Sport
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Serena Williams reacts during the trophy ceremony in the women's final of the U.S. Open tennis tournament, Saturday, Sept. 8, 2018, in New York. Naomi Osaka, of Japan, defeated Williams. (AP Photo/Adam Hunger)

Serena Williams bei der Siegerehrung, in Tränen aufgelöst. Bild: AP/FR110666 AP

Wie sich Serena Williams zum Spielball der Sexismus-Debatte macht

Serena Williams wirft dem Schiedsrichter des US-Open-Finals, dem Portugiesen Carlos Ramos, Willkür und Sexismus vor. Sie macht sich dabei zum Sprachrohr und Spielball einer Sexismus-Debatte in den USA. Dort erfährt sie ungeteilte Solidarität. Zu Recht?

Simon häring / aargauer zeitung



An der Frage, ob Serena Williams im Final der US Open Opfer von Sexismus geworden ist, scheiden sich weiterhin die Geister. Schiedsrichter Carlos Ramos hatte drei Regelverstösse geahndet: wegen unerlaubten Coachings, wegen des Zertrümmerns eines Rackets und zuletzt verbale Äusserungen gegen den Schiedsrichter. Das hatte ein Strafgame zur Folge. Williams hatte den Portugiesen als «Dieb» und «Lügner» bezeichnet, der ihr eine Entschuldigung schulde.

US Open 2018: Serena Williams' Disput mit dem Schiedsrichter:

Ramos handelte zwar streng, aber nach den Regeln. Gleichwohl unterstellte Williams dem Mann, der nach dem Final vom Platz eskortiert und aus dem Programm der Siegerehrung gestrichen worden war, Sexismus. Ein Mann, so ihre Argumentation, wäre für das gleiche Vergehen gar nicht oder erst viel später zur Räson gezogen worden. Sie wolle sich weiter für Frauenrechte und Gleichberechtigung einsetzen und sieht sich in der Rolle der Märtyrerin.

Serena Williams' Plädoyer:

Billie Jean King spricht von Doppelmoral

In ihrer Heimat erfährt sie dabei von allen Seiten grosse Solidarität. Billie Jean King, eine Vorreiterin für die Rechte der Frauen, schrieb in einem Gastbeitrag in der «Washington Post»: «Wenn eine Frau emotional wird, ist sie hysterisch und wird bestraft. Wenn ein Mann dasselbe tut, ist er offenherzig und wird nicht bestraft.» Sie nannte das eine stossende «Doppelmoral». Billie Jean King sagt, der Schiedsrichter habe seine Autorität missbraucht.

Wie Billie Jean King ist Steve Simon Amerikaner. Und als Chef der Profi-Vereinigung WTA ist er quasi von Amtes Serena Williams' Standpunkt verbunden. Kurz nach dem Eklat-Final lässt er sich in einem Statement wie folgt zitieren: «Wir setzen uns dafür ein, dass beim Arbitrieren von Spielen der Frauen und Männer der gleiche Standard gelten sollte. Und wir sind der Meinung, dass dies nicht der Fall war.» So etwas dürfe nie mehr passieren.

Kein Wort zu Siegerin Osaka

Mit keiner Silbe erwähnte Katrina Adams, die Präsidentin des amerikanischen Tennisverbands USTA, die Vorfälle. Stattdessen rühmte sie Serena Williams für «ihre grosse Klasse und ihr leuchtendes Beispiel von Sportlichkeit» bei der Siegerehrung. Was Serena Williams leiste und verkörpere, sei inspirierend. Naomi Osaka, der Siegerin des Turniers, gratulierte sie nicht. Stattdessen lobte sie Williams' dafür, dass diese der Japanerin Respekt zollte.

Katrina Adams' Statement:

Carlos Ramos leitete bei allen Grand-Slam-Turnieren Finals bei den Frauen und den Männern. Er ist unbestritten einer der profiliertesten und erfahrensten Schiedsrichter. Gleichwohl richtete Adams ihn tags darauf öffentlich hin, indem sie sagte, er hätte Williams vor der dritten Verwarnung, die zum Gameabzug führte, warnen sollen. Diese Unterhaltungen seien bei den Männern üblich, «offenbar ist ihm nicht klar, dass das mit Frauen auch geht.»

Schiedsrichter Carlos Ramos schweigt

epa07007149 Serena Williams of the US gestures towards chair umpire Carlos Ramos (R) as she plays Naomi Osaka of Japan during the women's final on the thirteenth day of the US Open Tennis Championships the USTA National Tennis Center in Flushing Meadows, New York, USA, 08 September 2018. The US Open runs from 27 August through 09 September.  EPA/JASON SZENES *** Local Caption *** 53000073

Bild: EPA/EPA

Der Schiedsrichter selber hat zum Vorfall bis heute nicht gesprochen. Er wird es wohl nie tun. Weil er nicht darf. So sehen es die Regeln vor. Befremdlich ist auch Adams' Argumentation. Williams sei zwar «vielleicht zu weit gegangen», habe aber wohl nicht damit gerechnet, dass eine Kamera den Disput aufzeichne. Ramos habe nur deswegen die dritte Regelübertretung sanktioniert. Das habe die Entscheidung beeinflusst. Es ist eine sonderbare Auslegung.

Serena Williams ist eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Geschichte. Sie hat sich im Kampf um die Rechte der Frauen verdient gemacht. Nun wird in ihrem Namen Politik gemacht. UltaViolet, eine amerikanische Frauenrechtsorganisation, fordert eine Entschuldigung vom Schiedsrichter, der unterschiedliche Massstäbe anwende. «Das war Sexismus in Aktion, live im Fernsehen. Ramos büsste und bestrafte Williams wiederholt», schreibt UltraViolet.

Statement von UltraViolet:

Ein Spielball der öffentlichen Debatte

Williams habe alles Recht dazu gehabt, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Dass die Sanktionen im Einklang mit dem Regelwerk ausgesprochen worden sind, bleibt unerwähnt. Ebenso die Worte, welche die Amerikanerin an Ramos richtete. «Was passierte, ist beschämend und es passiert Frauen im ganzen Land, an jedem einzelnen Tag. Sie werden dafür bestraft, dass sie ihre Meinung sagen», schliesst die Organisation ihr per E-Mail versandtes Statement.

Serena Williams wurde mit einer Busse von 17'000 Dollar bestraft: für das Coaching ihres Trainers (4000 Dollar), das Zertrümmern des Rackets (3000 Dollar) und die Beleidigung von Schiedsrichter Carlos Ramos (10'000 Dollar). Für die Final-Niederlage erhielt Williams 1,85 Millionen Dollar - gleich viel wie der Finalist bei den Männern. Aber im Gegensatz zu ihm wird in ihrem Namen Politik gemacht. Serena Williams hat diese Geister selber gerufen.

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24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Valius 11.09.2018 17:09
    Highlight Highlight Herrlich. Eine Top-Tennis-Spielerin macht sich zum Clown auf dem Court und schreit dann Sexismus, weil sie die gerechte Strafe bekommt? Mosert rum und behauptet, dass Männer weniger Strafen bekommen? Wäre ich Schiri gewesen, hätte ich sie sofort vom Platz gestellt. Ich sah eine gute Tennisspielerin. Jetzt sehe ich eine arrogante und total nervende Frau. Egal. Schau e lieber Männertennis. Ist viel härter und bleiben trotzdem fair.
  • pamayer 11.09.2018 08:15
    Highlight Highlight Schade. Grossen Schaden angerichtet...
    Wäre nicht nötig gewesen.
  • Bruno Wüthrich 11.09.2018 02:46
    Highlight Highlight Was wäre, wenn eine Frau dieses Spiel arbitriert und ebenso entschieden hätte?
    Was wäre, wenn sich Naomi Osaka statt Serena Williams diese Regelübertretungen geleistet hätte und dafür bestraft worden wäre? Hätte davon jemand Notiz genommen?
    Es braucht schon enorm viel Interpretationsspielraum, um bei dieser Sache den Begriff "Sexismus" zu bemühen. Es ging um die Ahndung von eindeutigen Regelverstössen. Zwar ist die Bestrafte eine Frau. Die Nutzniesserein jedoch auch.

    Diese Episode ist ein Beweis, dass die wichtige Debatte um die Frauenrechte leider längst total aus dem Ruder gelaufen ist.
  • Pümpernüssler 10.09.2018 19:26
    Highlight Highlight Grund zum Nörgeln hat nur Osaka...Serena soll mal den Ball flach halten!
  • Karl33 10.09.2018 18:28
    Highlight Highlight Die Sexismuskeule wird unterdessen überall geschwungen. Der einzige lesenswerte Beitrag dazu ist heute im Tagi erschienen:

    Die Arroganz der Serena Williams.
    https://www.tagesanzeiger.ch/news/standard/die-arroganz-der-serena-williams/story/21706316
  • HeforShe 10.09.2018 18:21
    Highlight Highlight Bitte beachtet das grosse Bild: https://www.thecut.com/2018/09/serena-williams-us-open-referee-sexism.html

    Ihr müsst nicht die Meinung des Artikels teilen, aber Häring lässt jeglichen Kontext vermissen.

    Dieb ist kein schlimmes Wort. Ramos hat sich von Nadal mehr bieten lassen. Es war eine wütende Reaktion als Betrügerin angeklagt zu sein, weil sie vielleicht die Handzeichen ihres Coaches gesehen haben könnte. Eine Reaktion, nachdem ihr vorgeworfen wurde das Spiel nicht zu respektieren, weil ihr Anzug auf ihre Gesundheit zugeschnitten war und kein kleines Röckchen. Kontext... bitte.
    • shaering 11.09.2018 00:54
      Highlight Highlight Wenn ich mich hier einklinken darf: Ob Williams das Coaching gesehen hat (was ich stark bezweifle) oder nicht, ist ebenso irrelevant wie die Frage, ob die Regel noch zeitgemäss ist (ist sie nicht). Aber noch ist sie intakt und die Anwendung legitim.

      Bernard Giudicellis Äusserung ist zweifellos sexistisch und absolut daneben. Sie erklärt vielleicht Williams‘ Reaktion, aber sie war trotzdem falsch. Ramos ist nicht Giudicelli. New York nicht Paris. Regel aber immer noch Regel. Wenn Kontext, dann bitte für den Fall relevanter.
    • Sherlock.H 11.09.2018 01:31
      Highlight Highlight In was für einem Kontext ist sich aufzuführen wie ein Kleinkind denn gerechtfertigt? Sie hat jegliche Professionalität vermissen lassen.
  • DerewigeSchweizer 10.09.2018 18:06
    Highlight Highlight Bez. Sexismus stellt sich hier doch nur 1 einzige Frage:

    Werden bei den Männern in GS-Finalspielen die Regeln auch so durchgesetzt,
    wie hier bei Frau Williams geschehen,
    oder eben nicht ?

    Viele Artikel, Kommentar-Artikel, Kommentare ...
    aber keiner beantwortet dies objektiv.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 10.09.2018 17:57
    Highlight Highlight Oh Mann.

    Ups!
  • luckypunter 10.09.2018 17:28
    Highlight Highlight Wie um Himmels Willen kann der Entscheid des Schiedsrichters beim einem Match zwischen zwei Frauen sexistisch sein?
  • Frances Ryder 10.09.2018 17:12
    Highlight Highlight Serena will eine extra-Wurst, weil sie Serena Williams ist. Gleichzeitig wirft sie dem Schiedsrichter vor, dass er nicht alle gleich behandelt...
  • dillinger 10.09.2018 17:11
    Highlight Highlight Der Vergleich mit dem Männertennis ist halt absolut lächerlich, weil es Williams herzlich egal sein kann ob ein Mann für das gleiche sanktioniert wird oder nicht. Schlussendlich spielen die Männer in einem anderen Wettbewerb als die Frauen, und es muss mMn nur innerhalb eines Wettbewerbs "Gerechtigkeit" herrschen. Wenn es im Frauentennis einen Vergleichbaren Vorfall gegeben hätte, ohne Game-Abzug könnte man darüber reden. Aber der Sexismus Vorwurf ist doch absurd. Selbst wenn sie ein konkretes Beispiel nennen würde ware es doch dennoch egal, da sie dadurch ja nicht beeinträchtigt wäre.
  • Gummibär 10.09.2018 16:49
    Highlight Highlight War das auch sexistisch, als Serena Williams eine Linienrichterin anschrie : "I will kill you" , oder hat die Dame ganz einfach bisweilen ihre Emotionen nicht im Griff wenn sie am Verlieren ist ?
    Der Trainer hat am Fernsehen eingestanden, dass er Zeichen gegeben hat. Auch wenn Serena diese nicht gesehen oder beachtet hat muss sie sich über die Warnung nicht beim Schiedsrichter sondern beim Trainer beklagen. Die Art und Weise wie Publikum und Offizielle später die japanische Siegerin behandelten, war ausgesprochen chauvinistisch. Wenn, dann wären Entschuldigungen hier angebracht !
  • Pegi9999 10.09.2018 16:41
    Highlight Highlight Osaka tut mir leid, spielte wunderbares Tennis. Hat verdient gewonnen, wahrscheinlich auch ohne Punktabzug
    Und die ganze Welt redet über eine schlechte Verliererin, welche auch noch von vielen gelobt wird...

    WOW
  • Therealmonti 10.09.2018 16:40
    Highlight Highlight Schlechte Verlierer, diese Amis.
    • Garp 10.09.2018 18:08
      Highlight Highlight Das wäre dann rassistisch , auch wenn Amis keine Rasse sind, aber so nach schweizer Wortgebrauch.
  • N. Y. P. D. 10.09.2018 16:37
    Highlight Highlight Sie wolle sich weiter für Frauenrechte und Gleichberechtigung einsetzen und sieht sich in der Rolle der Märtyrerin.

    Mit Verlaub, Serena Williams, hättest Du Du den 24. Titel gewonnen, wären Dir die Frauenrechte so ziemlich am, äh egal gewesen.

    Es regt mich auf, dass Osaka ihren Triumph nicht geniessen konnte. Die Williams konnte wüten wie ein Teufel und bei der Siegerehrung wieder schmierig freundlich sich verhalten..
    Osaka wollte eigentlich nur noch weg. Sehr traurig, wenn Du so Deinen 1. Grand Slam Titel feiern musst.

    Die Zuschauer gehörten eigentlich auch abgewatscht.
    • HeforShe 10.09.2018 18:36
      Highlight Highlight Williams setzt sich seit Jahren für wenig privilegierte Kinder und Jugendliche ein - in verschiedenen Formen: Bildung, Rechte, Gesundheit.

      Sie unterstützt Black Lives Matter und LGBTQ+. Damit als Konsequenz auch immer junge Frauen...

      Angesichts ihres generellen Aktivismus zu sagen, dass ihr die Frauenrechte sonst egal wären, ist ignorant und beschämend.
    • N. Y. P. D. 10.09.2018 22:50
      Highlight Highlight Ok, ist ignorant. Lass ich gelten.

      Nicht aber beschämend.

      Sie ist unsympathisch. Und sie hat zwei Gesichter.
  • Gubbe 10.09.2018 16:33
    Highlight Highlight Serena Williams ist halt schon ein Schwergewicht im Tennis. Hat sich trotz ihrer Routine dumm aufgeführt und plädiert nun auf Sexismus. Die Strafen waren korrekt und nicht sexspezifisch. Auch die Hautfarbe spielte keine Rolle.
  • FancyFish - Stoppt Zensur! 10.09.2018 16:33
    Highlight Highlight Wenn das Feminismus ist, könnt ihr mich getrost Antifeminist nennen
  • Qui-Gon 10.09.2018 16:18
    Highlight Highlight Sexismus überall... Vielleicht ist ihm SW auch einfach zu sehr auf die Nerven gegangen? Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil sie SW ist und sich wiedermal aufführen musste. Das wäre dann nicht gerade professionell und sie darf es auch persönlich nehmen, aber sexistisch ist das doch nicht.
  • DerSimu 10.09.2018 16:14
    Highlight Highlight Serena Williams hat einfach einmal mehr ihre Arroganz und Unfähigkeit, Niederlagen einzustecken bewiesen.

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