gegnerischen Spiels. Vielleicht sogar vor leiser Resignation. Können wir diesen Gegner wirklich noch stoppen? Sogar Hans Kossmann zeigt Anzeichen von nachdenklicher Milde.

Auf das 1:4 damals in Zug vermochten sie heftig zu reagieren. Aber da waren sie noch Aussenseiter gewesen. Doch jetzt ist der Titel nur noch einen Sieg entfernt.

Wer aufmerksam zugehört und zugeschaut hat, konnte im Kabinengang aber auch kleine Zeichen der Hoffnung erkennen. Ganz offensichtlich ist die Niederlage nicht allen so in die Glieder gefahren, dass sie ratlos und verdattert wären. Ein Chronist mit einer dieser neumodischen Bildermaschinen bittet Fabrice Herzog um ein Interview. Der Nationalstürmer sagt: «Moment noch» und ruft nach einem Baseball-Cap mit Sponsorenaufschrift. Sobald ZSC-Stars im Bild erscheinen ist ein Baseball-Cap mit Sponsorenaufschrift Pflicht. Ein Helfer eilt mit der Kopfbedeckung herbei. Das Interview beginnt. Eigentlich ist es kein Wunder, dass Fabrice Herzog schon so oft in den kritischen Phasen wichtiger Spiele ein kaltblütiger Skorer war.

Ganz der Profi: Fabrice Herzog. Bild: KEYSTONE

Verlieren können die ZSC Lions eigentlich nicht mehr. Natürlich wäre es schmerzlich, jetzt im Titelkampf doch noch zu scheitern. Aber länger und intensiver als siegreiche bleiben uns geschlagene Helden in der Erinnerung haften. Der Held ist ja eine Person, die eine Heldentat, also eine besonderes, ausseralltägliche Leistung vollbringt. Die heroischen Fähigkeiten können körperlicher Art (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer) oder auch geistlicher Art (Mut, Leidenschaft, Kampfkraft, taktische Disziplin, Schlauheit) sein.

Heldentum hängt also nicht von Sieg oder Niederlage ab. Ja, dem klassischen Heldentum muss immer auch die Möglichkeit des Sturzes, des Scheiterns innewohnen. Und dann bestimmt letztlich die Fallhöhe die Grösse dieses Heldentums.

Scheitern die Zürcher so kurz und so dramatisch vor dem Ziel, dann ist die Fallhöhe beträchtlich. Ein Scheitern würde in der Erinnerung bald zur Heldentat verklärt und als Mythos weiterleben.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fandustic 23.04.2018 13:11
    Highlight Na ja, Helden. Sie spielen nun einfach das, was sie schon in der Quali hätten zeigen müssen (oder man erwartet hat). Zugegeben, der Z spielt es sehr gut, so wie Lugano auch. Von den letzten vier Mannschaften wären wohl alleine die Bieler „Helden“ gewesen...wenn es den ins Finale gereicht hätte.
    23 2 Melden
  • supi 23.04.2018 11:42
    Highlight Machen wir es uns doch einfach:

    Der Sieger des Finals ist Meister
    Der Verlierer der Held

    .. weil entweder zuviele Verletzte .. oder Start von Platz 7 aus ..
    So kriegen beide was

    Have a good day 😉
    35 2 Melden
    • Nummelin 23.04.2018 13:13
      Highlight Einverstanden 😁. Eigentlich e sch.... egal. Helden sind jene welche sich jeden Tag für Schwächere einsetzen, seien dies nun Menschen oder Tiere.
      25 0 Melden
  • Yotanke 23.04.2018 09:57
    Highlight Als neutraler Beobachter der PO-Serien gehörte mein Herz schon bald den ZSC Lions. Die Geschichte war einfach schön. Team welches unter der erwarteten Performance bleibt, schlechte Rangierung, neuer Trainer und dann starten die im PO durch. Mit sehr erfrischendem Eishockey. Ich wünschte mir ZSC als Meister. Nun bin ich für die Final-Serie aber unentschieden. Lugano muss man Respekt zollen. Die geben nie auf und sind als Mannschaft - seit den gewichtigen Ausfällen kurz vor PO - zusammengewachsen. Und auch vor der Leistung von M.Lappierre muss man den Hut ziehen. Er macht alles für das TEAM.
    81 9 Melden
    • Larionov 23.04.2018 13:19
      Highlight Die geschichte hinter dem „z“ ist zugegeben schon klasse! Aber ich als laaangjähriger lugano anhänger habe natürlich eine andere ansicht!
      Wir warten seit12! Jahren auf einen neistertittel... seit 2,5 jahren sind wir entlich wieder vorne mitdabei. Unsere bilanz der 3 letzten saisons lassen sich sehen! 2x finale und einmal halbfinal...
      also wird es doch langsam zeit, dass wiedereinmal der hcl den schirmständer hochheben darf🙏⚪️⚫️💛⚫️⚪️🏆
      23 4 Melden
    • Chili 23.04.2018 18:56
      Highlight "NEIstertittel" freudscher Versprecher?
      2 1 Melden
    • Larionov 24.04.2018 12:46
      Highlight Dieses „n“ ist auch verda...t nahe am „m“😂
      2 0 Melden
  • Schiri 23.04.2018 09:14
    Highlight Heldentat geistlicher Art? Nicht eher geistiger Art??
    16 2 Melden
  • Fanito 23.04.2018 07:57
    Highlight seh ich ganz anders. gewinnen sie den Titel, ist der ZSC zurück als eine (der zwei) Grossmacht. gewinnen sie nicht, bleiben sie eine launische Diva mit viel Talent, die an guten Tagen die besten wegzaubert, aber an anderen Tagen gegen Durchschnittsteams überfordert ist. Punkt aus.... ach ja und dann möge mir der Chronist doch noch - nur so der Vollständigkeit halber - erläutern, inwiefern denn genau eine Heldentat vollbracht wurde. habe ich was verpasst?
    87 33 Melden
    • Nummelin 23.04.2018 08:27
      Highlight Die Heldentat ist es als Siebter der Quali bis in den Final vorzustossen. Man könnte aber auch sagen, dass es peinlich ist mit einem solchen Kader nur den siebten Platz zu erreichen und dass es mit eben diesem Kader jedes Jahr das Saisonziel sein sollte, den Final zu erreichen.

      Nur weil die Mannschaft gegen die schwedischen Trainer gespielt hatte, bis diese weg waren, muss man diese nun nicht als Helden betiteln. Da würde ich vorher (Clubbrille? Ja!) die Luganesi als Helden bezeichnen. Mit den gewichtigen Ausfällen (+ Center mit gebr. Hand) bis in den Final vorzustossen, ja das ist heroisch!
      58 31 Melden
    • ElDiablo 23.04.2018 08:38
      Highlight Die Heldentat ist, dass sie die absolute Übermacht des Hockey, die jedes Team wunderschön von der Eisfläche fegt, dabei grazil wie eine Tänzerin bleibt und als unbesiegbar galt (Zumindest klingt das bei KZ so) aus den Play-offs gehauen haben.
      64 6 Melden
    • San_Fernando 23.04.2018 09:17
      Highlight @ ElDiablo: Genau! Zumal ja nach Spiel 2 Genoni entschieden hat, dass der SCB die Serie gewinnt. Was für Helden!!!!
      57 6 Melden
    • Fanito 23.04.2018 09:41
      Highlight Danke für die Erläuterungen. War mir natürlich schon klar, dass er auf die Eliminierung des ach noch so viel grösseren SCB hinaus wollte.
      Sinngemäss wäre meine Frage auch zu verstehen als Aufforderung an KZ mal zu analysieren, statt nur zu polemisieren (gibt's dieses Verb?).... wenn ich Boulevard will, kann ich auch die Glückspost lesen
      34 3 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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