Schweiz
Migration

Bis zu 90 % der Flüchtlinge verschwinden - wo landen sie?

Viele der angeblichen Asylsuchenden tauchen ab: Sie könnten unter anderem in der Prostitution landen.
Viele der angeblichen Asylsuchenden tauchen ab: Sie könnten unter anderem in der Prostitution landen.bild: shutterstock

In der Schweiz verschwinden immer mehr Flüchtlinge – hierhin könnten sie abtauchen

Flüchtlinge verschwinden in der Schweiz vermehrt, nachdem sie Asyl beantragt haben. Für die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri ist das eine problematische Entwicklung.
05.09.2016, 04:5011.11.2020, 12:50

Ein Grossteil der angeblichen Asylsuchenden nehme kurz nach Ankunft in der Schweiz wieder reissaus, schreibt die Sonntags Zeitung. In einzelnen Empfangs- und Verfahrenszentren (EVZ) des Bundes würden gar bis zu 90 Prozent untertauchen. Dies zeigten interne Dokumente des Staatssekretariats für Migration (SEM).

Dieses bestätigt die Zahlen zwar nicht, räumt aber ein, dass es in den letzten drei Monaten mehr solcher Fälle gegeben habe. Es spreche von 20 bis 40 Prozent der Gesuchsteller, schreibt die «Sonntags Zeitung» weiter.

Verfahrenszentrum in Kreuzlingen: Hier ist die «Abtauch-Quote» besonders hoch.
Verfahrenszentrum in Kreuzlingen: Hier ist die «Abtauch-Quote» besonders hoch.screenshot: tele m1

Tauchen sie in die Prostitution ab?

Der Berner Justizdirektor Christoph Neuhaus sagt, man riskiere ein Heer von Illegalen, «die sich auf dem Schwarzmarkt, in der Prostitution oder in der Kriminalität durchschlagen». Neuhaus fordert, die Asylsuchenden «endlich wirksam» zu kontrollieren und sie nicht abtauchen zu lassen.

Auch die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri ist unzufrieden mit der Entwicklung. Sie befürchtet, dass untergetauchte Frauen in der Prostitution landen. «Da gilt es die Frauen zu schützen», sagt sie. Ihr Asylgesuch müsse möglichst schnell bearbeitet werden. Es gelte, sie aus der Sexarbeit herauszulösen und ihnen andere Perspektiven aufzuzeigen.

Kritik an das Staatssekretariat für Migration gibt es auch von rechter Seite: Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner befürchtet, dass «wir Ärger mit Deutschland bekommen, weil sie einfach durchmarschieren.» Zudem beschwört er die Gefahr durch Kriminalität und Terrorismus, die von untergetauchten Flüchtlingen ausgehen könnte.

Viele verschwinden nach Deutschland

Für SVP-Präsident Albert Rösti gibt es deshalb nur eine Lösung: «Die Grenze muss dicht gemacht werden.» Wenig von diesem Lösungsvorschlag hält FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sagt er: «Das ist eine Schnapsidee.» In der Praxis sei dies nicht umzusetzen.

Cédric Wermuth gibt derweil zu bedenken, dass die Schweiz Schengen-Miglied sei und ihre Grenze gar nicht zumachen könne: «Sicher würden es die Nachbarländer nicht akzeptieren. Und wenn man an den Tourismus und die Exportwirtschaft bei einer Grenzschliessung denkt: Dann viel Spass.»

Einig sind sich die Politiker aber von links bis rechts, dass die Zahl von 90 Prozent Untergetauchten sehr hoch ist. Viele der Flüchtlinge würden zwar nach Deutschland weiterreisen, dennoch sei die Situation problematisch, so der Tenor. Das Hauptroblem liege bei der schlechten Zusammenarbeit der Schengen-Staaten.

(aargauerzeitung/cma)

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