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Premier League: Das spricht für Liverpool, Manchester City und Arsenal

Mohamed Salah (Liverpool), Erling Haaland (Manchester City) und Declan Rice (Arsenal) kämpfen mit ihren Klubs um die Premier-League-Trophäe.
Mohamed Salah (Liverpool), Erling Haaland (Manchester City) und Declan Rice (Arsenal) kämpfen mit ihren Klubs um die Premier-League-Trophäe.bild: shutterstock/imago/watson
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Spektakuläre Premier League – was im englischen Meisterkampf für wen spricht

Drei Teams innert zwei Punkten und auch die Überraschungsteams Aston Villa und Tottenham sind nicht weit hinter dem Top-Trio bestehend aus Liverpool, Manchester City und Arsenal zu finden. Die Premier League verspricht auch in dieser Saison Spannung im Kampf um die Meisterschaft.
06.02.2024, 17:0906.02.2024, 17:22
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In England bahnt sich der nächste dramatische Meisterkampf an. Nachdem sich Manchester City und Arsenal in der letzten Saison bis kurz vor Schluss um den Titel in der Premier League duellierten und sich die «Cityzens» wie schon 2021/22 – damals mit nur einem Punkt vor Liverpool – durchsetzten, verspricht die englische Liga erneut grosse Spannung.

Dank des 3:1-Erfolgs am Montagabend in Brentford bleibt Manchester City nach Verlustpunkten das beste Team und sitzt damit in der Pole-Position. Der Rückstand auf Liverpool beträgt bei einem Spiel weniger nur zwei Punkte, Arsenal liegt gleichauf mit ManCity auf Platz 3. Und auch Aston Villa sowie Tottenham sind noch in Reichweite, wobei ein Meistertitel eines der beiden Klubs aufgrund der hervorragenden Konkurrenz eine ähnliche Sensation wäre wie jener von Leicester City in der Spielzeit 2015/16.

Manchester City
(Platz 2 – 49 Punkte)

Sie sitzen in der Pole-Position

Fünf der letzten sechs Meistertitel gingen auf die blaue Seite Manchesters. Dass das Team von Pep Guardiola – dem Welttrainer des letzten Jahres – gerade national so erfolgreich ist, liegt auch daran, dass es in den entscheidenden Momenten die Ruhe bewahren und die nötigen Punkte einfährt. Im letzten Sommer gewannen sie ausserdem noch die Champions League und den FA Cup.

Zwar verliessen in Ilkay Gündogan und Riyad Mahrez zwei Leistungsträger der letzten Jahre Manchester, doch spielen die «Cityzens» noch immer auf allerhöchstem Niveau. Obwohl die beiden wichtigsten Offensivspieler Erling Haaland und Kevin De Bruyne am Montag aufgrund von Verletzungen erst zum zweiten Mal in dieser Saison gemeinsam in der Startaufstellung gestanden haben, stellen sie die beste Offensive der Liga. Neben Haaland mit 19 Toren trafen auch Julian Alvarez (15) und Phil Foden (11) wettbewerbsübergreifend zweistellig.

Manchester City stellt zudem den effizientesten Angriff der Liga, machte gemäss der «Expected-Goals-Statistik» (xG) von Opta aus Chancen für lediglich 39,9 Tore ganze 49 Treffer aus dem Spiel heraus. Dazu kommen vier verwandelte Penaltys. Kein Premier-League-Klub traf häufiger – obwohl die «Skyblues» ein Spiel weniger als viele der Konkurrenten absolviert haben.

Auch sonst glänzt die Offensive des neunfachen Meisters dank des meisten Ballbesitzes (durchschnittlich 64,9 Prozent) sowie durch seine kreativen und dribbelstarken Spieler, die den Ball häufiger nach vorne und ins Angriffsdrittel treiben als alle anderen der englischen Liga. Dafür sind neben Foden, der beim 3:1-Sieg in Brentford alle drei Tore erzielte, und Bernardo Silva vor allem Jack Grealish und Neuzugang Jérémy Doku verantwortlich. Der für 60 Millionen Euro aus Rennes gekommene Belgier konnte in seinen 23 Einsätzen bereits mit fünf Toren und sechs Vorlagen glänzen.

Dass Guardiola Spieler wie ihn und Grealish von der Bank bringen kann und auch defensiv in Ruben Dias, Josko Gvardiol, Manuel Akanji, Nathan Aké oder Kyle Walker ausreichend Optionen hat, ist ebenfalls eine grosse Stärke dieses mit einem Marktwert von 1,26 Milliarden Euro wertvollsten Kaders der Welt.

Die Highlights des Siegs in Brentford mit allen Toren von Phil Foden.Video: YouTube/Man City

FC Liverpool
(Platz 1 – 51 Punkte)

Klopps letztes Hurra

Obwohl ManCity derzeit die beste Ausgangslage im Titelrennen hat, ist der FC Liverpool noch immer Spitzenreiter. Dies ist insofern überraschend, als die Reds in der Vorsaison eine tiefe Krise durchlebten. Am Ende wurde das Team von Jürgen Klopp dennoch Fünfter und konservierte die starke Form der Rückrunde über die Sommerpause hinaus.

Dank der von Beginn weg stark agierenden Neuverpflichtungen Dominik Szoboszlai und Alexis Mac Allister wurde das Mittelfeld wieder zu einer der Stärken in Liverpool, während die Offensive um einen sich wieder in Topform befindlichen Mohamed Salah und dem endlich treffenden Darwin Nuñez ebenfalls zu den besten der Premier League gehört.

Kein Team holt gemäss den «xG-Werten» so gute Chancen heraus wie der 19-fache Meister, was auch daran liegt, dass die Liverpooler mit Abstand am häufigsten schiessen. Dabei geht die Genauigkeit ab und zu aber jeweils ab, wodurch nur gut ein Drittel der 18,5 abgegebenen Schüsse pro Spiel auch wirklich aufs gegnerische Tor kommen. Dadurch hapert es bei der Chancenverwertung etwas. Gerade bei den Penaltys – nur vier von sieben konnten Salah und Nuñez im Tor unterbringen – ist Luft nach oben.

Dennoch machen die Statistiken Hoffnung. Schliesslich macht Liverpool auch am defensiven Ende mit nur 22 Gegentoren eine gute Falle. Dies stellt einen gemeinsamen Bestwert der Premier League mit Arsenal dar.

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Ein torgefährliches Trio: Darwin Nuñez (11 Tore in allen Wettbewerben), Mohamed Salah (18) und Cody Gakpo (9) (v.l.).Bild: keystone

Nicht auszuschliessen ist zudem, dass Klopps angekündigter Abschied Ende Saison als Extramotivation dient und zusätzliche Kräfte freisetzt. Der 56-jährige Deutsche wird Liverpool nach knapp neun sehr erfolgreichen Jahren freiwillig verlassen. Aktuell ist sowohl in der Premier League als auch in beiden nationalen Cup-Wettbewerben sowie der Europa League der Titelgewinn möglich.

Arsenal
(Platz 3 – 49 Punkte)

Der Sechs-Punkte-Gigant

Während sowohl ManCity als auch Liverpool zwei rundum starke Teams auf den Platz bringen, hat Arsenal einen klaren Schwachpunkt. Denn im Tor sind die Gunners nicht auf einem Level mit der Konkurrenz, woran auch die Verpflichtung von Brentfords David Raya als Ersatz für Aaron Ramsdale im vergangenen Sommer nichts ändern konnte. Doch das Team von Mikel Arteta kann es sich erlauben.

Denn keine Defensive lässt so wenige Chancen zu wie jene um William Saliba, Gabriel und Ben White. Auch 116-Millionen-Einkauf Declan Rice, der mit die meisten Bälle der Liga abfängt, hat seinen Anteil daran. Vor allem dank ihnen kassierte Arsenal gemeinsam mit Liverpool die wenigsten Gegentore der Liga – jedoch müssten es eigentlich sogar noch weniger sein. Gemäss der durch die «xG-Werte» errechneten Tordifferenz ist Arsenal das mit Abstand beste Team, nur konnten sie dies aus verschiedenen Gründen noch nicht in die tatsächliche Tabelle ummünzen.

Wo der 13-fache Meister aber ganz vorne dabei ist, ist bei den Pässen in die Tiefe sowie den Ballkontakten im gegnerischen Strafraum. Da kann kein Premier-League-Klub mithalten. Auch hier hat Rice einen Einfluss, wobei vor allem Bukayo Saka und Martin Ödegaard als letzte Passgeber vor einem Schuss eines Mitspielers fungieren. Saka ist mit sieben Assists in der Liga nicht nur bester Vorbereiter seines Teams, sondern mit acht Treffern auch der beste Torschütze.

Ein echter Goalgetter fehlt dem Team in dieser Saison zwar, weil Gabriel Jesus nach seiner Verletzung aus der Vorsaison noch nicht wieder zu seiner Topform gefunden hat. Dennoch stellt Arsenal die viertbeste Offensive der Liga und kann neben Saka auch auf die weiteren Flügelspieler wie Gabriel Martinelli und Leandro Trossard, die je fünfmal getroffen haben, zählen.

Bukayo Saka and Declan Rice of Arsenal celebrate winning the FA Community Shield match between Arsenal and Manchester City at Wembley Stadium, London, England on 6 August 2023. Copyright: xJoshuaxSmit ...
Im Supercup setzte sich Arsenal gegen ManCity durch, doch Bukayo Saka und Declan Rice (r.) wollen mehr.Bild: www.imago-images.de

Ausserdem stellte sich Arsenal bisher gerade in den sogenannten Sechs-Punkte-Spielen gegen die direkte Konkurrenz als echter Titelkandidat heraus. Gegen Liverpool setzten sich die Gunners am Sonntag 3:1 durch, nachdem sie in der Hinrunde auswärts ein 1:1 erspielt hatten. Auch die «Cityzens» schlug Arsenal im eigenen Stadion im Herbst. Zwar wird es ein schwieriges Unterfangen, den amtierenden Triple-Sieger auch in Manchester zu bezwingen, doch ist Arteta mit seinem Team zum zweiten Mal in Folge ein ernsthafter Titelkandidat.

Die Aussenseiter

Aston Villa (Platz 4 – 46 Punkte)

Aston Villa besticht vor allem durch seine Effizienz vor dem eigenen Tor. Der als Welttorhüter ausgezeichnete Emiliano Martinez ist ein ausgezeichneter Rückhalt, der deutlich weniger Tore kassiert hat, als nach dem «xG-Wert» zu erwarten wäre. Dennoch kassieren die Villans verhältnismässig viele Gegentore und sind mit nur zwei Siegen aus den letzten sechs Ligapartien nicht das formstärkste Team.

Mit Ollie Watkins (elf Tore, 10 Assists) befindet sich aber der zweitbeste Skorer der Liga im Kader von Aston Villa. Auch Trainer Unai Emery gilt als einer der besten seines Fachs. Dennoch dürfte eine allfällige Qualifikation für die Champions League das Höchste der Gefühle sein.

Tottenham Hotspur (Platz 5 – 44 Punkte)

Aston Villas grösster Konkurrent im Kampf um Platz 4 kommt aus London. Tottenham Hotspur konnte sich nach einer enttäuschenden letzten Saison und dem Abgang von Rekordtorschütze Harry Kane überraschend schnell wieder in der Spitzengruppe der Premier League etablieren. Dies liegt vor allem an Trainer Ange Postecoglou und seinem gefeierten «Ange-Ball».

Dabei ergreifen die Spurs die Flucht nach vorn. Kein Klub im englischen Oberhaus betreibt aggressiveres Pressing als das Team des australischen Coachs. Dazu kommt eine beneidenswerte Effizienz vor beiden Toren. Die Offensive um Heung-min Son und Richarlison übertraf den Erwartungswert um 5,7 Treffer, während sich Neuzugang Guglielmo Vicario im Tor ebenso wie Innenverteidiger Micky van de Ven als hervorragende Verpflichtung herausstellt. Auch sie treiben den xG-Wert mit einer Differenz von 5,5 Toren zu der tatsächlichen Anzahl an Gegentoren ad Absurdum.

23rd December 2023 Tottenham Hotspur Stadium, London, England Premier League Football, Tottenham Hotspur versus Everton Son Heung-Min of Tottenham Hotspur celebrates with Richarlison of Tottenham Hots ...
In seiner zweiten Saison bei den Spurs ist auch Richarlison mit bisher elf Toren angekommen, einzig Heung-min Son (l.) trifft häufiger (12). Bild: www.imago-images.de

Im Falle von Tottenham ist der Gewinn der Meisterschaft jedoch ebenfalls eher unwahrscheinlich. Dazu ist der Rückstand von sieben Punkten auf Liverpool und potenziell acht Punkten auf Manchester City bei der derzeitigen Form der Topklubs wohl zu gross. Ob der Titelkampf am Ende aber tatsächlich ein Fünfkampf wird oder sich doch nur zwei oder drei Teams um den Titel streiten, die Premier League wartet im Rest der Saison sicher mit einigem an Spannung und Drama auf.

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rikki-Tiki-Tavi
06.02.2024 17:15registriert April 2020
Wenn ich die routinierte Ruhe von City sehe, sind sie für mich leider wieder die Favoriten. Gönnen würde ich es Kloppo zum Abschied oder meinetwegen auch Arsenal, nach vielen Jahren ohne Meistertitel. Ich fürchte aber, dass beide bisher eher am Limit waren, währenddem City noch mehr aufdrehen wird. Tottenham und Villa sind echt nur Aussenseiter. Ist aber sicherlich spannend.
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Mr. Steinberg
06.02.2024 17:20registriert Mai 2022
Wenn alles normal läuft, wird Manchester City den Titel holen. Die Mannschaft verfügt über so viel Power auf allen Positionen und kann wie keine andere Mannschaft Abwesende kompensieren. Klar ist jedoch, dass weder Liverpool noch Arsenal locker lassen werden.
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