Film
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«Spectre»: James Bond (Daniel Craig).

Ein bisschen knapp, der Anzug, Herr Bond! Aber was soll man auch machen, bei all den lästigen Muskeln.
Bild: Disney

Autos Schrott, Mann Gott: 13 extrem nützliche Anmerkungen zum neuen Bond «Spectre»

Der 24. Bond ist wie alle Bonds. Also total super. Oder the same procedure as last time. Wir haben uns den Film mal angeschaut und erklären ein paar Dinge.



Spectre

Heisst übersetzt «Gespenst», ist aber auch die Abkürzung für «Special Executive for Counter-intelligence, Terrorism, Revenge and Extortion». Was soviel bedeutet wie «FIFA für Massenmörder, Terroristen und überhaupt die weltschlimmsten Verbrecher». Ihr Chef: Sepp Blatter Waltz, Christoph Waltz.

Dieses Ding mit den nackten Frauen

Wie nennt man eigentlich die schönste, aber auch altmodischste und ganz gewiss sexistischste Sequenz der Bond-Filme? Also dieses Ding mit den nackten Frauen, die sich meist wie geschmeidige Nixen zum Titelsong alen? Total kunstvoller Vorspann. Bond-Art halt.

Also: Weil das Wappentier der Organisation Spectre ein Octopus ist, und weil eins der erotischsten Gemälde der Weltgeschichte eine Frau zeigt, die von einem Octopus befriedigt wird (Japan, 1814), gehen nun im «Spectre»-Vorspann diverse Frauen und Octopussen sehr schön zur Sache. Da bleiben keine Wünsche offen. Okay, viele sagen, ein besserer Titelsong wäre besser, aber man kann sich visuell äusserst effizient davon ablenken.

Bild

Die Bond-Art 2015 erinnert an «Der Traum der Fischersfrau» von Katsushika Hokusai, Japan 1814.
bild: wikipedia

James Bond

Ach, Daniel Craig ist wieder einmal eine Pracht! Leider erfüllt er den Herzenswunsch seiner Produzentin Barbara Broccoli in «Spectre» nicht: Es gibt einfach keine Oben-ohne-Szene. Schade. Sehr, sehr schade. Wozu hat Craig denn so viel trainiert? Dafür hat noch niemals ein Mann auf dieser Erde so gut in Schnee-Mode ausgesehen wie er. 

«Spectre»: James Bond (Daniel Craig).

Da seufzt der Schnee!
Bild: Disney

Bond-Girl eins

Léa Seydoux ist die französische Antwort auf Kate Moss und Scarlett Johansson und der Grund, wieso dieser Bond ausnahmsweise 3D sein sollte. Eine grossartige Schauspielerin, die lesbische Verführerin aus «Blue Is the Warmest Color», die White-Trash-Teen-Mum aus (dem Schweizer Film!) «Sister», das Cruise-Girl aus «Mission: Impossible – Ghost Protocol». Und, und, und.

In «Spectre» heisst sie Madeleine Swann. Das ist eine Anspielung auf den französischen Romanmehrteiler «A la recherche du temps perdu» von Marcel Proust. Swann ist Prousts Protagonist. Und Proust erinnert sich mittels einer in Tee getunkten Madeleine an seine Kindheit. «Spectre» ist am Ende nichts anderes als Bonds Suche nach seiner verlorenen Kindheit. Und so schliesst sich der Kreis der smarten frankophonen Verspieltheiten.

«Spectre»: Madeleine Swann (Léa Seydoux).

Da strahlt der Speisewagen! Léa Seydoux, Ladies and Gentlemen.
Bild: Disney

«Spectre»: James Bond (Daniel Craig) und Madeleine Swann (Léa Seydoux).

Auch unser James ist betört.
Bild: Disney

Bond-Girl zwei

Nun ja. Natürlich ist Monica Bellucci als Mafiawitwe Lucia Sciarra (Wer hat ihren Mann wohl umgebracht? Na?) makellos. Wahrscheinlich gibt es niemanden, der so schön die Grandezza eines dekadent untergehenden Imperiums verkörpern kann. Aber sie ist nicht mehr als ein schwarzer Tupfer in einer Erzählung, die sich sonst erfreulich viel Zeit für ihre Figuren nimmt.

«Spectre»: Lucia Sciarra (Monica Bellucci).

Monica Bellucci als schwarze Mafiosowitwe.
Bild: Disney

Der Franzl

Der Österreicher Christoph Waltz spielt also den Österreicher Franz Oberhauser, der 1. aussieht wie Bonds wenig athletischer älterer Bruder und 2. auch genau dies ist, wenn auch via Adoption. Mit dieser Ähnlichkeit und Verwandtschaft lassen sich tolle Bilder und Konfrontationen herstellen. Christoph Waltz nimmt dabei seine übliche, Richtung ADHS und Hysterie neigende Spielweise deutlich zurück, das Böse hat bei ihm einen leisen, distinguierten Schritt. Aber wenn es Hand anlegt, ist es umso widerlicher.

«Spectre»: Christoph Waltz (mitte) als enorm böser Franz Oberhauser.

Im Mittelpunkt ist Schatten: Christoph Waltz als Oberhauser.
Bild: Disney

Folter

Grässlichste Folterszene aller Bond-Filme ever. Jedenfalls kam es mir so vor. Wenn ich es schaffte, hinzuschauen.

Waisenkinder

Grosses Thema. Bond, Franz Oberhauser und Madeleine Swann sind am Ende Waisenkinder. Die ihrerseits keine Kinder haben, höchstens Katzen. Das macht sie so stark und radikal. Im Vergleich zu früheren Craig-Bonds sind sie davon allerdings erfrischend wenig traumatisiert.

Der süsse Nerd

Ja, ich gestehe, Ben Whishaw ist mein Lieblings-Q. Weil er ist wie ganz viele Redaktions-Jungs von watson. Also ein niedlicher Nerd. Und weil es wirklich wichtig war, Bond endlich ins digitale Zeitalter zu überführen. Netterweise kriegt Q in «Spectre» viel mehr zu tun als bei seinem ersten Einsatz in «Skyfall», und das erledigt er alles sehr süss, unterhaltsam und smart. Oder wie er selbst sagen würde: «Lovely.»

«Spectre»: Q (Ben Whishaw) und James Bond (Daniel Craig).

Ohne diesen Q wär Bond echt am Arsch.
Bild: Disney

Überwachung

Es steckt tatsächlich ein kleiner Edward Snowden in Bonds Boss M (Ralph Fiennes). Und der wehrt sich wie jeder gute Boss gegen ein neues Mitarbeiter-Überwachungs-System. Leider musste Q dafür aber bereits das sogenannte «Smart Blood» entwickeln – nicht zu verwechseln mit dem menschenfreundlichen «True Blood» für Vampire aus der gleichnamigen Serie –, aber dies nun zu erklären, wäre zu kompliziert. Egal, der böse Oberbeamte mit dem Überwachungs-Fetisch wird von Andrew Scott gespielt, und wer «Sherlock»-Fan ist, kennt ihn als Sherlocks Widersacher Moriarty. Sackgutes Casting, kann man da nur sagen.

«Spectre»: Denbigh (Andrew Scott).

Wenn der Überwacher wacht: Andrew Scott.
Bild: Disney

Sam Mendes

Der Regisseur war sieben Jahre mit Kate Winslet verheiratet. Allein das macht ihn zu einem Experten für wahre Schönheit, Eleganz und Stilsicherheit. Selten sahen zwei Bonds hintereinander so gut aus wie Mendes' «Skyfall» und «Spectre».

«Spectre»: Regisseur Sam Mendes mit Léa Seydoux als Madeleine Swann.

Besserwisser: Sam Mendes erklärt Léa Seydoux, was sie zu tun hat. 
Bild: Disney

Hoyte van Hoytema

Er ist ganz einfach der beste Kameramann der Welt. Geboren 1971 als Sohn eines Architekten in Horgen, aufgewachsen in den Niederlanden. Er fiel uns zuerst mit dem schwedischen Vampirfilm «Let the Right One in» von Tomas Alfredson auf, einem Horror in blaustichigen Winterbildern. Es folgte Alfredsons retrogesichtiger Spionagethriller «Tinker Tailor Soldier Spy», dann Christopher Nolans visionäres Weltraumepos «Interstellar».

«Spectre» ist Hoyte van Hoytemas neues Zauberwerk: Allein diese verrückte, menschen- und actionreiche Eingangssequenz in Mexiko! Oder die moribunde Pracht von Lucia Sciarras römischem Palazzo! Oder die dunstige Speisewagenszene von Bond und Swann! Die Schattenspiele des nachtschattigen Franz Oberhauser! Das ist alles zusammen erlesen.

Interstellar

Auch das war Hoyte van Hoytema: «Interstellar».
Bild: warner bros.

Fazit

Wozu, wenn sowieso alle ins Kino rennen? Es geht ja die Legende, dass in keinem Land der Welt die Bond-Zuschauerdichte so gross sein soll wie in der Schweiz. Aber Bond ist ja auch nicht wirklich ein Film, Bond ist ein Fest der Gewohnheit. Eins, bei dem wir uns alle paar Jahre im gleichen britischen Nobellokal am gleichen Tisch treffen, und immer gibt es Wodka, Martini und Champagner, immer auch Foie Gras und Austern.

Wir amüsieren uns da garantiert. Und erinnern uns danach an – nicht viel. Autos wurden zu Schrott, Bond war mal wieder Gott. Und wir sagen uns, dass das Immergleiche heuer nicht so gut, gut, sehr gut oder hammer war. «Spectre» gebe ich an dieser Stelle eine vorsichtige, aber total lieb gemeinte gut bis sehr gut. Also eine 5,25 mit Tendenz 5,5.

Und ab 5. November heisst es dann endlich: Gehet alle hin und sehet selbst.

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