Wow. Allerlei schräges Zeugs auf dem Oldtimermarkt grad jetzt so!
Am ersten Schönwetterwochenende des Frühlings erspäht man sie wieder: die Vintage-Autos. Und die Liebhaberfahrzeuge. Ihr wisst, was gemeint ist: vehikel, die aus Spass gefahren werden.
Und vielleicht ist es der Algorithmus, vielleicht ist es ein Zufall ... oder hey, kommt! Sagen wir doch, dass es einfach die schönsonnigen Frühlingsvibes sind! Jedenfalls sieht man urplötzlich allüberall Online-Annoncen für ordentlich coole Göppel. Und heuer, im April 2026, hat es auffällig viel gehörig schräges Zeugs dabei. Beispiele gefällig? Bitte sehr – hier eine kleine Auswahl.
1986 Tiffany Classic
Ich sagte doch, es hat schräges Zeugs dabei! Und oh ja: Auch etwas, das nicht den gängigen Normen von *gutem Geschmack* oder *Eleganz* entspricht, kann ein cooler Göppel sein. Umso mehr, wenn es sich nicht bloss um einen Fall von «nicht mein Geschmack» handelt, sondern um einen riesigen, fetten Stinkefinger in Richtung all dessen, was von den Stilwächtern unserer Welt gemeinhin als stilvoll angesehen wird. Und nur wenige Autos machten dies mit weniger Reue als jene Hochzeitstorten-auf-Rädern der Manufaktur Tiffany Classic aus Florida.
Hey, untenrum ist das Teil ein 1986er Mercury Cougar. Und unter der Haube sitzt ein hundskommuner Ford-V8. Aber dank des exzentrischen Äusseren hat der Lenker oder die Lenkerin etwas, das einem Mercury Cougar verwehrt bleibt: die Aufmerksamkeit auf sicher.
- Auktion auf hemmings.com mit einem Startgebot von 32'500 Dollar. Noch hat es keine Gebote.
1991 Nissan Figaro
Während der Tiffany Classic auf 1930er-Great-Gatsby-Glamour abzielt (und dabei komplett daneben trifft), macht dieser kleine Japaner einen auf 50s-Design (und reüssiert vollumfänglich). Der Figaro ist nämlich der spielerischste der vier «Pike Cars» von Nissan, die zwischen 1987 und 1991 auf den Markt kamen und als Ursprung des Retro-Future-Trends gelten, der zehn Jahre später Autodesign dominierte.
Er ist klein, er ist herzig und er ist japanisch, … was bedeutet: Er funktioniert. Nur wenige Figaros wurden exportiert, und davon die meisten nach Grossbritannien (es gab ihn nie als Linkslenker), weshalb dieses Exemplar hier eine ziemliche Seltenheit ist.
- Auktion auf Route 66 Auctions – aktuell steht das Höchstgebot bei 3'400 Euro.
1976 Lancia Beta Montecarlo Turbo Gruppo 5
Okay WOW. Ikonischer geht es schlicht NICHT MEHR. Ja, das ist ein echter Lancia Beta Montecarlo Gruppe 5 Prototyp, gefertigt vom Rennstall Dallara Group Srl.
Stell dir vor, so etwas überholt dich auf der Autobahn!
Mind. Blown.
Ob es eine Strassenzulassung hat? Naja, der Vorbesitzer in den USA zumindest hatte eine. Hey – ruf an beim aktuellen Verkäufer, denn der Göppel steht hier in der Schweiz!
- Preis auf Anfrage bei Zwischengas.com.
1976 Chevrolet Malibu Wagon
Hier etwas, das im Vergleich geradezu vernünftig ist: ein guter alter Station Wagon – «Kombi», im hiesigen Sprachgebrauch.
Nein, du brauchst keinen SUV «weil er drinnen viel Platz hat», (überhaupt haben SUVs gar nicht so viel Platz drinnen, imfall ... aber das ist ein anderes Thema), du brauchst einen alten Normcore-Kombi aus Detroit! Und dieses Exemplar hier ist alles, was man sich wünschen kann: Es hat den unverwüstlichen 350er-Chevy-Small-Block-Motor, vorn eine Sitzbank, eine schön weiche Federung und Platz für sage und schreibe acht Passagiere, ...
... von denen zwei durch die Heckscheibe winken können.
- 22'500 Franken auf Autoscout24.
1973 Ginetta G15
Nein, dies ist kein Lotus. Aber vom Prinzip her nicht unähnlich. Ein Prinzip nämlich, das lautet: Federgewicht = flinkes Kurvenverhalten. Der G15 aus der Rennwagenschmiede Ginetta ist britische Leichtigkeit in ihrer reinsten Form. Gewiss, der 995-ccm-Vierzylinder hat gerade mal 80 PS – aber das Sportwägeli wiegt ja nur 550 kg.
Um es mit den weisen Worten von Jay Leno zu sagen: «It's more fun to use all of the horsepower all of the time» – es macht mehr Spass, die gesamte PS-Leistung jederzeit auszuschöpfen.
- 29'000 Franken auf Zwischengas.com.
1965 TVR Griffith 200
Okay, du willst vielleicht trotzdem ein paar mehr PS? Vielleicht um die 200 mehr? Und das trotzdem bei knapp 900 kg Gewicht? Geht klar! Der TVR Griffith ist die vielleicht extremste Ausführung des Carroll-Shelby-Prinzips «wir nehmen einen leichtgewichtigen britischen Sportwagen und stopfen einen PS-starken amerikanischen V8 hinein»: Wie beim AC Cobra und beim Sunbeam Tiger steckt auch hier ein Ford-V8 unter der Motorhaube.
Das Ergebnis ist eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 3,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von über 240 km/h, ... wenn man mutig genug ist. Und weiss, wie damit umzugehen. Nur so viel: Dank der Kombo von hoher Leistung, geringem Gewicht und kurzem Radstand hatte der Griffith stets den Ruf eines «schrecklich tollen Autos».
- 120'000 Franken bei Lutziger Classic Cars.
2018 BAC Mono W
Okay, du willst noch mehr Leistung? Bei noch geringerem Gewicht? Aber dabei nicht sterben müssen? Dann hätten wir hier den Endboss.
Es sieht nicht nur so aus, nein, das Teil ist tatsächlich gewissermassen ein Formel-1-Rennwagen ... mit Strassenzulassung. The Briggs Automotive Company ist einer jener britischen Kleinstmanufakturen, die jahrzehntelang Hightech-Komponenten für Formel-1-Teams und deutsche Luxusautomarken entwickelten … und dann beschlossen: Hey, lasst uns doch mal etwas Spass haben. Und da der Mono nur 580 kg wiegt und ein Leistungsgewicht von 525 PS pro Tonne aufweist, ist Spass in der Tat garantiert. «Apokalyptisch schnell» – so beschrieb ihn das Automagazin «Pistonheads».
- 85'000 Pfund bei The Market.
1959 2-Takt-Thunderbird
Okay, ein Ford Thunderbird ist das nicht (obwohl das amerikanische Designvorbild zweifellos Pate stand); einen Zweitaktmotor hat das Teil aber sehr wohl. Hier handelt es sich nämlich um ein Auto Union 1000 SP aus dem Jahr 1959.
Nur 5000 Stück dieses Autos wurden von 1958 bis 1965 gebaut. Angetrieben wird es von einem 981-cm3-Zweitakt-3-Zylinder – typischer Zweitakt-Soundtrack inbegriffen.
- Ja – genau dieses Auto stand bereits vor zwei Jahren zum Verkauf. Aktuell ist der Preis gar niedriger als damals. Hier geht's zur Auktion auf The Market. Aktuell steht das Höchstgebot bei 3000 Pfund.
1973 Volvo P1800 ES
Der Schneewittchensarg. Diskussion überflüssig. Coolness auf Rädern. Und zudem noch praktisch!
Dieses Exemplar weist eine gewisse Patina auf – und, hey, wenn du aufs Ganze gehen und eine Concours-Renovation machen möchtest, kannst du das natürlich tun. Was du aber auch tun könntest: es zu einem sehr fairen Preis kaufen und es von Tag eins an einfach. Nur. Geniessen.
- 13'500 Pfund bei The Market.
BONUS: Das grösste Trike der Welt – auf Basis eines Schweizer LKW
Im Winter 2002/2003 verwandelte die Baselländer Guggenmusik Guggä Rugger Buus einen 1973er Berna-Laster (Modell 5 VF D 2 KT) in ihr neuestes Fasnachtsprojekt. Was als gewohnt aufwändiger Umzugswagen begann, wurde zum offiziell beglaubigten grössten jemals gebauten Trike der Welt. Und dieses steht nun zum Verkauf. Im Lieferumfang enthalten ist das Zertifikat des «Guinness Book of Records» von 2005.
- 20'000 Franken auf Zwischengas.com. Verhandelbar.
«Come on: Haggle!»
