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Oberfeldarzt-Affäre: Das läuft schief mit den Spesen bei der Armee 

Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates (GPK) kritisiert die Spesenkultur im Verteidigungsdepartement. Diese müsse sich nachhaltig wandeln, fordert sie nach der Untersuchung zum Oberfeldarzt der Armee.

Publiziert: 12.10.18, 17:06

Verteidigungsminister Guy Parmelin soll dafür sorgen, dass die neue Spesenregelung in seinem Departement rasch und konsequent umgesetzt wird. Bild: KEYSTONE

In ihrem am Freitag veröffentlichten Bericht kommt die GPK zum Schluss, dass das Verteidigungsdepartement (VBS) in der Spesenaffäre nach anfänglichen Fehlern und Fehleinschätzungen die nötigen Massnahmen getroffen hat.

Verteidigungsminister Guy Parmelin, das Generalsekretariat VBS und die Einheit «Recht Verteidigung» seien aber mitverantwortlich für das teilweise unangemessene Vorgehen gegen den Oberfeldarzt, schreibt die GPK.

Vorschnell Strafanzeige eingereicht

Dies betreffe insbesondere den vorschnellen Entscheid, eine Strafanzeige einzureichen. Der Verteidigungsminister habe sich ohne zusätzliche Abklärungen dazu entschlossen, obwohl verschiedene seiner engsten Mitarbeitenden Bedenken geäussert hätten.

Die GPK erwartet von Parmelin, dass er in solchen Fällen künftig mit grösserer Sorgfalt vorgeht. Kritisch bewertet die Kommission auch die Rolle das damaligen und des heutigen Armeechefs. Beide hätten den Fall vom Tisch haben wollen und die Angelegenheit deshalb vorangetrieben.

Neue Spesenregelung

Die Massnahmen, die das VBS beschlossen hat, begrüsst die GPK. Dazu gehören neue Spesenregelungen, die seit dem 1. September gelten. Weiter wurde die Einheit «Recht Verteidigung» umstrukturiert. Die Whistleblowingstelle der Armee wurde von dieser abgetrennt.

Die GPK bemängelt jedoch, dass die Umsetzung nur langsam vorangehe. Die neue Spesenregelung müsse rasch und konsequent umgesetzt werden, fordert sie. Ausnahmen sollten lediglich mit grösster Zurückhaltung bewilligt werden.

Sparsamkeit vorleben

Die Probleme seien indes nicht nur mit neuen Vorgaben anzugehen, findet die GPK. In der Pflicht stünden auch die Führungsverantwortlichen. Sie müssten den Grundsatz der Sparsamkeit in der Praxis vorleben und so für den Wandel in der Verwaltungskultur des VBS sorgen.

Das waren die Schweizer Bunker im Zweiten Weltkrieg

Das Schweizerkreuz auf dem 10,5-Zentimeter-Rohr einer Artillerie bei Faulensee BE: Tausende Bunker sollten Angreifern der Eidgenossen Widerstand leisten. Das Fort von Faulensee war von 1943 bis 1993 im Dienst – heute ist das Reduit ... X90184 / ARND WIEGMANN
... ein Museum. Auch andere Bunker wurden mittlerweile in Ausflugsziele oder Unterkünfte für Zivilisten umgebaut: Wenn es heute noch eine Invasion geben sollte, dann höchstens eine von Touristen. X90184 / ARND WIEGMANN
Im Dorf Faulensee selbst ist der Bunker als solcher überhaupt nicht zu erkennen. Die Kanone ist in dem Schuppen im Vordergrund in der Mitte versteckt. X90184 / ARND WIEGMANN
Wer an Platzangst leidet, hat in Faulensee keine Freude. X90184 / ARND WIEGMANN
Neben grossem Geschütz fuhr die Schweizer Armee natürlich auch Räumlichkeiten für die Soldaten auf: Hier sollte der Widerstand durchgeplant werden. X90184 / ARND WIEGMANN
Wer von der Existenz der Bunker nichts weiss, würde hier bloss Idylle sehen. Doch der Stall links beim Furkapass in Uri ist bloss Tarnung: Dahinter verbirgt sich die Festung Fuchsegg, in der ebenfalls 10,5-Zentimeter-Turmkanonen und Maschinengewehre verbaut sind. 1995 wurde die Anlage aufgegeben. X90184 / ARND WIEGMANN
Alles im Griff: Von der früheren Festung Fuchsegg breitet sich das Urserental aus, das von der Stellung leicht kontrolliert werden konnte. X90184 / ARND WIEGMANN
Gut getarnt ist halb gewonnen: Die Festung Furggels bei St.Magrethenberg SG war von 1946 bis 1998 im Dienst. Heute kann man in der früheren Festung schlemmen. Was so noch ganz niedlich aussieht, ... X90184 / ARND WIEGMANN
... ist bei genauerem Hinsehen schon beeindruckend. Vier 15-Zentimeter-Kanonen standen zur Verteidigung parat. Ein Museum klärt heute über vergangene Tage auf, als noch der Feind erwartet worden war. X90184 / ARND WIEGMANN
Die Festung Furggels mit ihren vier grossen Geschützen gehört zu den grössten solcher Bauwerke in der Schweiz. Die Geheimhaltung über die 1998 stillgelegte Anlage wurde erst 2002 aufgehoben. X90184 / ARND WIEGMANN
Apropos Tarnung: Auch dieses Reduit ist eher etwas für geübte Augen. Aus dem Fels ragt ein 15-Zentimeter-Rohr heraus: Der Bunker Sasso da Pigna beim Gotthardpass im Tessin liegt in gut 2100 Meter Höhe. Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten, die 1945 abgeschlossen wurden. Seit 2012 ist hier ein Museum. X90184 / ARND WIEGMANN
Hier der Eingang des Bauwerks, das zehn Millionen Franken kostete. 1998 zog das Militär aus und hinterliess 8000 Quadratmeter Nutzfläche ... KEYSTONE / GAETAN BALLY
... und 2,4 Kilometer Stollen. KEYSTONE / GAETAN BALLY
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Aus den Aussagen der befragten Personen gehe deutlich hervor, dass es gerade diesbezüglich grosse Defizite gegeben habe, heisst es im Bericht. Die Spesenkultur im VBS sei jener der übrigen Bundesverwaltung anzupassen.

Teures Weihnachtsessen

In der Affäre um Oberfeldarzt Andreas Stettbacher ging es um die Kosten eines Weihnachtsessen sowie andere Spesenrechnungen. Das VBS reichte Anzeige ein wegen des Verdachts auf strafbare Handlungen und stellte den Divisionär frei.

Später ordnete Parmelin eine Administrativuntersuchung an, die Stettbacher entlastete. Die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt oder seien verjährt, lautete das Fazit. Die Freistellung hätte kritischer hinterfragt werden müssen.

Hinweise ab 2011

Der Oberfeldarzt nahm vor rund einem Jahr seine Arbeit wieder auf. Er anerkannte indes, sich in Sachen Spesen nicht kostenbewusst verhalten und den Grundsatz der Sparsamkeit verletzt zu haben. Auch erklärte er sich bereit, dem Arbeitgeber einen gewissen Betrag zurückzuerstatten.

Laut der GPK gab es bereits ab 2011 Hinweise auf ein allfälliges problematisches Spesenverhalten des Oberfeldarztes. Unter anderem wurde im Jahr 2014 eine Whistleblowing-Meldung erstattet. Was mit der Meldung genau passierte und weshalb sie so lange nicht bearbeitet wurde, bleibt unklar.

Zweite Untersuchung

Die Resultate einer zweiten Administrativuntersuchung wurden noch nicht veröffentlicht. Abgeklärt wurde unter anderem, ob es im Fall des Oberfeldarztes zu bewussten Falschanschuldigungen oder gar einem Komplott gekommen war. Laut dem GPK-Bericht liess sich die Mehrzahl der Vorwürfe gegen drei Armee-Kader nicht erhärten.

Bei zwei der beschuldigten Personen bestehe aber in Einzelfällen der Verdacht auf eine Widerhandlung gegen den Grundsatz der Sparsamkeit sowie in einem Fall der Verdacht, dass Mitarbeitende Goldmünzen im Wert von 500 Franken erhielten, ohne dass dafür eine genügende Rechtsgrundlage vorhanden war. Es folgte eine Disziplinaruntersuchung. Diese kam zum Schluss, dass keine disziplinierungswürdigen Sachverhalte vorliegen.

Die GPK bittet den Bundesrat, bis am 17. Januar zu den Ausführungen und Forderungen im Bericht Stellung zu nehmen. (aeg/sda)

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