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Donald Trump markiert den starken Mann beim Treffen mit Moon Jae In.
Donald Trump markiert den starken Mann beim Treffen mit Moon Jae In.Bild: AP/AP
Analyse

Gipfel mit Kim auf der Kippe: Hat Trump kalte Füsse bekommen?

Donald Trump schliesst nicht aus, dass das Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verschoben wird. Der impulsive Präsident erhält gerade eine Lektion in Diplomatie und Realpolitik.
23.05.2018, 14:1611.05.2020, 17:29

In drei Wochen soll in Singapur Geschichte geschrieben werden: Erstmals ist eine Begegnung zwischen einem amtierenden US-Präsidenten und dem nordkoreanischen Machthaber geplant. Eine US-Delegation sucht derzeit im Stadtstaat nach geeigneten Lokalitäten. Nun aber ist der Gipfel auf der Kippe. Nach Kim Jong Un stellt auch Donald Trump das Treffen in Frage.

«Es könnte sein, dass es nicht am 12. Juni klappt», sagte Trump am Dienstag vor einem Gespräch mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In im Weissen Haus. «Wenn es nicht passiert, passiert es vielleicht später.» Erst letzte Woche hatte Nordkorea seinerseits gedroht, den Gipfel platzen zu lassen, und dies mit einem Manöver der USA mit Südkorea begründet.

Das Luxushotel Shangri-La gilt als möglicher Austragungsort des Gipfels.
Das Luxushotel Shangri-La gilt als möglicher Austragungsort des Gipfels.Bild: AP/AP

Die plötzlichen Drohgebärden nach Wochen der Entspannung – Kim Jong Un empfing den neuen US-Aussenminister Mike Pompeo zweimal in Pjöngjang und liess als Geste des guten Willens drei inhaftierte US-Bürger frei – scheinen das Weisse Haus auf dem falschen Fuss erwischt zu haben. Und Trump soll vor dem Gipfel, in den er spontan eingewilligt hatte, kalte Füsse bekommen haben.

Trump ist nervös

Der Präsident habe Mitarbeiter und Verbündete «gelöchert», ob er das Risiko eingehen solle, berichtete die «New York Times» am Sonntag. Am Samstag führte er mit seinem Amtskollegen Moon Jae In ein 30-minütiges Telefongespräch, obwohl dieser am Dienstag ohnehin in Washington erwartet wurde. Auch dies wird als Zeichen von Trumps Nervosität gedeutet.

Offiziell werden solche Berichte zurückgewiesen. «Ich glaube nicht, dass der Präsident wegen irgendetwas kalte Füsse bekommt», sagte Finanzminister Steve Mnuchin am Montag vor Reportern. Aussenminister Pompeo betonte wenige Stunden nach Trumps Äusserungen vom Dienstag, die Regierung arbeite weiterhin auf ein Treffen am 12. Juni hin.

Donald Trumps erklärtes Ziel ist, dass sich Nordkorea zur vollständigen atomaren Abrüstung verpflichtet und er selbst im Gegenzug den Friedensnobelpreis einsacken wird. Nun wächst die Besorgnis, dass man von den Nordkoreanern über den Tisch gezogen wird. «Es wäre ein grosser Fehler, wenn Kim Jong Un glaubt, er könne Donald Trump austricksen», sagte Vizepräsident Mike Pence am Montag auf Fox News.

Trump ignoriert die Vergangenheit

US-Diplomaten erinnern daran, dass das nordkoreanische Regime wiederholt Vereinbarungen gebrochen hat, in denen es sich zur Aufgabe seines Atom- und Raketenprogramms verpflichtet hatte. Donald Trump, der laut ehemaligen Mitarbeitern eine Abneigung gegen detaillierte und differenzierte Briefings hat, habe diese Tatsache bei seiner übereilten Gipfelzusage ignoriert.

Kim Jong Un hat die Tonlage gegenüber den USA verschärft.
Kim Jong Un hat die Tonlage gegenüber den USA verschärft.Bild: EPA/KCNA

Nun überlegt man in Washington, wie man die Nordkoreaner zu verbindlichen Abmachungen bewegen könnte. Sicherheitsberater John Bolton schlug eine Lösung nach dem Vorbild Libyens vor. Diktator Muammar Gaddafi hatte sich 2003 verpflichtet, die Entwicklung von Atom- und Chemiewaffen einzustellen als Gegenleistung für die Aufhebung der gegen sein Land verhängten Sanktionen.

Das unerwünschte Vorbild Libyen

In Pjöngjang, wo der Hardliner Bolton ohnehin ein Feindbild ist, kam dieses Angebot gar nicht gut an. Man erinnerte sich daran, dass Gaddafi sein Entgegenkommen mit dem Leben bezahlt hatte. Donald Trump versuchte die Nordkoreaner deshalb am Dienstag nicht mit Zuckerbrot und Peitsche, sondern eher mit Gourmetmenü und Höllenfeuer zu überzeugen.

Einerseits stellte er weitreichende Garantien für den Machterhalt von Kim Jong Un sowie US-Investitionen in Aussicht. Kim wäre in diesem Fall «extrem glücklich». Das libysche Modell sei kein Vorbild, «an das wir denken, wenn wir an Nordkorea denken», sagte Trump und drohte gleichzeitig, es würde «sehr wahrscheinlich greifen, wenn wir nicht zu einem Deal kommen».

Weniger als das Iran-Abkommen

Ob man in Pjöngjang dafür ein Musikgehör besitzt, scheint zweifelhaft. Experten halten es laut der «New York Times» für möglich, dass ein Gipfel zwischen Kim und Trump mit einer Erklärung enden wird, in der die Denuklearisierung Nordkoreas als «langfristiges Ziel» bezeichnet wird. Das aber wäre weniger als das Atomabkommen mit Iran, das Trump als «schlechten Deal» geschreddert hat.

Darum treffen sich Trump und Kim nicht in der Schweiz

Video: srf

In Washington vermutet man Chinas Präsident Xi Jinping (laut Trump ein «Weltklasse-Pokerspieler») als eigentlichen Drahtzieher hinter dem härteren Kurs von Nordkorea. Er hatte Kim Jong Un kürzlich ein zweites Mal getroffen. Für den versierten Strategen Xi eröffne eine Verschärfung der nordkoreanischen Haltung zusätzlichen Spielraum im Handelsstreit mit den USA.

Wird Gedenkmünze zum Ladenhüter?

Donald Trump hatte diesen ähnlich unbedacht losgetreten, wie er dem Treffen mit Kim Jong Un zugesagt hatte. Nun deutet alles darauf hin, dass die USA am kürzeren Hebel sitzen, wie Experten stets betont hatten. Der impulsive Präsident und vermeintliche grosse Dealmaker erhält derzeit auf die harte Tour eine Lektion in Sachen Realpolitik auf dem internationalen Parkett.

Noch ist es möglich, dass der Gipfel am 12. Juni in Singapur stattfindet und mit einem Erfolg endet, etwa einem Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Für CNN jedoch ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die vom Weissen Haus bereits geprägte Gedenkmünze «zum Ladenhüter wird».

Kim Jong Un in China

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Kim Jong Un in China
quelle: epa/kcna / kcna
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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Snowy
23.05.2018 14:39registriert April 2016
Immer wenn die Wörter Strategie, schlau oder Dealmaker fallen erinnere ich mich unweigerlich an diesen 30-minütigen, geistig-umnachteten Trump-Monolog:
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Fulehung1950
23.05.2018 14:55registriert Juni 2014
Die Nullnummer vom weissen Haus, lernt, wie Diplomatie geht: Xi ist halt etwas intelligenter als Trump.

Wenn die USA glauben, China lasse sich seinen Einfluss in Ost-Asien beschneiden, irren sie gewaltig. Es ist eine ähnliche Situation wie zwischen EU/NATO und Putin: die Ukraine ist heute im Chaos, weil durch den Einbezug der Ukraine den Pufferstaat verloren ging. Ebensowenig wird China die Amis direkt an der eigenen Grenze haben wollen.

Es führt nur ein Weg zur Entnuklearisierung Nord-Koreas: Deal mit China und Rückzug von Nuklearwaffen aus dem Süden sowie Verzicht gemeinsamer Manöver.
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Billy the Kid
23.05.2018 17:50registriert Februar 2016
Solange solche Typen wie Bolton und Pompeo an den Schalthebeln der Macht sitzen, werden die Nordkoreaner keinen Deal mit den USA abschliessen. Die sind doch nicht bescheuert!
Dass Trump dann auch noch die Frechheit besitzt schon mal den Friedensnobelpreis für sich in Anspruch zu nehmen - spricht angesichts seiner bisherigen "Politik" für völligen Realitätsverlust.
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