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Stadionbefürworter und -Gegner demonstrieren vor dem Zürcher Rathaus.
Stadionbefürworter und -Gegner demonstrieren vor dem Zürcher Rathaus.
Bild: KEYSTONE

Daran könnte das Fussballstadion in Zürich noch scheitern

Der Zürcher Gemeinderat hat das Projekt durchgewinkt: Im November wird über den Bau eines neuen Fussballstadions auf dem Hardturm-Areal abgestimmt. Doch auf dem Weg zu einer neuen Arena gibt es noch zahlreiche Fallstricke.
12.07.2018, 18:3712.07.2018, 23:14

Das Stadtzürcher Parlament hat am Mittwoch mit 73 Ja- gegen 37 Nein-Stimmen den Plänen für ein neues Fussballstadion zugestimmt. Am 25. November wird sich die Bevölkerung also ein drittes Mal dazu äussern, ob auf dem Hardturm-Areal ein Fussballstadion gebaut wird.

So sieht das neue Projekt aus:

Im Projekt mit dem Namen Ensemble sollen auf dem 55’000 Quadratmeter grossen Hardturmareal ein Stadion für 18'000 Zuschauer, 174 Genossenschaftswohnungen und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 600 Wohnungen gebaut werden.

Das Stadionprojekt in Bildern

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So soll der neue Hardturm aussehen: Das Projekt Ensemble
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Beteiligt ist die Immobilienfirma HRS, die Anlagefonds der Credit Suisse und die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ). Die gesamten Investitionen belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken. Die Investoren HRS und Credit Suisse wollen mit den Wohntürmen das Fussballstadion querfinanzieren. Dadurch müsste die Stadt nichts für Bau und Betrieb des Stadions bezahlen. Sie gewährt allerdings auf den Baufeldern, wo die Türme geplant sind, jährlich um maximal 1,7 Millionen reduzierte Baurechtszinse.

Daran könnte das Stadion scheitern:

An der Urne

  • Von links: Die SP der Stadt Zürich kritisiert vor allem die 600 Wohnungen in den beiden Wohntürmen. Ihr ist die von den Investoren kalkulierte Rendite von 4,5 Prozent ein Dorn im Auge. Anstelle der Türme hätte sie lieber mehr gemeinnützige Wohnungen. Diese Änderungsvorschläge brachte die SP erst ein, als die Beratungen schon weit fortgeschritten waren – und scheiterte damit. Für ihr Timing wurde sie auch von den linken Partnern Grüne und Alternative Liste (AL) kritisiert. Aber auch in diesen beiden Parteien gibt es starke Kräfte, welche das Stadionprojekt ablehnen. Bei den letzten Wahlen im März 2018 erreichten SP, Grüne und AL gemeinsam 52,5 Prozent.
  • Freiflächen-Freunde: Nach dem Abriss des alten Hardturmstadions 2008 haben Quartierbewohner das leerstehende Areal als Freifläche entdeckt. Die Hardturm-Brache wird für Sport, Urban Gardening, Kultur, Spiel und Spass und als Naherholungsraum genutzt. Laut NZZ gehen die Brachenfreunde von der «IG Freiräume Zürich-West» von 50’000 Nutzern pro Jahr aus. Der Gruppe gehört unter anderem der grüne Gemeinderat Markus Knauss an.
  • Hochhaus-Gegner: Mit 137 Metern Höhe würden die geplanten Wohntürme selbst den Prime Tower überragen, mit 126 Metern bisher Zürichs Rekordhalter. Die beiden Türme würden insbesondere jenen ins Auge stechen, welche vom nahen, am Hang gelegenen Quartier Höngg über die Stadt blicken. Eine Gruppe von Hönggern, darunter ein ehemaliger Heimatschutz-Präsident und FDP-Politiker sowie der Ex-Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», haben sich in der Gruppierung «Gegen den Höhenwahn, aber für das Fussballstadion» zusammengetan.

Vor Gericht

  • Bei einem Bauprojekt dieser Grössenordnung ist mit zahlreichen Rekursen zu rechnen. Strittig werden dürften neben Fragen der Quartierverträglichkeit (Verkehrsbelastung, Lärmemissionen) vor allem der Schattenwurf der beiden Wohntürme. Beim Projekt Pentagon (siehe unten) zogen sich die rechtlichen Streitigkeiten über sechs Jahre hin, bevor die Credit Suisse ausgestiegen war. Das würde zumindest die angestrebte Eröffnung im Jahr 2021 gefährden. Sollte einem Rekurs stattgegeben werden, welcher das Projekt insgesamt oder dessen Dimensionen infrage stellt, wäre auch ein Übungsabbruch denkbar.

Aus wirtschaftlichen Gründen

  • Bei einer Investitionssumme von 570 Millionen Franken müssen die privaten Investoren überzeugt sein, dass ihre ursprünglich veranschlagte Finanzplanung realisiert werden kann. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Investoren bei einer Verschlechterung des Immobilienmarkts oder bei langwierigen Rechtsverfahren nach Wegen suchen werden, aus dem Projekt auszusteigen.

Die gescheiterten Anläufe

Im November stimmt die Stadt Zürich zum dritten Mal innerhalb von 15 Jahren über ein Stadionprojekt ab. Diese zwei Projekte wurden nie verwirklicht.

Projekt Pentagon

Innenansicht des Pentagon-Stadionprojekts.
Innenansicht des Pentagon-Stadionprojekts.

Die Zürcher stimmen im September 2003 mit 63 bzw. 59 Prozent zwei Vorlagen für ein Stadionprojekt namens Pentagon zu. Das Stadion hätte 30'000 Zuschauer gefasst und als Mantelnutzung ein Shoppingcenter beinhaltet. Es sollte Austragungsort der Euro 2008 werden. Gebaut hätte es die Credit Suisse, während sich die Stadt mit 47,7 Millionen Franken beteiligt hätte.

So hätte das «Pentagon» von aussen ausgesehen.
So hätte das «Pentagon» von aussen ausgesehen.
Bild: copyrigth meilipeter.ch

In der Folge wehren sich Anwohner und Umweltverbände mit Rekursen gegen das Projekt. Nach jahrelangem Rechtsstreit steigt die Credit Suisse 2009 aus dem Projekt aus und verkaufte das Areal an die Stadt.

Projekt Hypodrom

Aussenansicht des «Hypodroms».
Aussenansicht des «Hypodroms».
Bild: HOCHBAUDERPARTEMENT ZUERICH

Nach dem Scheitern des Pentagon-Projekts unternimmt die Stadt einen neuen Anlauf. Dieses Mal soll sie selber Bauherrin sein und die Finanzierung übernehmen. In einem Wettbewerb setzt sich das Projekt «Hypodrom» mit 19’500 Plätzen durch. Kostenpunkt: 216 Millionen. Daneben will die Stadt eine Wohnsiedlung mit 154 günstigen Wohnungen bauen. Im September 2013 scheitert das Projekt mit 50,8 Prozent Nein-Stimmen hauchdünn an der Urne.

Und jetzt: Wehmütige Bilder aus der Geschichte des Hardturms

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Wehmütige Bilder aus dem Hardturm
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