DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

400-Seelen-Dorf Kaiserstuhl: Wo die Durchsetzungs-Initiative so gut wie abgelehnt ist

In Kaiserstuhl hat die Durchsetzungsinitiative der SVP geringe Chancen. Diesen Schluss lässt der Blick auf vergangene Abstimmungen zu. Das Städtchen ist ein Spezialfall.
23.02.2016, 19:35
Andreas Fretz / az Aargauer Zeitung
Der Blick über die Grenze gehört in Kaiserstuhl zum Alltag.<br data-editable="remove">
Der Blick über die Grenze gehört in Kaiserstuhl zum Alltag.
Bild: Zvg gemeindeverwaltung

Zehn Autokilometer sind es von Böbikon – wo die Durchsetzungs-Initiative so gut wie angenommen ist – nach Kaiserstuhl. Wer die kurze Reise unter die Räder nimmt, landet punkto «Haltung zu restriktiver Ausländerpolitik» in einer komplett anderen Welt.

Bei der Ausschaffungsinitiative 2010 wies Kaiserstuhl den zweithöchsten Nein-Anteil im Kanton aus (64 Prozent). Gegen die Masseneinwanderungsinitiative 2014 stimmten 59.5 Prozent – Rang vier im Aargau. Die 400-Seelen-Gemeinde befindet sich damit in der Gesellschaft von linksregierten Städten wie Baden oder Aarau.

Nach Zürich ausgerichtet

Wie erklärt sich Stadtammann Ruedi Weiss diese ausländerfreundliche Haltung? «Die Kaiserstuhler orientieren sich stark Richtung Zürich. Die Zusammensetzung unserer Bevölkerung ist städtisch geprägt, obwohl der Ort an und für sich ländlich ist.» Weiss selbst passt perfekt in dieses Bild: Bevor er 2012 nach Kaiserstuhl zog, lebte er 60 Jahre in der Stadt Zürich.

Wer in Kaiserstuhl lebt, arbeitet häufig in Zürich, geht dort in den Ausgang oder zum Einkaufen. «Die Menschen hier ticken urban», schrieb auch der Tages-Anzeiger und bezeichnete die Bewohner in einem Artikel als «Aargauer mit städtischem Selbstbewusstsein». Oft würden sie ganz anders abstimmen als in der übrigen Region oder im Kanton.

Linke, Künstler, Schauspieler

Der Charme des Städtchens am Rhein zieht eine spezielle Klientel an. «Die ist eher links», sagt Weiss und macht darauf aufmerksam, dass in Kaiserstuhl viele Künstler und Kunsthandwerker leben und lebten. Auch Schauspieler und Moderator Dietmar Schönherr, seine Frau, die Schauspielerin und Sängerin Vivi Bach oder Fernsehmann Dieter Moor wohnten einst in Kaiserstuhl.

«Die Kaiserstuhler orientieren sich stark Richtung Zürich. Die Zusammensetzung unserer Bevölkerung ist städtisch geprägt, obwohl der Ort an und für sich ländlich ist.»
Stadtammann Ruedi Weiss

Mit 34 Prozent ist der Ausländeranteil im Städtchen verhältnismässig hoch. Weiss erklärt, was zahlreiche Studien belegen: «Wer in Kontakt mit fremden Kulturen kommt, verliert die Berührungsängste und vermag auch die positiven Seiten zu erkennen.» Weiss freut sich über so viel Offenheit. Denn diese sei eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben in Kaiserstuhl.

Wie gedenkst du, bei der Durchsetzungs-Initiative abzustimmen?

Grenze gehört zum Alltag

Jetzt auf

Der Blick über die Grenze gehört in der flächenmässig kleinsten Gemeinde des Aargaus zum Alltag. Die Beziehungen zur deutschen Anrainergemeinde Hohentengen sind eng. Einige Bürger besitzen Wald oder Land in Deutschland. Die links-liberale Haltung spiegelt sich in den Abstimmungsresultaten.

Vor dem Urnengang zur Durchsetzungsinitiative hat sich niemand im Städtchen exponiert, politische Parteien, die für die eine oder andere Seite Stimmung machen, gibt es keine. Eine Prognose will Stadtammann Ruedi Weiss nicht abgeben. «Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir sie ablehnen werden», sagt er. (aargauerzeitung.ch)

[pbl, 16.02.2016] Durchsetzungs-Initiative

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Strafbefehl gegen SVP-Nationalrat Glarner wegen übler Nachrede

In einem jahrelangen Rechtsstreit mit einem Kontrahenten hat die Staatsanwaltschaft den Aargauer SVP-Nationalrat und -Kantonalpräsidenten Andreas Glarner in einem Strafbefehl mit einer Busse und einer bedingten Geldstrafe sanktioniert. Glarner habe sich der üblen Nachrede schuldig gemacht. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Er habe sich noch nicht entschieden, ob er Einsprache einlege und den Fall weiterziehe, sagte Glarner am Donnerstag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu einem …

Artikel lesen
Link zum Artikel