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«Abkommen ohne Zölle»: Kommt es zur Kehrtwende im Handelsstreit zwischen USA und EU?



Im globalen Zollstreit hat US-Finanzminister Steve Mnuchin der EU Gespräche über die künftigen Handelsbeziehungen angeboten. «Wir würden ein Handelsabkommen akzeptieren, frei, ohne Zölle», sagte er am Wochenende beim Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs in Buenos Aires. «Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel.»

Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump noch mit höheren Zöllen auf Autos aus Europa gedroht. Das könnte auch die europäische Automobilindustrie empfindlich treffen. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker reist in der kommenden Woche zu Gesprächen nach Washington. «Wir freuen uns auf ein Angebot», sagte Mnuchin.

U.S. Treasury Secretary Steven Mnuchin speaks at a news conference during a meeting for the G7 Finance and Central Bank Governors in Whistler, British Columbia, on Saturday, June 2, 2018. (Jonathan Hayward/The Canadian Press via AP)

US-Finanzminister Steve Mnuchin ist verhandlungsbereit. Bild: AP/The Canadian Press

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will eine Eskalationsspirale mit immer weiteren Zöllen verhindern und setzt im Handelskonflikt zwischen der EU und den USA auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Gegenmassnahmen der EU gegen neue Strafzölle der USA seien die «mit Abstand schlechtere Lösung», sagte sie zuletzt.

Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der grösste Verlierer im Handelsstreit sein könnte. Letztendlich würde aber die ganze Welt unter einem Zoll-Wettrüsten leiden. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 Prozent oder 430 Milliarden US-Dollar niedriger liegen als bislang erwartet, schätzt der IWF.

Topthema am Gipfel

Die argentinische G20-Präsidentschaft hatte eigentlich die Zukunft der Arbeit und die Verbesserung der Infrastruktur für das Wochenende auf die Agenda gesetzt. Angesichts des Zollstreits zwischen den USA, China und der Europäischen Union drehte sich aber wieder alles um den globalen Handel.

Trump wirft den Europäern vor, den Euro künstlich niedrig zu halten. Dadurch werde der Dollar teurer und die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten beeinträchtigt. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz wies die Anschuldigung zurück: «Die EU betreibt eine sehr rationale Politik. Wir versuchen nicht, über Währungsparitäten wirtschaftliche Vorteile zu erzielen.»

Hunderte Menschen protestieren

Hunderte Menschen protestierten in der argentinischen Hauptstadt gegen das G20-Treffen und den Internationalen Währungsfonds. Der IWF hatte dem südamerikanischen Land zuletzt Finanzhilfen in Höhe von bis zu 50 Milliarden US-Dollar zugesagt. Im Gegenzug verpflichtete sich die Regierung, das Haushaltsdefizit zu senken und die Inflation zu bremsen.

In Argentinien gibt es grosse Vorbehalte gegen den IWF-Kredit, da der Währungsfonds vor allem mit den harten Sparmassnahmen und sozialen Verwerfungen in den 2000er Jahren in Verbindung gebracht wird. «Das Abkommen mit dem IWF bedeutet, dass wir der Diktatur des Marktes ausgeliefert werden», sagte Adolfo Aguirre von der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes (ATE).

Auch Bundesrat Maurer ist dabei

Bei dem G20-Treffen wollten die Finanzminister zudem über die Regulierung von Kryptowährungen beraten. Solche digitalen Währungen wie etwa der Bitcoin könnten für Geldwäsche oder Terrorismus-Finanzierung missbraucht werden, hiess es zuletzt in einer Analyse des IWF.

Auch Bundesrat Ueli Maurer nimmt am G20-Treffen teil. Begleitet wird er unter anderem vom Staatssekretär für internationale Finanzfragen, Jörg Gasser. In Buenos Aires ist zudem Nationalbankpräsident Thomas Jordan anwesend.

Die G20 erwirtschaften 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung und wickeln 75 Prozent des globalen Handels ab. (sda/dpa)

Neue Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China

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Video: srf

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paddiesli 22.07.2018 19:32
    Highlight Highlight Keine Zölle sind genau so schädlich, wie Zölle auf Allem. Aber einfach gestrickte Geister, wie Trump-Land, kennen nur schwarz oder weiss. Von Zusammenhängen Null Ahnung.
    Mnuchin soll besser wieder Filme produzieren gehen.
  • Ichiban 22.07.2018 12:32
    Highlight Highlight Das ziel der usa ist ein freier, offener und ausgeglichener handel. Scheint etwas zu wiedersprechen, denn wie soll bei einem freien handel sichergestellt werden dass er auch ausgeglichen ist? Das ist ja genau der usprung, die usa will mit allen druckmitteln erreichen, dass die handelsbilanzen ausgeglichen sind. Aber das schaffen sie nur mit druck, d. h. Überwachtem handel.
  • dmark 22.07.2018 11:43
    Highlight Highlight Kommt TTIP nun durch die Hintertür?
  • Klaus07 22.07.2018 11:26
    Highlight Highlight „Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel“ Ein freier und offener Handel wäre ja begrüssenswert, nur wie man dann das Handelsdefizit der USA ausgleichen will, ist auch Herrn Mnuchin nicht bekannt. Vor allem glaube ich nicht, das Trump eine Lösung anstreben wird, die zu ungunsten der USA ausfallen würde. Ich kann mir eher vorstellen, dass neue Vorderungen der USA am G20 Gipfel die Situation noch weiter eskalieren lässt.
  • Gawayn 22.07.2018 10:37
    Highlight Highlight Trump führt keine Verhandlungen.
    Er spielt Poker und blufft den Einsatz immer höher rauf.

    Leider knicken alle Anderen ein.
    Damit gewinnt Trumpel und schon wieder sagt man ihm nach, das er einen soo tollen Job macht.
    Vor allem er sich selbst.

    Sorry, aber wenn einer aggressiv angreift, sollte man sich wehren
    Und ja, es gibt auch Schäden sollte es zu einem Handelskrieg kommen.

    Dem Irren aber nachgeben, wird nicht helfen. Abmchungen sind ihm egal.
    Er wird nur zu bald, noch mehr einfordern.

    • rodolofo 23.07.2018 09:53
      Highlight Highlight Gewissen Leuten in der EU kommt Trump mit seiner "knallharten Linie" gerade recht!
      So können sie mit einem "Kompromiss" so tun, als hätten sie erfolgreich Gegenwehr geleistet.
      Dabei wurden in diesem Kompromiss zentrale Anliegen wie die Verteidigung von sozialen- und ökologischen Standards aufgegeben!
      In Wirklichkeit sind also Merkel, Macron und Co. Komplizen von Trump!
      Etwas ganz Ähnliches sehen wir in den Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über den Rahmenvertrag:
      Da tut Cassis auch so, wie wenn er widerwillig die Flankierenden Massnahmen aufweichen würde.
      Dabei WILL er das so!
  • Paddiesli 22.07.2018 10:22
    Highlight Highlight Die nächste 180 Grad Kehrtwende. 😄
  • Astrogator 22.07.2018 10:20
    Highlight Highlight "Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der grösste Verlierer im Handelsstreit sein könnte. " - Fake News, das "stable genius" hat verkündet Handelskriege seien "easy to win"
  • namib 22.07.2018 09:50
    Highlight Highlight Aus Handelssicht und in Bezug auf unser finanzielles Wohlergehen ist das wohl die beste Lösung.
    Andererseits heisst das folgendes: Der Konsument beidseits des Atlantiks kann dann frei entscheiden, ob er einen 3 Tonnen schweren Pick-Up Truck mit 25 Litern Verbrauch fahren will oder einen 1.8 Liter TDI, dessen Abgaswerte manipuliert sind - und das ganz ohne störende Zölle...Zudem werden wir endlich all den schwefligen Schiffsdiesel los, weil der Handel weiter zunimmt😉. Happy days!
  • rodolofo 22.07.2018 09:44
    Highlight Highlight Und wo ist der Haken an einem solchen "Frei"-Handel?
    Wird dann auch US-Gentech-Junkfood frei gehandelt, nach Europa exportiert und von dort importiert werden dürfen?
    In Sachen Deklaration ist die EU ja nicht weit von den Verhältnissen in den USA entfernt:
    https://www.arte.tv/de/videos/050771-000-A/wege-des-fleisches/
    NEIN, einen solchen Freihandel a la "Rire de Bon Coeur" will ich nicht!
    Denn das ist nur die Freiheit für faschistoide Schurken, "Die Arme Sau" einzusperren, zu mästen, nach langem Transport zu schlachten und dann noch als nicht deklariertes Gammelfleisch zu verkaufen...

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