Bundesrat
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Karin Keller-Sutter, Staenderatspraesidentin, an der Appenzeller Landsgemeinde, vom Sonntag, 29. April 2018, in Appenzell. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Heute hat Ständerätin Karin Keller-Sutter ihre Karten auf den Tisch gelegt. Bild: KEYSTONE

Nur Machtspielchen können Keller-Sutter noch stoppen

FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter hat heute bekannt gegeben, dass sie für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann kandidieren will. Ihre Favoritenrolle ist solider denn je.



Die Bedenkzeit ist vorbei: Genau zwei Wochen nach der Rücktrittserklärung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann gibt die St.Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter bekannt, dass sie für die Nachfolge kandidieren will.

Keller-Sutter hatte bereits 2010 kandidiert, aber gegen Schneider-Ammann verloren. Heute sind ihre Chancen wesentlich grösser. Als St.Galler Regierungsrätin war Keller-Sutter damals in Bern wenig bekannt. Das hat sich seit ihrer Wahl in den Ständerat 2011 gründlich geändert. In diesem Jahr hat sie die kleine Kammer präsidiert. Gleichzeitig konnte sie ihr Image der rechtsbürgerlichen Hardlinerin aufweichen. Selbst Linke bezeichnen sie heute als wählbar.

Druck in der Frauenfrage

Wer folgt auf Bundesrat Schneider-Ammann?

Seit Jahren gilt Karin Keller-Sutter als Kronfavoritin für die Nachfolge von Schneider-Ammann. Er selbst soll sie als Wunschkandidatin bezeichnet haben. In den letzten zwei Wochen sind ihre Chancen weiter gestiegen. Das betrifft etwa die Frauenfrage: Die FDP Schweiz steht unter grossem Druck, 30 Jahre nach dem Rücktritt von Elisabeth Kopp endlich wieder eine Frau in den Bundesrat zu entsenden.

Das Feld der potenziellen Kandidatinnen ist jedoch geschrumpft. Erst nahm sich Parteipräsidentin Petra Gössi – die wohl gefährlichste Rivalin von Keller-Sutter – selbst aus dem Rennen. Dann sagten die Nationalrätinnen Christa Markwalder (BE) und Daniela Schneeberger (BL) ab. Auch die freisinnigen Regierungsrätinnen wollen nicht nach Bern wechseln.

FDP-Frauen-Präsidentin Doris Fiala, die mit ihren 61 Jahren nicht kandidieren will, fragte gemäss der Sonntagspresse alle Regierungsrätinnen an, erhielt jedoch nur Absagen oder gar keine Antwort. Die Zürcher Nationalrätin Regine Sauter will sich eine Kandidatur überlegen. Sie ist jedoch erst seit drei Jahren in Bern und verfügt über keine Exekutiverfahrung.

Petra Gössi über ein reines Frauenticket

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Video: watson/Christoph Bernet

Doris Fialas Traum von einem reinen Frauenticket droht deshalb ein frühes Ende. Was auch mit der herausragenden Favoritenrolle von Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter zusammenhängt, wie Fiala gegenüber dem «Sonntagsblick» einräumte: «Sie überstrahlt alles.» Falls sie die interne Prüfung übersteht, dürfte sie am 16. November von der FDP-Fraktion auch nominiert werden.

Wenig regionale Konkurrenz

Der Faktor Region spricht ebenfalls für Keller-Sutter. Der Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni will aus Rücksicht auf seine junge Familie nicht kandidieren. Andere aussichtsreiche Anwärter aus dem östlichen Landesteil sind rar. Spekuliert wird über eine mögliche Kandidatur des St.Galler CVP-Regierungsrats Benedikt Würth.

Womit wir beim einzigen Faktor wären, der Keller-Sutter gefährlich werden kann: Machtspielchen im Bundeshaus. So wird die Nachfolge von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard am 5. Dezember zuerst geregelt. Falls die Bundesversammlung eine Frau oder eine Person aus der Ostschweiz wählt, könnte Karin Keller-Sutter auf der Zielgeraden noch ins Stolpern geraten.

Warum nicht ein Einerticket?

Ein Risikofaktor bleibt der meistgenannte männliche Herausforderer in der FDP, der Bündner Ständerat Martin Schmid. Er ist ausserhalb seines Kantons wenig bekannt, gilt in Bundesbern aber als einflussreich und gut vernetzt. In der SVP geniesst er einige Sympathien, und selbst in der FDP gibt es gemäss der «SonntagsZeitung» Überlegungen, Schmid statt Keller-Sutter zu wählen.

Solche Machtspielchen gab es bei Bundesratswahlen in der Vergangenheit immer wieder. Manchmal hatten sie Erfolg, etwa bei der spektakulären Abwahl von Christoph Blocher 2007. In der Regel allerdings finden sie in den Medien statt, die sich gerne auf solche Luftnummern einlassen. Faktisch findet man in den meisten Fällen dafür keine Mehrheit im Parlament.

Und wenn die FDP wirklich voll auf die Frauenkarte setzen will, bleibt ihr eine Option: Sie nominiert Karin Keller-Sutter als einzige offizielle Bewerberin. Einerkandidaturen waren früher die Regel. Erst seit den 1980er Jahren haben sich «Auswahlsendungen» etabliert, und noch 2006 stellte die CVP Doris Leuthard als einzige Kandidatin für die Nachfolge von Joseph Deiss auf. 

Die Medienkonferenz von Karin Keller-Sutter in Wil SG findet um 15 Uhr statt. watson berichtet live.

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36
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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Effersone 10.10.2018 17:55
    Highlight Highlight Nach dem Artikel muss ich leider feststellen, das Hauptargument für Sie scheint ihr Geschlecht zu sein, schade.

    „Falls die Bundesversammlung eine Frau oder eine Person aus der Ostschweiz wählt....“

    Eine Frau, oder eine Person... Ernsthaft?
  • mogad 10.10.2018 10:14
    Highlight Highlight Ich staune mit welch intelligenten Bemerkungen die mutmasslich männlichen Kommentatoren hier ihren Vorbehalten gegenüber Frauen in hohen öffentlichen Aemtern Ausdruck verleihen.
  • themachine 09.10.2018 14:34
    Highlight Highlight Mit ihrem Verwaltungsratsmandat bei der Bâloise AG passt sie jedenfalls schon mal hervorragend zum Kranken-Cassis...😒
  • kafifertig 09.10.2018 14:11
    Highlight Highlight Keller-Suter wird nicht Bundesrätin werden.
    Die linke Allianz wird sie verhindern, weil für sie Keller-Suter zuviel Rechtsdrall hat.
    • Fulehung1950 09.10.2018 16:40
      Highlight Highlight Man kann immer noch hoffen
    • Roterriese 10.10.2018 06:30
      Highlight Highlight Welche linke Allianz? Die SP und Grünen die Zusammen auf 67 Sitze von total 246 kommen?
    • kafifertig 10.10.2018 08:53
      Highlight Highlight @roterriese
      Sie vergessen die CVP und Teile der FDP.
  • Salvador Al Daliente 09.10.2018 14:07
    Highlight Highlight Vielleicht, nur vielleicht, ist Karin Keller-Sutter nach Johann Schneider-Ammann etwas zu viel Porno?
    • rodolofo 10.10.2018 06:27
      Highlight Highlight Hahahaa!
      Das war jetzt aber "Rire de mal coeur"!
      Der Sex Appeal von Schneider-Amann war und ist tatsächlich minimal.
      Das muss man ganz sachlich feststellen.
      Nicht einmal das Schweinchen an der OLMA wollte von ihm gehalten werden.
      Wie ist es mit Junker?
      Hat wenigstens Junker unseren JSA einmal geküsst?
  • dan2016 09.10.2018 14:05
    Highlight Highlight was mich immer starker irritiert (im Allgemeinen und bei Watson im Speziellen). Wahlen sind Zeichen von Demokratie, nicht von Machtspielchen. Dies ist bei der SP im Aargau genauso der Fall wie bei den Bundesratswahlen. Und wenn die Medien nicht auf den Wahltermin warten können, um die neue/den neuen Bundesrätin/Bundesrat zu verkünden, dann müssen Sie halt mehr über Trump berichten.
  • B. Bakker 09.10.2018 13:19
    Highlight Highlight Für mich ist die Dame unwählbar als Bundesrat. 🤷🏼‍♂️
    • Waldorf 09.10.2018 14:27
      Highlight Highlight Wusste nicht dass du im Bundesrat bist. Congrats!
    • nukular 09.10.2018 15:42
      Highlight Highlight Begründung?
    • Fulehung1950 09.10.2018 16:43
      Highlight Highlight Nukular: wir haben schon zwei SVPler, wir brauchen nicht noch eine Dritte, die sich mit dem Mäntelchen „FDP.die Liberalen“ tarnt, in Wahrheit aber den linken Flügel der SVP vertritt. So einfach ist das.

      Ihre Nähe zur Bâloise Versicherung macht sich zudem als Lobby-Abhängige verdächtig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • OLAF der I. aka Gàn 09.10.2018 12:48
    Highlight Highlight JSA war vielleicht eine Schlaftablette, aber er war für einen Liberalen noch eher der alte „Patron“. KKS ist eine neoliberale Tatcher-Verehrerin. Sie wird das „Unrentalble“, also Wohlfahrt, Service Public, Bildung weiter abbauen und helfen Geld umzuverteilen. Und zwar von unten nach oben.
    • H. L. 09.10.2018 13:55
      Highlight Highlight Nicht zu vergessen, dass sie wohl alle Anstrengungen zugunsten Natur- und Umweltschutz strikt ablehnen wird.
    • Hayek1902 10.10.2018 00:11
      Highlight Highlight Und wo ist jetzt das Negative?
    • rodolofo 10.10.2018 06:34
      Highlight Highlight Bei Keller-Sutter habe ich einfach ein gutes GEFÜHL!
      Sie wirkt auf mich authentisch und integer, im Gegensatz zur FDP-Präsidentin Gössi, die ihr "Innerschweizer Mädchenlachen a la Francine Jordi" geschickt einsetzt, damit wir sie unterschätzen und nicht merken wie knallhart Rechtsbürgerlich und Ultra-Liberal sie eigentlich ist!
      Ich halte Keller-Sutter für fähig, im Bundesrat eine Rolle einzunehmen, welche über den Partei-Interessen steht, ähnlich einer Schiedsrichterin.
      Als Ständerätin soll sie das ja bereits eindrücklich bewiesen haben.
      Aber wie gesagt: Das ist mehr so ein Gefühl...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nelson Muntz 09.10.2018 12:41
    Highlight Highlight Die Stadt Wil und der Kanton SG können dann wieder mit Betonblöcken Strassensperren errichten und mit Helikoptern kreisen.
    • rodolofo 10.10.2018 06:38
      Highlight Highlight Wil war doch nur die "Krabbelgruppe" in der langen Laufbahn von Keller-Sutter!
      Da werfen die PolitikerInnen noch mit Bauklötzchen um sich, und dann gibt es immer wieder viel Geschrei und Aufregung.
  • N. Y. P. 09.10.2018 12:39
    Highlight Highlight Allein diese Tatsache (eigene Medienkonferenz) deutet stark darauf hin, dass die 54-Jährige antreten wird.

    Da bin ich mal anderer Meinung. Wieso sollte sie so ein Brimborium machen für eine Zusage ?

    Mein Tipp : Sie steht nicht zur Verfügung.

    Leider will die FDP noch einen Mann aufstellen. Deshalb ihr Nein. Aber offiziell wird sie andere Gründe bringen.

    Schaun mer mal..
  • Theor 09.10.2018 12:31
    Highlight Highlight Bin ich der einzige, der es schrecklich findet, wenn er bei den Artikeln zur Wahl auf das höchste Schweizer Amt immer wieder über die Argumente "XY gilt als gut vernetzt und in Bern einflussreich" stolpere?

    Als Bürger würde mir wünschen, dass einer ins Amt kommt, der perfekt für den Job geeignet ist, die Demokratie im Herzen trägt und die Gewaltenteilung anerkennt und verteidigt. Aber so scheint es, als würden Ränkelspielchen und persönliche "Handwäschereien" die Wahl entscheiden. Das Parlamentsgebäude in Bern wird zum zwielichtigen Ort nicht für Volksvertreter, sondern für Ränkeschmieder.
    • goldmandli 09.10.2018 14:06
      Highlight Highlight Das kommt dabei raus, wenn der Bundesrat vom Parlament gewählt wird. Ie Parteien wollen nicht auf den Einfluss verzichten, also wird strategisiert statt den besten Kandidaten aufzustellen. Vor dem Volk würde KKs kaum gewählt werden.
    • dan2016 09.10.2018 14:08
      Highlight Highlight nun, die Wahlbehörde ist weder Watson noch andere Medien. Sondern das Parlament, und es ist durchaus legitim und nicht per se verwerflich, wenn jemand in Bern einflussreich und gut vernetzt ist.
      Und ich wähle typischerweise auch in meiner Gemeinde lieber Leute, von denen ich weiss, dass sie auch einfluss nehmen können.
    • E7#9 09.10.2018 14:15
      Highlight Highlight Da sprichst du einen heiklen Punkt an. Zum einen sollten Politiker unabhängig sein, zum anderen gehört eine Art „Lobbyismus“ zu unserem System aus Milizpolitiker. Jeder vertritt gewisse Gruppen und verteidigt deren Interessen. Aber eine grössere Transparenz hinsichtlich dieser Thematik wäre sicher wünschenswert, geschweige denn bei Geldfluss zum Zweck von Wahlkampffinanzierung, Parteifinanzierung oder Finanzierung von Initiativen/Referenden.
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