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Kommentar

Superfood ist gar nicht so super wie ihr alle tut

Bild: shutterstock
18.01.2017, 11:2518.04.2018, 16:29

Liebe Leute, ich hab's ja versucht. Acai-Bowls, Goji-Beeren und dergleichen. Und wisst ihr was? Ich nehm's euch nicht ganz ab. Ich nehm's euch, liebe Healthy-Living-Lifestyle-Bloggerinnen, nicht ab, dass ihr das Zeugs wirklich so was von #mmmh #nomnomnom findet, wie ihr da tut. 

Und? Kommen hier die gleichen Emotionen hoch wie bei einem Teller Pommes?
Und? Kommen hier die gleichen Emotionen hoch wie bei einem Teller Pommes?
bild: Shutterstock

Seht, Quinoa, zum Beispiel, schmeckt nach ... nichts. Gut, man kann es als Streckmittel oder als Couscous-Ersatz in Tabboulehs und so benutzen. Meinetwegen.

Chia-Samen? Roh schafft man die nicht gerade löffelweise runterzuwürgen. Und mit Flüssigkeit vermischt verwandeln sie sich zu dieser gruusigen, gallertigen Schwabbelmasse, die unglücklicherweise an Froschlaich erinnert (mit dem Unterschied, dass Froschlaich vermutlich mehr Geschmack hätte).

Kale (oder um ihn mit dem unsexy altmodischen Namen zu bezeichnen – Federkohl)? Ich mag Kale. Kurz blanchiert mit in Olivenöl gebratenem Knoblauch und Chili darüber und dazu etwas Zitronensaft, Pinienkerne, sowie Salz und Pfeffer? Perfekt! Bloss will uns aber jeder Gesundesser weismachen, dass das Grünzeugs partout püriert und getrunken werden soll. Oder als Chips geknabbert.

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Hand aufs Herz, der Superfood-Kram ist nicht so krass fein, wie ihr da tut. Federkohl mag okay sein als Salat – aber eigentlich wären knackiger Lattich, Cicorino Rosso oder Nüsslisalat feiner. Und Kale-Chips? Das Leckere daran ist doch vor allem dieser Currypulver-Salz, der jeglichen Eigengeschmack übertüncht. An den Chia-Puddings, Acai-Bowls und Konsorten ist doch vor allem fein, dass jede Menge Beeren und Früchte und – aha! – Süssmacher dazu gemischt werden. Die Ehrgeizigeren unter euch mögen versuchen, auf Datteln, Honig oder Ahornsirup statt Zucker zurückzugreifen, doch der Fakt bleibt: Ohne Glückshormone ausschüttende Süssstoffe wäre dein Goji Berry Seaweed Porridge kaum geniessbar.

Nein, der wahre Genuss von Superfoods besteht nicht im Essen, sondern im instagramkompatiblen Abfotografieren. Und im Sich-Einreden, dass man seinem Körper Gutes tut. Schaut mal, wie pittoresk:

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#healthy #nutrients #vegan #superfood #yummy #youpretentiouslittletwat

Die Bezeichnung «Superfood» ist eine Mogelpackung. Zahllose Esswaren haben der Gesundheit zuträgliche Eigenschaften. Knoblauch, Ingwer, Chili, Eier, Blutwurst, etwa, – sie alle haben mehr health benefits als das Meiste von dem, das im Hipster-Gestell im Supermarkt angeboten wird.

Da lacht das Herz des Marketing-Profis!
Da lacht das Herz des Marketing-Profis!
bild: shutterstock

Goji-Beeren, zum Beispiel, sind zweifelsohne gesund. Noch bleibt aber der wissenschaftliche Beweis aus, dass sie normalem Obst und Gemüse irgendwas voraus hätten.

Da wird einem etwa der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Chia-Samen angepriesen: 17g davon befinden sich in 100g Chia-Samen. Das ist extrem viel – etwa acht Mal soviel wie in Lachs, der gewöhnlich gerne als Omega-3-Quelle genannt wird. Schön. Aber: Wie es sich herausstellt, verwandelt dein Körper die Chia-Omegas viel, viel ineffizienter um als die Lachs-Omegas. Und dann probier’ mal 100g Chia-Samen zu essen, die – so ganz nebenbei – fast so viele Kalorien wie ein Big Mac haben.

Fast so gesund wie 100g Chia-Samen. Fast.
Fast so gesund wie 100g Chia-Samen. Fast.

Und wenn wir dabei sind: Ob nun #healthy oder nicht – euch geht es doch eigentlich vor allem darum, schlank und hübsch zu sein, oder? Nicht, dass daran etwas auszusetzen wäre, aber deshalb wird doch krampfhaft versucht, Kohlenhydrate mit pflanzliche Proteinen zu ersetzen, oder? Nun, wisst ihr, wie viele Kalorien so eine Acai-Bowl hat? Die von Juice It Up, einer amerikanischen Saft-Bar-Kette, die mit Schlagwörter wie «healthy» und «wellness» nur so um sich wirft, kommt auf 510 Kalorien – knapp weniger als ein Big Mac mit seinen 563. Auch sind da im «gesunden» Acai-Bowl noch 75g Zucker drin – 8 Mal so viel wie in besagtem Big Mac und sogar mehr als in einem Starbucks Grande Mocha Frappuccino mit Schlagrahm (61g).

Eines davon hat mehr Zucker. Na rate mal.
Eines davon hat mehr Zucker. Na rate mal.

Nein, Superfood ist vor allem eins: Ein Label, mit dem Lifestyle-Produkte verkauft werden können. Hamam-Abos, Yoga-Matten, Detox-Smoothies – das passt alles irgendwie zusammen. Dank hübschem Product Design mag allem ein klein wenig exotischer Touch anhaben, das freie marktwirtschaftliche Denken dahinter ist indes so althergebracht wie die Schnipo bei Grosi.

«Superfood ist ein Marketingbegriff, der Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen beschreibt. Teilweise beruhen die [...] gesundheitlichen Wirkungen auf wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhängen. Allerdings ist es fraglich, wie sich solche wissenschaftlichen Erkenntnisse, die etwa unter Laborbedingungen, mit Tierversuchen oder unter Verabreichung sehr hohen Dosen erlangt wurden, auf echte Ernährungsweisen übertragen lassen.»

Hier also die traurige, unattraktive Wahrheit:

Ernährung ist sagenhaft komplex, verschieden für jeden einzelnen und eigentlich immer rätselhaft. Fakt ist: Nichts ist Superfood, wenn du eine ausgewogene Kost mit viel Obst und Gemüse zu dir nimmst und dich regelmässig bewegst. Und wer das nicht tut, den kann kein Superfood der Welt retten. 

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Fleisch oder Fruchtfleisch? Erkennst du dein Essen in der Nahaufnahme?

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