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epa06979412 US President Donald J. Trump (R) holds up a FIFA red card that has his name on it, toward members of the news media, given to him by President of FIFA Gianni Infantino (L) during their meeting in the Oval Office of the White House in Washington, DC, USA, 28 August 2018. Along with the Canada and Mexico, the US will host the 2026 FIFA World Cup.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Der FIFA und dem Weltfussball zeigt keiner so schnell die rote Karte. Bild: EPA/EPA

Kommentar

«Football Leaks» – ein teuflisch genialer Einfall der FIFA-PR-Strategen

«Football Leaks» – na und? Selbst die brisantesten Enthüllungen vermögen den Weltfussball nicht mehr zu erschüttern. Sie zeigen vielmehr auf eine beunruhigende Art und Weise die Allmacht des Fussballs und die Ohnmacht der Medien.



Und nun also wieder eine neue Episode aus der Sport-Lindenstrasse «Football Leaks». Ach, was für ein Spektakel. Was da wieder alles aufgedeckt, enthüllt, freigelegt, blossgelegt, ausfindig gemacht und ans Licht gebracht worden ist!

Eigentlich müssten die Staatsanwälte alles stehen und liegen lassen und sich dem Fussball-Business zuwenden und die Sportministerien Krisenstäbe bilden. Eigentlich müsste es rocken und rollen in der Fussballwelt und die Resultate in den diversen nationalen und kontinentalen Wettbewerben zur Nebensache verkommen.

Eigentlich. Aber nichts passiert. Die Fussballwelt nimmt ihren Lauf. Wie eh und je. «Football Leaks» erwärmt nur ein wenig die Luft. Die Kritiker bellen, die Karawane zieht weiter. Was läuft da falsch?

Kaum ein anderes Sport-Business ist so gründlich durchleuchtet und skandalisiert worden. In meiner Bibliothek stapeln sich inzwischen die Enthüllungsbücher. Ich habe sie im Laufe der Zeit alle gelesen: 

Aber nichts verändert sich wirklich und nachhaltig. Das globale Milliarden-Unternehmen FIFA ist nach wie vor ein gemeinnütziger Verein im Sinne von Artikel 60 unseres Zivilgesetzbuches. Der Weltfussball-Verband hat seinen Sitz im mehr als 200 Millionen teuren «Versailles des Sports» an bester Lage in Zürich und geniesst weitgehend Steuerfreiheit.

Hin und wieder wird zwar einer der FIFA-Granden gestürzt und von Honigtöpfen vertrieben wie unlängst unser Sepp Blatter. Aber am System ändert sich nichts.

ARCHIV – ZUM KEYSTONE-SDA-INTERVIEW MIT JOSEPH «SEPP» BLATTER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - FIFA president Joseph S.

Sepp Blatter wurde als FIFA-Präsident gestürzt. Doch das Geschäft läuft weiter. Bild: KEYSTONE

Ohne Boshaftigkeit dürfen wir sagen, dass Sepp Blatters Nachfolger Gianni Infantino so ziemlich im gleichen Stil fuhrwerkt wie sein Vorgänger. Deutschlands Fussballkaiser Franz Beckenbauer wird zwar entehrt, aber er zieht sich unbehelligt ins Exil zurück wie einst Wilhelm, Deutschlands letzter echter Kaiser.

Wer meint, die FIFA an den Standards zu messen, die im Land gelten, in dem sie ihren Sitz hat, vergisst leicht, dass die FIFA ein Gebilde aus 211 Nationen ist. Nur in wenigen dieser 211 Mitgliederländer gelten die geschäftlichen Sitten und Bräuche Helvetiens.

Die «Fussball-Mafia» hat eigentlich nur einen unangenehmen Gegner. Nein, nicht die Medien. Sondern die US-Justiz. Die hat, weil der Fussball in den USA keine wichtige Rolle spielt, keine Beisshemmungen. In der Regel geht es um Steuerdelikte und Korruption und einige hohe «FIFA-Tiere» sind in Bedrängnis geraten. Aber das System haben auch die Amerikaner nicht verändern können.

Exterior view of the FIFA Headquarters 'Home of FIFA' in Zurich, Switzerland, Thursday 3, December 2015. Swiss police carried out raids against FIFA officials in connection with corruption investigations, the football's international governing body said. FIFA said it 'will continue to co-operate fully' after police made arrests at a Swiss hotel used by its officials for a second time this year. A two-day meeting of FIFA's executive committee is taking place in the in Zurich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der FIFA-Hauptsitz im Zürcher Nebel. Bild: KEYSTONE

Inzwischen sind wir so weit, dass eine Fussball-WM im Winter in der arabischen Wüste von Katar gespielt wird. In einer absoluten Monarchie mit dem Islam als Staatsreligion und der Scharia als Grundlage der Rechtsprechung. Diese wahrscheinlich bizarrste Verrücktheit der Sport-Weltgeschichte regt längst niemanden mehr auf.

Warum ist das so? Warum können Enthüllungen, die jede Firma, jeden Konzern, jede politische Partei, jede Regierung und jeden anderen Sport in den Grundfesten erschüttern und erneuern würden, dem Fussball so wenig anhaben?

Weil Fussball längst ein Geschäft geworden ist, das von keiner Regierung und keiner Gerichtsbarkeit kontrolliert und reguliert werden kann und von keinen Landesgrenzen beeinträchtigt wird.

Kein anderes globales Geschäft, nicht einmal Hollywood, bietet diesen Mix aus Glamour und Geld, diese schrankenlosen Möglichkeiten, Milliardenbeträge rund um den Globus zu verschieben, und diese Bühne, um berühmt zu werden.

Ein «schönes» Beispiel für die Strahl- und «Reinigungskraft» des Fussballs mag Uli Hoeness sein. Nach einer Verurteilung wegen Steuerdelikten muss der Präsident des FC Bayern im März 2014 alle Ämter niederlegen. Im November 2016 ist er wieder zum Vorsitzenden gewählt worden.

epa07106995 Bayern's chairman of the board Karl-Heinz Rummenigge (L) and president Uli Hoeness (R) during the German Bundesliga soccer match between VfL Wolfsburg and Bayern Munich in Wolfsburg, Germany, 20 October 2018.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL CONDITIONS - ATTENTION:  The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Uli Hoeness: trotz Gefängnisstrafe weiterhin Präsident der Bayern. Bild: EPA/EPA

Dieses grandiose Comeback wäre in der Politik ausgeschlossen. Karl-Theodor von Guttenberg, auch ein Bayer, musste seine hoffnungsvolle Politkarriere, die er womöglich mit dem Amt eines Kanzlers hätte krönen können, vorzeitig beenden. Bloss weil er bei der Doktorarbeit ein bisschen abgeschrieben hatte.

«Football Leaks» bringt die öffentliche Empörungsmaschine zum Laufen, liefert Medien reichlich Stoff und Aufmerksamkeitsquoten. Aber zugleich entlarvt «Football Leaks» eine beunruhigende Ohnmacht der Medien.

Kein Zyniker und Kulturpessimist, der da denkt, dass «Football Leaks» den Fussball eigentlich noch interessanter, faszinierender, fesselnder, kurzweiliger, aufregender, packender, reizvoller, spannender, grandioser, einzigartiger, sensationeller, staunenswerter und dramatischer macht.

Ein leicht paranoider Verschwörungstheoretiker könnte gar zum Schluss kommen, «Football Leaks» sei ein teuflisch genialer Einfall der FIFA-PR-Spezialisten.

Alle FIFA-Präsidenten seit Gründung des Weltverbands 1904

Ein Fussball-Dress für Donald Trump

Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • elnino 07.11.2018 17:42
    Highlight Highlight Ich habe einige Jahre bei einem der FIFA Vermögensverwalter gearbeitet - und welche Summen da jeweils transferiert wurden ist pervers!

    Highlight: Nach der WM in Brasilien hat uns der FIFA CFO kontaktiert und bloß gemeint, wir müssen einige Millionen in Euro umwandeln, ohne dass der Fiskus Wind davon bekommt - meine Chefs hatten daraufhin einige schlaflose Nächte..
  • Nachteule 07.11.2018 14:53
    Highlight Highlight Ich kenne keinen einzigen Menschen, der sich für Fussball interessiert. Einfach keinen.
    • anderesicht 07.11.2018 16:16
      Highlight Highlight Immerhin hast Du den Artikel gelesen. Schade um die Zeit, wenn es Dich nicht interessiert
    • Mia_san_mia 07.11.2018 20:56
      Highlight Highlight Haha ja klar 😂 Hast Du überhaupt mit Menschen Kontakt?
    • Nachteule 07.11.2018 22:20
      Highlight Highlight @anderesicht: Ich interessiere mich für Verhaltenspsychologie. In dieser Hinsicht kann Fussball sehr interessant sein.

      @Mia_san_mia: Klar, aber die haben halt andere Interessen. Soll ja vorkommen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Zweiundvierzig 07.11.2018 14:17
    Highlight Highlight Wusste gar nicht, dass der Infantilo mal den Trumpfkopf getroffen hat. Die beiden passen ja gut zusammen.
  • incorruptus 07.11.2018 12:56
    Highlight Highlight Was ich einfach speziell an den ganzen Leaks finde, ist, dass die Quelle ein ominöser Unbekannter ist, der sich hinter einem Kaputzenpulli verdteckt und Daten von unbekannter Herkunft weitergibt.

    Natürlich läuft nicht alles rund, doch solange kein wirklicher Schaden entseht, sollte dies eigentlich intern geregelt werden.

    Ein Problembereich, welcher eigentlich diese Aufmerksamkeit verdient hätte, sind die Arbeitsbedingungen in Katar. Denn dort sterben Menschen.

    Bei den Aussagen über Bayern, PSG, ManCity oder Infantino spricht häufig auch einfach der Neid aus den meisten.
    • Whitchface 07.11.2018 13:42
      Highlight Highlight Sorry, aber wer die Gehälter europäischer Grossvereine als gerechtfertigt bezeichnet, oder bei gegenteiliger Wahrnehmung von Neid spricht, hat sich mit dem Thema nicht beschäftigt. Oder einfach schlicht ungesunde Moralvorstellungen. Es geht nicht um Neid, sondern darum, dass einer Sportart einfach viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Panem et circenses ad pleb. Ich vergleiche das auch gerne mit Religion und Armee (ohne jemanden zu nahe treten zu wollen): Das Eingliedern in eine Zusammengehörigkeit gibt Personen in schwierigen Situationen Halt und Perspektive. Auch wenn nur temporär.
    • anderesicht 07.11.2018 16:21
      Highlight Highlight Whitchface: das ist wie mit der Finanzwelt. Jeder regt sich auf. Selber strebt er nach möglichst hohen Gewinnen auf seinen Anlagen.

      Das Interesse der Menschen am Fussball ist so gross, dass es zwar einen Teil der Gesellschaft stört. Ein grosser Teil das System so akzeptiert. Und Klausi hat recht: in teilen von Europa oder Amerika regt man sich auf. Dem rest von der Welt ist es egal.
    • incorruptus 07.11.2018 17:22
      Highlight Highlight Nun, dass Geld fliesst dort hin, wo es auch verdient wird. Der Fussball erzeugt einen derart zohen Rinanzrückfluss, dass sich die Löhne zu meist rechtfertigen lassen.

      Ronaldos Ablöse und Gehalt werden innert kürzester Zeit wieder eingenommen und der Toursimus in Katar und den VAE boomt gewaltig, seid sie in den Fussball investieren.

      Zudem wird dieses Geld niemandem weggenommen. Es leidet keiner darunter, dass diese Personen so viel verdienen.
  • YvesM 07.11.2018 12:47
    Highlight Highlight Einer der Gründe, warum ich keinen Fussball mehr schaue. Wenn genug mitmachen, ist das der einzige Hebel, den wir haben.
    • salamandre 07.11.2018 16:51
      Highlight Highlight Richtig
  • Asmodeus 07.11.2018 12:31
    Highlight Highlight "Nur in wenigen dieser 211 Mitgliederländer gelten die geschäftlichen Sitten und Bräuche Helvetiens"


    Man sehe sich unsere Politikelite doch mal an (ganz vorne SVP und FDP).

    Auch die machen gerne die Taschen auf und richten ihre Meinung nach dem Lobbyfähnchen.

    Wie war das noch mit den Spesen bei der CVP?
    • El Vals del Obrero 07.11.2018 13:15
      Highlight Highlight In der schweizerischen Rüstungsindustrie oder bei der Bundes-IT geht ja garantiert alles ganz sauber zu und her ...

      Und das FIFA-Präsidium ist ja immerhin seit 20 Jahren in schweizerischer, genauer in walliserischer Hand.

      Das FIFA-Gebaren hat wohl mehr mit der Schweiz zu tun, als man sich wünschen mag.
    • Gubbe 07.11.2018 14:38
      Highlight Highlight Alles richtig. Ich bin deshalb überzeugt, dass dieser stumpenrauchende Gewerkschaftsboss seine Massanzüge auch alle selbst genäht hat. Auch der SP-Boss selbst hat seine Kontaktlinsen alle in der Garage hergestellt. Beide beschriebenen haben ja nur einen Minimallohn. Es ist nicht der Büezer der ihnen über Beiträge ihr sorgenfreies Leben finanziert. Nein, alles selbst erschaffen. Man sollte mal ihre Spesenrechnungen kontrollieren!
  • Henzo 07.11.2018 12:26
    Highlight Highlight Warum soll die WM nicht in einem muslimischen Land ausgetragen werden?

    ....ich wäre dafür, dass man auf SRF keine Fussball Matches mehr zeigt.
    • Zweiundvierzig 07.11.2018 14:23
      Highlight Highlight Es geht nicht darum, dass die WM in einem muslimischen Land ausgetragen wird. Die WM wurde an Katar vergeben, obwohl das Land keinerlei Fussballkultur kennt. Es gab dort nicht mal Stadien, nur Amateurvereine, und die Nationalmannschaft ist ein Witz. Nach der Vergabe ist den Leuten eingefallen, dass sich im katarischen Sommer bei 45°C vielleicht auch nicht sooo gut Fussball spielen lässt. Erst hat man über Stadien mit Aircondition (!) nachgedacht, dann wurde die WM einfach in den Winter verschoben. Wieso tut man sowas? Genau, weil die Scheichs die WM mit ordentlich Petrodollars gekauft haben.
  • zeusli 07.11.2018 12:20
    Highlight Highlight Fussball ist Systemrelevant
    • Nick Name 07.11.2018 13:08
      Highlight Highlight ... was?
      Benutzer Bild
    • zeusli 07.11.2018 14:42
      Highlight Highlight @ Nick Name so hätte ich das schreiben solle😉
  • sottosopra 07.11.2018 12:20
    Highlight Highlight Denselben Artikel könnte man Wahlweise über Trump, Banken, allgemein Grosskonzerne aber speziell Rohstoff- bzw. Lebensmittelkonzerne uvm. schreiben. Da wird/wurde von Medien und NGOs viel aufgedeckt, ohne, dass es grosse Konsequenzen gehabt hätte. Liegt und lag wohl seit jeher daran, dass man sich mit entsprechenden finanziellen Mitteln vieles "reinwaschen" bzw. sich freikaufen kann. Gleichzeitig lässt sich auch erkennen, wie die Medien im Vergleich zu den PR-Abteilung der erwähnten Akteure argumentativ untergehen.
  • ralck 07.11.2018 11:55
    Highlight Highlight «Warum können Enthüllungen, die jede Firma, jeden Konzern, jede politische Partei, jede Regierung und jeden anderen Sport,…»

    Eben genau nicht! Die Situation der FIFA zeigt GENAU, wie es auf der ganzen Welt läuft. Wenn du genug gross und mit den richtigen Leuten verkehrst, passiert dir zu 90% nichts.
    Siehe Trump, VW-Konzern, Monsanto, UBS, Postauto, …

    Würde es richtig laufen, wären hier alle Verantwortlichen wegen den Skandalen, Betrug oder Veruntreuung im Knast und die Firma bankrott. Aber es geht nicht. Dafür ist das alles zu gross und zu komplex.
    • Der Kritiker 07.11.2018 14:28
      Highlight Highlight UBS ist nichts passiert? Schau Dir die Milliardenzahlungen an, die bereits in die USA geflossen sind.
    • Henri Lapin 07.11.2018 14:50
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