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Daytime Drinking mit Vermouth und Co. – 7 neue und alte Marken zum Ausprobieren

Bild: shutterstock



Bestimmt kennt ihr Cinzano, Campari oder Ramazotti. Selbstverständlich kennt ihr Portwein oder Marsala. Und dann kennt ihr vielleicht noch Cynar und Averna und Lillet und … und vielleicht ahnt ihr auch, dass diese alle irgendwie zusammengehören. Ihr ahnt richtig. Das sind alles sogenannte Likörweine – auch als Fortified Wines bezeichnet.

Was ist eigentlich Fortified Wine?

Beim Fortified Wine wird im Vergleich zur normalen Weinherstellung der Gärprozess unterbrochen, indem Alkohol dazugegeben wird. Man spricht hier von Aufspritzung. Das resultiert in einem Alkoholanteil von 15–22%. Je nach Art haben diese Weine einen höheren oder niedrigeren Restzuckergehalt, und oftmals wird zusätzlich nochmals Zucker beigefügt. Bei Porto oder Marsala etwa erfolgt die Aufspritzung mit reinem Alkohol, bei Sherry wiederum wird Branntwein hinzugefügt. Bei anderen Kreationen kommen noch Kräuter und andere Zusätze dazu. Vermouth etwa wird mit verschiedenen Gewürzen und Kräutern angereichert, wobei immer ein Teil Artemisia Absinthum (Wermutkraut) vertreten sein muss. Bei vielen bitteren Varianten von Likörweinen ist Chinin drin, welches aus der Rinde des Cinchona-Baumes gewonnen wird und das man von Tonic Water her kennt. Die Möglichkeiten sind endlos.

Fortified Wines waren früher aus wirtschaftlicher Sicht attraktiv, da durch den niedrigeren Alkoholgehalt weniger Steuern abgeführt werden mussten als für Spirituosen mit Alkoholgehalt über 40%. Geht man den klassischen Cocktails auf die Spur, merkt man schnell, dass viele Drinks wie Negroni, Manhattan oder Dry Martini nach Vermouth verlangen. Dieser bringt oft die gewünschte Aromatik in den Drink und hilft andere Spirituosen wie Gin oder Vodka zu unterstreichen.

Und nun sollen Fortified Wines angeblich ein Revival feiern. Es wird dem sogenannten Daytime Drinking gefrönt – ein Drink, der auf etwas mit 16% Alkoholgehalt basiert, macht weniger besoffen als einer, der Hochprozentiges drin hat. Klar, hier steckt unter anderem Marketing diverser Drinks-Anbieter dahinter, die ihre Produkte an den Mann und an die Frau bringen wollen. Aber wenn alt-ehrwürdige (und vor allem feine) Traditions-Liköre dadurch einen Aufschwung erhalten – uns soll’s recht sein.

Deshalb, hier einige Marken, die man sich merken sollte – beginnen wir doch mal ganz lokal!

Jsotta Vermouth Svizzero

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bild: watson/obi

Hierbei handelt es sich um eine Neulancierung der 1899 gegründeten Zürcher Vermouth-Marke Jsotta, die zu der Zeit des Vermouth-Booms in den 50er- und 60er-Jahren in der Schweiz die Nummer eins war. Ja, das ist die 1899er-Skyline von Zürich auf der Etikette. Inzwischen in Winterthur angesiedelt, wird Jsotta in den Varianten Rosso und Bianco ausschliesslich mit Schweizer Weinen und Kräutern hergestellt.

Trink-Tipp: Jsotta Rosso mit Ginger Ale und Orangenschale.

L.N. Mattei Cap Corse Quinquina

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Bild: obi/watson

Louis Napoleon Mattei hat vor über 100 Jahren im korsischen Bastia einen herben Appetitanreger hingezaubert: Den Cap Corse, eine Leckerei aus Muskatwein und Extrakten des Chinarindenbaums, die dem trockenen Aperitif sein markant-herbes Aroma geben.

Tipp: Cap Corse blanc mit Tonic und Zitronenschale.

Übrigens ...

Sachkundige Menschen versichern mir, dass Cap Corse Quinquina geschmacklich am ehesten dem heute nicht mehr produzierten Kina Lillet entspricht (Lillet änderte 1985 die Rezeptur; das moderne Lillet Blanc enthält kein Chinin). Somit kann man endlich einen richtigen Vesper (wie in James Bonds «Casino Royale» beschrieben) zubereiten, oder andere Retro-Cocktails, die nach chininhaltigem Lillet verlangen.

Mancino Bianco

Im Laufe der Jahre wurden viele Vermouths dem internationalen Massengeschmack angepasst (siehe Beispiel oben mit Lillet) und verloren ihre individuelle Note. Auftritt Giancarlo Mancino, Bartender-Ikone aus Italien: Mit Rezepten aus dem 19. Jahrhundert kreierte er diverse Spirituosen – unter anderem einen vorzüglichen weissen Vermouth aus der Traubensorte Trebbiano di Romagna, der mit 37 Botanicals aromatisiert ist.

Tipp: Mancino Bianco statt den üblichen Noilly Prat etc. nehmen für einen etwas milderen Dry Martini.

Dopo Teatro Cocchi Vermouth Amaro

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Bild: cocchi.it

Aus Torino: Produziert aus Vermouth, angereichert mit Rhabarber, Bitterholz, Chiretta und einer doppelten Infusion von Chinarinde (Chinin). Sowie mit einer Zugabe von Barolo Chinato. 

Tipp: Ersatz für Averna oder Ramazotti auf Eis.

Miro Reserva

Zugegeben, in Katalonien gilt Vermouth fast als Opa-Getränk. Doch in jüngster Zeit erfreut sich die Vermouth-Tradition in ganz Spanien einer Renaissance. In den Tapas-Bars gibt’s roten Vermouth direkt ab Fass. Ein Reserva jedoch, wie dieser Klassiker aus Reus in Tarragona, wird ein Jahr in der Flasche gelagert, was in einem etwas volleren Aroma resultiert.

Tipp: Klassisch – über Eis mit einer Olive und einem Orangenschnitz garniert.

Noilly Prat Ambré

Hier ein Vermouth aus dem südfranzösischen Marseillan, das zwischen Narbonne und Montpellier an der Mittelmeerküste liegt. Der klassische Noilly Prat, den man für Dry Martini (und fürs Kochen) benutzt, stammt aus dem Jahr 1813 und gilt damit als ältester französischer trockener Vermouth. Diese Ambré-Variante ist nun das jüngste Kind aus dem traditionsreichen Hause und es handelt sich um einen fruchtig-würzigen, leicht karamelligen Vermouth.

Tipp: Als «Gin & It»-Cocktail mit gleichen Teilen Gin und Noilly Prat Ambré mischen.

Dubonnet

Zum Schluss noch ein Klassiker, der exemplarisch für die Geschichte der Likörweine ist, die mit Chinin versetzt sind. Chinarinde galt im 19. Jahrhundert als Wundermittel gegen Malaria und generell als Allheil- und Stärkungsmittel und wurde als Tonikum französischen Soldaten als Prophylaxe verabreicht, was anfangs freilich auf heftigen Widerstand stiess (Chinarinde schmeckt extrem bitter). Likörhersteller Dubonnet kam auf die Idee, ein bekömmlicheres Getränk zu kreieren, damit das Heer artig sein Chinin zu sich nahm. Das so entstandene Quinquina Dubonnet wurde aber auch in der noblen Pariser Society beliebt – und gehört heute noch zum Standard jeder gut bestückten Bar.

Tipp: Als Dubonnet Cocktail – zu gleichen Teilen Gin und Dubonnet, sowie ein paar Tröpfchen Angostura. Die Queen Mother trank dies. Und sie wurde 101 Jahre alt.

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