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Kommentar

Sagt mal, bin ich hier der Einzige, der Skiferien doof findet?

Wieso Skiferien doof sind – eine Polemik.
Bild: shutterstock
Sorry, liebe Bündner, Walliser und andere Bergler, es ist nichts Persönliches. Nur ein Grumpy-Old-Man-Rant, halt.
11.02.2018, 11:1020.12.2018, 14:54

Winter! Schnee! Skifahren! Bergdorf-Romantik! Guckt mal, wie schön:

Awwwww ...
Awwwww ...
Bild: shutterstock

Ja, in der Tat, stünde ich in jenem Moment dort an jenem verschneiten Hang, würde ich sehr wohl konstatieren: Jap, ordentlich hübsch.

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Doch um dort zu stehen, bräuchte es ein wenig Kontext. Und auf diesen, verehrte Wintertourismusbegeisterte, kann ich getrost verzichten. Winter-Bergdorf-Romantik gibt es nun mal nicht gratis. Es gibt sie nur mit einer längeren Packungsbeilage an Nervigkeiten.

Fangen wir gleich doch beim Stichwort ‹gratis› an – beziehungsweiseweise beim puren Gegenteil davon: Es gibt wohl keine effizientere Geldvernichtungsmaschinerie auf der Welt als eine Woche Skiferien in der Schweiz. Beim Zmittag im Bergstations-Restaurant, etwa, bekommt man Kantinen-Frass zu Zürcher Resti-Preisen. Aber bevor man überhaupt dorthin gelangt ist, heisst es, «Eine Tageskarte, werter Herr? Gerne – macht 92 Franken!»

Hotel, Parking, Abendessen, die heisse Ovi zwischendurch und die Aprés-Ski-Drinks kommen hier noch dazu … plus die Miete für Skis, Stöcke, Skischuhe und jenen gottverdammten Helm, den man heutzutage tragen muss (früher ging es doch auch ohne, oder?) und der restliche Krimskrams wie Sunblocker, den man zuhause vergessen hat oder Skibrille, weil die eigene in der übervollen Seilbahngondel zerquetscht wurde.

Zur Erinnerung: Das tut man sich freiwillig an.
Zur Erinnerung: Das tut man sich freiwillig an.
Bild: shutterstock

Und überhaupt: Gibt es eigentlich eine gschtabbigere Freizeitbetätigung als Skifahren oder Snowboarden? Die ganzen Hosenjackenskischuhehandschuheschalstinksockenskimaskeskibrillesunblocker-Utensilien – alles frickeliges Zeugs, das man notabene nicht mit Handschuhen bedienen kann, … weshalb immer wieder mal ein sauteurer Handschuh in den Tiefen unter dem Sessellift zu landen kommt. Ach, wieso, wieso hat sich die Welt gegen mich verschworen?

Praktisch, handlich, NICHT.
Praktisch, handlich, NICHT.
Bild: KEYSTONE

Und, jaja, aufs WC gehen mit dem ganzen Harnisch ist auch mega gäbig, gell? Meine Chefin meinte vorhin, eigentlich sollte man für den Wintersport längst Windeln einführen.

So. Und nun sagen die Apologeten, die ganze Tortur lohnt sich aber trotzdem, denn: Skifahren und Snowboarden an sich ist am Ende eben ein unvergleichliches Gefühl.

Alle mitsingen! «Suuuunne, Bäääärge und Schneeeee ...»
Alle mitsingen! «Suuuunne, Bäääärge und Schneeeee ...»
Bild: shutterstock

Geht so. Weil: Heute fährt man Carving-Ski. Das sind 1 Meter 60 lange Spielzeug-Dinger. Wisst ihr, die letzten Skis, die ich mein eigen nennen durfte, waren 2 Meter 03 lang, Leute. Oh ja, es brauchte ein wenig Können, um damit Buckelpiste zu fahren, dafür hat’s richtig Spass gemacht. Und schnell waren die auch, meine Fresse! Heute gibt es keine Buckelpisten mehr, denn die Snowboarder und Carving-Skifahrer haben diese längst plattgewalzt. Und Carving-Ski zu fahren, mit den langen, mühelosen Bögen, die man damit zieht, ist ungefähr so spannend wie mit Tempomat auf der Autobahn zu cruisen.

Dafür sind Carving-Skis demokratischer: Auch ohne grosses Können gibt es bald mal Erfolgserlebnisse. Und Tempo. Tempo, das von einem ungeübten Skifahrer problemlos erreicht, aber weniger problemlos beherrscht werden kann. Ergo kommen Helm, Rückenpanzer, Knieschoner und SWAT-Team-Kampfmontur ins Spiel: Siehe oben.

Der durchschnittliche Schweizer 10-Jährige auf der Skipiste.
Der durchschnittliche Schweizer 10-Jährige auf der Skipiste.
Bild: shutterstock

Spätestens jetzt protestieren Skisaisonbegeisterte und bringen ein, die Party ist imfall hammer. Vielleicht, WENN da nicht die Musik wäre. Seht, ich habe Musikethnologie studiert und habe da eine Theorie: Je höher über den Meeresspiegel, desto mehr scheisse die Musik. Hier zur Erläuterung eine Grafik:

Bild: obi/watson

Im Ernst, jetzt, was da bei den Schnee-Bars aus den Lautsprechern plärrt, ist schlicht eingeweideerregend. Dazu kommt dieser unsägliche Skihütten-Gaudi gepaart mit schlüpfriger Alm-Erotik, wo alles ein wenig «kess» und «fesch» ist: Obstbrände, die «kleiner Feigling» oder «geiler Affe» heissen, Cocktails, die mit «Orgasmus» oder «Blowjob» angeschrieben sind, Pins mit einem frechen Spruch am Dirndl-Decolletée, zwinkernde Jungs in Lederhosen, die stets einen flotten Spruch drauf haben. Und währenddessen DJ FUCKING ÖTZI, DER DIR INS OHR SCHREIT, DASS ER DER FUCKING ANTON AUS FUCKING TIROL SEI.

Naja. Es ist ja freiwillig. Ich muss ja nicht. Ich darf ja derweil im Unterland bleiben. Und ich könnte gar jeden Abend ins schicke Restaurant essen gehen und danach ins Kino – käme mir erst noch billiger. Grumpy-Old-Man-Modus *off*, also. Schöne Skiferien, allerseits!

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