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Google entwickelt eine zensierte Such-App für Android-User in China.  screenshot: boingboing.net

Bei Google brodelt es gewaltig – darum sammeln Angestellte Geld für Streik

Neue Enthüllungen zu «Project Dragonfly», Googles geheimer, zensierter Suchmaschine für China, haben zum Eklat geführt.



Das Online-Medium The Intercept hat am Donnerstag mit einer Enthüllungsstory zum Projekt Dragonfly weltweit für Aufsehen gesorgt. Darin beschreiben ein früherer Google-Sicherheitsingenieur und drei aktuelle, nicht namentlich genannte Angestellte, wie sie von ihrem Unternehmen umgangen worden seien. Google habe eigene Sicherheits- und Datenschutz-Teams von dem Geheimprojekt ausgeschlossen.

Die Google-Ingenieurin Liz Fong-Jones rief via Twitter zu Protestaktionen gegen ihr Unternehmen auf.

Fong-Jones rief zur vorübergehenden Arbeitsniederlegung auf, falls die Google-Führung nicht einlenke. Und sie bot an, die ersten 100'000 Dollar an Spenden für einen Streikfonds zu sammeln, um Googler zu unterstützen, die beim «Walkout» mitmachen. Nur Stunden später hatten ihre Arbeitskollegen weitere 100'000 Dollar überwiesen.

Fong-Jones arbeitet für die Google-Abteilung, deren CEO zurücktreten musste, nachdem es einen Mitarbeiteraufstand gegeben hatte wegen eines Drohnen-Projekts (siehe unten).

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screenshot: twitter

Via Twitter meldeten sich auch Google-Angestellte, die dem Bericht von The Intercept widersprachen. Sie habe nicht gesehen, dass jemand kaltgestellt worden sei.

Die Google-Führung hält an der früheren Darstellung fest, dass das Unternehmen nicht kurz davor stehe, eine zensierte Suchmaschine in China zu lancieren. Es handle sich um ein «Sondierungsprojekt» (Exploratory Project), und es sei noch keine Entscheidung getroffen worden, ob Dragonfly überhaupt realisiert werde, sagte eine Sprecherin.

«Für jedes Produkt hängt die endgültige Markteinführung von einer umfassenden, abschliessenden Datenschutz-Überprüfung ab, aber wir sind nie an diesem Punkt angelangt in der Entwicklung.»

Google-Sprecherin

Auch seitens der chinesischen Regierung hiess es bislang, ein solcher Google-Dienst sei auf absehbare Zeit nicht realistisch.

Das steht im Offenen Brief

Das zum Alphabet-Konzern gehörende US-Unternehmen, das in Zürich ein Forschungszentrum betreibt, kommt wegen Project Dragonfly nicht zur Ruhe.

Anfang Woche wurde über einen Offenen Brief berichtet, den 200 Ingenieure, Designer und Manager unterzeichnet haben. Darin wird die Google-Führung dafür kritisiert, nur unzureichend auf die Bedenken von Mitarbeitern sowie Menschenrechtsorganisationen einzugehen.

«Wir lehnen Technologie ab, die den Mächtigen hilft, die Verwundbaren zu unterdrücken, wo auch immer sie sein mögen.»

Zitat aus dem Offenen Brief der Google-Mitarbeiter quelle: spiegel online

Die App für das mobile Betriebssystem Android solle angeblich den Zensurvorschriften der kommunistischen Führung in Peking entsprechen, berichtet Spiegel Online. Sie sperre vom Regime verbotene Websites und Suchbegriffe etwa zu Menschenrechten, Demokratie oder Religion.

Die kritischen Stimmen im Unternehmen argumentieren, Projekt Dragonfly könnte einen «gefährlichen Präzedenzfall schaffen, der es Google schwerer machen würde, anderen Ländern ähnliche Zugeständnisse zu verweigern».

Der Schutz der Privatsphäre ist für die Bürgerinnen und Bürger Chinas überlebenswichtig, denn im Einparteienstaat drohen Menschenrechtlern und Oppositionellen jahrelange Gefängnisstrafen oder gar der Tod.

Turbulentes 2018

Google sah sich dieses Jahr wiederholt mit heftigen Protesten und öffentlichen Unmutsbekundungen der eigenen Angestellten konfrontiert. Viele äusserten sich via Twitter.

Seit 2010 bietet Google seinen Suchdienst wegen Chinas Zensurbemühungen («The Great Firewall») nicht mehr von Festland-China aus an, sondern von Hongkong aus. Andere grosse US-Tech-Konzerne wie Apple und Microsoft haben sich bereits mit dem chinesischen Regime arrangiert.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

So kauft sich China Freunde in Afrika

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • My Senf 30.11.2018 15:39
    Highlight Highlight Es scheint, als sei die Zeit gekommen, um den Techies Ihre Spielzeuge aus der Hand zu nehmen (bei UBER & TESLA ja schon erfolgreich probiert).

    Hätten Regierungen google oder fb "erfunden" würde niemand mitmachen...

    Jetzt kommen nun die Grossen und werden alles Spielzeugs der Buben wegnehmen. Dann ist 1984 nur noch ein Lacher!

    Der Zucki wird ja auch schon länger bedrängt und heute wurde es da ja auch nicht besser
    https://www.nytimes.com/2018/11/29/technology/george-soros-facebook-sheryl-sandberg.html

    Die Eu hat eine Klage am Laufen.
    Tja die US-Tech-Konzerne sind zum Abschuss freigegeben:
    Play Icon
  • Adumdum 30.11.2018 15:35
    Highlight Highlight Momentan kann man Google in China gar nicht benutzen - Chinesen haben also gar keinen Zugang zu Informationen aus der Suchmaschine. Das ist der Startpunkt - nicht "das freie Internet". Google überlegt also, wie man in China etwas mehr Informationen bereit stellen kann – nicht weniger. Dämliches "Google / Facebook / Amazon / Tesla / alles was nicht europäisch ist"-Bashing....
  • what's on? 30.11.2018 12:47
    Highlight Highlight Es liegt an uns, die Standardsuche in unseren Geräten abzuändern und nicht mehr mit Google zu suchen.
    • Scaros_2 30.11.2018 13:13
      Highlight Highlight Dafür ist es längst zu spät.
    • Cash 30.11.2018 13:24
      Highlight Highlight es ist nie zu spät etwas dazu beizutragen, dass die Welt etwas besser wird
    • Scaros_2 30.11.2018 13:39
      Highlight Highlight Wird die Welt besser indem ich etwas wie "Bing" nutze? Wohl kaum.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dominik Treier (1) 30.11.2018 11:40
    Highlight Highlight Von "don't be evil" zum Egoismuskapitalistenmoto: "Wenn gut oder Geld.... Dann Geld..."
    Schade um Google, sie steuern auf das Gleiche zu wie Apple. Eine Firma die nicht den Menschen nützt sondern den Kapitalgebern...
    • DrFisch 30.11.2018 12:20
      Highlight Highlight Versteh ich nicht. Apple ist heute der wohl vorbildlichste Tech-Riese in Sachen Datenschutz, Umweltschutz und Produktionsbedingungen. Wenn Google auf Apple-Niveau aufschliessen sollte, wäre das ein Segen für alle Menschen. Ja die Welt hat sich in den letzten 10 Jahren verändert.
    • frau-dachs 30.11.2018 12:26
      Highlight Highlight die beiden geschäftsmodelle unterscheiden sich grundlegend voneinander.
      vom umgang mit datenschutz und privacy ganz zu schweigen...
    • RichPurnell 30.11.2018 12:38
      Highlight Highlight Immerhin scheint es bei Google Mitarbeiter zu geben, die sich dagegen auflehnen.

      Ganz anders als bei gewissen deutschen Konzernen, bei denen nur schon jede Idee von Verantwortung schon lange abhanden gekommen ist.
      (Aber deutsche/Schweizer Konzernmitarbeiter sind idR. mehr damit beschäftigt, dass ihr Lebenslauf sauber ist.)

      Apple ist übrigens einer der nachhaltigsten Konzerne. Aber Facts zählen ja nicht, wenn man ein bisschen Konzern-Bashing betreiben kann, oder?
      Klar der Bioladen um die Ecke ist nachhaltiger, aber der stellt auch keine Computer her.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Scaros_2 30.11.2018 11:39
    Highlight Highlight Ist doch alles ok. Seit sie aus ihrem Kodex dieses "Don't be evil" entfernt haben, darf doch Google alles machen, was Kohle bringt. Wer will schon gut sein in der heutigen Welt? ;-)
    • Thomas Rothen 30.11.2018 13:38
      Highlight Highlight Zumal mit "gut sein" der Gewinn nicht maximiert werden kan... 😕

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