DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Auch Staatsanwalt fordert nun Freispruch für die Schlieremer «Prügel-Polizisten»

Im Fall der Schlieremer Polizisten, die einen IV-Rentner verprügelt haben sollen, fordert nun auch der Staatsanwaltschaft einen Freispruch. Nachdem die Bundesrichter das Zürcher Obergericht zurückgepfiffen hatten, muss dieses heute neu urteilen.



Fünf Jahre, nachdem zwei Schlieremer Stadtpolizisten einen IV-Rentner in dessen Schrebergarten verprügelt haben sollen, muss heute das Zürcher Obergericht zum zweiten Mal über den speziellen Fall urteilen. 

Bild

In diesem Schrebergarten im Schlieremer Stadtteil Ifang sollen zwei Stadtpolizisten den Schrebergarten-Pächter körperlich misshandelt haben. bild: Florian Niedermann

Das Bundesgericht in Lausanne hatte den Fall im März dieses Jahres zur Neubeurteilung ans Zürcher Obergericht zurückgewiesen, unter anderem weil dieses «völlig abwegige Schlüsse» gezogen habe.

Über 40 Personen drängten sich heute Morgen in den Grossen Gerichtssaal. Nur von den beiden beschuldigten Ex-Polizisten war einer dispensiert – jener, der sich schon vor der Verurteilung durch das Bezirksgericht beruflich neu orientiert hatte.

Sein Kollege aber hat seine Polizisten-Stelle verloren und seither keine neue Erwerbstätigkeit mehr gefunden. Einen massiven Karriereschaden habe er erlitten, erklärte nun heute Morgen sein Anwalt Valentin Landmann. Auch private Sicherheitsfirmen hatten die Bewerbungen des Ex-Polizisten immer wieder abgelehnt. 

Zudem war er auf psychiatrische Hilfe angewiesen. «Ich will mein Leben wieder haben», habe er nun gestern Abend in einem SMS an Landmann geschrieben. Auch die Familie habe unter dem Fall und seinen Auswirkungen gelitten. «Sie waren nicht auf die Bombe vorbereitet, die der Kläger zündete», so Landmann.

Die Vorgeschichte

Im Dezember 2013 hatte das Bezirksgericht Dietikon die beiden Schlieremer Stadtpolizisten wegen Nötigung, Freiheitsberaubung, Amtsmissbrauch, Hausfriedensbruch und Körperverletzung zu bedingten Freiheitsstrafen von 16 Monaten und je 500 Franken Busse verurteilt. Da sich die Polizisten gegen das Urteil wehrten, kam der Fall vor Zürcher Obergericht, wo die Polizisten nur noch wegen Hausfriedensbruch, Amtsmissbrauch und Körperverletzung zu Geldstrafen von insgesamt 16'200 Franken respektive 35'100 Franken verurteilt wurden. Nun muss das Obergericht ein neues Urteil aussprechen.

Neben einer Genugtuung von mindestens 20'000 Franken forderte Anwalt Landmann einen Schadenersatz von über 120'000 Franken, darin enthalten sind die hohen Verteidigungskosten, welche der Verband Schweizerische Polizeibeamte dem Angeklagten bevorschusst hat.

Kritik an der Justiz

Weiter kritisierte Anwalt Valentin Landmann auch die Justiz. Die Techniken des IV-Rente beziehenden Klägers hätten «erschreckenden Erfolg» gezeitigt. «Er konnte auf einen praktisch uferlosen Vertrauenskredit zählen», so Landmann. Der Justizapparat habe dem Kläger eine Schützenhilfe geleistet, die sprachlos mache.

Weiter kritisierte er den Hausarzt, der nach dem Vorfall im Schrebergarten die Verletzungen des IV-Rentners untersuchte. Dabei berief er sich auch auf die Expertise des Rechtsmediziners Ulrich Zollinger. Dessen Gutachten zeige, dass die vom Kläger mitgelieferte Geschichte nicht zu seinen Verletzungen passen könne.

Der Kläger forderte vom Gericht, dass es mit dem Urteil noch zuwarte, bis weitere medizinische Abklärungen fertig seien. So werde er in gut zwei Wochen per MRI untersucht, um herauszufinden, woher sein Tinnitus und sein Kopfweh komme – seiner Meinung nach kommt sie von der angeblichen Prügeli vor fünf Jahren. Es gebe derzeit den Verdacht auf eine Hirnschwellung. Weiter forderte der Kläger die Einvernahme einer weiteren Zeugin.

Der Leitende Staatsanwalt Hans Maurer forderte in seinem Plädoyer einen Freispruch der beiden Polizisten, dies ganz gemäss dem Bundesgerichtsurteil, welches den Schuldspruch von Bezirksgericht und Obergericht diesen März stark gerügt hatte.

Der Staatsanwalt rief zudem gleich in Erinnerung, weshalb die Staatsanwaltschaft keinen Fehler machte, als sie die beiden Polizisten anklagte: Die Anklageerhebung würde sich nämlich aufdrängen, wenn sich die Anzeichen für Schuld und Unschuld in etwa die Waage halten. Dies sei hier der Fall gewesen.

Er bedaure es aber, dass der Geschädigte drei Monate mit seiner Anzeige gewartet habe und das Bezirksgericht den Fall über zwei Jahre später verhandelte. «Doch das tut jetzt nichts mehr zur Sache», so der Staatsanwalt. Nach der Verhandlung heute Morgen folgt nun am Nachmittag das Urteil. Angesichts des Bundesgerichtsurteils und der staatsanwaltschaftlichen Forderung nach einem Freispruch ist damit zu rechnen, dass es in der Tat zu einem Freispruch kommt.

(aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Kurzfristige Lieferverzögerung bei Astrazeneca

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kanton Zürich und das Demo-Verbot: Druck auf Mario Fehr und Co. steigt

In Zürich ist wieder ein Streit über Demo-Verbote aufgekommen. Linke werfen dem Kanton Verfassungsbruch vor. Sogar die SVP ärgert sich über Einschränkungen.

Man könnte meinen, es gehe nur um Linkslinke gegen den Rest. Beim Streit zwischen der Stadt Zürich mit seinem Kanton geht es aber mehr: um Grundrechte und die Frage, wer sie wie weit einschränken darf. Und vor allem warum.

Alles nahm seinen Lauf am vergangenen Wochenende.

Wir erinnern uns: In der Stadt Zürich riefen Frauen, intergeschlechtliche, trans, non-binäre und queere Menschen (kurz Flint) zu Kundgebungen auf. Anlass war der bevorstehende 8. März, der als feministischer Kampftag Jahr …

Artikel lesen
Link zum Artikel