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epa07274365 (FILE) - Andy Murray of Britain kisses the championship trophy following his win over Milos Raonic of Canada in the men's singles final of the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club in London, Britain, 10 July 2016 (reissued 11 January 2019). Murray announced on 11 January 2019 that he plans to retire after this year’s Wimbledon, after struggling to recover from injury.  EPA/ANDY RAIN EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

Andy Murray küsst die Wimbledon-Trophäe, die er zwei Mal gewann. Bild: EPA/EPA

Kommentar

7 Gründe, warum ich Andy Murray im Tennissport vermissen werde

Andy Murray tritt noch in diesem Jahr zurück. Eine tolle Karriere eines grossartigen Menschen geht zu Ende. Er hat dem Tennis vieles gebracht und wird deshalb schmerzlich vermisst werden.



Ich muss gestehen, ich mochte Andy Murray nicht immer. Ich respektierte stets sein Tennisspiel, doch mit seiner Art auf dem Platz konnte ich oft nicht viel anfangen. Ich störte mich am ständigen Hadern und Ausrufen des Schotten. 

Doch je länger seine Karriere dauerte, desto mehr wuchs mir das vierte Mitglied der «Big Four» ans Herz. Ich merkte, dass dies einfach Murrays Art ist, mit dem Druck und dem Geschehen auf dem Court umzugehen. Und ich realisierte, dass sich hinter dieser Art ein sympatischer Typ mit einem ausgesprochenen Sinn für Humor verbirgt. 

Deshalb hat mich die Nachricht von heute früh, wie viele Tennisfans auf der ganzen Welt getroffen. Murray wird seine Karriere noch in diesem Jahr beenden. Zu gross sind seine Probleme mit der Hüfte. Ich werde ihn, wie viele andere Tennis-Fans auf der ganzen Welt, schmerzlich vermissen – aus verschiedenen Gründen.

Anfang vom Ende der «Big Four»

13 Jahre und mehr dominieren die «Big Four» schon das Herrentennis. Seit dem French Open 2005 haben Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray 50 von 55 Grand-Slam-Titeln gewonnen. Es ist eine imposante Ära, die sich langsam aber sicher dem Ende zuneigt. Roger Federer ist 37 Jahre alt, Rafael Nadal 32, Novak Djokovic und Andy Murray sind 31. 

FILE - Clockwise from top left are file photos showing Rafael Nadal biting the Wimbledon men's singles trophy after defeating Tomas Berdych on July 4, 2010; Novak Djokovic kissing the Wimbledon men's singles trophy after defeating Roger Federer on July 12, 2015; Roger Federer  kissing the Wimbledon men's singles trophy after beating Andy Murray on, July 8, 2012; and Andy Murray kissing the Wimbledon men's singles trophy after beating Milos Raonic on July 10, 2016. Nadal, Djokovic, Federer and Murray have combined to win the past 14 Wimbledon men's titles. (AP Photo/File)

Nadal, Djokovic, Murray und Federer: Die «Big Four» des Herrentennis. Bild: AP/AP

Alle haben sie schon grosse Probleme mit ihrem Körper gehabt. Bei Federer war es zuerst der Rücken, dann das Knie. Bei Nadal schon ziemlich jeder Muskel, den man überhaupt verletzen kann. Djokovic hatte mit dem Ellenbogen zu kämpfen. Und bei Murray ist es die Hüfte. Immer kamen sie zurück. Bis jetzt. Der Rücktritt von Sir Andy Murray ist ein unangenehmer Weckruf, der zeigt: Die «Big Four» sind nicht ewig. Das Ende ihrer Ära kommt immer näher.

Heroische Momente

Die Karriere von Andy Murray ist auch eine klassische Aussenseiter-Geschichte. 2005 betrat er die ATP-Tour. Er war äusserst talentiert, ein zäher Kämpfer. Doch ihm schien das gewisse Etwas zu fehlen, um Federer, Nadal und Djokovic das Wasser reichen zu können. Meist waren Halbfinal oder Final die Endstationen. Man fragte sich, ob er je einen Grand-Slam-Titel gewinnen könne.

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Andy Murray gewinnt Olympiagold gegen Roger Federer. Video: YouTube/Nguyen Tuan

Diese Frage beantwortete der zum Ritter geschlagene Schotte 2012. Erstmals zog er in Wimbledon in den Final ein, wo er aber Roger Federer in vier Sätzen unterlag. Die Revanche folgte wenige Wochen später an gleicher Stelle. Im Olympiafinal in London bezwang ein dominanter Murray Federer mit 6:2, 6:1 und 6:4 und holte sich seinen ersten grossen Titel. Am folgenden US Open legte er gleich die erste Grand-Slam-Trophäe nach. Damit erlöste er eine ganze Nation: Es war der erste Major-Erfolg eines Briten seit 76 Jahren.

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Andy Murray gewinnt seinen ersten Major-Titel in Wimbledon. Video: YouTube/Wimbledon

Fortan war Murray ein Nationalheld. 2013 zementierte er diesen Status mit dem ersten britischen Wimbledonsieg seit 1936. 2015 holte er für und mit Grossbritannien den Davis Cup. 2016 legte er einen zweiten Wimbledontitel und einen zweiten Olympiasieg nach und erklomm den ersten Platz der Weltrangliste. 

Gerade weil Murray lange unten durch musste, hatten diese Erfolge in der Ära von Federer, Nadal und Djokovic eine noch grössere Bedeutung. 

Andy der Feminist

2014 verpflichtete Murray die ehemalige Weltranglistenerste Amélie Mauresmo als Trainerin. Erstmals in der Tennisgeschichte trainierte eine Frau einen männlichen Top-10-Athleten. Die harsche Kritik an dieser Entscheidung habe ihm die Augen geöffnet, wie gross die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen immer noch sei, erklärte Murray später.

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Andy Murray korrigiert einen Journalisten, dass Sam Querrey nur der erste männliche US-Spieler in einem Grand-Slam-Halbfinal seit 2009 sei. Video: YouTube/WXYZ-TV Detroit | Channel 7

Der Schotte war immer ein Fürsprecher für gleiche Preisgelder bei Männern und Frauen. Auch sonst verpasste er keine Gelegenheit um auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen und Reporter zu korrigieren, wenn sie mal wieder die Leistungen der Frauen vergassen. So machte er sich auch auf der WTA-Tour äusserst beliebt. 

Andy Murray kritisiert die BBC, dass sie die Zehnkampf-Goldmedaille von Katarina Johnson-Thompson an den Europameisterschaften praktisch totschweigen. 

Kampfgeist und Verteidigungsqualitäten

Auf dem Platz zeichnete sich Murray durch seinen unglaublichen Kampfgeist aus. Egal wie aussichtslos der Spielstand, egal wie gross die Distanz zum Ball: Der Schotte gab niemals auf. Und weil ein gesunder «Sir Andy» einer der schnellsten Athleten und besten Defensivkünstler auf der Tour war, lohnte sich das meist auch – und sorgte für einige spektakuläre Ballwechsel.

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Typisch Andy! Seine besten Punkte an Grand-Slam-Turnieren. Video: YouTube/Raz Ols

Humor

Trocken und dunkel. Murrays Humor entspricht dem eines typischen Briten. Insbesondere in den sozialen Medien, manchmal aber auch auf dem Platz, sorgte «Muzz» immer wieder für grosser Lacher. Einige Beispiele:

Andy feiert das Ende des «Scheiss-Jahres» 2018.

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Andy hat die praktische Antwort auf die Frage, wie in Wimbledon die Erdbeeren gegessen werden. Video: YouTube/Wimbledon

Lobs

Zurück zum Tennis. Gegen Murray ans Netz vorzustossen war immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Denn der Schotte spielte die wohl besten Lobs der Männertour. Sie waren hoch, im Feld und hatten viel Spin. Auch für die grössten Gegner waren sie kaum zu retournieren.

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Eine Auswahl von aussergewöhnlichen Murray-Lobs. Video: YouTube/Tennis Boy

Emotionen

Wie die Pressekonferenz von heute Morgen gezeigt hat, ist Andy Murray auch ein extrem emotionaler Mensch. Einer, der sich nicht verstellt. Immer wieder bricht «Sir Andy» nach Spielen, bei Siegerehrungen oder eben auch vor Journalisten in Tränen aus. Diese Art von ehrlichen, direkten Emotionen werden auf der Tour fehlen.

Die emotionale Pressekonferenz von heute Morgen.

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Eine der berühmtesten Murray-Reden: «Ich kann weinen wie Roger, schade kann ich nicht spielen wie er.» Video: YouTube/dhamodharan

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Andy Murray bricht nach einem Sieg im Oktober 2018 in Tränen aus. Video: YouTube/Tennis TV

Die grössten Erfolge von Andy Murray

Martina Hingis: Die erfolgreichste Schweizer Tennisspielerin

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jol Bear 11.01.2019 16:06
    Highlight Highlight Zu "big four": Die gibt es nicht in dieser Ära: Entweder "big three": Federer, Nadal, Djokovic oder "big five": die drei genannten plus Murray und Wawrinka, welche in dieser Zeit beide je drei Grand-Slam-Titel gewonnen haben.
    • Schreiberling 11.01.2019 16:58
      Highlight Highlight Wenn man nur die Grand Slams betrachtet ja. Aber die Tour besteht nicht nur aus Grand Slams. Murray ist auf Mastersstufe erfolgreicher als Stan. Murray war die Nummer 1. Und Murray hat zwei Olympia Goldmedaillen im Einzel.
  • nJuice 11.01.2019 15:39
    Highlight Highlight Mit dem Tennisspieler Murray und seiner Entourage auf der Tribüne konnte ich mich nie anfreunden.

    Für den Menschen Andy habe ich grossen Respekt, spätestens seit er nach Rogers 16. Grand-Slam-Titel sagte: "I can cry like Roger, it's just a shame I can't play like him."

    Grosser Sportler, coole Socke. Alles Gute für die Zukunft, Andy!
  • kupus@kombajn 11.01.2019 15:16
    Highlight Highlight Aus meiner Sicht gab es die besagten Big Four nie. Murray hatte sicher eine tolle Karriere und sie hätte mit etwas Glück und weniger Verletzungspech wohl noch eindrücklicher ausfallen können, aber kann man ihn wirklich ein einem Atemzug mit RF, Djokovic und Nadal nennen? Für mich sind es Big Three
    • Dennis Schläger 11.01.2019 15:51
      Highlight Highlight Rein an den Erfolgen gemessen ist Murray definitiv näher bei Wawrinka als an den anderen drei. Allerdings hat er diese Ära entscheidend mitgeprägt und sich zahlreiche Duelle mit den Big Three geliefert und dabei nicht selten auch gewonnen. Auch wenn er nicht ganz auf eine Stufe zu stellen ist wie die anderen, hat er soch den Status zu den Big Four zu gehören verdient.
  • Muselbert Qrate 11.01.2019 14:45
    Highlight Highlight Ich mag vor allem seine verbissene Mutter nicht..!
  • N. Y. P. 11.01.2019 12:45
    Highlight Highlight Andy ist einfach ein geiler Siech. Hat Ecken und Kanten, ist launisch und impulsiv.

    Nichts gegen Goffin, aber hätten wir nur solch langweilige Schuelerbueben, dann proscht Nägeli. Wir alle würden der geistigen Verwesung, infolge Langeweile, anheim fallen.

    anheim ?

    Ob es dieses Wort überhaupt gibt ?
    Goffin würde das jetzt abklären.
    Und Andy : Ach, scheiss drauf !
  • lilie 11.01.2019 12:16
    Highlight Highlight Eine wunderbare Würdigung des grossen Champions - nicht nur sportlich, sondern auch persönlich ein eindrücklicher Mensch, der sich nie verstellte.

    Kleine Ergänzung zum Bild mit dem Weihnachtspullover: "chuffed to bits" heisst so viel wie "sich freuen wie ein Schneekönig" - Andy mockierte sich öfters selbstironisch darüber, wenn er auf Fotos nicht lächelte.

    Aber ach bitte, könnten wir alle nicht so tun, als wäre er gestorben? 😥

    Er wird sich bestimmt weiter für Tennis, Gleichberechtigung, Kinder und Tiere engagieren und sicher ab und zu in der Öffentlichkeit auftauchen!
  • cabro 11.01.2019 12:14
    Highlight Highlight Seine Mutter werde ich auch vermissen!
    • Peeta 11.01.2019 14:04
      Highlight Highlight Ich seine Frau!
  • Für immer Bern 11.01.2019 12:11
    Highlight Highlight Ich wünsche Andy Murray alles gute für die Zukunft, möge sein letztes Tennis-Jahr ein erfolgreiches sein, verdient hätte ers.

    Auch mir geht es ähnlich wie vielen, erst unsympathisch, je länger desto beliebter...
    meine ‘Abneigung’ zu Andy Murray hieng teils wuch mit Mutter Judy zusammen, welcher ich auch keine Sympathie abgewinnen konnte🤷🏽‍♂️
    • Fräulein Sarahs Gespür für den ISLAM 11.01.2019 18:07
      Highlight Highlight Der einzige wirkliche Unsimphat ist D ! http://De

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