Schweiz
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ARCHIVBILD ZUR NEUEN STUDIE VON SOMOTO ZUM THEMA STRESS IN DER SCHWEIZ, AM MONTAG, 30. OKTOBER 2017 - Pendler warten auf die Ersatztransportmittel wegen einer Bahnstoerung der SBB am Dienstag, 7. Juni 2016 am Bahnhof Glattbrugg. Gegen 3 Uhr am fruehen Dienstagmorgen wurde in einem Kabelkanal der SBB an der Schaerenmoosstrasse in Zuerich Nord ein Feuer festgestellt. Dieses habe technische Anlagen der SBB beschaedigt. Folglich ist die Bahnstrecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg unterbrochen. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Im dichten Taktfahrplan haben einzelne Verspätungen grosse Folgen – umso wichtiger ist die Fahrplan-Planung. Bild: KEYSTONE

7'000 Franken Prämie – Wettbewerb für Daten-Nerds soll SBB bei Fahrplan-Problemen helfen 

Immer mehr Züge verkehren gleichzeitig auf dem Schienennetz. Bei der Erstellungen von Fahrplänen stossen die SBB deshalb an ihre Grenzen. Nun werden per Crowdsourcing-Wettbewerb neue Lösungen gesucht.



Pünktlichkeit ist eine Schweizer Kardinaltugend, Verspätungen sind hierzulande nicht gern gesehen. Das gilt auch für den öffentlichen Verkehr. Auch wenn sich die Abfahrt eines Busses oder Zuges nur um wenige Minuten verzögert, ärgern sich die Fahrgäste.

Doch Verspätungen sorgen nicht nur für genervte Passagiere an Busstationen und auf Perrons. Im dicht getakteten Fahrplan haben sie oft Auswirkungen auf das gesamte ÖV-Netz. Die Planung eines möglichst reibungslosen Fahrplans ist deshalb eine grosse Herausforderung. Die SBB als grösstes Unternehmen des öffentlichen Verkehrs holen sich nun die Unterstützung von Programmier-Cracks aus der ganzen Welt – mithilfe eines Wettbewerbs.

Auf der Plattform crowdAI.org haben die SBB vergangene Woche eine sogenannte «Train Schedule Optimisation Challenge» ausgeschrieben. CrowdAI ist eine Plattform für Open-Data-Wettbewerbe. Sie wird von der Eidgenössischen Hochschule EPFL in Lausanne betrieben und von Universitäten, Behörden, NGOs und Unternehmen genutzt.

«Denkanstösse für digitale Zukunft»

Das Ziel des Wettbewerbs: Die Teilnehmer sollen den SBB mit kreativen Ideen dabei helfen, einen Algorithmus für den Entscheidfindungsprozess bei der Erstellung von Fahrplänen zu entwickeln. Seit dem 10. August stehen das Datenset und die Problemstellungen online zum Download bereit. Die Teilnehmenden haben nun bis zum 9. November Zeit, ihre Beiträge einzureichen. 

«Wir erhoffen uns ergänzende Denkanstösse durch externe Stellen, die dann möglicherweise in die digitale Zukunft der Bahn Eingang finden könnten», erläutert SBB-Sprecher Daniele Pallecchi das Ziel des Projekts auf Anfrage von watson. Erkenntnisse aus dem Wettbewerb könnten gemäss Pallecchi schon «sehr bald» in die Planung des Fahrplans miteinfliessen.

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Beim Projekt werde zudem getestet, «ob Crowdsourcing eine ergänzende Quelle für neue Algorithmen oder Lösungskonzepte sein kann» – nebst der Hochschulforschung und der internen Entwicklung, auf welche die SBB bereits heute setzen.

Noch zählt Erfahrung der Planer

Die SBB transportieren täglich 1,2 Millionen Passagiere und 210’000 Tonnenkilometer Fracht. Angesichts dieser Dimensionen sei das Erstellen eines Fahrplans ein hochkomplexes algorithmisches Problem, heisst es in der Projektbeschreibung.

Zu dieser Komplexität tragen insbesondere die Unmöglichkeit des Überholens unterschiedlich schneller Züge auf dem Schienennetz bei. Auch die Interdependenz der verschiedenen Züge – vereinfacht gesagt, dass die Anschlüsse garantiert werden müssen – verkompliziert das Unterfangen.

Die derzeitigen IT-Systeme der SBB unterstützten den Planungsprozess bei den Fahrplänen nur beschränkt und helfen kaum beim Erkennen und Lösen von Fahrplan-Konflikten. Deshalb hänge die Problemlösung hauptsächlich von Wissen und Erfahrung der Menschen ab, welche die Fahrpläne erstellen.

Wachsende Anzahl Züge «nicht mehr zu bewältigen»

Doch offenbar stossen die SBB-Planer langsam an ihre Grenzen – trotz der «seit Jahrzehnten unbestrittenen Fahrplan-Planungskompetenz», wie Sprecher Daniele Pallecchi formuliert.

Ohne Verbesserungen seien die Fahrplan-Planer der SBB nicht mehr in der Lage, die stetig wachsenden Anzahl Züge zu bewältigen, heisst es in der Wettbewerbsbeschreibung. Auch die Folgeeffekte bei Störungen seien zunehmend schwieriger zu kontrollieren.

7000 Franken für die Sieger

Auf dem Markt sei «keine kommerzielle Software erhältlich», welche die nötigen Aufgaben auf der Skala bewältigen kann, auf welcher die SBB operieren. Deshalb setzen die Bundesbahnen auf die Innovationskraft von Computer-Cracks. Den besten Beitrag prämieren die SBB mit 7000 Franken, für den 2. und 3. Rang lassen sie 5000 bzw. 3’500 Franken springen.

Für SBB-Sprecher Pallecchi eine korrekte Entlöhnung. Das komplexe mathematische Problem sei offensichtlich ein spannendes Forschungsgebiet, wie der internationale Teilnehmerkreis beweise. Alle Teilnehmer dürften ihre wissenschaftlichen Resultate international publizieren: «Auf diese Weise können sich herausragende Talente international präsentieren.»

So sehen die neuen SBB-Züge von innen aus

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Video: srf/SDA SRF

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Me:ish 13.08.2018 09:34
    Highlight Highlight Die Theoretiker sacken ein, die an der Front können es dann wieder ausbaden. Irgendwann bleiben vielleicht noch 30 Sekunden für eine Störungsbehebung, bevor Ausfälle und Wendungen drohen. Viel Spass bei 300m Zug. Besser weniger fahren, dafür pünktlich und zuverlässig. Das verstehen eigentlich alle, ausser die hohen SBB-Kader.
    • Evan 14.08.2018 12:56
      Highlight Highlight Bei Kapazitätsproblemen ist die Lösung wohl nicht so einfach wie einfach weniger fahren...
  • Mitz en place 12.08.2018 22:01
    Highlight Highlight Der Apollo 11 Boardcomputer zur Mondlandung hatte eine Tacktfrequenz von 1kHz (0.000001 GHz) RAM und 4 kByte (0.000004 GByte) ROM.
    Also etwa ein Millionstel der Leistung deines Handys

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Apollo_Guidance_Computer

    Programmiert hat's übrigens eine Frau: Margaret Hamilton.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Margaret_Hamilton_(Wissenschaftlerin)
    • Sanduuh 13.08.2018 23:59
      Highlight Highlight sehr spannend zu wissen. Aber was hat das jetzt mit diesem Beitrag zutun?
  • Xurel 12.08.2018 21:46
    Highlight Highlight Man muss sicher noch eine Gebühr bezahlen, da die Prämie nur am Schalter abgeholt werden kann...
  • noktua4b 12.08.2018 20:31
    Highlight Highlight ein 1. Klass GA 4 Live müsste im preis mindestens dabei sein
  • Typu 12.08.2018 19:52
    Highlight Highlight Ein Witz Betrag. Ist das ein PR Gag??
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 13.08.2018 07:02
      Highlight Highlight Nö, nur ein als Wettbewerb getarntes, für die hauseigenen Spezialisten unlösbares Problem.
      Es geht lediglich darum, ein Problem zu lösen, dass die SBB sehr viel mehr als das Preisgeld und das ganze drum herum um diesen Wettbewerb kosten würde.
  • xoxo_miro 12.08.2018 18:08
    Highlight Highlight gute idee! es geht ja nicht darum eine komplette software abzuliefern, das kann die sbb ja dann selber machen, es geht einfach um einen denkanstoss.
    • elmono 12.08.2018 18:25
      Highlight Highlight Den Denkanstoss bzw der Algorhytmus ist das Kernstück der Software. 7000 CHF ist dafür rein gar nichts.
    • xoxo_miro 13.08.2018 01:50
      Highlight Highlight Und was ist wenn die erstplatzierte Idee Müll ist? Der Gewinner muss ja trotzdem bezahlt werden. Daher finde ich die Idee und das Vorgehen gut. Sie können die Person oder das Team dann ja immer noch einstellen wenn es eine solche Glanzidee ist. Es wid so oder so gemotzt, ob sie jetzt mal innovativ sind oder wenn sie 7mio in den Sand gesetzt haben... Hauptsache motz motz motz
  • leu84 12.08.2018 18:05
    Highlight Highlight CHF 15500.- für die ersten drei Plätze. Dazu jede Menge von Inputs und Ideen. Daraus lässt sich eine SBB günstig ein System entwickeln, ohne viel Geld für die Forschung auszugeben.
    • xoxo_miro 13.08.2018 01:52
      Highlight Highlight top! hoffentlich werden die billette so günstiger, wenn das so einfach gelöst werden kann
  • Scaros_2 12.08.2018 17:50
    Highlight Highlight Für diese Prämie lies ich ned mal die Challenge. Das ist doch ein Witz.
  • N. Y. P. D. 12.08.2018 17:41
    Highlight Highlight Wenn ich DEN Algorithmus gefunden hätte, damit die SBB ihre Fahrpläne spürbar optimieren könnte, würde ich den SBB das sicher für 7000.- verkaufen.

    Zwar, 7500.- sollten es schon sein. Ich habe schon zittrige Knie, ob dieser monströs hohen Summe.
  • Vinnie 12.08.2018 17:31
    Highlight Highlight 7000 CHF? Heilige Scheisse. Fehlt fehlt da eine null? Von denen hat die SBB ja genug, höhöhö.. hö........
    • Vinnie 12.08.2018 17:55
      Highlight Highlight Eigentlich zwei, wenn du dir ansiehst wieviel gute Data-Scientists verdienen.
    • N. Y. P. D. 12.08.2018 18:24
      Highlight Highlight Eigentlich drei, wenn man das auf die nächsten Jahre hochrechnet.
  • TanookiStormtrooper 12.08.2018 17:20
    Highlight Highlight 7000 Fr. reichen ja nicht mal um 2 Monate ins Sabbatical zu gehen... 😒
  • Gipfeligeist 12.08.2018 17:15
    Highlight Highlight Die SBB IT scheint aber kompetent zu sein, wenn sie bei einem 7'000 Stutz Problem kapitulieren :P
  • Menel 12.08.2018 17:01
    Highlight Highlight Wettbewerb für etwas das ihnen danach Millionen einspart und sie bieten 7'000? 😂
    • elmono 12.08.2018 18:24
      Highlight Highlight Richtigi Schwiizer halt. Obwohl mr muen sege, wenns dänn 70'000 gsi wäred, hets au wieder es gmotz gäh. Au richtig schwiizerisch.
    • Menel 13.08.2018 00:13
      Highlight Highlight Wieso überhaupt 7'000? Das ist nicht mal eine schöne runde Zahl und wirkt wie ein Kompromiss; 10'000 würde sich viel besser machen. Wäre aber auch zu wenig für den Aufwand, der für die Lösung des Problems betrieben werden muss.
  • Ökonometriker 12.08.2018 16:59
    Highlight Highlight 7000 Franken für ein Projekt dieser Komplexität ist sehr mager... auf Kaggle werden 25000 für weitaus weniger rechenintensive Probleme geboten.
    Wer am Wettbewerb teilnimmt, muss ja auch genug Geld für Computerressourcen ausgeben und viel Zeit investieren, verdient aber eventuell nichts.
  • Oberon 12.08.2018 16:55
    Highlight Highlight Da wäre man ja sehr blöd für diesen lächerlichen Betrag ein Kernproblem der SBB zu lösen.
    • Alnothur 12.08.2018 17:07
      Highlight Highlight Naja, ich werd mich wohl aus reinem Interesse daran wagen - und am Ende ist der Eintrag fürs CV ja nicht zu verachten, da gibt's bei der nächsten Stelle mehr Lohn :)
    • Oberon 12.08.2018 17:28
      Highlight Highlight @Alnothur
      Dann wünsche ich dir viel Spass und Erfolg.

      Die Zukunft liegt jedoch in einer KI unterstützten vollautomatisierten Trackingsystem. Da ist der Fahrplan noch der einfachere Teil. ;)
    • Ökonometriker 12.08.2018 19:49
      Highlight Highlight @Oberon: eine KI ist doch viel einfacher zu programmieren als ein Problem für Fahrpläne dieser Komplexität zu lösen.

      @Alnothur: welchen Ansatz wählst Du? Ich würde das Problem aus dem Bauch heraus als Bellman Gleichung rekursiv definieren und via dynamische Programmierung lösen, das lässt sich gut parallelisieren.
      Viel Glück & Spass!
    Weitere Antworten anzeigen
  • rundumeli 12.08.2018 16:54
    Highlight Highlight interessanter ansatz ... zumal ja einer behauptet hat die erstellung eines sbb-fahrplans sei komplexer als "die mondlandung" ... wohlan, nur besser wenn die lösung in inglisch präsentiert wird, zumal die erstellung des sbb-fahrplans nach indien outgesourct wurde ... siehe https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/standard/Dem-Taj-Mahal-gehts-verschissen/story/24189419

    :-o
    • rundumeli 12.08.2018 17:19
      Highlight Highlight "IT-Mitarbeitende der SBB und vor allem auch externe Informatiker und Leute von Dienstleistern, die für die SBB-Informatik arbeiten, müssen sich wohl darauf gefasst machen, dass ein Teil ihrer Jobs nach Osteuropa oder Indien abwandern. (hc)"

      https://www.inside-it.ch/articles/49184
    • Me:ish 13.08.2018 09:40
      Highlight Highlight Was passiert, wenn Software für die SBB in Asien produziert wird, sieht man bei SOPRE. Die Fahrplanerstellung ist dann nochmals ein anderes Kaliber. Aber bei Meyer weiss man tatsächlich nie, er findet immer wieder neue Wege, die Mitarbeiter zu demotivieren.
  • Donald 12.08.2018 16:51
    Highlight Highlight Sowas würde bei einer externen Firma gut ein paar Millionen kosten. Und auch da ist kein Erfolg garantiert. Daher sicher ein oder mehrere Versuche wert.
  • Stan_the_man 12.08.2018 16:48
    Highlight Highlight Toll für die SBB. Sie spart einen Haufen Geld mit dieser Aktion - ein komerzieller Anbieter nähme für 7000.- noch nicht mal das Gipfeli aus dem Mund.

Interview

«Die Nahrungsgrundlage aller Wasserlebewesen steht auf dem Spiel»

Die Pestizid-Grenzwerte werden in der Schweiz nicht gelockert. Für den Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbands müssen jedoch weitere Schritte eingeleitet werden, um das Fischsterben zu verhindern.

Aufatmen beim Schweizerischen Fischerei-Verband. Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat am Dienstagmorgen beschlossen, dass die Pestizid-Grenzwerte im Wasser nicht gelockert werden. Ab dem 1. April gilt ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm Pestizid pro Liter in Gewässern, aus denen Trinkwasser entnommen wird. Ihre Vorgängerin im UVEK, Doris Leuthard, hatte die Grenzwerte noch erhöhen wollen.

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