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Edith Loosli ist unwohl beim Gedanken an die Zukunft mit 5G. screenshot: srf

Frau Loosli hat Angst vor der Zombiewelt – so verlief die 5G-«Arena»

Am Weltfrauentag wurde in der SRF-«Arena» über 5G debattiert. Den Befürwortern der neuen Technologie gelang es dabei nicht, den Kritikern die Angst vor dem neuen Mobilfunk-Standard zu nehmen. Im Gegenteil.



Bereits vergangene Woche war das Thema 5G für die Arena eingeplant. Doch dann stellte Moderator Jonas Projer kurzfristig die Sendung um. Anlass war der Parteiübertritt der Zürcher Ex-Nationalrätin Chantal Galladé von der SP zu den Grünliberalen.

Um eine weitere Woche verschieben wollte Projer die Diskussion über den Ausbau des Mobilfunknetzes dann aber offenbar nicht. Dies, obwohl die Sendung nun ausgerechnet auf den 8. März, den Tag der Frauen fiel.

Das ärgerte die SP-Nationalrätin Yvonne Feri. Auf Twitter beklagte sie sich, dass es das SRF nicht einmal am Weltfrauentag schaffe, die Sendung den Frauen zu widmen oder wenigstens eine Frauenmehrheit ins Studio zu holen.

Die für ihre spitze Zunge bekannte Kabarettistin Patti Basler twitterte: Am Weltfrauentag wird über 5G diskutiert. Die meisten kennen sich nicht mal aus mit 1 G.

Obschon das Datum unpassend war, bot das Thema viel Zündstoff. Denn der neue Mobilfunk-Standard gilt als höchst umstritten. Einerseits verspricht er schnelleres Surfen im Internet und eröffnet neue technologische Möglichkeiten. Andererseits fürchten sich Kritiker vor der Strahlenbelastung und den Risiken der Digitalisierung des Lebens.

Ins Studio eingeladen waren gleich mehrere unbekannte Gesichter. Auf der Seite der 5G-Kritiker stand der Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli, flankiert von Peter G. Kirchschläger, Professor für Theologische Ethik an der Universität Luzern. Ihnen gegenüber warb FDP-Nationalrat Thierry Burkart enthusiastisch für den Mobilfunkausbau und wurde dabei unterstützt von Dalith Steiger. Sie ist Mitgründerin von SwissCognitive, einem Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz.

Steiger sagte, dass die Sorgen der Bevölkerung bezüglich 5G zwar ernst zu nehmen seien. Doch die Schweiz dürfe auf keinen Fall bei der Entwicklung den Anschluss an die anderen Länder verpassen. Darum könne man nicht warten, bis alle Studien zur Schädlichkeit von 5G auf dem Tisch liegen.

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Damit lieferte Steiger einen ersten Steilpass an ihre Gegner. Man dürfe in der Schweiz doch keine Menschenversuche machen, sagte Glättli. «Wenn ein gewisses Risiko besteht, muss die Gesundheit stärker gewichtet werden als die wirtschaftlichen Interessen.»

Der Wortwechsel machte deutlich, was das Problem der 5G-Befürworter war: Obwohl sie insgesamt die besseren Argumente hatten als die Gegner, hatten sie Mühe, ihre Botschaft überzeugend zu vermitteln. Indem sie gesundheitliche Bedenken in den Hintergrund stellten und den Fokus auf die Fortschrittlichkeit legten, wirkten sie zeitweise etwas überheblich.

Etwa, als Steiger klar machte, dass es bei der Einführung von 5G vorerst nicht um das Individuum gehe, sondern um die Industrie. Mit solchen Voten spielte sie Glättli und Kirchschläger direkt in die Arme. Zum Glück für Burkart und Steiger sass in den Zuschauerreihen noch ein Experte, der mit seiner Professionalität etwas Klarheit in die Runde brachte.

Martin Röösli ist Professor für Umweltepidemiologie und Fachmann für Mobilfunkstrahlung. Er leitet die beratende Expertengruppe Berenis im Auftrag des Bundesamts für Umwelt. Die Frage, ob 5G gefährlich sei oder nicht, könne man nicht mit einem Ja oder Nein beantworten, sagte er. Es gebe einige offene Fragen. Er relativierte allerdings ein Argument von Kirchschläger, der eine US-Studie zitierte, bei der Ratten nach einer Bestrahlung mit 5G Tumore im Gehirn aufwiesen.

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Im zweiten Teil der Sendung widmeten sich die Gäste der Frage, was die voranschreitende Digitalisierung der Menschheit überhaupt bringt. Was bedeutet es, wenn Roboter zunehmend Arbeitsprozesse vereinfachen? Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer der Digitalisierung? Und was ist, wenn künstliche Intelligenz eines Tages so intelligent ist, dass es die Menschen gar nicht mehr braucht?

Den Blick in die Zukunft wagte Kevin Schawinski. Der Sohn des Medienunternehmers Roger Schawinski ist Astrophysiker und Professor an der ETH Zürich. Für ihn sei ganz klar, dass immer mehr Aufgaben von immer besser werdenden Maschinen gemacht werden. Menschliche Berufe würden ersetzt durch maschinelle. Für ihn stelle das aber eine Chance dar.

Schon jetzt sei es doch so, dass man mit dem Smartphone einen externen Gedächtnisspeicher mit sich herumtrage. «Wir sind menschliche Maschinen-Kombinationen und in der Zukunft wird das noch viel weiter gehen.»

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Diese Erkenntnis haute selbst Moderator Projer aus den Socken. «Aber das heisst....halt, ich brauch kurz einen Moment», stammelte er, fasste sich wieder und resümierte, was er da gerade gehört hatte. «Es ist also nicht wie beim Terminator eine Maschine, die zum neuen Menschen wird, sondern wir werden zu Maschinen?» «Genau», bestätigte Schawinski und nickte.

Während Projer diesem Gedanken, selig ab der Erleuchtung, noch etwas nachhing, stiess die Zukunftsvorstellung von Schawinski nicht bei allen auf Begeisterung. Im Gegenteil. Die Rentnerin Edith Loosli, die in der Zuschauerreihe Platz genommen hatte, war ab dieser drohenden Zombie-Welt entsetzt. «Ist denn das noch lustig?», fragte sie rhetorisch. Eine Frage, die ihr niemand beantworten konnte.

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