Spass
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bin ich Ire? Grieche? Afghane? Ich habe zwei DNA-Tests gemacht – das kam dabei heraus

Bild: eng/watson

Online-Gentests, welche die eigene Herkunft bestimmen sollen, erfreuen sich grosser Beliebtheit. Taugen sie was? Ich hab's an mir selbst ausprobiert.



Woher komme ich?

Wer bin ich?

Was ist meine Geschichte?

Ooh ooooh butthurt reaktion reactiongif http://giphy.com/gifs/shawbrothersuniverse-martial-arts-shaw-brothers-the-delightful-forest-hshgHQ6D2gPAY

Bild: giphy

Mann, das ist sowas von #2017! Sowas von #millennial!

Vielleicht. Fakt ist, dass Themen wie Ahnenforschung sich aktuell grosser Beliebtheit erfreuen. TV-Serien wie «Who Do You Think You Are?», in der Promis ihre Herkunft erforschen, sind Publikumsrenner. Clips wie der hier gehen viral:

In der Tat ein hübsches Video – nicht zuletzt weil die Genetik tatsächlich das Totschlag-Argument par excellence gegen Rassismus ist. Bist stolzer Engländer? Armenier? Oder Bangladeshi? Ätsch – genetisch bist du deutsch! Türkisch! Indisch!

Nun, ich persönlich halte ohnehin wenig von Nationalismus und deshalb wäre es doch ganz lustig, wenn ich mittels DNA-Test herausfände, dass ich am Ende vielleicht gar kein Engländer oder Italiener oder wasweisich bin. Bloss, wie zuverlässig sind derartige Tests, von denen es online eine reichliche Auswahl gibt?

Ich beschliesse, zwei unabhängige Tests zu machen. Decken sich die Resultate beider, darf ich davon ausgehen, dass sie stimmen. Ich wähle zwei der grösseren Anbieter aus: MyHeritageDNA und 23andMe.

Das Vorgehen ist bei beiden identisch: Man erstellt ein Web-Profil und bestellt dann ein Personal Genome Kit. 71 Euro kostet der Spass bei MyHeritageDNA inklusive Versandkosten, bei 23andMe kommt man auf insgesamt 147.99 Dollar. Auf beiden Sites kann man bei Bedarf einen Stammbaum erstellen, dabei Namen, Verwandtschaftsgrad und so weiter aller bekannten lebenden und verstorbenen Familienmitglieder auflisten. Dies in der Absicht, ein kompletteres Bild über die Provenienz des eigenen Ichs zu bekommen. Ebenfalls funktionieren beide Anbieter auch als Social Network, in dem man sich mit Mitgliedern der engeren genetischen Familie vernetzen kann.

Innerhalb weniger Tage treffen dann zwei Pakete ein:

dna test genom genetik speuz spucke online 23andme myheritage abstammung

Bild: watson/obi

Bei beiden ist das Vorgehensprinzip dasselbe: Da reinspeuzen, versiegeln und im mitgelieferten wattierten Couvert zurücksenden.

dna test genom genetik speuz spucke online 23andme myheritage abstammung

Bild: watson/obi

Bei 23andMe ist das ein vorfrankiertes FedEx-Paket, das vom Kurier abgeholt wird; bei MyHeritageDNA muss man selbst frankieren und abschicken (deshalb wohl der grosse Preisunterschied).

dna test genom genetik speuz spucke online 23andme myheritage abstammung

Bild: watson/obi

«Ready to discover who you are?» Mit solchen bedeutungsschwangeren Fragen wird einem per Mail die Wartezeit bis zum Eintreffen der Resultate verkürzt. Hui, die Spannung steigt.

Aufgrund des langsameren (billigeren) Postwegs dauert es bei MyHeritageDNA gut 5 Wochen. Weniger als zwei Wochen nach der Registrierung aber heisst es von 23andMe bereits:

«We're excited to let you know that the 23andMe reports for Oliver Baroni are now available.»

Bevor wir dazu kommen, zuerst meine Herkunft, wie man sie mir stets von Familienseite erklärte: 1/2 Brite (davon 1/4 Engländer und 1/4 Waliser), 1/4 Italiener, 1/8 deutsch-jüdisch, 1/8 unbekannt (letzteres bedingt dadurch, dass von meiner adoptierten Schweizer Grossmutter nur deren leibliche Mutter bekannt war). Aber das sind lediglich die Nationalitäten meiner Verwandtschaft, nicht deren genetische Herkunft. Was sagt nun 23andMe?

Amaze yourself my heritage dna https://you.23andme.com/reports/ancestry_composition/

Bild: 23andme.com

Jap, ich bin Whitey McWhiterson. So weit, so voraussehbar. Im Detail heisst das:

23andme.com ancestry genealogie dna test https://you.23andme.com/reports/ancestry_composition/

Bild: 23andme.com

Reichlich unspektakulär vielleicht, aber durchaus nachvollziehbar: Zum grössten Teil bin ich also Brite und ansonsten «broadly Northwestern European» (ergo kein Mittelmeerbewohner, kein Slawe, kein Skandinavier). Dass nur 3,7% Südeuropäer dabei ist, geht ebenfalls auf, da die Baroni aus Corbetta bei Milano wohl Lombarden waren und deshalb genetisch zu den germanischen Stämmen zählten.

Mit reichlicher Verspätung treffen dann die Resultate von MyHeritageDNA ein. Ob sie sich mit denen von 23andMe decken? 

MyHeritageDNA.com dna test genetik prvenienz herkunft genealogie oliver baroni

Bild: watson/obi

... a twat ... ja, was denn? 

MyHeritageDNA.com dna test genetik prvenienz herkunft genealogie oliver baroni

Bild: watson/obi

Oh.

Im Detail:

MyHeritageDNA.com dna test genetik prvenienz herkunft genealogie oliver baroni

Bild: watson/obi

Scandinavian? Echt jetzt?

Animiertes GIF GIF abspielen

Bild: giphy

Und wo sind die «French & German» hin? Und nun soll ich also doch zu einem beträchtlichen Teil Südeuropäer sein?

Ach, ist doch hübsch, dass ich Sarde, Grieche und ein klein wenig Afghane bin. Findi guet. Aber gerade deckungsgleich mit der eindeutig britsch-irisch-deutsch-französischen Herkunft von 23andMe ist das nicht gerade. Wie lässt sich diese Divergenz erklären?

Meine erste Vermutung liegt darin, dass MyHeritageDNA vielleicht einen historischen Schritt weiter geht. Ergo was bei 23andMe als «British & Irish» gilt, stellt sich bei näherer Betrachtung zum Hauptteil als skandinavisch heraus. Wäre nachvollziehbar – die Briten sind ja nicht irgendwelche Sprosse, die aus dem Boden spriessen, sondern ein buntes Mischvölkchen aus Kelten, Römern, Wikingern, Angeln, Sachsen, Normannen und vielen mehr. Und schon bin ich wieder bei der historisch-kulturellen Betrachtungsweise gelandet. Hier geht es aber um Genetik. 

Bild

«Amaze yourself» – so wird die Selfie-Generation geködert. bild: myheritgedna

Auf Anfrage gibt MyHeritageDNA ein langatmiges Statement ab, wie alle Menschen ohnehin 99,9% ihrer DNA teilen und wie bei den restlichen 0,1% man unterschiedliche Parameter benutzen kann um DNA-Übereinstimmungen festzustellen ... ergo ein Jekami-Disclaimer, das das Ergebnis alles und nichts bedeuten kann. Schwach.

23andMe spricht das Thema der unterschiedlichen Resultate in den umfangreichen FAQs gleich selbst an (ohnehin wirkt 23andMe etwas seriöser und fundierter als die Konkurrenz). Auch für den Laien verständlich wird etwa erklärt, dass die Briten und Iren die frischeste Zutat meines Gen-Cocktails sind, während man für die Franzosen und Deutschen ein Jahrhundert weiter zurück gehen muss.

Amaze yourself my heritage dna https://you.23andme.com/reports/ancestry_composition/

Bild: 23andme.com

Allerdings gelten diese Resultate nur mit 50% Confidence Level. Ergo: Mittels empirischer Quervergleiche zu anderen Tests werden Vermutungen angestellt (wissenschaftlich begründete Vermutungen zwar, aber dennoch bloss Vermutungen). Geht man allein von dem aus, was meine Spucke an DNA hergibt (90% Conservative Level) ist nur das Britisch-Irische als Subgruppe innerhalb von «broadly European» erkennbar.

Weiter weist 23andMe lediglich darauf hin, dass unterschiedliche Resultate anderer Anbieter in der Anwendung verschiedener Parameter zu begründen sind. Aber: 

«We have very high confidence in the results we share with you and the science those results are based on.»

Statement von 23andMe

Will heissen: Herkunftsanalyse mit der im Online-Test-Speichel zur Verfügung stehenden DNA ist eine ziemlich ungenaue Wissenschaft. In medizinischen Kreisen steht man dem ablehnend gegenüber (wie etwa in diesem Guardian-Artikel beschrieben). Besonders wenn es um die Resultate geht, die auf gesundheitliche Fragen Antworten liefern sollen (bei den meisten Anbietern kann man bei Bedarf weiterführende Untersuchungen vornehmen lassen, um genetische Veranlagungen, etwa von Brustkrebs oder Depression, festzustellen). Deshalb findet man auf Schritt und Tritt Gewährleistungsausschlüsse und Disclaimers, die statuieren, dass sämtliche Befunde in keinster Weise Diagnosen im medizinischen Sinne darstellen.

Trotzdem bleibt die Frage offen: Bin ich nun Brite oder Skandinavier? Oder was nun?

Bild

«Neanderthal ancestry»? Nice to have ... aber kaum identitätsbildend.

Klar, ein endgültiges wissenschaftliches Fazit dazu wäre hübsch. Aber über das eigene Ich sagt es letztendlich nichts aus. «Amaze yourself»? «Discover yourself»? «Oliver, you are ...»? Ach, das sind bloss berechnende Marketingsprüche für die narzisstischste aller bisherigen Generationen! Wenn man sich discovern (ja, das ist ein Wort, ab jetzt) will, dann ist die DNA sicher der falsche Ansatz. Lässt sich meine Vorliebe für Curry dadurch begründen, dass ich eventuell ein klein wenig pakistanische DNA habe? NEIN. 

Identität ist mannigfaltig definiert, aber am wenigsten spürbar durch eine etwaige genetische Verwandtschaft zu einer Volksgruppe mit der man zeitlebens kaum etwas zu tun hat (was übrigens die ganze doofe Debatte über Fahnentreue bei Doppelbürgerschaft ebenfalls hinfällig macht, aber dies nur nebenbei). Alltag, Freundeskreis, Gesundheit, Kindheit, Wohnort und und und – dies alles definiert WHO YOU ARE.

Sagt der afghanische Sarde 😉

Baronis Lebenshilfen

Warum James May der Grösste ist (und du sofort «Our Man in Japan» schauen solltest)

Link zum Artikel

Synchronisation sucks – weshalb die Originalfassung immer besser ist

Link zum Artikel

Ranking: ALLE Bondfilme – von grottenschlecht bis hammergeil

Link zum Artikel

Truck. Yeah.

Link zum Artikel

Ich war am Cooper's Hill Cheese Rolling ... und OMG, WAR DAS GEIL

Link zum Artikel

Ranking: ALLE «Star Wars»-Filme – von peino bis geilo

Link zum Artikel

Vinyl-Verkäufe werden 2019 CDs überholen. Weshalb das Good News sind

Link zum Artikel

9 Frauen aus den Anfängen des Rock'n'Rolls, die die Musikwelt auf den Kopf stellten

Link zum Artikel

Funktioniert dieses Kater-Wundermittel wirklich? Ich hab's für euch mal getestet ...

Link zum Artikel

Traum oder Albtraum? So ist es, als CH-Rock'n'Roll-Band in den USA auf Tour zu sein

Link zum Artikel

Sagt mal, bin ich hier der Einzige, der Brunch doof findet?

Link zum Artikel

Ich bin Bond-Fan und habe NULL PROBLEM damit, dass 007 eine schwarze Frau wird

Link zum Artikel

Mach' die Party nicht kaputt! Ein Plädoyer für den französischen Abgang

Link zum Artikel

Wir leben in der Zukunft! Meine Begegnung mit einem Roboter in der englischen Provinz

Link zum Artikel

«Creative Storyteller», «Mixologist» und andere DÄMLICHE Wortschöpfungen

Link zum Artikel

Leute, spart euch eure Diät! Und euer Detox erst recht

Link zum Artikel

Zum Tod von Dick Dale: 28 Surf-Music-Tracks, um die Beach Party weiterlaufen zu lassen

Link zum Artikel

20 Fakten zu 20 Jahre «Lock, Stock and Two Smoking Barrels» aka der GEILSTE FILM EVER

Link zum Artikel

Bin ich Ire? Grieche? Afghane? Ich habe zwei DNA-Tests gemacht – das kam dabei heraus

Link zum Artikel

24 Skinhead-Reggae-Tracks für deine perfekte Dance-Party

Link zum Artikel

20 Sachen, die Grossbritannien besser kann, als einen Brexit durchzuziehen

Link zum Artikel

Du denkst, Teenies hat es schon immer gegeben? Falsch, sie sind eine Erfindung der Neuzeit

Link zum Artikel

So ist es wirklich, als Schweizer Rock'n'Roll-Band quer durch Europa zu touren

Link zum Artikel

Das sind sie: Baronis Basic-Tipps für einen besseren Pasta-Alltag

Link zum Artikel

Es muss einfach mal gesagt werden: The Ramones sind die beste Band der Welt

Link zum Artikel

Superfood ist gar nicht so super wie ihr alle tut

Link zum Artikel

40 (momoll, vierzig!) Gründe, weshalb ich trotz Trump die USA immer noch lieben werde

Link zum Artikel

Warum mein 50 Jahre alter Chevy besser ist als jeder Meditationskurs. (Sogar mit Panne. In Italien)

Link zum Artikel

Fertig mit FUCK, SHIT und Co.! Es gibt doch vieeeeeel bessere englische Fluchwörter, ihr TWATS

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Den ‹genetisch reinen Schweizer› gibt's eh nicht. Diese erstaunlichen Fakten über die Schweiz aber sehr wohl!

Derweil – DNA hin oder her –, versteht unsere Lieblings-Kanadierin das Gschiss wegen der Fondue schlicht nicht ...

Video: watson

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

55 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Sauäschnörrli
24.11.2017 15:57registriert November 2015
13% Sardinian?
Oliver, darf ich vorstellen, deine verschollene Omi und ihre Geschwister.
51411
Melden
Zum Kommentar
ARoq
24.11.2017 16:50registriert September 2014
Immerhin bist du 100%. Das ist ja auch etwas worauf man stolz sein kann.
4335
Melden
Zum Kommentar
Baba
24.11.2017 16:17registriert January 2014
Dieser Artikel hat mich davon abgebracht, einen solchen DNA Test machen zu lassen... Merci, ich werde die gesparten 71 Euro nun spenden 😊.
34610
Melden
Zum Kommentar
55

Emma Amour

«Wie steht ihr dazu, wenn man mit fast jedem Sex hat, den man mag?»

Liebe Antonia,

danke für deine offene und mutige Mail. Nicht jede Frau traut sich, selbstbewusst hinzustehen und zu sagen, dass sie gerne mit vielen verschiedenen Männern Sex hat. Das ist toll.

Falls du wirklich aus purer Lust mit so vielen Männern und hie und da Frauen Sex hast, besteht meiner Meinung nach null Sorge. Auch bin ich sehr sicher, dass du damit nicht alleine bist.

Warum sollte es schliesslich nicht viele andere Frauen und Männer geben, die gerne viel Sex haben und ihre Lust …

Artikel lesen
Link zum Artikel