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Tigers Head Coach Heinz Ehlers waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem SC Rapperswil-Jona Lakers, am Dienstag 22. Januar 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

«General Grantig» mit seinen Leuten.  Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Für Langnaus «General Grantig» und die Unbeugsamen ist der Himmel die Limite

Der SC Bern verliert gegen die SCL Tigers in Verlängerung 2:3. Dieses Spiel erklärt eine ganze Saison. Für einmal keine Polemik. Der Chronist doziert ein wenig über Taktik. Das macht sich immer gut.



Der geneigte Leser mag murren, er könne das Wort «Bandengeneral» nicht mehr hören. 

Deshalb ganz kurz ein Erklärstück. Wer nur am Hockey interessiert ist, möge also den nächsten Abschnitt einfach überspringen. 

Also: «General» geht zurück auf das lateinische «Generalis» (= allgemein). Daraus entwickelte sich im Mittelalter der Begriff «Generalabt». Gemeint war damit das Oberhaupt einer Ordensgemeinschaft, also ein Kloster-Manager der «generell» über allen Spezialisten und spezialisierten Gruppen in seinem Kloster stand. Die Kloster waren damals komplexe Unternehmen, die auch Bier brauten, Wein kellerten und Vieh züchteten. Schliesslich wurde das Wort für den Chef des Klosters im Hochmittelalter vom Militär übernommen und im deutschen Sprachraum auf «General» verkürzt. 

Ein «Bandengeneral» ist also der Manager des sportlichen Personals einer Hockeyfirma. Er steht über den Spezialisten (den Assistenten, Torhütern, Verteidigern und Stürmern) und den spezialisierten Gruppen (Verteidigung, Sturm). Deshalb die Bezeichnung «Bandengeneral.» 

SC Bern gegen die SCL Tigers war eines dieser Spiele, die komprimiert auf einen Abend eine ganze Saison, eine ganze Mannschaft, ein ganzes Hockeyunternehmen und die Bedeutung eines «Bandengenerals» erklären. 

Die SCL Tigers haben seit ihrem Wiederaufstieg von 2015 schon wieder viele grosse Siege gefeiert. Auch gegen den SCB. Ein Triumph in Bern ist also noch kein Grund, die Hockey-Geschichte im Gotthelfland umzuschreiben. Allein diese Saison haben die Langnauer den Kantonsrivalen nun schon zum dritten Mal gebodigt. 

Es geht um etwas ganz anderes. Um eine neue Qualität der Langnauer, die sie so ausgeprägt in diesem Jahrhundert noch nie hatten: Unbeugsamkeit. Abzulesen an diesem einen Spiel am Freitagabend im Stadtberner Hockeytempel. 

Harri Pesonen (ihn thematisieren wir später noch einmal) bringt die SCL Tigers 1:0 in Führung (11. Min.). Alles läuft für seine Langnauer. Sie haben Möglichkeiten für zwei oder drei weitere Tore. 

Tigers Harri Pesonen Jubelt ueber sein Tor zum 2:2 mit  im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem SCL Tigers, am Freitag, 01. Februar 2019, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Daniel Teuscher)

Harri Pesonen.  Bild: KEYSTONE

Dann bricht alles zusammen wie eine Handy-Verbindung im Tal des Krauchtalbachs zwischen Bern und Burgdorf. In nur 2 Minuten und 16 Sekunden macht der Tabellenführer aus dem 0:1 ein 2:1. 

Nach so einem Schock noch einmal aufstehen? In Bern? Gegen die bestorganisierte Mannschaft der Liga? Die unheimliche, perfekte Siegesmaschine nimmt wieder Fahrt auf. Sie kann nicht mehr gestoppt werden. Geht nicht. 

Geht doch. Harri Pesonen gleicht aus (49.) und in der Verlängerung fädelt er den Siegestreffer für seinen Landsmann Eero Elo ein (64.).

Tigers Eero Elo Jubelt ueber sein Tor zum 3:2 mit Tigers Samuel Erni und Tigers Harri Pesonen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem SCL Tigers, am Freitag, 01. Februar 2019, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Daniel Teuscher)

Die Tigers feiern den Siegtreffer von Eero Elo (M.).  Bild: KEYSTONE

Nach dem Spiel spricht Heinz Ehlers von der Moral und der Charakterstärke seiner Mannschaft. 

Nun ist es heute Mode, dass Spieler und Trainer nach jedem Pflichtsieg von Charakter und Moral fabulieren. 

Aber erstens ist ein Lob von Heinz Ehlers, von «General Grantig» so selten wie Wolfssichtungen unter den Lindenbäumen im Rosengarten. Zweitens haben wir es in diesem Fall tatsächlich mit ausserordentlicher Moral und Charakterstärke zu tun. 

Langnaus Cheftrainer Heinz Ehlers spricht beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SCL Tigers und dem EHC Biel, am Freitag 11. Januar 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Von Ehlers gibt es selten ein Lob.  Bild: KEYSTONE

Wir haben in diesem Spiel mit der Wende vom 1:2 zum 3:2 das «kleine Bild» gesehen. Es gibt aber ein noch viel eindrücklicheres, grosses Bild, das die Unbeugsamkeit dieser Mannschaft dokumentiert. 

Keine Polemik. Nur staubtrockene Statistik. 

Samstag, 26. Januar: Langnau verliert daheim gegen Servette 0:3. Damiano Ciaccio wehrt bloss 87,50 Prozent der Schüsse ab. Harri Pesonen bleibt, logisch bei diesem Resultat, ohne Punkte. 

Sonntag, 27. Januar: Langnau verliert in Davos kläglich 1:5. Damiano Ciaccio schrumpft zum «Lottergoalie» mit 80,00 Prozent Fangquote. Wieder bleibt Harri Pesonen ohne Skorerpunkte. So gerät die Playoff-Qualifikation in Gefahr! Das Wort Krise macht die Runde.  

Dienstag, 29. Januar. Langnau besiegt auswärts Lugano 4:2. Damiano Ciaccio wehrt 90,32 Prozent der Schüsse ab und demonstriert Unbeugsamkeit. Harri Pesonen bleibt zwar erneut punktelos. Aber seine Mitspieler treffen. 

From left, Lugano's player Luca Fazzini and Tiger's player Harri Pesonen , during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between Switzerland's HC Lugano and SCL Tigers, at the ice stadium Corner Arena in Lugano, Switzerland, Tuesday, January 29, 2019.(KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Pesonen (r.) im Duell mit Luganos Luca Fazzini.   Bild: TI-PRESS

Freitag, 1. Februar. Langnau bodigt Leader SC Bern auswärts 3:2 in der Verlängerung. Damiano Ciaccio ist mit 93,75 Prozent ein Titan und besser als Leonardo Geononi (90,91 Prozent). Harri Pesonen, der zuvor drei Partien hintereinander punktelos geblieben war, lässt sich zwei Tore und ein Assist gutschreiben. 

Der Finne hat nun in den fünf Direktbegegnungen dieser Saison gegen Leonardo Genoni fünf Treffer erzielt. «So? Habe ich das? Er ist ein sehr guter Torhüter und nur mit einem perfekten Schuss zu überwinden.» Und meint spasseshalber, vielleicht sei es ja so, dass er sich deshalb ganz besonders konzentriert habe. 

Den Exploit hatte er ganz und gar nicht erwartet. «Ich wusste am Mittag noch nicht, ob ich überhaupt würde spielen können. Ich war krank und erst nachdem ich am Nachmittag drei Stunden geschlafen hatte, fühlte ich mich fit genug, um zu spielen.» Wahrlich ein Unbeugsamer. 

Aber auch die Unbeugsamen brauchen einen General. Einen Chef, der über den Augenblick hinauszudenken vermag. 

In der Verlängerung, wenn nur noch drei gegen drei Feldspieler antreten, bringt ein taktischer Schachzug von Bandengeneral Heinz Ehlers den Sieg. 

Auf den ersten Blick denkt der Chronist: was ist jetzt los? Chris DiDomenico und Harri Pesonen bildeten in dieser Partie eine unheimliche Flügelzange und dominierten das Spiel zeitweise nach Belieben. Der Kanadier mit seiner Hartnäckigkeit, Energie und Intelligenz (er ist jetzt mit 29 Punkten auch statistisch der beste Spielmacher der Liga) und der Finne mit Explosivität und Zug aufs Tor. 

Die zwei mahnten ein wenig – aber wirklich nur ein wenig, wir wollen ja nicht übertreiben – an das Duo Wayne Gretzky und Jari Kurri während der 1980er Jahre in Edmonton. 

Also wäre es doch logisch gewesen, nun bei drei gegen drei in der Verlängerung Chris DiDomenico und Harri Pesonen gemeinsam auf den Gegner loszulassen. 

Aber Heinz Ehlers schickt Harri Pesonen mit Eero Elo aufs Eis. Was soll das? 

Es ist ein genialer Schachzug. Heinz Ehlers, der grantige Bandengeneral, wusste, warum er seine «Truppe» neu aufstellte. «DiDomenico und Pesonen entwickeln sehr viel Zug nach vorne und das ist bei nur drei Feldspielern gefährlich.» Deshalb habe er mit Elo einen Stürmer mit defensivem Gewissen neben Pesonen gestellt. 

Es war ja tatsächlich so: Eero Elo erzielte seinen Siegestreffer nicht vorne in der Sturmspitze. Er hatte sich «in die Tiefe des Raumes» fast bis zur blauen Linie zurückgezogen und erwischte Leonardo Genoni mit einem Schlenzer. 

Wenn bei den SCL Tigers der Torhüter und die Ausländer «funktionieren», dann ist der Himmel die Limite. Heinz Ehlers, der gestrenge «General Grantig» sorgt schon dafür, dass die übrigen Spieler fleissig sind. 

Und wenn die Unbeugsamen sich doch beugen und die Playoffs am Ende nicht erreichen? Kein Problem. Dann erzählt der Chronist keine neue Geschichte. Dann wird er gegen den «Bandengeneral», gegen Damiano Ciaccio, Chris DiDomenico und Harri Pesonen polemisieren (= mit den Mitteln der Übertreibung, der Ironie und des Sarkasmus kritisieren).  

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tigerherz 02.02.2019 15:10
    Highlight Highlight Schon amüsant dieser Journalismus. Vor einigen Tagen in einem Artikel Langnau für die Playoffs abgeschrieben. Man habe das schwerste Programm zu bewältigen hiess es. Und jetzt sei wieder Friede Freude Eierkuchen im Emmental, weil man in Bern gepunktet hat? Abwarten. Es sind noch einige Runden zu spielen.
  • eye love two hockey 02.02.2019 14:51
    Highlight Highlight Ich spiele seit etwa 15 Jahren Eishockey - aber wie ein Schlenzer geht hab ich bis Heute noch nicht herausgefunden... 🙄
    • Holy Mary 02.02.2019 15:12
      Highlight Highlight Schlänzer = Wir Berner bezeichnen einen Handgelenkschuss/Wrister so.
    • eye love two hockey 02.02.2019 18:53
      Highlight Highlight Das muss ein sehr weit verbreiteter Begriff sein, wenn er bei mir im Oberaargau noch nicht angekommen ist 😅
    • Beaudin 02.02.2019 19:06
      Highlight Highlight Im Oberaaragau gibt es auch kein Hockey auf höchstem Niveau
    Weitere Antworten anzeigen
  • hanibal79 02.02.2019 14:29
    Highlight Highlight Zum Randegger fällt dem Eismeister nichts ein?
  • Izdubar 02.02.2019 14:01
    Highlight Highlight Herr Zaugg, schön für Sie, dass Sie englischen Redewendungen vertraut sind. Oft lassen die sich aber nicht einfach wörtlich ins Deutsche übertragen, v.a. wenn sie dann nicht mal korrekt übersetzt werden. "The sky's the limit" bedeutet "der Himmel ist die GRENZE". Die Limite im Dt. ist etwas ganz anderes als englisch " the limit". Als Journalist sollten Sie sich dieser Feinheiten der Sprache bewusst sein.
  • mabisi 02.02.2019 13:22
    Highlight Highlight Einfacher gesagt: Ciaccio hat entschieden, in die Playoffs zu wollen.😸
  • dho 02.02.2019 12:29
    Highlight Highlight Hoffentlich erreichen die Langnauer die Playoffs NICHT... da würde uns ja der Eismeister mit seinen Anekdoten abhanden kommen... geht gar nicht 😉
  • salamandre 02.02.2019 11:36
    Highlight Highlight Es gibt für uns Auslandschweizer seit dem Swisscom Hockeyende leider keine möglichkeit mehr Schweizer Eishockey zu verfolgen, "warlich traurig". In diesem Sinne wieder einmal herzlichen Dank an Klaus Zaugg und Watson für Eure Berichte, und lasst Euch nicht von Klubfarben Miesepetern von Eurem Weg abbringen.
    • goldmandli 03.02.2019 10:19
      Highlight Highlight Echt? Ist es über die sky oder yuu tv app nicht möglich, auch im Ausland hockey zu schauen?
    • salamandre 03.02.2019 10:42
      Highlight Highlight goldmandli: Echt, nicht einmal wenn du bereit bist dafür zu bezahlen. NHL wird geliefert und wir haben auch immer noch die Möglichkeit zu SRF, aber Schweizer Eishockey kannst du dir nach dem Match 5min Highlites reinziehen, womit du freilich vom Verlauf des Spiels keine Ahnung hast
  • Knety 02.02.2019 11:25
    Highlight Highlight Zaugg ist ja besser als jedes Lexikon😂🤣
  • Andre Bachmann 02.02.2019 11:21
    Highlight Highlight ehlers, oder wenn ein bieler im emmental entwicklungshilfe leistet 😂
    • Beaudin 02.02.2019 19:08
      Highlight Highlight nein Ehlers leistet in Biel Sozialhilfe
  • Ambraham (FKA Housi von Wattenwyl) 02.02.2019 09:21
    Highlight Highlight Und wenn ein General mitten im Krieg seine Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten nicht mehr zu führen vermag und dann zu einer anderen Armee - die im gleichen Krieg erfolglos kämpft - wechselt, ist er für mich ein Deserteur und kein Rockstar.
    • emptynetter 02.02.2019 12:22
      Highlight Highlight ...und wenn der Deserteur mit der neuen Armee nicht erfolgreicher ist als der alte General, dann sowiso. 7 Spiele, 4 Niederlagen, 3 Siege mit Schiedsrichters Wohlwollen.
    • mukeleven 02.02.2019 14:52
      Highlight Highlight diese anologie war gut - saugut! 🤓
  • sregi 02.02.2019 08:47
    Highlight Highlight habe ausnahmsweise mal wieder so einen Klausibericht gelesen. Jetzt erinnere ich mich wieder weshalb ich sie sonst schon gar nicht mehr lese.... Gruss aus Langnau.
  • emptynetter 02.02.2019 08:13
    Highlight Highlight Fehlen nur noch die begriffe „schillerfalter“ und „rolex auf dem transferwühltisch“ und dann hätten wir das gesamte zauggsche repertoire in diesem artikel. sooo viel schreiben, nur um zu erklären, dass ehlers die richitgen spieler aufs eis schickt. Das ist ja wohl die aufgabe des coaches.
    • CheGue 02.02.2019 09:13
      Highlight Highlight Absolut emptynetter. “Die Rolex auf dem Wuehltisch” ist auch gefunden. Nun dokumentiert die Statistik, was ich schon laenger (ohne Tigers-Fan zu sein) behaupte: DiDo ist einer der besten Auslaender in der Schweiz!

      Und Chloeisu! Die Verbindung im Krauchtal koennte wahrlich besser sein....😎😎👍🏻🏁🎉🎉
    • sidthekid 02.02.2019 09:14
      Highlight Highlight Und trotzdem kanns mancher nicht 🤷‍♂️

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