DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Hauptgebaeude der ETH Zuerich, aufgenommen am Freitag, 25. April 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Bild: KEYSTONE

Sexuelle Belästigung: ETH hat Betroffene bei Disziplinar-Untersuchung im Stich gelassen



Die ETH hatte im September 2018 gegen einen Architekturprofessor eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet. Er wurde der sexuellen Belästigung bezichtigt. Nun wurde er vom Vorwurf entlastet.

Der Professor hat aber laut dem externen unabhängigen Untersuchungsführer gegen den Compliance Guide, die Verhaltensregeln der ETH Zürich, verstossen, wie die Hochschule letzte Woche mitteilte. Der Mann habe es versäumt, seine persönlichen und beruflichen Beziehungen adäquat zu trennen.

Er verlässt Ende Juli die ETH – auf eigenen Wunsch. Als Grund soll er die lange Verfahrensdauer und die damit verbundene persönliche und berufliche Belastung angegeben haben. Die Hochschule entbindet ihn auf sein Ersuchen bis Ende Semester von der Lehrtätigkeit, damit er seine Forschungsprojekte abschliessen kann.

Bei der ETH wurde geschlampt 

Belastend war das Verfahren vor allem für die Betroffenen. Im Sommer 2018 reichten Studentinnen, wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden bei der zuständigen Fachstelle der Hochschule ihre Reports zu den Anschuldigungen ein.

Schockierend ist die Tatsache, dass die Berichte bei der ETH nicht vertraulich behandelt wurden. Laut dem «TagesAnzeiger» wurde dem beschuldigten Professor und seinen Anwalten sogar Einsicht gewährt. Aber damit noch nicht genug: Eine Klägerin wurde sogar von einer Drittperson auf ihren Report angesprochen.

Die Hochschule sah sich auch nicht in der Pflicht, die ETH-Angehörigen über die Disziplinaruntersuchung zu unterrichten – das erfuhren sie erst aus der Presse. Der Professor war in der Zwischenzeit freigestellt worden und schmiedete mit seinem Anwaltsteam Strategien. Die ETH bestätigte, dass er Parteistellung mit vollen Rechten erhielt. 

Positives von der ETH – Schweizer Roboterwagen geht richtig steil:

1 / 9
Schweizer Roboterwagen geht richtig steil
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Untersuchung auf Professor ausgerichtet

Nicht so die Betroffenen: Sie erhielten nicht nur keine rechtliche Beratung – anfänglich wollte man ihnen auch keinen psychologischen Beistand anbieten. Die neun vorgeladenen Personen sollten zudem ohne Anwalt zur Befragung erscheinen. Das liessen sie sich nicht gefallen und engagierten Rechtsanwältin Judith Wissmann. 

Wissmann bemängelt, dass die Hochschule den Betroffenen keine Unterstützung bot – für diese sei das Urteil ohnehin ein Schlag ins Gesicht. «Das ganze Verfahren war geprägt durch die Ausrichtung auf den Professor, nicht auf die Betroffenen. Er hat Dinge getan, die die persönliche Integrität der Betroffenen verletzten.»

Weitere Klage

Der Professor wurde nun Freigesprochen. Es stand Aussage gegen Aussage. Weitere Informationen zum Fall können aus rechtlichen Gründen nicht publik gemacht werden, teilte die ETH letzte Woche mit. Eine Disziplinaruntersuchung sei ein personalrechtliches Verfahren, dessen Abschlussbericht nicht veröffentlicht werde.

Den Betroffenen leuchtet dies nicht ein. Ohne Einsicht in die Akten können sie nicht nachvollziehen, wie ein solches Urteil gefällt wurde. Wissmann will dagegen Klage einreichen und eine Entschädigung für die angeblich Geschädigten fordern.

Die ETH übernimmt nach langem Hin und Her bis zu 3000 Franken der Anwaltskosten pro Person. Das reichte bei einigen gerade mal für die Befragung, wie der «TagesAnzeiger» berichtet. 

Der Professor unterrichtet seit seiner Freistellung an einer Universität in Italien. Auch wenn er den Job gewechselt hat, bleibt eines unverändert: Sein Name ist weiterhin im Excel-File «Shitty Architecture Men» aufgeführt. Darin sind rund 200 bekannte Architekten aufgelistet, gegen die Hunderte von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung erhoben wurde. (vom mit Material von sda)

Studentenleben:

21 Dinge, die du nur verstehst, wenn du Jus studierst

Link zum Artikel

Schaffst du es an die Elite-Uni? 10 Punkte und du bist schon fast in Harvard

Link zum Artikel

12 Grafiken, die das Leben als Student perfekt zusammenfassen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

17 Dinge, die du nur verstehst, wenn du Wirtschaft studierst

Link zum Artikel

17 Dinge, die du nur verstehst, wenn du Medizin studierst

Link zum Artikel

Voll im Prüfungsstress? Hier 11 Motivations-Sprüche für dich

Link zum Artikel

8 Grafiken, die zeigen, warum Studenten keine vorige Zeit zum Faulenzen haben (inklusive ETH-Bonus)

Link zum Artikel

Diese Studenten-Kits befriedigen all deine Vorurteile. Erkennst du deine Kommilitonen?

Link zum Artikel

9½ Tricks, die das Lernen einfacher machen (Nummer 1: Fang früher an)

Link zum Artikel

«Lehrer sind fair» und andere Schulmythen, die ganz und gar nicht stimmen – ein Insider-Bericht

Link zum Artikel

Wie man sich den Sommer gewohnt ist und was der Prüfungsstress der Freundin daraus macht

Link zum Artikel

Diese Lehrer wissen, wie sie mit ihren Schülern umgehen sollen

Link zum Artikel

10 liebenswerte Idioten, die in keinem Freundeskreis fehlen dürfen

Link zum Artikel

Es ist wieder Prüfungszeit! Wie du den Lernstress eigentlich bewältigen solltest – und wie es in Wirklichkeit ist

Link zum Artikel

Schulfächer, die es schon bald geben wird (wahrscheinlich)

Link zum Artikel

20 Prüfungsantworten, die dir das sichere Gefühl geben, nicht völlig verblödet zu sein

Link zum Artikel

Ist das Studentenleben wirklich das Richtige für dich? Hier findest du es raus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Wir haben es nicht verdient so behandelt zu werden:

Video: watson

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Ein schwarzer Sonntag für kommende Generationen» – die Reaktionen auf das CO2-Nein

Am Sonntag wurde das CO2-Gesetz von der Schweizer Stimmbevölkerung bachab geschickt. Das löste Jubel auf der einen Seite und Ratlosigkeit auf der anderen Seite aus. Die Reaktionen von Medien, Politik und weiteren im Überblick.

Der «Tages-Anzeiger» warnt in seinem Kommentar nach dem Absturz der Klimavorlage vor ernsten Konsequenzen. Der Bundesrat und mit ihm alle Klimaschützer im Land stünden nach dem Volksnein zum CO2-Gesetz vor einem Scherbenhaufen.

Für den Chefredaktor der Blick-Gruppe, Christian Dorer, sind die Menschen für Umweltschutz, solange es nichts kostet und sie nicht einschränkt. So kommentiert er unter dem Titel «Klima retten - bitte ohne mich!» das Nein zum CO2-Gesetz.

Die Redaktion des CH-Media-Verlags …

Artikel lesen
Link zum Artikel