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Kennst du die Band «Einstürzende Neubauten»? Hier ist das Spiel dazu

Bild: Tom Felber

Im kooperativen Bauspiel «Menara» müssen die Spieler mit unförmigen Bauteilen einen Turm errichten. Kracht er zusammen, ist das gar nicht unbedingt schlecht. 

01.07.18, 18:04


Wir spielen heute:
«Menara»

Kooperatives Bauspiel von Oliver Richtberg für 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: etwa 45 Minuten. Verlag: Zoch. Preis: etwa 45 Franken. 

Thema:

Die Spieler versuchen gemeinsam, einen alten, unförmigen Tempelturm wieder aufzubauen.

Was macht man?

Bild: Zoch

Säulen gemäss Bauplankarten in einem Bauwerk verbauen und hoffen, dass der Turm nicht vorzeitig zusammenkracht. 

Besondere Features:

Dreidimensionaler Aufbau. Materialfülle. Bunte Säulen aus Holz.

Geeignet für:

Alle, die ein ruhiges Händchen haben und im Team etwas aufbauen wollen, das allerdings nicht nachhaltig ist. 

Wir haben es für euch gespielt!

Dieser Architekt hatte mit Sicherheit einen Fensterplatz, als in der Migros-Klubschule Symmetrien und gerade Baulinien durchgenommen wurden: Auf den ersten Blick sieht das Spiel «Menara» extrem nach «Villa Paletti» aus, dem Spiel des Jahres 2002.

Genau wie damals gibt es Säulen und  Zwischenböden, mit denen ein Bauwerk errichtet werden muss. Die Plattformen sind allerdings nicht mehr aus Holz, sondern aus Karton, und auch ziemlich merkwürdig geformt. Und während die Spieler bei «Villa Paletti» gegeneinander antraten und Bauteile wie bei «Jenga» entfernen mussten, ist «Menara» eine konstruktive Teambildungsmassnahme. Die Gruppe muss zusammen einen verwinkelten Turm bauen, der eine bestimmte Höhe erreichen soll.

Das Wort «Menara» ist malaysisch und heisst «Turm». Die Hintergrundgeschichte ist aber eher schwachsinnig: Als Forscher sollen wir in einer grünen Höhle Fragmente eines tausende Jahre alten Bauwerks gefunden haben und wollen es nun wieder aufbauen. Dazu sind praktischerweise auch noch die alten Pläne wieder aufgetaucht. 

Man kann auch einfach versuchen, einen möglichst hohen Turm zu basteln.  Bild: Tom Felber

Jeder Spieler darf sich für den Bau nur aus einem eigenen Säulenvorrat bedienen, der sich immer wieder verändert. Auf den Tempelböden sind farbige Kreise markiert, auf welche nur gleichfarbige Säulen gestellt werden dürfen. Eine zufällig gezogene Bauplankarte gibt jeweils vor, wie viele Säulen ein Spieler verbauen muss.

Falls ein Spieler ein Risiko eingehen will, kann er auch Bauplankarten von schwierigeren Stapeln ziehen, die zum Beispiel befehlen, dass man Säulen auf verschiedenen Ebenen versetzen oder ganze Etagen mit darauf stehenden Säulen herumschieben soll. Schafft ein Spieler die gestellte Aufgabe in seinem Zug nicht, wird das Endziel schwieriger. Um das Spiel zu gewinnen, muss die Gruppe dann den Turm insgesamt eine Etage höher bauen. 

Es ist schon ziemlich unterhaltend, wie sich der Turm langsam in alle Richtungen ausbreitet und aufbaut und alle den Atem anhalten, wenn ein Mitspieler eine besonders brenzlige Situation zu meistern hat. Weil jeder Spieler andere Säulenfarben zur Verfügung hat, sind Absprachen und gute Planung wichtig. Bauen muss dann allerdings trotzdem jeder selber.

Der Glücksfaktor, dass die neuen Säulen zufällig aus einem (leider etwas zu eng genähten) Säckchen gezogen werden, kann die Schwierigkeit der Aufgabe von Partie zu Partie aber leider massiv verändern; von bubi-einfach bis völlig unmöglich. Ambitionierte Spieler stören sich mit der Zeit etwas an diesem unbeeinflussbaren Umstand.

Bild: Zoch

Etwas gewöhnungsbedürftig mutet auch die Endbedingung an, dass die Partie zu Ende ist, sobald der Turm einstürzt, man aber auch mit einem teileingestürzten Turm gewinnen kann, falls die angepeilte Höhe noch stimmt. Dadurch kann man absichtlich Teile des Tempels vorzeitig einstürzen lassen, wodurch eine Partie, je nach taktischem und statischem Geschick, auch ziemlich schnell und simpel gewonnen werden kann. Alles in allem ist «Menara» solides, analoges Home-Entertainment für die ganze Familie

Ist «Menara» zu zweit spielbar?

Ja, es ist sogar alleine spielbar, sowohl gemäss den üblichen Spielregeln als natürlich auch als freie Fingerübung. Je weniger Leute mitspielen, desto schwieriger wird die Aufgabe allerdings, da die Auswahl an gesamthaft für die Gruppe zum Bauen verfügbarer Säulen für die Spieler eingeschränkter wird. 

Tom Felber ist ...

... der Vorsitzende der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Er stellt hier für uns regelmässig neue Brett- und Kartenspiele vor.

bild: zvg

Zum Thema einstürzende Türme: Hier wird ein Swisscom-Sendeturm gesprengt:

Video: srf/SDA SRF

Wenn Architekten alles richtig machen, entstehen die höchsten Türme der Schweiz:

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Clarissa74 02.07.2018 00:10
    Highlight Feurio! 😍
    1 0 Melden
  • Mia_san_mia 01.07.2018 23:59
    Highlight Diese Spielkritiken sind einfach geil... Der nimmt sich so ernst, da kann man nur lachen 😂
    4 6 Melden
    • Rectangular Circle 02.07.2018 08:14
      Highlight Wieso? Ich finde es gut, dass er die Spiele sachlich testet. Nur, weil du damit nichts anfangen kannst, musst du ja nicht gleich so herablassend tun.

      9 2 Melden
    • Mia_san_mia 02.07.2018 10:13
      Highlight Haha nein das ist echt lustig 😂
      0 2 Melden
  • Einstürzende_Altbauten * 01.07.2018 18:52
    Highlight die Neubauten ihm Ohr und die Altbauten im Rucksack. Bereit für die Ferien.
    6 2 Melden

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