Das waren die kuriosesten und lustigsten Olympia-Momente
Unerwarteter Betrüger
Es hätte eigentlich einer der schönsten Momente seiner Karriere werden können: Sturla Holm Laegreid gewann im Einzel der Biathleten über 20 km Olympia-Bronze. Es war seine erste olympische Einzelmedaille, nachdem er vor vier Jahren in Peking Staffelgold gewonnen hatte. Doch der 28-jährige Norweger sprach danach beim norwegischen Fernsehsender NRK von der «schwersten Woche meines Lebens».
Der Grund dafür war, dass sich seine Freundin unmittelbar vor den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina von ihm getrennt habe. Laegreid gab live im TV zu, sie betrogen zu haben. «Es gibt jemanden, mit dem ich das gerne teilen würde, die heute vielleicht nicht zuschaut», berichtete er unter Tränen und führte dann aus: «Vor einem halben Jahr habe ich die Liebe meines Lebens getroffen. Die schönste, tollste Person der Welt.» Doch vor drei Monaten habe er «den grössten Fehler meines Lebens begangen», indem er seiner damaligen Freundin untreu war. Er habe das Gefühl, «die Goldmedaille meines Lebens» weggeworfen zu haben.
Wenig später bereute er seine Offenheit im TV-Interview. «Ich kann nur sagen, dass ich hoffe, dass ich Johan nicht den Tag verdorben habe», sagte Laegreid. Und auch die betrogene Ex hatte keine Freude. «Es tut weh, diese Aussagen aushalten zu müssen. Wir hatten Kontakt, und er kennt meine Meinung dazu», liess sie sich in norwegischen Medien zitieren.
Auf den Hund gekommen
Plötzlich hatte die kroatische Langläuferin Tena Hadzic einen unerwarteten Verfolger im Nacken. Im Teamsprint der Frauen schlich sich ein Hund auf die Rennstrecke und stürmte ebenfalls Richtung Ziellinie. «Im ersten Moment dachte ich, es wäre ein Wolf, und ich halluziniere aufgrund des anstrengenden Rennens», erzählte Hadzic danach. Kurzzeitig habe sie fast Angst gehabt, dass sie noch gebissen werde.
Der Hund mit dem Namen Nazgul verfolgte die Kamera auf der Zielgeraden, überquerte die Ziellinie und holte sich dort noch die eine oder andere Streicheleinheit ab, ehe er zurück zu seiner Familie gebracht wurde. Diese wohne direkt neben dem Skistadion und habe ihren Hund an diesem Nachmittag allein gelassen. «Er sucht immer nach Menschen und ist ein sturer, aber sehr lieber Hund», sagte der Besitzer, der anonym bleiben wollte.
Hund auf der Zielgeraden mischt Langläuferinnen auf
Purzelbaum zur Unzeit
Wir bleiben gleich noch in der Loipe. Dort spielte sich im Staffel-Rennen der Frauen ein Drama ab. In einer Abfahrt überschlug sich die Schwedin Ebba Andersson auf Position zwei liegend, der rechte Ski ging kaputt und es dauerte und dauerte, bis sie endlich Ersatz am Fuss hatte. Eine Konkurrentin nach der anderen zog an Andersson vorbei, sie übergab schliesslich als Achte.
Eine komische Note erhält diese Szene einerseits, weil sich das Drama für Schweden in Grenzen hielt. Im Ziel nach vier Ablösungen lag die Staffel wieder auf dem zweiten Rang, den sie zum Zeitpunkt des Sturzes schon innehatte. Und andererseits, weil Ebba Andersson nicht das einzige Sturzopfer dieser Szene war: Auch der schwedische Betreuer, der ihr den neuen Ski bringen sollte, rutschte in der weichen Loipe noch aus. Und ganz zum Schluss versöhnte sich Andersson endgültig mit den Spielen 2026: Sie holte in der Königsdisziplin über 50 Kilometer am abschliessenden Sonntag Gold.
Böses Kanada
Für wenige Tage ist Kanada plötzlich der Bösewicht der Welt. Also der Curling-Welt. Im Vorrundenspiel zwischen Schweden und Kanada kommt es zur Eskalation. Oskar Eriksson wirft dem Kanadier Marc Kennedy vor, den Stein bei der Abgabe am Granit zu berühren. Dieser reagierte äusserst unwirsch, sagte, er habe das noch nie getan und warf dem Kanadier an den Kopf, er solle sich doch verpissen (Wortlaut: «you can fuck off»).
Das Problem: Es existierten TV-Bilder, die zeigen, dass Kennedy den Stein bei der Abgabe tatsächlich regelwidrig am Granit berührt hat. Und zwar mehr als einmal. Weil das zwar nicht unbedingt einen Vorteil bringt, aber trotzdem nicht erlaubt war, schritt gar der Curling-Weltverband ein. Er stellte zusätzliche Schiedsrichter an die Hoglines, um die Abgaben besser zu kontrollieren. So wurde im Spiel gegen die Schweiz auch den Kanadierinnen ein Stein aberkannt.
Und weil Kennedy weiterhin stets abstreitet, etwas falsch gemacht zu haben, sind die Memes der bösen Curling-Kanadier geboren.
Rückwärts-Shorttracker und Moguls
Mailand ist die Stadt der Mode und der Trends. Und der Trend dieser Spiele war: verrückte Rückwärts-Zieleinfahrten. Der erste Trendsetter war Pietro Sighel. Im Shorttrack über 500 Meter wurde der Italiener beinahe von einem Konkurrenten von den Beinen geholt. Sighel schaffte es aber, auf den Beinen zu bleiben und fuhr rückwärts über die Ziellinie. Eine grandiose Rettungstat, aber die Chance auf eine Medaille war so weg.
Kış Olimpiyatları'nda sürat pateni yarışındaki foto finiş görüntüsü viral oldu. / Kazak patenci Abzal Azhgaliyev, İtalyan Pietro Sighel'i yalnızca 0.9 cm farkla yenerek birinci oldu.
— Neden TT oldu? (@nedenttoldu) February 16, 2026
x Sporcumuz Furkan Akar, ceza alarak yarışmaya veda etti.pic.twitter.com/449UGcIJj5
Ganz anders in der Mixed-Staffel: Dort war Italien so gut auf Kurs, dass sich Pietro Sighel kurz vor der Ziellinie einen Spass erlaubte: Wieder drehte er sich um – dieses Mal ohne gegnerische Einwirkung – und fuhr rückwärts über die Ziellinie und feierte so mit dem Team Olympiagold.
Hang it in the Louvre 🖼️
— TNT Sports (@tntsports) February 10, 2026
Pietro Sighel of Team Italy turned to face his opponents as he crossed the line to win gold in the Short Track Speed Skating Mixed Team Relay on home ice 🇮🇹🥇 pic.twitter.com/iMNRMtu8WZ
Und auch ein Buckelpisten-Athlet liess sich von Sighels Aktion offenbar noch inspirieren. Der Japaner Ikuma Horishima verlor im Viertelfinal des Dual-Moguls-Wettbewerbs die Kontrolle und stürzte beinahe. Wie Sighel auf der Shorttrack-Bahn konnte er sich aber mirakulös retten und rückwärts über die Ziellinie fahren. Weil auf der Nebenbahn der Amerikaner Nick Page ein Tor verpasste und Horishima alles korrekt passierte, kam der Japaner trotzdem weiter und gewann am Ende gar noch die Silbermedaille.
The “mistake” might be THE move 👀
— Thomas Hal Robson-Kanu (@RobsonKanu) February 18, 2026
Japanese Olympic Skiier, Ikuma Horishima, lost control during his ski run, recovered, managed to cross the finish line backwards…
AND won the silver medal!! 🥈
What could’ve been a disaster turned into one of the standout moments of the… pic.twitter.com/STSJscrCP9
Medaillen-Fails
Dass Italiener nicht immer die grössten Organisationstalente sind, mag ein böses Vorurteil sein. Aber zumindest haben diese Olympischen Spiele nicht unbedingt etwas dazu beigetragen, um mit diesem Vorurteil aufzuräumen. Das grosse Eishockey-Stadion in Mailand wurde erst kurz vor dem ersten Puckeinwurf fertig. In Cortina wurde gleiches für die neue Gondelbahn in den Zielbereich der Frauen-Skirennen nicht geschafft.
Und dann das: Nur kurz nachdem in Norditalien die ersten Medaillen vergeben wurden, waren diese auch schon wieder kaputt. Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson sprang nach ihrem Triumph freudig herum und plötzlich flog die goldene Scheibe vom Bändel und lag am Boden. Langläuferin Ebba Andersson, der deutsche Biathlet Justus Strelow oder Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Alysa Liu berichteten Ähnliches. Die Organisatoren standen vor einem Rätsel und versprachen, dieser Angelegenheit die grösste Aufmerksamkeit zu widmen. Das scheint geklappt zu haben – zumindest war gegen Ende der Spiele nichts mehr von kaputten Medaillen zu hören.
6 Tschechen sind einer zu viel
Die Szene hätte das Potenzial gehabt, zum grössten Skandal dieser Spiele zu werden. Im Eishockey-Viertelfinal zwischen Kanada und Tschechien zieht beim Stand von 2:2 plötzlich Martin Necas los. Er bedient Ondrej Palat und der stellt auf 3:2 für Tschechien. Doch Moment: In der Jubeltraube stehen plötzlich sechs tschechische Feldspieler, erlaubt wären nur deren fünf, ausser man nimmt den Goalie vom Eis.
[CAN 2-(3) CZE] Necas drops the pass to Palat on the rush, who scores to give Czechia the lead with under 8 mins in regulation
by u/talhatoot in hockey
Die Schiedsrichter haben diesen Umstand allerdings übersehen und auch die Proteste von Kanada im Moment halten sich in Grenzen. Zumal die Ahornblätter eh keine Möglichkeit, etwas zu ändern – für eine übersehene Strafe gibt es nämlich keine Coaches Challenge. So bleibt das eigentlich irreguläre Tor bestehen. Und die Schiedsrichter Chris Rooney (USA), Mikael Holm (SWE) sowie die Linienrichter David Brisebois (CAN) und Jonny Murray (USA) dürften gottenfroh gewesen sein, dass Kanada das Spiel am Ende doch noch gedreht hat. Ansonsten wären sie für immer die vier Unparteiischen gewesen, die dem Mutterland des Eishockeys eine Olympiamedaille geklaut hätten.
Schweizer Curling-Baby
Neben der unfassbaren Anzahl von 23 Medaillen ging auch einer der grössten Jöö-Momente der Winterspiele auf das Konto der Schweiz. Während des Mixed-Curling-Turniers zu Beginn der Spiele ist da plötzlich ein Baby mit einem grossen Curling-Besen in der Hand zu sehen. Das Baby ist River Schwaller – der Sohn von Yannick Schwaller und Briar Schwaller-Hürlimann, dem Schweizer Mixed-Duo.
Das Video von River geht viral. In den sozialen Medien geht er als «Curling Baby» viral. Für den Curling-Nachwuchs ist nach Bronze bei den Herren und Silber bei den Frauen in Cortina auf jeden Fall gesorgt.
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