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Die ZSC Lions und der HC Lugano treffen sich diese Woche gleich zwei Mal zum Krisengipfel.

Der Krisengipfel ZSC Lions – Lugano in 6 Punkten

Diese Woche (Dienstag und Freitag) treffen die Vorjahres-Finalisten ZSC Lions und HC Lugano zwei Mal aufeinander. Die Direktbegegnungen können richtungsweisend sein, denn die beiden besten Teams der letzten Saison stehen plötzlich zusammen unter dem Strich. Wir haben uns auf die Suche nach den Ursachen gemacht – und je drei Gründe gefunden. 



27. April 2018. Die ZSC Lions jubeln in Lugano. Sie haben soeben ein dramatisches 7. Spiel im Playoff-Final mit 2:0 gewonnen und sind Schweizer Meister.

Jetzt, acht Monate später, ist weder den ZSC Lions noch dem Final-Gegner HC Lugano zum Feiern zumute. Die beiden letztjährigen Finalisten sind nach 30 von 50 Qualifikations-Partien unter dem Strich zu finden. Geht kein Ruck durch die Teams, könnte es eines oder gar beide erwischen – die Playouts sind ein realistisches Szenario.

Zurich's player Reto Schaeppi, left, fight for the puck with Lugano's goalkeeper Elvis Merzlikins, right, during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Lugano and ZSC Lions, at the ice stadium Corner Arena in Lugano, Switzerland, Saturday, November 3, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari).

Beim bisher einzigen Duell in dieser Saison konnte sich Lugano für die Final-Niederlage revanchieren und siegte 5:3. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Am Dienstag in Zürich und am Freitag in Lugano kommt es gleich zwei Mal nacheinander zur richtungsweisenden Reprise des letztjährigen Playoff-Finals. Doch wie kam es dazu, dass die beiden Mannschaften mit überdurchschnittlich guten Kadern nach über der Hälfte der Saison unter dem Strich zu finden sind? Wir haben je drei Gründe gefunden.

HC Lugano

Das Talent auf der Tribüne

12 Spiele, 3 Tore, 7 Assists. Die Quote von Linus Klasen in dieser Saison ist eigentlich gar nicht so schlecht. Wenn er denn mal spielen darf. Denn Lugano-Coach Greg Ireland hat den Schweden so richtig auf dem Kieker. Nachdem Klasen ein schwaches Frühjahr spielte, folgten drei miserable Einsätze in den Playoffs, in denen der 32-jährige Flügelspieler keinen Punkte holte.

Lugano's player Linus Klasen, center, scores the 3-2 goal during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Lugano and SC Bern, at the ice stadium Corner Arena in Lugano, Switzerland, Tuesday, October 30, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Ein seltenes Bild: Linus Klasen trifft gegen den SC Bern. Bild: TI-PRESS

Irgendwie hat Lugano-Sportchef Roland Habisreutiger im Sommer wohl gedacht, er könne die Wogen zwischen dem kanadischen Trainer und dem schwedischen Superstar glätten. Doch dem ist nicht so, die Differenzen zu Trainer Ireland sind anscheinend so gross, dass Klasen nur noch im Notfall zu Spielzeit kommt. 

Dass er ein begnadeter Eishockey-Spieler ist, bewies Klasen zuletzt am Spengler Cup beim HC Davos. Ein Wechsel wäre nichts als logisch, zumal HCD-Präsident Gaudenz Domenig bestätigte: «Ja, wir hätten Linus Klasen gerne für den Rest der Saison von Lugano übernommen.» 

Davos' Linus Klasen during the game between Thomas Sabo Ice Tigers and HC Davos, at the 92th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Thursday, December 27, 2018. (KEYSTONE/Melanie Duchene).

Linus Klasen konnte am Spengler Cup für Davos glänzen. Bild: SPENGLER CUP

Klasen hat in Lugano jedoch noch einen Vertrag bis 2020 und muss im Tessin bleiben. Wohl auch, weil Habisreutiger hofft, dass es Klasen und Ireland doch noch schaffen, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Doch vorerst schmort Luganos talentiertester Spieler auf der Tribüne – und der HC Lugano unter dem Strich. 

Die Siege ohne Spielrausch

Achtet man nur auf das Torverhältnis, könnte man meinen, beim HC Lugano läuft alles mehr oder weniger nach Plan. Ein dickes +10 steht bei den Tessinern in der Tordifferenz zu Buche. Und trotzdem haben die Luganesi nur 14 Siege auf dem Konto, denen 16 Niederlagen gegenüber stehen.

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Nur Biel und Zug haben mehr Treffer erzielt als der HC Lugano, welcher nur auf Rang 10 liegt. tabelle: srf

Das Problem des HCL: Wird es knapp, jubelt in der Regel der Gegner. Gleich neun Partien verlor Lugano mit bloss einem Tor Unterschied, selbst gewann man nur drei Partien mit einem Treffer Vorsprung. 

Spielt sich Lugano in einen Rausch (6:2 vs. Ambri, 6:0 vs. Rapperswil, 6:1 vs. Davos, 6:0 vs. Fribourg) kann es weiterhin jedem Gegner richtig weh tun. Doch derzeit fehlt Lugano die Qualität, auch dann zu gewinnen, wenn es nicht wie von alleine läuft. Dann, wenn es hart auf hart kommt – genau diese Qualität, welche Lugano im letzten Jahr in den Playoffs so auszeichnete. 

Die Fahrt in die Ferne

Noch in den Playoffs in der vergangenen Saison zeigten sich die Luganesi in fremden Stadien äusserst stark und holten in neun Partien fünf Siege. Seit Beginn der neuen Saison schlottern den Luganesi scheinbar aber schon beim Starten des Car-Motors die Knie. Die «Bianconeri» haben in 15 Auswärtspartien gerade mal drei Siege geholt. In der Auswärts-Tabelle ist bloss das nicht konkurrenzfähige Rapperswil noch schwächer.

Immerhin ist die Auswärtstendenz beim HCL steigend – vor der Niederlage gegen Genf am Samstag (3:6) holte Lugano in Davos (4:3) und Langnau (3:0) zwei Auswärtssiege in Serie. 

ARCHIVBILD --- ZUM START DES FINALS DER SCHWEIZER EISHOCKEY PLAYOFFS ZWISCHEN DEN ZSC LIONS UND DEM HC LUGANO AM DONNERSTAG, 12. APRIL 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Lugano's Curva Nord fans cheer during the sixth match of the semifinal of National League Swiss Championship 2017/18 between HC Lugano and EHC Bienne, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Saturday, April 7, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Vor der Curva Nord ist der HC Lugano stark, aber auswärts stottert der Motor noch ziemlich. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Dass Lugano trotz der schlechten Auswärtsbilanz noch nicht abgeschlagen ist, hat es seiner Heimstärke zu verdanken. Im Schnitt holten die Tessiner in der Cornèr Arena gute 2,13 Punkte pro Partie. 

ZSC Lions

Die Flaute im Sturm

Wer keine Tore schiesst, der hat es schwer, sich oben zu installieren. Weniger als die 72 Tore der ZSC Lions schossen bloss die abgeschlagenen Davos und Rapperswil. Die Zürcher haben 10 Treffer weniger erzielt als die in dieser Statistik vor ihnen liegenden SCL Tigers und Fribourg-Gottéron.

Zuerichs Topscorer Maxim Noreau, links, und Berns Top Scorer Mark Arcobello, rechts, fotografiert, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, in der Postfinance Arena, am Samstag, 5. Januar 2019, in Bern. (PPR/Anthony Anex)

ZSC-Topskorer Maxim Noreau wechselte erst diesen Sommer von Bern nach Zürich. Bild: PPR

Derzeit fehlt den Lions vor allem ein verlässlicher Punktesammler. Sinnbildlich, dass der beste ZSC-Skorer Maxim Noreau ein Verteidiger ist. In der Liga-Wertung liegt er mit 17 Punkten aus 29 Spielen auf Platz 38.

Die Ladehemmungen der Nationalspieler 

Beim letzten Nati-Zusammenzug anlässlich des Luzern-Cups im Dezember waren mit Patrick Geering, Christian Marti, Chris Baltisberger, Denis Hollenstein und Reto Schäppi fünf ZSC-Spieler dabei. Kein anderer Klub stellt so viele Nationalspieler wie die ZSC Lions.

ZSC Lions Stuermer Simon Bodenmann, von rechts, feiert seinen Treffer zum 1-1 mit Denis Hollenstein und Chris Baltisberger waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Davos am Sonntag, 25. November 2018, in Zuerich. (PPR/Patrick B. Kraemer)

Die Stürmer Bodenmann, Hollenstein und Baltisberger (von links) jubeln auch in der Nationalmannschaft zusammen.  Bild: PPR

Insgesamt hat der ZSC sogar 17 Schweizer Nationalspieler im Kader, 11 davon wurden im letzten Jahr für die Nationalmannschaft aufgeboten.

Und obwohl mit Roman Wick, Pius Suter, Reto Schäppi, Marco Miranda, Denis Hollenstein, Fabrice Herzog, Simon Bodenmann, Chris Baltisberger und Jérôme Bachofner viele Offensivkräfte darunter sind, stockt die Schweizer Torproduktion bei den Zürchern. Nur 41 Treffer wurden bisher von Spielern mit Schweizer Lizenz erzielt. In dieser Statistik ist bloss Rapperswil schwächer. 

Tore durch Schweizer:

Rapperswil-Jona: 26 (59% der Tore)
ZSC Lions: 41 (57%)
SCL Tigers: 42 (51%)
SC Bern: 51 (59%)
Davos: 51 (76%)
Ambri: 53 (60%)
Biel: 60 (61%)
Fribourg: 61 (74%)
Lausanne: 63 (70%)
EV Zug: 70 (72%)
Genf: 71 (83%)
Lugano: 75 (80%)

Dass Schweizer-Tore noch keine Garantie für Erfolg sind, zeigt jedoch der HC Lugano, bei dem die Schweizer schon 75 Tore erzielten – bisheriger Liga-Bestwert. 

Der Exodus der etablierten Jungspieler

Die ZSC Lions erwartet auf die nächste Saison der grosse Umbruch. Mit Roger Karrer, Jérôme Bachofner, Marco Miranda und Niklas Schlegel verlassen gleich vier junge Eigengewächse auf die Saison 2019/2020 die Zürcher. Und auch Fabrice Herzog, der seit drei Jahren beim «Zett» spielt, zieht weiter.

Es ist kein gutes Zeichen, wenn gleich scharenweise im eigenen Nachwuchs ausgebildete Spieler den Klubs verlassen – und dies bereits im Herbst fix ist. Und auch wenn die Spieler für ihre letzte Saison in Zürich nochmals alles geben, im Hinterkopf wird dennoch herumschwirren: Nächstes Jahr bin ich sowieso weg. 

Letztes Jahr Meister, nächstes Jahr weg – die Mischung aus Erfolgssättigung und der geregelten Zukunft macht es für die Lions nicht einfacher. Ein erster Schritt für eine geregelte nahe Zukunft wäre ein Sieg gegen den HC Lugano. Oder noch besser: zwei Siege.

Wenn Hockeyspieler im Büro arbeiten würden

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    Alle Leser-Kommentare
  • släppschött 08.01.2019 18:35
    Highlight Highlight Leider kann man in de NLA die ganze Saison total schlecht spielen und trotzdem Meister werden. Es kommen einfach zu viele Teams in die Playoffs!
  • Coffee2Go 07.01.2019 21:34
    Highlight Highlight Liebes Lugano, der ZSC wäre sicherlich auch an Linus Klaasen interessiert. Dann hättet ihr den Zwist nicht und beim ZSC übernimmt wieder jemand die Führungsrolle.

    Es erstaunt mich, dass die Trainersituation beim ZSC nicht ebenfalls erwähnt wurde.
    • TheWall_31 09.01.2019 11:09
      Highlight Highlight Ich denke, der Z würde Klasen auch sofort nehmen. Finanziell machbar und Klasen+Pettersson ist ein hervorragendes Duo. Aber Lugano wird Klasen lieber ausbezahlen, als ihm zum fast wichtigsten Konkurrenten zu schicken. Leider.
  • NichtswissenderBesserwisser 07.01.2019 21:15
    Highlight Highlight Punkto Exodus: Seit Jerome Bachofner beim EVZ unterschrieben hat, ist er ein Schatten seiner selbst. Davor trug er noch den gelben Helm.
    • holden27 07.01.2019 22:19
      Highlight Highlight Ich hoffe mal das ändert sich noch/wieder 😅
      Wusste von Anfang an nicht was ich von diesem transfer halten soll...
      Ich hoffe das kommt dann gut nächstes Jahr... We will see 🤷‍♂️
  • Chloote 07.01.2019 21:04
    Highlight Highlight Typisch Zsc und Lugano, bei beiden Teams figurieren im Kader zu viele Häuptlinge und zuwenig Indianer! Alles Schönwetterspieler aber keiner will die Drecksarbeit verrichten! Jeder kassiert in Zürich und im Tessin sehr gutes Geld! Von Arbeit hat niemand bei der Vertragsunterzeichnung etwas erwähnt!
    • Dmnk 07.01.2019 22:54
      Highlight Highlight Muss weh getan haben als der Rivale Meister wurde während mal selbst mit überteuertem Kader absteigen musste was? ;-)
  • Andre Bachmann 07.01.2019 20:56
    Highlight Highlight krisengipfel züri-lugano.... tönt irgendwie kuhl 🤣
  • Sloping 07.01.2019 19:25
    Highlight Highlight Das Hauptproblem Luganos liegt in der sportlichen Führung. Beim Sportchef und auch der Präsidentin, die diesen schon viel zu lange stützt: Warum wurde der Vertrag mit Klasen verlängert, obwohl es sich schon abzeichnete, dass er mit Ireland nicht kann? Warum wurde im Sommer keine Lösung für Klasen gesucht, wenn das Tuch zerschnitten war? Warum holt man als Klasen Ersatz mit Happala einen Spielertypen mit gleichen Defiziten? Warum wurde der Vertrag mit Ireland nach dem Finaleinzug/-niederlage nicht verlängert/gekündigt? So war Ireland von Saisonstart an mit auslaufendem Vertrag eine lame duck.
  • goldmandli 07.01.2019 19:22
    Highlight Highlight So rabenschwarz ist die Situation beim Z nicht. Nach Verlustpunkten sind sie sogar 6. Ich versteh aber wirklich nicht, wie die Zürcher so wenig Tore schiessen können. Diese Mannschaft ist im Sturm so dermassen gut besetzt in dieser Saison, aber keiner scheint das Tor zu treffen. Mich würde mal eine Corsi-Statistik der Lions interessieren. Spielen sie einfach nicht gut oder treffen sie nur nicht?
    • Züzi31 07.01.2019 21:13
      Highlight Highlight Sie treffen nicht. Wir machen jeweils Witze, dass sie das Plexi hinter dem Tor zu einem Emmentaler schiessen.
      Aber abgesehen vom daneben schiessen gibt es kaum abgeschlossene Angriffe, die aus einem schönen Aufbau ausgelöst wurden. Dass die besten Techniker lange ausgefallen sind oder weiterhin ausfallen, hilft in dieser Beziehung natürlich auch nicht. Trotzdem darf man bzw. muss von dieser Mannschaft mehr erwartet werden. Ich hoffe aber auf eine erneute Steigerung in den hoffentlich auch in Zürich stattfindenden Playoffs. Und sonst sind Playouts mit dem Meister ja auch mal was anderes 😂
  • MARC AUREL 07.01.2019 19:13
    Highlight Highlight Das Luxuskader der Lions ist gespickt mit Natispielern wie sonst kein Mannschaft! Mehr Indianer und weniger Häuptlinge würde ich empfehlen! Der grösste Fehler war aber Aubin zu verpflichten finde ich... Grossklubs brauchen Trainer mit viel Erfahrung!
    • Züzi31 07.01.2019 21:27
      Highlight Highlight Es wird nicht wahrer nur weil du es stetig wiederholst. Die Kader von Bern, Lugano und Zürich dürften ungefähr gleich teuer sein. Die 11 ehemaligen Junioren kompensieren den etwas teureren Rest der Mannschaft. Bei Bern spielen die ehemaligen NHL Spieler auch nicht für ein Spiegelei.
      Und als wir euch letztes Jahr vom Eis gekämpft (und nicht gespielt) haben, hast du das mit den Indianern auch schon so gesehen?
    • MARC AUREL 07.01.2019 22:11
      Highlight Highlight Genauso wenn du es immer abstreitest... der Titel war eher Zufall und kann die Probleme der Lions nicht kaschieren! Die Lions fehlt es ganz klar an Leistungskultur!
    • Amboss 07.01.2019 23:16
      Highlight Highlight @Marc: Genau du als Bern-Fan solltest besser Mal drei Jahre zurückdenken.
      Denk Mal an den Januar 2016. Damals hatte der SCB mit einem mit Nati-Spielern gespickten Kader sowas von einem Käse zusammengespielt, mit ach und Krach die Playoffs erreicht - und würden Meister. Meistertrainer ein gewisser Lars L. - ein ziemlich unerfahrener Trainer, ein Trainer- Leichtgewicht.

      Gerade du solltest also wissen, dass das, was in der RegularSeason passiert, letztlich irrelevant ist. Abgerechnet wird im April.

      Der ZSC kann durchaus noch Meister werden. Wie vor drei Jahren Bern
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