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Nico Hischier posiert fuer ein Portrait, waehrend dem Empfang zu seinen Ehren in seiner Heimatgemeinde, nachdem der 18-jaehrige Eishockeyspieler im NHL-Entry-Draft von den New Jersey Devils in Chicago als Nummer 1 gezogen wurde, in Naters am Freitag 30. Juni 2017. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Fokussiert ins neue Abenteuer: Devils-Stürmer Hischier. Bild: KEYSTONE

Interview

Nico Hischier: «Ich bin ein Mensch, der genau weiss, was er will»

Für den 18-Jährigen Nico Hischier beginnt das Abenteuer NHL. Die New Jersey Devils entschieden sich im Draft für den Schweizer, der von allen Talenten der Welt als erster gezogen wurde. Im Interview spricht Hischier über seinen traumhaften Sommer.

marcel kuchta, schweiz am wochenende



Nico Hischier, wenn Sie auf den Sommer zurückblicken, kamen Sie sich manchmal nicht vor wie in einem Traum?
Nico Hischier:
Doch, sehr. Der hat schon vor dem Draft begonnen und ist auch in den Tagen danach weitergegangen. Es ist in dieser Zeit extrem viel passiert. Ich brauchte lange, bis ich realisierte, was alles geschehen ist. Das hat sich manchmal schon angefühlt wie ein Traum.

Hat es irgendwann mal «wow» gemacht, als der Punkt kam, an dem Sie alles so richtig realisiert haben?
Ja, das war eigentlich zu dem Zeitpunkt der Fall, als ich wieder in den Trainingsalltag zurückkam. Ich wollte mich so schnell wie möglich so gut wie möglich auf die neue Saison konzentrieren und vorbereiten.

Wie fühlte sich dieses Erwachen an?
Es war ein schönes Gefühl. Natürlich wurde mir bewusst, dass jetzt einige Herausforderungen vor mir stehen. Aber ich mag Herausforderungen (lacht).

Die ersten Tage von Nico Hischier als Nummer-1-Draft

Was war für Sie der eindrücklichste Moment während dieser traumhaften Phase?
Das war genau der Moment, in welchem die New Jersey Devils während des Drafts meinen Namen sagten. Es war der Moment der Gewissheit. Es ist schwierig, diese Gefühlslage zu beschreiben. Ich weiss selber nicht mehr, was mir alles durch den Kopf ging. Es war einfach ein sehr, sehr emotionaler Augenblick.

Das ist Nico Hischier

Nico Hischier kam am 4. Januar 1999 in Brig VS auf die Welt. Er erlernte das Eishockey-Einmaleins beim EHC Visp. Im Alter von 15 Jahren wechselte er in die Juniorenabteilung des SC Bern, im Sommer 2016 schloss er sich in der kanadischen Juniorenliga den Halifax Mooseheads an. Am 23. Juni 2017 wurde er als erster Schweizer Spieler überhaupt im NHL-Draft an erster Stelle von den New Jersey Devils ausgewählt. Wenig später unterschrieb er dort seinen ersten NHL-Vertrag.

Hatten Sie nie das Gefühl, dass Ihnen der Rummel, der um Sie veranstaltet wurde, etwas zu viel wird?
Nein, wirklich nicht. Ich war zwar am Abend jeweils sehr müde. Aber im Vordergrund stand wirklich der Genuss. Ich habe mir immer wieder ins Bewusstsein gerufen, dass ganz viele andere Menschen nur davon träumen können, so etwas wie ich erleben zu dürfen. Ich konnte mich wirklich glücklich schätzen.

Der Hype rund um Ihre Person war riesig und wird noch grösser werden. Haben Sie nie Angst vor dem, was kommen wird?
Ein gewisser Respekt ist natürlich da. Man hört allerlei von links und rechts. Aber wichtig ist für mich, wie ich mich selber fühle. Ich muss mich auf mich selber konzentrieren. Und am allerwichtigsten ist, dass ich den Spass am Hockey nie verliere.

Wie sieht Ihre Strategie aus?
Hart arbeiten. Die Schwächen, die ich noch habe, ausmerzen. Mich stetig verbessern.

Ice hockey player Nico Hischier (New Jersey Devils) during the training of the first prospect camp of the Swiss ice hockey national team, in the PostFinance arena in Bern, Switzerland, Wednesday, July 26, 2017. (KEYSTONE/Thomas Delley)

Hischier im Sommertraining in Bern. Bild: KEYSTONE

In welchen Bereichen sehen Sie denn noch Steigerungspotenzial?
Auf NHL-Niveau kann und muss man sich immer steigern. Ich muss sicher mein Körper- und mein Bandenspiel verbessern. Dasselbe gilt für meinen Schuss.

Und wie sieht es im mentalen Bereich aus? Müssen Sie mutiger werden, selbstbewusster?
Im Kopf kann man natürlich ebenfalls viele Dinge beeinflussen. Da habe ich sicher noch Steigerungspotenzial. Aber auf mentaler Ebene lernt man natürlich auch sehr viel mit den Erfahrungen, die man laufend macht.

Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie in der NHL ein markierter Mann sein werden, der von den Gegnern besonders in die Mangel genommen wird? Können Sie selber überhaupt böse werden auf dem Eis?
Ich lasse mir sicher nicht alles gefallen. Und ich weiss, dass gewisse Spieler versuchen werden, mich zu provozieren, um mich aus dem Konzept zu bringen. Meine Taktik dagegen ist immer, möglichst schnell ein Tor zu schiessen (lacht).

Woher kommt eigentlich diese ausgeprägte Gelassenheit? Für einen 18-Jährigen sind Sie bemerkenswert abgeklärt.
Ich weiss es ehrlich gesagt auch nicht. Ich bin einfach ein sehr disziplinierter Mensch, der genau weiss, was er will.

Kann man diese Fokussierung auf den Erfolg lernen?
Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind nie gerne verloren habe. Das mache ich jetzt natürlich immer noch (lacht). Aber früher konnte ich Niederlagen nie akzeptieren. Ich habe mich und mein Umfeld regelmässig wütend gemacht. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass Niederlagen nicht immer nur schlecht sein müssen. Dass man aus Niederlagen auch lernen kann, wenn man die richtigen Schlüsse aus ihnen zieht. In den Playoffs bringt es nichts, sich noch lange über ein verlorenes Spiel aufzuregen. Der Fokus muss so schnell wie möglich wieder nach vorne gerichtet werden.

Nico Hischier
Foto: David Chan, Halifax Mooseheads

Bei den Halifax Mooseheads spielte Hischier überragend. Nun geht's nicht mehr gegen Junioren, sondern gegen Männer. bild: david chan

Haben Sie sich bei den anderen Schweizer NHL-Spielern noch ein paar Tipps geholt?
Ich habe in Bern mit einigen von ihnen trainiert (Roman Josi, Mark Streit, Yannick Weber; Anm. der Red.), da gab es zwischendurch immer mal wieder einen kleinen Tipp, wie das in der NHL läuft. Das war wirklich super, ich musste nicht mal fragen. Aber ich möchte und muss natürlich auch meine eigenen Erfahrungen sammeln und mich selber weiterentwickeln. Im Nachwuchs-Camp der New Jersey Devils (fand im Juli statt, Anm. der Red.) habe ich mich zudem bei meinen Mitspielern über vieles, was die Organisation betrifft, informiert.

Wo fühlen Sie sich wohler: in Ihrem Heimatdorf Naters oder in einer Grossstadt wie New York?
Ich brauche sicher meine Ruhe, aber ich mag das Stadtleben schon auch. Ich bin gerne dort, wo etwas läuft. New York ist natürlich eine riesige Stadt. Ich war nur kurz dort, aber das war schon sehr eindrücklich. Langweilig wird es mir dort sicher nicht. Aber man muss auch sehen: Ich werde dort so viel Eishockey spielen, dass für andere Sachen gar nicht viel Zeit bleiben wird.

Aber respekteinflössend ist der «Big Apple» schon ein wenig, oder?
Ja. Aber ich denke auch nicht, dass ich mitten im Getümmel, in Manhattan, wohnen werde, falls ich in der NHL spielen darf. Viele Spieler der New Jersey Devils leben in Hoboken, auf der anderen Seite des Hudson-Rivers, mit tollem Blick auf die Skyline von New York. Dort geht es eher zu und her wie in einem Dorf.

epa04166716 A near full moon rises behind the One World Trade Center in New York City as it is seen from Hoboken, New Jersey, USA, 13 April 2014.  EPA/GARY HERSHORN/INSIDER IMAGES

Vollmond über dem One World Trade Center: New York von Hoboken aus gesehen. Bild: EPA/EPA

Kehren wir am Ende noch einmal auf Ihren Traum zurück. Wie sieht in einer idealen Welt Ihr Auftakt in die NHL-Karriere aus?
Ich versuche, meine Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen. Und vor allem nicht zu weit vorauszudenken. Super wäre für mich schon, wenn ich Anfang Oktober mein erstes NHL-Spiel mit den New Jersey Devils bestreiten dürfte. Damit ginge schon wieder ein kleiner Traum in Erfüllung.

Das tönt sehr bescheiden. Zweifeln Sie daran, dass es so kommen wird?
Nein, ich bin schon zuversichtlich. Aber ich weiss, dass es da eine Menge sehr gute Spieler hat, die alle dasselbe Ziel wie ich verfolgen und einen Platz im NHL-Team wollen. Ich denke nicht, dass ich als Nummer-Eins-Draft einen Vorteil habe. Ich werde genauso hart arbeiten und um meine Chance kämpfen müssen. Wenn es so weit sein sollte, dann schaue ich Schritt für Schritt weiter. So bin ich halt: Eher vorsichtig.

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