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Die National-League-Klubs müssen im Seilziehen um die Ausländerfrage gegen den SCB und seine «unheilige Allianz» bestehen. Bild: shutterstock, watson

Eismeister Zaugg

Wie sechs Gerechte unser Hockey vor grossem Schaden bewahren können

SCB-Manager Marc Lüthi möchte ab nächster Saison mit sechs Ausländern spielen – neuer Rekord. Es braucht nun sechs Gerechte, um ihn von diesem Unsinn abzubringen.



Die Klubs der höchsten Spielklasse können über die Anzahl Ausländer selber bestimmen. SCB-Manager Marc Lüthi beantragt bei der Liga-Versammlung vom übernächsten Mittwoch, die Anzahl der Ausländer ab nächster Saison von vier auf sechs pro Mannschaft zu erhöhen. Das wäre Rekord.

Sechs Ausländer waren in unserem Hockey noch nie erlaubt. Am meisten durften die Klubs 2005/06 und 2006/07 einsetzen: Fünf pro Team, zwei mussten aber EU-Bürger sein. Nach zwei Jahren wurde die Anzahl Fremdlinge auf Antrag von SCB-Manager Marc Lüthi auf vier reduziert. Diese Regelung gilt bis heute und hat sich bewährt.

Anzahl Ausländer pro Team in der höchsten Spielklasse seit Einführung der Nationalliga 1937/38.

Bis 1958/59 ein Ausländer.
Ab 1959/60 keine Ausländer.
Ab 1970/71 ein Ausländer.
Ab 1980/81 zwei Ausländer.
Ab 1985/86 Playoff-Modus.
Ab 1999/00 drei Ausländer.
Ab 2004/05 vier Ausländer.
2005/06 fünf Ausländer (zwei müssen EU-Bürger sein).
2006/07 fünf Ausländer (zwei müssen EU-Bürger sein).
Ab 2007/08 bis heute vier Ausländer.

Mit zwei zusätzlichen Ausländern möchte der SCB-Manager nun mehr Markt schaffen, die zwei zusätzlichen Arbeitsplätze mit billigen Ausländern besetzen, so die Löhne der helvetischen Mitläufer drücken, Geld sparen und nebenbei auch noch das Niveau heben.

Noch nie haben so kluge Leute so viel Unsinn erzählt. Bringen wir es auf den Punkt.

Erstens:

Es gibt keine billigen Ausländer. Gäbe es sie, so könnten sie ja jetzt schon verpflichtet werden.

Zweitens:

Zwei zusätzliche Ausländer verdrängen nicht zwei teure einheimische Mitläufer. Wer vorne dabei sein oder nicht absteigen will, braucht bessere Mitläufer als die Konkurrenz. Zwei zusätzliche Ausländer verdrängen deshalb zwei Nachwuchsspieler.

Biels Janis Jerome Moser, rechts, im Duell mit Genfs Eliot Berthon im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem Geneve Servette HC, am Freitag, 21. September 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Hätte es mit sechs Ausländern noch Platz für Spieler wie Biels jungen Verteidiger Janis Jérôme Moser? Bild: KEYSTONE

Drittens:

Die Titanen können sich sechs erstklassige Ausländer (zum Preis von 600'000 bis 900'000 Franken) leisten, die Hälfte der Klubs nur mittelmässige (zum Preis von 400'000 bis 600'000 Franken). Die Differenz zwischen «oben» und «unten» wird grösser, die Ausgeglichenheit der Liga ist dahin.

Viertens:

Die Erhöhung von vier auf sechs Ausländer wird vollends absurd durch die Beschränkung auf nach wie vor nur acht Lizenzen. Um Verletzungen und Flops bei sechs Ausländern zu korrigieren und sicherzustellen, dass im Titel- oder Abstiegskampf sechs gute Ausländer zur Verfügung stehen, bleiben zwei Lizenzen! Die Folge: Im Frühjahr werden die meisten Klubs nicht einmal mehr sechs einsatzfähige Ausländer haben und müssen das Manko über Schweizer Mitläufer ausgleichen. So werden die Löhne der Schweizer Spieler zusätzlich angeheizt.

Oder in einem Satz:

Zwei zusätzliche Ausländer verteuern jede Mannschaft um mindestens eine Million und «vernichten» 24 Ausbildungsplätze für junge Schweizer Spieler.

Marc Lüthi braucht für seinen Antrag die Zustimmung von sieben der zwölf Klubs der höchsten Liga. Bei einem Unentschieden (sechs dafür / sechs dagegen) ist der Antrag abgelehnt.

Aus dem Buch der Bücher wissen wir, dass Gott bereit gewesen wäre, Sodom nicht zu vernichten, wenn es gelungen wäre, zehn Gerechte zu finden. Aber Abrahams Neffe Lot war der einzige Gerechte in der Stadt. Sie fiel deshalb zusammen mit Gomorra Gottes Zorn zum Opfer.

Um unser Hockey vor schwerem Schaden zu bewahren, braucht es nicht zehn, sondern bloss sechs Gerechte. Die Chancen stehen gut, dass diese sechs Gerechten des helvetischen Eishockeys gefunden werden, die gegen Marc Lüthis Antrag stimmen.

So sieht die politische Lage aus:

Für sechs Ausländer sind vier Klubs: der SC Bern, Lausanne, Servette und Davos. Sie sind eine «unheilige Allianz» eingegangen.

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Begraben Gaudenz Domenig (HC Davos) und Marc Lüthi (SC Bern) die Zukunft des Schweizer Eishockeys? Bild: keystone, shutterstock, watson

Gegen sechs Ausländer sind sieben Klubs: Ambri, Langnau, Rapperswil-Jona, Fribourg, Zug, Biel und die ZSC Lions. Sie sind eine «heilige Allianz» eingegangen.

Nur Lugano hat noch keine Meinung.

Es gibt also sieben Gerechte, die unser Hockey vor schwerem Schaden bewahren wollen. Wir sollten aber bedenken, dass es noch während der Liga-Versammlung am übernächsten Mittwoch zu Meinungsänderungen kommen kann.

«Wir werden nicht vor Gericht gehen»

Die Ausländerbeschränkung in unserem Eishockey ist illegal. Marc Lüthi könnte, wenn er bei der Ligaversammlung mit seinem Antrag unterliegt, vor einem ordentlichen Gericht klagen.

Juristisch ist es nicht zulässig, die Anzahl Ausländer pro Team zu beschränken. Eigentlich. Würde ein Team vor einem ordentlichen Gericht klagen, würde die Ausländer-Beschränkung mit grosser Wahrscheinlichkeit annulliert und unser Hockey ruiniert.

Bei der Begrenzung der Anzahl Ausländer handelt es sich um ein sog. «Gentlemen's Agreement», eine Selbstbeschränkung, an die sich bis heute alle gehalten haben.

Das wird weiterhin so bleiben. SCB-Manager Marc Lüthi und HCD-Obmann Gaudenz Domenig, die in einer «unheiligen Allianz» für die Erhöhung von vier auf sechs Ausländer eintreten, versprechen beide: «Wenn wir mit unserem Antrag bei der Liga-Versammlung unterliegen, werden wir den Entscheid akzeptieren. Wir werden nicht vor Gericht gehen.»

Das ist schon mal eine gute Nachricht. (kza)

Keine Meinung in dieser Sache hat der Verband (die Führung von Swiss Ice Hockey). Präsident Michael Rindlisbacher, früher SCB-Verwaltungsrat, wird die Liga-Versammlung leiten, besitzt aber kein Stimmrecht. Er wagt es nicht, sich öffentlich gegen das Begehren seines Freundes Marc Lüthi zu stellen. Betont allerdings, er sei mit dem SCB-Manager nicht befreundet und Marc Lüthi legt Wert auf die Feststellung, mit dem Verbands-Präsidenten nicht unter einer Decke zu stecken. Es gilt also die «Nichtfreundschafts-Vermutung».

Die neuen NL-Ausländer 2018/19

Item, Michael Rindlisbacher hat zusammen mit Liga-Direktor Denis Vaucher (ein Fürsprecher aus alteingesessener Stadtberner Familie) und Verbands-Sportdirektor Raeto Raffainer (spielte zwischendurch einst beim SCB) ein dreiseitiges Papier zur Sache ausgearbeitet. Darin werden Chancen und Risiken unter den drei Rubriken «Sport», «Kommerz» und «Image» aufgelistet.

Es ist ein wunderbares Dokument allerhöchster politischer Kunst. Es werden nämlich in allen drei Bereichen Gründe für und gegen die Erhöhung auf sechs Ausländer genannt. Wie der Teufel das geweihte Wasser, so meidet das famose Trio Schlussfolgerungen und eine klare Empfehlung. Logisch: Alle drei wollen ja ihre Jobs behalten. Also gibt man allen ein bisschen Recht und allen ein wenig Unrecht, wäscht sich die Hände in Unschuld wie einst Pilatus und lässt das Volk (die Klubs) entscheiden.

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