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Lüthi in Katar: Verliert er seinen Hauptsponsor?
Lüthi in Katar: Verliert er seinen Hauptsponsor?Bild: NOUSHAD THEKKAYIL/EPA/KEYSTONE

Wie die Schweizer Politik die Existenzgrundlage von Tom Lüthi bedroht

Die Gefahr, dass Tom Lüthi (30) seinen wichtigsten Geldgeber aus politischen Gründen verliert, ist beunruhigend gross. Dabei will der einstige 125er-Weltmeister doch noch einige Jahre lang im GP-Zirkus bleiben.
26.03.2017, 10:4126.03.2017, 11:54
klaus zaugg, katar

In Katar ist rund um das Schweizer Team von Tom Lüthi und Jesko Raffin helvetische Politik ein heisses Gesprächsthema. Das kommt so: Internet-Wetten sind «Big Business». Alleine die Firma Interwetten mit Sitz in Wien setzt im Jahr rund eine Milliarde Franken um. Fast 200 Millionen davon in der Schweiz.

Interwetten ist seit 2006 der wichtigste Sponsor von Tom Lüthi und auch des Teams, in dem der Weltmeister von 2005 (125 ccm) zusammen mit der grossen Nachwuchshoffnung Jesko Raffin (21) fährt. Die Zusammenarbeit ist langfristig ausgelegt. Es gibt bereits eine mit Interwetten abgestimmte, auf drei Jahre ausgelegte Strategie mit dem Endziel einer Schweizer Präsenz in allen drei Kategorien (MotoGP, Moto2, Moto3) in der Saison 2019. Tom Lüthi mit KTM in der Königsklasse MotoGP, Jesko Raffin in der Moto2-WM und Jason DuPasquier (jetzt in der Moto3-Junioren-WM) in der Moto3-WM.

Eine Million Franken im Jahr

Aber diese Pläne sind Makulatur, wenn sich die Politik durchsetzt. Deshalb wird hier im Morgenland beim ersten GP der Saison helvetische Politik heiss diskutiert wird. Eine Gesetzesvorlage für das generelle Verbot von ausländischen Internetwetten in der Schweiz zum Schutze der Schweizerischen Lotteriegesellschaft von Swisslos hat bereits den Nationalrat passiert.

Bild: NOUSHAD THEKKAYIL/EPA/KEYSTONE

Ist das Gesetz in Kraft, wird es nicht mehr möglich sein, auf einem Computer in der Schweiz auf ausländischen Websites zu wetten. Für Interwetten gibt es dann keinen Grund mehr, fast eine Million Franken in das Team von Tom Lüthi und in das persönliche Sponsoring des Fahrers zu investieren. Lüthis Manager Daniel Epp sagt: «Es wäre sehr schwierig einen Sponsor zu finden, der im gleichen Umfang einsteigt.»

Keine Lobby für die Töff-Stars

Die alles entscheidende Frage ist nun, wann das neue Gesetz in Kraft tritt. «Das ist noch nicht ganz klar», sagt Epp. «Es ist möglich, dass die Ausarbeitung so lange dauert, dass das Gesetz erst ab 2020 greift. Aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es schon ab dem 1. Januar 2018 in Kraft tritt.» Das wäre bereits das «Aus» für nächste Saison. «Selbst wenn das Gesetz erst ab 2020 umgesetzt wird, ist die Rechtsunsicherheit bis dahin so gross, dass es schon vorher zu einem Ausstieg von Interwetten kommen könnte.»

Politische Opposition gegen dieses Gesetz gibt es praktisch keine. Mit einem gewissen Sarkasmus bemerkt Daniel Epp, dass selbst SVP-Nationalrat Walter Wobmann, der Präsident des Schweizerischen Motorradsportverbandes (!), für das Gesetz gestimmt hat. Die Asphaltcowboys haben keine politische Lobby.

Aufstieg in die MotoGP gefährdet

Ist gar die Karriere von Tom Lüthi in Gefahr, die ja noch fünf oder sechs Jahre dauern kann? Daniel Epp will nicht so weit gehen. Er sagt aber: «Unsere MotoGP-Pläne müssten wir dann vergessen und auch eine Unterstützung für DuPasquier wäre kaum mehr möglich.» Epp ist nun daran, an einem Plan B zu arbeiten. Was ist vorzukehren, wenn Interwetten bereits Ende Saison aussteigt? Was ist zu tun, um Tom Lüthis Moto2-Karriere weiterhin finanzieren zu können?

Konkurrent Aegerter ist von der Situation nicht betroffen.
Konkurrent Aegerter ist von der Situation nicht betroffen.Bild: NOUSHAD THEKKAYIL/EPA/KEYSTONE

Steigt Interwetten aus, dann muss Epp über eine halbe Million Franken auftreiben. Und das ist nur möglich, wenn er jetzt schon erste Kontakte knüpft. Aber Interwetten wird erst im Herbst entscheiden, ob der Vertrag um eine weitere Saison verlängert wird. Zu diesem Zeitpunkt sind die wichtigsten Sponsoring-Deals für 2018 längst unter Dach und Fach. Was die Situation kompliziert: Tom Lüthi hat mit dem aktuellen Team einen Zweijahresvertrag, also bis und mit der Saison 2018. Verliert das Team Interwetten, dann kann er nicht einfach so in ein anderes Team wechseln, wo vielleicht ein Geldgeber am Schweizer interessiert ist.

Nicht betroffen von dieser Situation ist Dominique Aegerter (26) im Team von Stefan und Jochen Kiefer. Der wichtigste Sponsor dieses Rennstalls aus Deutschland ist der Recycling-Spezialist AirGrinder mit Sitz in Schweden und in der Schweiz. Auch Aegerters persönliche Werbepartner, über die er den grössten Teil seines Einkommens erzielt, sind nicht betroffen.

Regen im Morgenland
Wenn in der Wüste Regen fällt, dann gerät auch im Töffrennsport alles durcheinander. Der hochmoderne Rundkurs vor den Toren von Doha in Katar hat eine Achillesferse: Er funktioniert nur bei trockenem Wetter. Schliesslich fällt im Wüstenstaat in Arabien fast kein Regen.

Doch jetzt spielt das Wetter verrückt. Gestern war vorgesehen, die Startplätze für die heutigen Rennen in den Qualifikationstrainings auszufahren. Aber ein heftiges Gewitter setzte die ganze Anlage unter Wasser. Niemand konnte fahren. So werden nun die Startplätze nach den Klassierungen aus den freien Trainings vergeben. Die Schweizer starten im Moto2-Rennen (ab 18.05 SRF 2 live) von den Plätzen 3 Tom Lüthi, 7 Dominique Aegerter und 16 Jesko Raffin. Die Wetterprognose ist gut.

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quelle: semedia / luciano bianchetto/semedia
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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
26.03.2017 13:16registriert August 2014
Zwar wäre es nicht gut, wenn Tom Lüthi seinen wichtigsten Sponsor verliert, aber es wäre noch schlechter, wenn die Politik Gesetze das Interesse einer Einzelperson oder einer Firma vor das Wohl der Nation stellen würde. Womit ich nicht gesagt haben will, dass das Verbot von ausländischen Wettanbietern zum Wohl der Schweiz sei (das lasse ich offen).

Dieser Artikel hat deutlich mehr mit Politik als mit Sport zu tun, und könnte der Versuch sein, mit Sport die Politik zu beeinflussen. So sehr uns Tom Lüthi am Herzen liegt, so wenig darf diese Herzensangelegeneheit in unsere Politik einfliessen.
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