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«Swicy», «mala» oder umami? Das sind die Geschmackstrends 2026

Sauro Ricci und Raffaele Minghini von Joia in Milano https://joia.it/en
Plant-based, ... ma ti prego con umami: Ristorante Joia.Bild: joia.it

«Swicy», «mala» oder umami? Das sind die Geschmackstrends 2026

10.01.2026, 19:3710.01.2026, 19:37

Willkommen im 2026! Wie immer zum Jahresanfang, orakeln uns Marktanalysten, Mediensprecher, Blogger und Food-Influencer aller Couleur vor, welche Trends unser Essverhalten revolutionieren werden.

Alle Jahre wieder. Nur, dass in jüngsten Jahren immer weniger Konsens auszumachen war. Jeder Journi, jede Webseite, jede Studie erzählt zunehmend etwas komplett anderes. Vielleicht deshalb konzentriert sich die SIGEP World, eine der weltweit führenden Fachmessen für den Foodservice-Sektor, in Rimini, Italien, heuer auf etwas Grundsätzlicheres. Auf etwas, das aber gleichwohl anhand von Restaurantmenüs und Produktverkäufen nachweisen lässt: Geschmacksprofile.

So konnte die SIGEP in Aufarbeitung diverser Untersuchungen (u.a. des Institute of Food Technologists IFT, oder Studien vonseiten Aromen-Forscher und -Hersteller wie Flavorsum oder Synergy) eindeutige Entwicklungen in Sachen Geschmacks-Trends in Nordamerika, Europa und Asien ausmachen. So bestimmen im Jahr 2026 nicht mehr Formate, sondern Geschmacksrichtungen die Entwicklung der globalen Gastronomie. In Restaurants, Cafés und auf Hotelmenüs werden nicht mehr bestimmte Gerichte, sondern Geschmacksprofile zum entscheidenden Faktor.

Speisekarten weltweit tendieren offenbar zunehmend zu sensorischer Komplexität. Die Stichworte sind ungewöhnliche und gewagte Kombinationen, nostalgisch geprägtes Comfort Food und kulturelle Authentizität. Amerika, Europa und Asien interpretieren diese Veränderungen jeweils anders, doch alle stimmen in einem Punkt überein: Der Geschmack ist die Strategie.

Geschmacks-Trends Europa 2026: Plant-Based-Umami vs. Levante

Die sensorischen Trends Europas drehen sich um geschmackliche Tiefe und Authentizität. Der Markt für pflanzliche Produkte hat sich über Fleischimitate hinaus entwickelt und widmet sich nun dem, was eine Studie von Synergy Flavours als «eigen-pflanzliche Geschmackserlebnisse» definiert. Pilze, Hülsenfrüchte, Koji und Torula-Hefe bilden eine natürliche Umami-Grundlage für kulinarische Kreativität. Restaurants wie etwa Encanto in Lissabon verkörpern diesen Wandel. Chefkoch José Avillez präsentiert ein Michelin-prämiertes, vollständig vegetarisches Degustationsmenü, dessen Gerichte sich durch Geschmackstiefe und natürliches Umami auszeichnen. Das Joia in Milano verfolgt mit seinem vegetarischen Fine-Dining-Erlebnis einen ähnlichen Ansatz.

Sauro Ricci und Raffaele Minghini von Joia in Milano https://joia.it/en 
José Avillez von Restaurant Encanto, Lissabon
https://www.encantojoseavillez.pt/
Fertig mit Fake-Fleisch: Sauro Ricci und Raffaele Minghini (Joia, Milano), José Avillez (Encanto, Lissabon) Bild: joia.it - encantojoseavillez.pt

Gleichzeitig dominieren Geschmacksrichtungen aus dem Nahen Osten und Nordafrika: Za'atar, Sumach und Harissa verleihen herzhaften Gerichten und Snacks eine vielschichtige Wärme und Säure. Bei Desserts folgt man dem gleichen Muster und verbindet «Neostalgie» mit Komplexität: Rosenwasser-Pistazien-Cheesecake oder Safran-Latte verbinden Komfort mit Neugier.

Geschmacks-Trends USA 2026: Swicy Pickle Fever

Nordamerika ist führend in Sachen hybride Geschmacksrichtungen. Der «Swicy»-Trend – die Kombo von «sweet» und «spicy» –, etwa, ist überall zu beobachten, wobei tropische Früchte wie Mango, Ananas oder Guave mit Jalapeño-, Habanero- oder Aleppo-Chili kombiniert werden.

Die in den USA fast schon altehrwürdige Geschmackskombo von Säure und Fermentierung ist durch den «Pickle Fever»-Trend wieder in den Fokus gerückt. Aromen von Eingelegtem finden sich in allem, von Cocktails bis zu Desserts, und verbinden spritzige Würze mit einem Nimbus der Darmgesundheit. Die Fast-Food-Kette Popeyes beispielsweise brachte im Oktober 2025 ihr «Pickle Menu» auf den Markt, das Essigglasur-Poulet, würzige Dill-Snacks und sogar Essiggurken-Limonade umfasst und somit beweist, wie schnell Nischen-Trends zum kommerziell erfolgreichen Mainstream-Hits mutieren können.

Der Comfort-Food-Trend setzt sich seit letztem Jahr fort, entwickelt sich aber weiter: Burger, ja – aber mit internationalen Saucen. Desserts, ja – aber mit süss-saurer Glasur. Vertrautheit gepaart mit Abenteuerlust – «elevated nostalgia», genannt.

Geschmacks-Trends Asien 2026: Mala, Hojicha und innovative Tradition

Asiens Beitrag zum globalen Geschmacksprofil im Jahr 2026 ist unapologetisch intensiv. Das Geschmacksprofil «mala», jene den Gaumen leicht betäubende Schärfe aus Sichuan, hat bereits eine Generation abenteuerlustiger Esser geprägt. Einst eine Nische, inspiriert es heute Snacks, Nudeln und Saucen in der gesamten Region. Wie bei «swicy», liegt hier der Erfolg im sensorischen Kontrast – in der Kombo von Chili-Schärfe und der prickelnden Kühle des Sichuan-Pfeffers.

Chengdu-style mala hotpot with heavy use of Sichuan pepper
https://en.wikipedia.org/wiki/Sichuan_pepper#/media/File:Chengdu_double_hotpot.jpg
«Mala»-Hardcore: Chengdu-Hotpot mit reichlich Sichuan-Pfeffer.Bild: wikicommons

Ebenso bedeutend ist der Aufstieg von Hojicha, Japans geröstetem Grüntee. Ein Bericht von Tastewise zeigt einen Anstieg von 47 Prozent der weltweiten Suchanfragen und Erwähnungen in sozialen Medien. Erfolgreiche Ketten wie Nana's Green Tea in Tokio haben Hojicha-Lattes, -Parfaits und -Cheesecakes populär gemacht und zeigen damit, wie traditionelle Aromen zu zeitgenössischen Wellness-Ikonen werden können.

Mott 32 Restaurants – Sichuan-Cantonese Fusion Cuisine

https://mott32.com/
Authentisch und international zugleich: Mott 32.Bild: mott32.com

Im Premium-Segment widmet man sich vermehrt den traditionellen Küchen. Restaurant-Brands wie Mott 32 mit seiner kantonesisch-sichuanesischen Fusion-Cuisine zeigen, wie man historische Authentizität mit internationaler Raffinesse verbindet. Dies und die anderen oben genannten Trends unterstreichen die Führungsrolle Asiens bei der Umsetzung von kulturellem Erbe in kühne, moderne Gastronomie.

Alle oben genannten regionalen Trends zeigen einen gemeinsamen Nenner: Die Gastro-Branche versteht, dass Essen emotional ist – und Emotionen durch Geschmackserlebnisse geweckt werden. Und daher können Food-Trends wie immer als Reflexion und Reaktion auf eine grössere, allgemeine globale Lage betrachtet werden: Während internationale Beziehungen vermehrt angespannt und zerrüttet erscheinen, sehnen sich Esser auf allen Kontinenten nach Aromen, die Geschichten erzählen und eine Brücke zwischen Nostalgie und Modernität, zwischen Identität und Interkulturalität schlagen.

Mott 32 Restaurants – Sichuan-Cantonese Fusion Cuisine

https://mott32.com/
Mott 32: Brücken schlagen statt Grenzen setzen.Bild: mott32.com

Gemäss diesen Geschmackstrends wird der globale Gaumen 2026 abenteuerlustiger, emotionaler und international vernetzter. Hoffen wir doch, dass «swicy», pflanzliches Umami, Mala oder Hojicha keine vorübergehenden Modeerscheinungen sind, sondern Zeichen einer tiefgreifenden Veränderung darin, wie Geschmack Kultur widerspiegelt!

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«Warum fühlt sich der Winter allein so viel kälter an?»
Ich bin kein Typ, der schlecht allein sein kann. Im Gegenteil eigentlich ... Ich mag meine Ruhe. Ich gehe arbeiten, mache Sport, koche mir was, schaue Serien, treff regelmässig meine Freunde. Alles okay.
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