DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Amerikas Tradition der alten erfolgreichen Dummschwätzer



Was Donald Trump wirklich vom Klimawandel hält, weiss niemand so recht. Je nach Situation lehnt er ihn einmal kategorisch ab, dann wiederum zeigt er sich bereit, den menschengemachten Einfluss aufs Klima einzuräumen. Gerade anstehende Deals beeinflussen seine Meinung mehr als Heerscharen von Wissenschaftlern. Und so schmetterte er den Bericht seiner eigenen Behörden zu den Folgen des Klimawandels ab. Er glaube schlichtweg nicht daran.

Auch nach fast zwei Jahren im Weissen Haus sorgt Trumps «Stil» noch immer für Verwunderung. Dabei steht er in einer uramerikanischen Tradition. Der Typ schamloser alter Mann, braungebrannt mit geföhnten Haaren und strahlend weissen Zähnen, der im Fernsehen mit verblüffendem Erfolg die eigene Bereicherung vorantreibt, ist amerikanisches Kulturgut. Drei Beispiele.

Mike Murdock

Bild

Mike Murdock reibt sich die Hände. Er braucht seine Gier gar nicht zu verbergen – trotzdem beschenken ihn die Zuschauer mit Geld.  bild: screenshot youtube

Der 72-jährige Mike Murdock ist Fernsehprediger und Träger eines Ehrendoktortitels einer dubiosen Universität. Als Anhänger der Wohlstandstheologie gibt Murdock vor, zu glauben, irdischer Reichtum sei ein direktes Zeichen göttlicher Gnade. Grosszügigkeit lohne sich, weil diese von Gott um ein Vielfaches grosszügiger belohnt werde. Geiz hingegen sei tödlich.

«Es gibt nichts Schöneres als eine Hundert-Dollar-Note. Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die schöner war.»

Mike Murdock live auf CTVN

Murdocks Narrativ gibt ihm den Spielraum, äusserst unverblümt zu Geldspenden aufzurufen. Sie seien wie das Pflanzen eines Samens. Aus diesem Samen wachse dann ein Baum, der wiederum Früchte abwerfe – vor allem monetäre.

Wie viele monetäre Früchte Murdock in den Jahren mit seiner Masche geerntet hat, ist nicht transparent. Seine als Kirche eingetragene Organisation darf die Finanzen geheim halten. Glaubwürdig überliefert ist, dass er 2012 mehrere Villen in Texas verkaufte.

«Schick uns deine 1000 Dollar. Vielleicht waren sie als Altersvorsorge gedacht. Oder als Schulgeld ...»

Mike Murdock im TV

Ebenfalls überliefert ist ein Einbruch in Murdocks Anwesen. Die Geschichte wird auf 340 Seiten in einem Buch vom Dieb gleich selber erzählt. Es handelt sich dabei um den ehemals besten Freund von Murdocks Sohn Jason. Mit blumigen Worten beschreibt er, wie er sich durch die umfangreiche Pornosammlung des Predigers gewühlt habe. Im Vergleich zur antiken Münzsammlung sei diese wenigstens sortiert gewesen. 

Mike Murdock will 1000 Dollar (in den nächsten 90 Tagen)

abspielen

Ob er seinen eigenen Worten nicht traut? Murdocks Mimik lässt es erahnen (ab 4:20, als er Spenden mit Kreditkarten bewirbt). Video: YouTube/JESUS CHRIST: The Way

Wie genau es Mike Murdock mit der eigenen Grosszügigkeit nimmt, deckten Journalisten der Associated Press 2003 auf. 97–99% der Spenden wurden für seinen Lohn und administrative Aufwendungen verwendet. Der Rest floss tatsächlich in wohltätige Zwecke.

Jesse Duplantis

Bild

Jesse Duplantis zeigt seine Privatjets. bild: Youtube/sword of truth

Jesse Duplantis gehört zu Amerikas bekanntesten TV-Predigern. Seit Jahrzehnten gehört der 69-Jährige quasi zum Inventar des weltweit grössten religiösen Fernsehnetzwerks TBN. Duplantis ist bekannt für seine humoristischen Anekdoten, die von seinen Zwiegesprächen mit Gott abgeleitet sind.

«Gott fragte mich: ‹Jesse, magst du dein Privatflugzeug? Magst du es wirklich?›»

Jesse Duplantis im Gespräch mit Kenneth copeland

Duplantis geriet in die Schlagzeilen, weil er sich gerne einen neuen Privatjet zulegen wollte und dafür 54 Millionen benötigte.

Bild

Duplantis' Objekt der Begierde: ein Dassault Falcon 7X. bild: wikimedia/Javier Bravo Muñoz.

Der neue Jet würde es ihm erlauben, jede Destination der Erde ohne Stop zu erreichen. Mit seinem alten Flugzeug sei das nur mit Zwischenhalt möglich. Und die internationalen Benzinpreise seien horrend. Das neue Flugzeug für über 50 Millionen Franken sei günstiger.

Jesse Duplantis fordert Spenden für seinen Falcon 7X.

abspielen

Video: YouTube/Sword of Truth

«Wenn Jesus heute auf dieser Welt wäre, würde er keinen Esel reiten. Er würde in einem Privatjet um die Welt reisen und das Evangelium verbreiten.»

jesse duplantis in einem Spendenaufruf auf seiner homepage

Duplantis' ausufernder Lebensstil ist auch christlichen Sittenwächtern aufgefallen. Sie kritisieren, dass Duplantis sein drei Millionen Dollar teures Eigenheim im Namen seiner Kirche mit steuerfreien Spenden gekauft habe. Weil Duplantis' Haus auch als Kirche funktioniert, muss er darauf keine Steuern bezahlen. Alleine damit schafft er es, jährlich über 30'000 Dollar an Steuern zu sparen.

Kenneth Copeland

Bild

bild: screenshot youtube.com

Geldsorgen wegen eines neuen Privatjets – so etwas kennt Kenneth Copeland nicht. Mit seinen geschätzten 760 Millionen Dollar Vermögen könnte er einen Falcon 7X aus der Portokasse bezahlen. Copeland ist der vermögendste aller TV-Prediger. Seine Kirche ist im Besitz von gleich mehreren Privatflugzeugen.

Auf Copelands Anwesen in der Nähe von Fort Worth in Texas befindet sich nicht nur die Kirche, ein TV-Studio und das sechs Millionen teure Privatanwesen mit Seeanstoss, sondern auch ein eigener Flugplatz. Der kommerzielle Flughafen von Fort Worth befindet sich nur wenige Kilometer entfernt. Copeland scheint sich nicht gerne unters Volk zu mischen.

«Wir sind im Seelenbusiness.»

Kenneth Copeland 

In einem legendären TV-Auftritt verteidigt er zusammen mit Jesse Duplantis den Besitz privater Flugzeuge von Predigern. Nur so würden sie mit Gott kommunizieren können. In «einer langen Röhre eingepfercht mit einem Haufen Dämonen» ginge das nicht. 

Copeland und Duplantis verteidigen den Besitz von Privatflugzeugen

abspielen

Video: YouTube/jeffre2012

Der Republikaner vertritt ausserdem die Meinung, dass Ärzte ihren Patienten Gift verabreichen würden. Die Kirche zu besuchen und zum Glauben zu finden, verspreche daher mehr Heilung.

Ganz ohne fremde finanzielle Hilfe schafft es aber auch Kenneth Copeland nicht. Seine Kirche brauche Geld für Unterhaltsarbeiten am Flughafen und für einen neuen Hangar. Deshalb bat er zu Beginn des Jahres um ein paar Millionen – just an dem Tag, als er seinen neuen Gulfstream V vorstellte.

Bild

Kenneth Copeland betet und dankt Gott für sein neues Flugzeug. bild: Youtube/Kenneth Copeland Ministries

11 Fragen an einen orthodoxen Juden

Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent

Oh shit! 33 Bilder vom Moment, bevor das Desaster eintritt

1 / 50
Oh shit! 48 Bilder vom Moment, bevor das Desaster eintritt
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Donald Trump will im August wieder ins Weisse Haus einziehen

Der Ex-Präsident ist überzeugt, dass im Bundesstaat Arizona der angebliche Wahlbetrug endgültig aufgedeckt wird.

Maggie Haberman ist eine der bekanntesten Politjournalistinnen in den USA. Vor der «New York Times» arbeitete sie für die Boulevard-Zeitung «New York Post». Damals berichtete sie regelmässig über Trump und seinen Clan. Daher gilt sie als eine der am besten informierten Journalisten in Sachen Trump.

Kürzlich hat Haberman folgenden Tweet veröffentlicht: «Trump hat einigen Leuten erzählt, dass er bis August wieder im Präsidenten-Amt sein werde.»

Die gleiche These verbreitet auch Sidney Powell, die …

Artikel lesen
Link zum Artikel