Sexy Speedos, fiese Frisen und halbleere Strände: So war Ibiza im Sommer '76
Lange bevor sich Ibiza zum berühmt-berüchtigten Party-Mekka von heute wandelte, war die Insel ein ruhiger, noch ziemlich unentdeckter Flecken Erde. Als der deutsche Fotograf Walter Rudolph 1976 dort ankam, setzte er sich das Ziel, einen unverfälschten Blick auf eines der nächsten grossen Reiseziele der Welt einzufangen.
In den 1960er und 1970er Jahren bereisten Rudolph und seine Frau – selbst eine bekannte Fotografin – gemeinsam den gesamten Globus. Ihre Abenteuer führten sie von Hongkong und Kenia nach Israel, London und quer durch den Mittelmeerraum. Im Auftrag von grossen Reisemarken wie Thomson (TUI), der spanischen Fluggesellschaft Iberia und namhaften Fotoagenturen wie ZEFA, Bavaria und Toni Stone bestand die Mission des Paares darin, den Traum vom modernen Ferienkonzept greifbar zu machen. Rudolphs atmosphärische Bilder, geschossen auf sattem Kodak-Film, wurden zum absoluten Standard für internationale Reisekataloge und zogen die Leser mühelos an exotische Orte.
1976 verschlug es Rudolph auf diesem Karriereweg auf die Baleareninsel Ibiza. Damals war das noch eine echte Insider-Destination, die bei europäischen Touristen gerade erst so richtig durchstartete. Die Hippie-Bewegung war auf der Insel noch allgegenwärtig, und die Besucher feierten die Strände, das hedonistische Nachtleben und den unbeschwerten Lifestyle. Was Rudolph dort mit der Kamera festhielt, ist heute eine echte Zeitkapsel – ein Ibiza, das kurz davor stand, vom Rest der Welt entdeckt (und massiv überrannt) zu werden.
Springen wir in die Gegenwart: Allein im Jahr 2025 fluteten etwa vier Millionen Touristen die Insel. Ein massiver Urlauberansturm, der wohl nicht zuletzt durch genau jene verlockenden Bilder ausgelöst wurde, die Rudolph Jahrzehnte zuvor geschossen hatte.
