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Christian Amsler, Karin Keller-Sutter und Hans Wicki beim ersten Roadshow-Auftritt in Muttenz.
Christian Amsler, Karin Keller-Sutter und Hans Wicki beim ersten Roadshow-Auftritt in Muttenz.
Bild: KEYSTONE
Analyse

FDP-Roadshow: Nur beim UNO-Migrationspakt war man sich nicht einig

Der zweite gemeinsame Auftritt der FDP-Bundesratskandidaten in Winterthur brachte kaum neue Erkenntnisse. Immerhin konnte sich Aussenseiter Christian Amsler mit einem prägnanten Auftritt empfehlen.
13.11.2018, 13:4614.11.2018, 00:14

Die FDP demonstriert Volksnähe und schickt ihre drei Kandidierenden für den Bundesrat auf eine Roadshow. Letztes Jahr führte sie dieses Format erstmals durch, doch richtig zündend waren die drei Auftritte nicht. Nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Karin Keller-Sutter, Hans Wicki und Christian Amsler liessen sich auch beim zweiten Auftritt am Montag in Winterthur nicht auf die Äste hinaus.

Der Andrang hielt sich wie in der Vorwoche in Muttenz BL in Grenzen. Vermutlich lag dies auch daran, dass keine richtige Spannung aufkommen mag: Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter war von Anfang an die klare Favoritin, und daran hat sich bislang nichts geändert. Das interne Prüfungsverfahren hat die St.Gallerin wie ihre beiden Mitbewerber problemlos überstanden.

Schneider-Ammann goes YouTube

Video: watson

Folglich hätten Amsler und Wicki allen Grund für einen angriffigen Auftritt in Winterthur gehabt. Wer darauf gehofft hatte, wurde jedoch enttäuscht, obwohl NZZ-Redaktor Daniel Fritzsche als Moderator durchaus bemüht war, die beiden Männer aus der Reserve zu locken. Doch keiner wollte den «Ladykiller» spielen, der die erste FDP-Bundesrätin seit 30 Jahren verhindert.

Das Trio im Check

Der Schaffhauser Erziehungsdirektor Christian Amsler ist im Trio der Aussenseiter. Ihm fehlt im Gegensatz zu Keller-Sutter und Wicki die Vernetzung in Bern. Diesen Nachteil kompensierte der 54-Jährige in Winterthur mit einem engagierten Auftritt in eigener Sache. So hob er den «intensivsten» Austausch mit dem Nachbarn Deutschland hervor, mit dem Schaffhausen eine wesentlich längere Grenze (es sind 150 Kilometer) teilt als mit dem Rest der Schweiz.

Karin Keller-Sutter hingegen bestätigte ihren Ruf als «Kontrollfreak», der keine Fehler machen will. Erst gegen Ende wagte sie sich aus der Reserve, als ein Zuschauer mit Verweis auf die Selbstbestimmungs-Initiative die Nichtumsetzung von Volksinitiativen beklagte. «Verträge, die durch ein Referendum gingen, werden durch die Initiative nicht erfasst», konterte Keller-Sutter mit Verweis auf das Freizügigkeitsabkommen und die Masseneinwanderungs-Initiative.

Hans Wicki bekräftigte ebenfalls sein Nein zur SVP-Initiative. Ansonsten blieb der Nidwaldner Ständerat blass. Mehrfach hob er jenen Punkt hervor, in dem er sich von den beiden Mitbewerbern unterscheidet. Als ehemaliger Geschäftsführer eines weltweit tätigen Elektrotechnik-Unternehmens besitzt Wicki Führungserfahrung in der Privatwirtschaft.

Christian Amsler will dem UNO-Migrationspakt zustimmen, Hans Wicki lehnt ihn ab.
Christian Amsler will dem UNO-Migrationspakt zustimmen, Hans Wicki lehnt ihn ab.
Bild: KEYSTONE

Nur bei einem Thema traten in der ziemlich flauen Debatte klare Differenzen zu Tage: Bei der Frage, ob die Schweiz dem UNO-Migrationspakt zustimmen soll, der die Gemüter derzeit ziemlich erregt. Amsler outete sich als Befürworter («ich will nicht in einer Reihe stehen mit Orban und Trump»), während Wicki eine Unterzeichnung des «Schönwetter- und Schöngeistkonzepts» ablehnt.

Keller-Sutter vermied auch bei diesem Reizthema einen klaren Positionsbezug. Die Debatte im Ständerat findet am 29. November statt, kurz vor der Bundesratswahl. Sie habe «gewisse Fragen» zum Pakt, meinte die St.Gallerin. Es ist aber anzunehmen, dass Keller-Sutter ihrem Partei- und vermutlich künftigen Bundesratskollegen Ignazio Cassis kaum in den Rücken fallen wird.

watson hat im Anschluss allen drei Kandidaten die gleiche Frage gestellt:

«Wie wollen Sie im Bundesrat das zunehmende Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und internationaler Vernetzung der Schweiz angehen?»

Christian Amsler:

«Es ist matchentscheidend, dass wir uns auf allen Ebenen auf eine stringente, gute Aussenpolitik verständigen. Ich bin an der Grenze tätig und anerkenne gerade mit Blick auf die Jugend, dass wir international zusammenarbeiten und unsere humanitäre Tradition einbringen müssen. Man muss aber auch klar vorgeben, was Sache ist. Wer zu uns kommt, mit dem muss man Klartext reden.»

Karin Keller-Sutter:

«Internationale Entwicklungen beeinflussen zunehmend die Innenpolitik. Beispiele sind Geldwäscherei oder der internationale Austausch von Bankdaten. Die Schweiz muss versuchen, in den Verhandlungen eine möglichst souveräne Lösung zu erreichen. Das ist nicht immer einfach, denn manchmal ist der Druck grösser und man kommt auf eine schwarze Liste. Als Faustregel gilt für mich, dass wir international verhandeln, aber uns politisch so wenig wie möglich binden sollten.»

Hans Wicki:

«Das ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich stellt sie sich seit 50 oder sogar 100 Jahren, auch wenn das Internationale heute vielleicht eine grössere Rolle spielt. Abschotten ist absolut der falsche Weg, wir müssen offen bleiben, aber wir dürfen nicht so offen sein, dass die Gegenseite das Gefühl bekommt, sie könne von uns alles haben. Das muss nicht nur der Bundesrat wissen, sondern auch das Parlament. Es sollte vielleicht aufhören, in der Öffentlichkeit über Verhandlungsgegenstände zu diskutieren, auch wenn dies lustig sein mag und die Medien es gerne hören. Das verleiht uns in Verhandlungen schlechte Karten.»

Und das Fazit?

Christian Amsler hat seine Aussenseiter-Chance in Winterthur gut genutzt. Trotzdem bleibt es fraglich, ob die Bundeshausfraktion den Schaffhauser am Freitag auf das FDP-Ticket für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann setzen wird – ausser sie entscheidet so mutlos wie vor einem Jahr und schlägt alle drei Kandidierenden zur Wahl am 5. Dezember vor. Karin Keller-Sutter ist ohnehin gesetzt, und Hans Wicki kann mit seiner Berner Vernetzung und seiner Wirtschaftserfahrung punkten.

Zuvor findet am Mittwoch der dritte und letzte Roadshow-Auftritt in Yverdon statt. Dann wird Wicki mit seinem holprigen Französisch gefordert sein («wenn man eine Sprache 20 Jahre nicht braucht, verliert man das eine oder andere Wörtchen»). Die gelernte Dolmetscherin Keller-Sutter kann dagegen eine Art Heimspiel absolvieren, und auch Amsler beherrscht die zweite Landessprache passabel.

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