DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
bild: shutterstock / watson
Frauen und Geld

Was ein Kind für eine Schweizer Familie finanziell bedeutet

Was passiert, wenn du Nachwuchs bekommst? Wie wirken sich Kinder auf Zeit, Beruf und auf dein Geld aus? 5 Punkte, die du bei den Finanzen beachten solltest.
03.09.2020, 16:26
Olga Miler
Olga Miler
Folgen

Meine Jungs sind jetzt 11 und 13, ging rasend schnell. Ich weiss noch genau, wie sie ganz klein waren, beide Schreibabys, die wir im Fliegergriff stundenlang rumgetragen haben. 😉

Wir haben uns die Verantwortung für die Kinder und die Arbeit immer geteilt. Vor zehn Jahren kam «100% arbeitende Mutter» nicht immer gut an und ohne die grossartige Hilfe der Grosseltern wäre es wahrscheinlich nur schwer gegangen. Ich glaube, jetzt hat sich doch einiges verändert in Richtung Akzeptanz, Krippenplätze, Tagesschulen und neue Arbeitsmodelle.

Ganz einfach ist der Spagat zwischen Familie und Job sicher auch heute nicht. Im Austausch mit Frauen stelle ich immer wieder fest, dass es jede Menge Herausforderungen und oft viele Überraschungen gibt. Hier sind Fakten und Tipps für eure Finanzen mit Kind.

Kinder und Familie in der Schweiz in Zahlen

Das BfS hat jede Menge Daten zu Familien in der Schweiz:

Wunsch nach traditioneller Familie mit 2 Kindern

Beim Kinderwunsch gibt es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern, gut 60% der (noch) kinderlosen Frauen und Männer im Alter von 20 bis 29 Jahren wünschen sich zwei Kinder, 26% drei oder mehr und nur ein Kind wollen 2,5% Frauen bzw. 5,2% der Männer.

Kinder machen zufrieden, aber vor allem gut ausgebildete Frauen erwarten negative Auswirkung auf das Berufsleben

53% der kinderlosen Frauen und 64% der Männer im Alter von 25 bis 39 Jahren glauben, dass Kinder die Freude und Zufriedenheit im Leben steigern. Vor allem gut ausgebildete Frauen befürchten, die Geburt eines Kindes würde sich negativ auf ihre berufliche Karriere auswirken (75% derjenigen mit Tertiärabschluss). Bei Männern haben nur 37% diese Befürchtung. So hat auch die Ausbildung einen Einfluss auf den Kinderwunsch der Frauen, 30% derjenigen mit Tertiärabschluss wollen keine Kinder.

Akzeptanz von arbeitenden Müttern steigt – langsam

1995 glaubten noch 48% der Frauen und 61% der Männer, dass Kinder im Vorschulalter durch die Erwerbstätigkeit von Müttern leiden würden. Heute haben noch 27% der Frauen und 36% der Männer diese Haltung, obwohl eine grosse Mehrheit der Mütter arbeitet.

Viele Frauen arbeiten Teilzeit, ein Pensum von 70-89% macht am meisten Stress

Rund 60% der 25- bis 54-jährigen erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit, bei den Männern arbeitet nur gut jeder achte (13%) Teilzeit. Der Anteil der Frauen, die sagen, sie hätten Mühe, die verschiedenen Aktivitäten unter einen Hut zu bringen, ist bei denjenigen mit einem Arbeitspensum von 70-89% am höchsten (rund 25%). Bei Frauen mit einer Vollzeitbeschäftigung ist es nur ein Sechstel (17%).

In 26% der Haushalte mit Kindern kümmern sich Männer und Frauen gemeinsam um die Hausarbeit – Tendenz steigend

Seit 2013 ist die Anzahl der Haushalte, in denen sich beide Partner gemeinsam um die Hausarbeit kümmern, um 5% gestiegen. Trotzdem wird bei fast sieben von zehn Paaren (69%) im Alter von 25 bis 54 Jahren mit Kindern die Hausarbeit hauptsächlich von der Frau erledigt. Wenn ein Kind krank ist, bleiben in ¾ der Fälle die Mütter zu Hause. Bei Paaren ohne Kinder kümmert sich etwa die Hälfte gemeinsam um die Hausarbeit.

Frauen sind weniger zufrieden mit der Aufteilung der Hausarbeit

Nur etwa jede zweite Frau (48%) mit Kindern im Haushalt ist sehr zufrieden mit der Aufteilung der Hausarbeit, bei den Männern sind es 69%.

Grosseltern leisten die Mehrheit der Kinderbetreuung – ca. 8 Mrd. Franken pro Jahr

64% der Kinder unter 13 Jahren werden familienergänzend betreut, am häufigsten von Grosseltern – geschätzter Wert der unbezahlten Betreuungsleistung der Grosseltern: ca. 8 Milliarden Franken pro Jahr (2018).

5 Punkte, auf die du bei den Finanzen achten solltest, wenn du ein Kind bekommst

Finanzplan erstellen / aktualisieren: Die Lebensziele und finanziellen Bedürfnisse verändern sich

Mit Familienzuwachs verändern sich die Ziele, vielleicht habt ihr vermehrt das Bedürfnis nach Sicherheit oder der Wunsch nach einem Eigenheim wird grösser. Die berufliche Situation verändert sich und es gibt jede Menge Entscheidungen zu treffen, z.B. wer welche Erwartungen hat, wer wie arbeiten möchte, welches Betreuungsmodell ihr für die Kinder braucht. Je nach Lebensmodell (verheiratet, Konkubinat, etc.) gibt es steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Neben euren eigenen Wünschen gehört in den Finanzplan auch die langfristige Planung für die Zukunft der Kinder. Wichtig ist, dass ihr zusammen darüber sprecht und neben der Anpassung von Zahlen festlegt, wie ihr mit unbezahlter Hausarbeit umgehen möchtet und Absicherung schafft für die Vorsorge des Partners.

Budget überarbeiten: die Kosten und das Einkommen verändern sich

Das Budget braucht Anpassung, damit die ganze Familie Platz hat, weil sich die Kosten- und Einkommensverhältnisse verändern: die direkten Kosten steigen, gleichzeitig fallen möglicherweise Einnahmen weg, z.B. wenn ein Erwerbseinkommen ganz oder teilweise wegfällt. Gemäss BfS gibt ein Paar für ein Kind bis zum 20. Lebensjahr im Schnitt ca. 819 CHF pro Monat aus, die Kosten pro Kind sinken mit mehreren Kindern.

Vorsorgen: (Alters-)armut ist weiblich

Arbeitest du Teilzeit oder gar nicht, dann kann dies deine Vorsorge im Alter empfindlich treffen. In der Schweiz sind fast doppelt so viele Frauen von Altersarmut betroffen wie Männer. Damit es nicht soweit kommt:

  • AHV: Unbedingt prüfen, ob du eine Beitragslücke hast und falls notwendig nachzahlen, damit du im Alter die volle AHV Rente bekommst. Details dazu hier.
  • Pensionskasse: Deinen versicherten Lohn in der Pensionskasse prüfen und mit dem Arbeitgeber schauen, ob der Koordinationsauszug (Abzug von gegenwärtig 24'885 Franken pro Jahr) bei Teilzeitarbeit reduziert werden kann. Damit steigt dein versicherter Lohn und du sammelst mehr Geld in der Pensionskasse an. Verschiedene Pensionskassen bieten auch Möglichkeiten an, deine Vorsorge anzupassen, z.B. mit einem Sparplan oder Einkaufsmöglichkeiten.
  • Privat vorsorgen: Säule 3a regelmässig einzahlen, wer kann und mag auch eine Säule 3b als freie Vorsorge in Erwägung ziehen (Mehr Info zur Säule 3b)

Berufsplanung: Arbeitsmodell, Weiterbildung, Berufs(wieder)einstieg

Während der Schwangerschaft und nach der Geburt haben Mütter einen Mutterschutz, Details dazu hier. Der gesetzliche Mutterschaftsurlaub beträgt 14 Wochen und deckt 80% des Lohns. Für Väter gibt es (noch) keinen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub.

Klar denkt man nicht zuerst an die Arbeit, wenn man ein Baby bekommt, aber es lohnt sich, einen Plan für die berufliche Zukunft zu machen, auch wenn man eine Pause einlegt oder in eine Teilzeitstelle wechselt. Fragen dazu sind z.B.

  • Welche Möglichkeiten gibt mir der Arbeitgeber? Kann ich meinen Job Teilzeit machen, habe ich da vielleicht Nachteile?
  • Wie klappt der Berufseinstieg, wenn ich länger zu Hause war, welche Weiterbildungen wären nützlich?
  • Will ich mich nach der Baby-Pause vielleicht selbstständig machen?

Ich treffe auch immer wieder Frauen, die beim Lohn für Teilzeitstellen oft nachgeben oder weniger verlangen, aus Angst, den Job sonst nicht zu bekommen – mutig sein und mit Fakten argumentieren!

Absicherung für Lebensereignisse

Zu den grössten Armutsrisiken zählen laut Studien fehlende Bildung, Verlust der Arbeitsstelle, kleine oder mehrere Kinder sowie Trennung und/oder Scheidung. Oft betroffen sind alleinerziehende Mütter. Um das zu vermeiden, brauchst du einen Notgroschen, Vorsorge und Absicherung, Details findest du hier:

Beim Familienzuwachs gibt es also allerhand zu planen, klingt jetzt aber komplizierter, als es ist. Am wichtigsten ist, zusammen darüber zu sprechen, die Eckpunkte zu regeln und Klarheit über die eigene Situation zu haben, damit Frau nicht plötzlich im Regen steht. Ganz im Detail planen kann man nicht, hat das Leben für uns alle doch immer wieder die eine oder andere Überraschung auf Lager. 😉

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Ab dem 27. Januar wird uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

Lustig: Dinge, die du nur kennst, wenn du einen Bruder hast

1 / 14
Lustig: Dinge, die du nur kennst, wenn du einen Bruder hast
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Emilys Schwester liest Kommentare vor

Video: watson/Emily Engkent
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

MoneyTalks

Was du über «Meme-Stocks» wissen solltest

Ein neuer Anlagetrend oder reine Spekulation? Wie Kleinanleger die Aktienkurse beeinflussen, was «Meme-Stocks» sind, welche Möglichkeiten sie dir bieten und welche Risiken du kennen solltest.

Kurse von scheinbar hoffnungslosen Aktien rasen auf einmal ohne wirklichen wirtschaftlichen Grund wie eine Rakete Richtung Mond. Getrieben werden die Schwankungen durch KleinanlegerInnen, die sich in sozialen Medien wie Reddit zu sogenannten «Flash-Mobs» zusammenschliessen und über Online-Plattformen wie Robin Hood, e-Toro oder Trade Republic koordiniert Aktien kaufen und verkaufen und so die Kurse beeinflussen.

Was im Januar mit der Gamestop-Aktie zu vielen Schlagzeilen führte, passiert wieder …

Artikel lesen
Link zum Artikel