Wirtschaft
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FILE - In this Dec. 21, 2015 file photo, FIFA President Sepp Blatter arrives for a news conference in Zurich, Switzerland, after he was banned for 8 years from all football-related activities over a $2 million payment by FIFA to Michel Platini, the president of European soccer's ruling body UEFA. The Sepp Blatter era at FIFA is set to finally end Friday, Feb. 26, 2016,  when soccer’s scandal-scarred world body picks a new president after nine months of crisis. (AP Photo/Matthias Schrader, File)

Sichtbar angeschlagen: Der entthronte FIFA-Präsident Sepp Blatter.
Bild: Matthias Schrader/AP/KEYSTONE

Kommentar

Eine Nonne ist keine Puffmutter: Längst fällige Image-Korrektur in Sepp Blatters letzter Woche als FIFA-Boss

Am Freitag wird der neue FIFA-Präsident gewählt. Zeit für eine längst fällige Image-Korrektur beim diskreditierten Vorgänger Sepp Blatter.



Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

Blatter habe viel für das Image der Schweiz getan, verteidigte Bundesrat Ueli Maurer den entthronten FIFA-Präsidenten auf dem Höhepunkt des Skandals. Das stimmt, doch leider nicht ganz so, wie es der damalige Verteidigungs- und heutige Finanzminister gemeint hat.

«Das grösste Missverständnis über Blatter ist, dass er korrupt ist. Das würde er nie tun, dazu ist er viel zu schlau.»

Peter Nobel

Sepp Blatter ist zum Inbegriff des Bösen geworden, zum Sinnbild von Korruption und schleimigen Geschäften schlechthin. Selbst hierzulande hat er – ausser im Wallis – kaum mehr Freunde, und wenn, dann oft die falschen, wie beispielsweise Roger Köppel. Und es hilft seinem Ruf auch nicht wirklich, wenn er im Ausland von Figuren wie Wladimir Putin oder Silvio Berlusconi gelobt wird.

Das Fussballgeschäft ist professionell, aber nicht transparent geworden

Im Blatter-Bashing ist aber auch viel Heuchelei und Scheinheiligkeit im Spiel. Fussball war stets ein ganz besonderes Geschäft. Früher waren es reiche Patrons – in der Regel Baulöwen –, die Fussballclubs eigenmächtig führten und deren Buchhaltung noch undurchsichtiger waren als die der eigenen Unternehmen.  

Heute ist Fussball Big Business geworden und es gibt mittlerweile Heerscharen von betriebswirtschaftlich geschulten Managern, die eigentlich für eine saubere Buchhaltung sorgen sollten. Nützen tut es wenig. Fussball ist meilenweit davon entfernt, ein sauberes Geschäft zu sein – und es ist fraglich, ob es dies je sein wird. Daran ändern auch gut gemeinte Vorschläge wenig.

FILE - In this March 10, 2014 file picture, Bayern Munich President Uli Hoeness arrives at the regional court in Munich, Germany. Bayern Munich president Uli Hoeness has been found guilty of tax evasion and sentenced to 3 years, 6 months in prison Thursday March 13, 2014. . The 62-year-old Hoeness, one of the most powerful figures in German soccer, was charged with dodging 3.5 million euros (US $4.85 million) in taxes through an undeclared Swiss bank account. When his trial opened Monday he admitted to avoiding 15 million euros more. Then it came out through an examination of documents he provided to investigators shortly before the trial that he owed 27.2 million euros in total.  (AP Photo/Sven Hoppe, Pool)

Nicht nur mit einem, sondern mit beiden Beinen im Knast: Bayern-Präsident Uli Hoeness.
Bild: AP/POOL DPA

Vergessen wir nicht: Rund um den Globus stehen die Präsidenten von führenden Clubs mit einem, im Fall von Bayern München gar mit beiden Beinen im Gefängnis. Sie werden angeklagt, die Steuerbehörde hintergangen oder junge Spieler gegen gültige Bestimmungen engagiert zu haben, etc. Kurz: Das Fussballgeschäft ist nach wie vor ein Bordell. Zu erwarten, dass es von einer Nonne geführt wird, ist – milde ausgedrückt – naiv.

Eitel, aber nicht korrupt

Ohne Zweifel: Sepp Blatter ist ein zur Eitelkeit neigender Mensch, der sich gerne im Licht der Macht sonnt. Doch er ist mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht korrupt. Peter Nobel, einer der führenden Juristen in diesem Land, hat ihn in der «Weltwoche» einst treffend und wie folgt beschrieben:

«Er ist ein ganz schlauer, ein bauernschlauer, vielleicht sogar kurialer, vatikanischer, sicher von einem göttlichen Hauch angetriebener Gestalter der Fussballwelt. Das grösste Missverständnis über ihn ist, dass er korrupt sei, dass er Geld nehme. Das wurde in einwandfreien Strafverfahren doch mehrfach zweifelsfrei widerlegt. Das würde er nur schon deshalb nie tun, weil er viel zu schlau ist.»

Beleidigte Engländer und Deutsche

Einwandfrei belegt ist auch, dass Blatter viel für den Fussball geleistet hat. Er hat die FIFA von einem KMU zu einem Weltkonzern umgebaut, und er hat vor allem Afrika und Asien zu vollwertigen Mitgliedern der Fussball-Weltgemeinde gemacht. Das hat ihm den ewigen Zorn der Engländer und der Deutschen eingetragen hat, die meinen, einen privilegierten Anspruch auf «ihren» Sport zu haben.  

Unbestreitbar hat Blatter auch Fehler gemacht. Er hat auch ein System zur eigenen Machterhaltung entwickelt und hat deshalb seinen Abgang verpasst. Das sieht er mittlerweile gar selbst ein. Schliesslich ist auch offensichtlich, dass die eine umfassende Reorganisation braucht. Doch man sollte den Ball flach halten und nicht allzu viel erwarten. Aus einem Puff wird nicht so schnell ein Kloster. Deshalb sollte man Sepp Blatter nun einen würdigen Ruhestand gönnen.  

PS.: Der Autor ist Mitglied des Guschti-Cups, eines regelmässig von der FIFA organisierten Plauschturniers.

Alle FIFA-Präsidenten seit Gründung des Weltverbands 1904

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
TanookiStormtrooper
22.02.2016 15:20registriert August 2015
Auch wenn Blatter selbst nie Geld angenommen hätte, so hat er doch lange beide Augen zugedrückt wenn andere dies taten. Er hat Strukturen geschaffen die Korruption begünstigen. Vielleicht rein rechtlich gesehen ist das in Ordnung, aber moralisch ist er ganz sicherlich nicht unschuldig. Praktisch kein Sportfunkionär hat keinen Dreck am Stecken, schliesst auch andere Organisationen wie z.B. das IOC mit ein. Diese "Gemeinnützigen Vereine" sollten alle mal unter die Lupe genommen werden.
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phreko
22.02.2016 14:57registriert February 2014
Nein, Blatter ist nicht Korrupt. Er hat nur ein System aufgebaut und erhalten, bei welchem sich Andere mit beiden Händen persönlich bedienen konnten. Dies kam schlussendlich Blatter persönlich zugute, indem er sich damit die Stimmen der Armen Landesverbände (Jedenfalls deren bessergestellten Funktionäre) sichern konnte.
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