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Zuerichs Cheftrainer Arno Cel Curto reagiert im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und den SCL Tigers am Samstag, 19. Januar 2019, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Wahres, aber noch nicht perfektes «Arno-Hockey» – wie die ZSC Lions wieder Meister werden

Dieser Sieg gegen Leader Zug ist die Geburtsstunde eines neuen ZSC. Wenn die Zürcher Arno Del Curtos Hockey-Stil perfektionieren, dann werden sie auch den SC Bern überrennen und den Titel verteidigen.



Zug ist rein hockey-theoretisch besser. Das Spiel strukturierter. Die Angriffsauslösungen sind präziser. Schönes, modernes, schnelles, formidables Designer-Hockey. 3:0 bis zur 37. Minute. Klare Sache.

Gegen jeden anderen Gegner hätten die cleveren Zuger den Vorsprung schlau verwaltet und die Partie souverän gewonnen. Wie zuvor am 12. Januar, als sie in Bern dem SCB mit einem 3:0 die Tabellenführung entrissen hatten.

Aber am Ende bebt das Hallenstadion. Mit einem Tor in Unterzahl (!) gleicht Chris Baltisberger aus (57. Minute) und in der Verlängerung trifft Pius Suter zum 4:3.

ZSC-Spieler Pius Suter erzielt das entscheidende 4:3, im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Freitag, 25. Januar 2019, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Berend Stettler)

ZSC-Spieler Pius Suter erzielt das entscheidende 4:3 gegen den EV Zug. Bild: KEYSTONE

Es passt ins Bild, dass ein Foul von Pius Suter an Torhüter Sandro Aeschlimann dem Siegestreffer vorausgeht. Die Zürcher haben ihren Gegner mit einer leidenschaftlichen Willensleistung im besten Wortsinn überrannt. Im Schlussdrittel erreichen sie ein Torschussverhältnis von 18:6.

Die Geburtsstunde des neuen ZSC

Zum ersten Mal haben die ZSC Lions gegen Zug wahres «Arno-Hockey» zelebriert. Es ist die Geburtsstunde des neuen ZSC.

Was ist wahres «Arno-Hockey»? Es ist die Vereinfachung des Eishockeys. Das Spiel läuft nur noch Nord-Süd und nicht mehr Ost-West. Alle Energien werden entfacht und in möglichst direktem Spiel aufs gegnerische Tor zentriert. Die Angriffe werden so schnell wie möglich ausgelöst. Eishockey, so einfach strukturiert und schnörkellos wie die Musik der britischen Rockband Status Quo.

ZSC-Trainer Arno Del Curto im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Freitag, 25. Januar 2019, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Berend Stettler)

Arno Del Curto.  Bild: KEYSTONE

So ein Spiel lernt keine Mannschaft der Welt auf Knopfdruck. Der Mensch neigt dazu, den Weg des geringeren Widerstandes zu gehen, der Eishockey-Mensch (vor allem der talentierte) zieht oft den Pass oder den eleganten Bogen nach aussen dem schmerzhaften direkten Weg nach innen aufs Netz vor.

«Ich brauche noch viel Zeit», sagt Arno Del Curto nach dem Spiel. «Drei oder vier Wochen mindestens.» Was zur Bemerkung führt, dann bleibe ja genug Zeit bis zum Start der Playoffs. Er lässt sich nicht provozieren: «Wir werden sehen.»

Das entscheidende Time-out

7 Minuten und 45 Sekunden vor Schluss nimmt Arno Del Curto beim Stand von 1:3 sein Time-out. Eine Kunstpause von exakt 30 Sekunden, die es dem Coach ermöglicht, seine Jungs an der Bande um sich zu scharen und ihnen eine Botschaft zu übermitteln.

«Wir haben in der zweiten Pause davon gesprochen, dass die Halle beben muss.»

Arno Del Curto

Dieses Time-out ist die Initialzündung für die Wende. Die Frage geht an Arno Del Curto: Was hat er zu seinen Spielern gesagt? «Wir haben in der zweiten Pause davon gesprochen, dass die Halle beben muss. Ich habe bloss gesagt: ‹Wenn wir das Spiel noch holen wollen, dann müssen wir jetzt, ab sofort, all das machen, was wir uns vorgenommen haben und direkter aufs Tor gehen.›»

Die ZSC Lions sind also nicht «uncoachbar». Sie waren es auch in den letzten Jahren nicht. Sonst wären sie nicht 2012, 2014 und 2018 unter drei verschiedenen Coaches Meister geworden.

Aber sie brauchen einen charismatischen Chef, der sie antreibt, die Linie vorgibt, Emotionen weckt. Arno Del Curto sagte gestern auch: «Diese Mannschaft ist willig. Ich habe zu den Spielern gesagt, dass ich gerne hier bin.»

Im vierten Spiel unter dem neuen Trainer sind die ZSC Lions zum ersten Mal (fast) so aufgetreten, wie es der Trainer will. Zumindest ansatzweise mutig, bissig, stürmisch, schnörkellos. Noch wirkt ihr Spiel wie eine Hockey-Antwort auf «Kick and Rush» im Fussball. Zu viel Hektik, zu wenig Präzision, zu wild, zu ungestüm. Aber der «Rohstoff», aus dem Arno Del Curto ein meisterliches Team formen kann, ist vorhanden.

ZSC-Jubel mit Pius Suter, links, und Patrick Geering, rechts, im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug am Freitag, 25. Januar 2019, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Berend Stettler)

ZSC-Jubel mit Pius Suter und Patrick Geering (rechts). Bild: KEYSTONE

0:1 in Langnau, 24 Stunden später im Hallenstadion ein 4:1 (nach 0:1-Rückstand gegen den gleichen Gegner), anschliessend 2:7 in Fribourg und nun ein 4:3 n. V. nach 0:3-Rückstand gegen den Tabellenführer: Die ZSC Lions sind noch lange nicht gefestigt. Sie befinden sich für den Rest der Qualifikation auf einer Gratwanderung zwischen Spektakel und Blamage. Sie bleiben anfällig auf «Abstürze». Sie sind aber auch dazu in der Lage, jede Partie noch zu «drehen» und zu gewinnen. Und sie werden die Playoffs erreichen.

Trainerwechsel zeigt Wirkung

Wenn die Zürcher ihr Spiel in der eigenen Zone besser organisieren, wenn sie die Angriffe weniger hektisch und dafür präziser auslösen, dann werden die Stürmer dazu in der Lage sein, in hohem Tempo in die gegnerische Defensivzone zu fahren und jede Abwehr «aufzureissen». Dann können sie auch durch den SCB nicht mehr aufgehalten werden.

Der Trainerwechsel zeigt also Wirkung. Unter Arno Del Curtos Vorgänger Serge Aubin hatten die ZSC Lions Eishockey gearbeitet und defensiv verwaltet. Keine Lust am Spiel. Kein Mut zum Risiko. Keine Leidenschaft. Pflicht statt Kür. Der Höhepunkt war das 1:0 gegen die Lakers mit 22:17 Torschüssen und bloss 5 im Schlussdrittel. Gestern waren es gegen Zug 45:30 Torschüsse und 18 im letzten Abschnitt.

Nun erwartet Arno Del Curto heute Abend eine Steigerung in Ambri. «Wenn wir es schaffen, gleich noch eine Schippe draufzulegen, dann sind wir schon einen Schritt weiter.» Aber Ambri zelebriert an einem guten Abend auch «Arno-Hockey».

Die Karriere von Arno Del Curto

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HCAP Ducky Book 26.01.2019 21:21
    Highlight Highlight Ganz einfach. Die Schiris helfen weiterhin mit wie aktuell in Ambri.
  • BeatBox 26.01.2019 18:52
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass Ambri heut Abend den Klausi Lügen straft und die Zürcher wegputzt. Wenn Zug gestern die Punkte gebraucht hätte, wären sie bestimmt nicht so unsorgfältig mit ihrem Vorsprung umgegangen, egal wie er zustande gekommen ist.
  • MR92 26.01.2019 17:47
    Highlight Highlight Wenn heute Lugano gegen Zug gewinnt, sind dann sie unaufhaltbar?

    Ich rechne mit einem steten Auf und Ab. Am Ende wird genau dies den Unterschied ausmachen.
  • IfyouNeverNevergoyouwillNeverNeverknow 26.01.2019 15:00
    Highlight Highlight Genau, wahres „Arno-Hockey“ ... in möglicherweise Entscheidenden Momenten den gegnerischen Goali „umfräsen“ hat schon mehrfach funktioniert 🙄 ... Diesmal sogar ohne Strafenfolge 🤔
  • goldmandli 26.01.2019 10:35
    Highlight Highlight Eine klassische Zauggsche Lobhudelei. Ein Spiel und alles ist anders...
  • Baumi72 26.01.2019 10:25
    Highlight Highlight Völlig übertrieben!

    Der Z hat nur dank der Dummheit der Zuger (Shorthander kurz vor Schluss) gewonnen.
    • HabbyHab 26.01.2019 14:40
      Highlight Highlight Der Z hat über 2/3 des Spiels besser gespielt und eigentlich verdient gewonnen? Im zweiten Drittel war Zug besser, ja. Aber sonst war Zürich tonangebend.
    • Ah-Jah 26.01.2019 23:20
      Highlight Highlight Dummheit soll bestraft und nicht belohnt werden
  • Rock'n'Rohrbi 26.01.2019 10:07
    Highlight Highlight „Die Zürcher haben ihren Gegner mit einer leidenschaftlichen Willensleistung im besten Wortsinn überrannt“

    Der selbe KZ der uns erst gerade belehren wollte wie sehr die Spieler geschützt werden müssen und dass dumme Fouls gnadenlos sanktioniert werden müssen ...macht aus der Tat von Pius ein Husarenstreich. Schäm dich „Eiskleister“!
    • HabbyHab 26.01.2019 14:41
      Highlight Highlight Ich finde es toll, wie nur Suter's Foul besprochen wird und nicht zB der Bandencheck gegen Geerting vor dem 2-0.
    • Rock'n'Rohrbi 26.01.2019 16:37
      Highlight Highlight @HabbyHab, oder der Stockschlag von Pettersson ...und und und.
      Aber das tut nix zur Sache - die Situation beschreibt KZ und ich gebe meinen Kommentar hierfür.
  • BeatBox 26.01.2019 10:03
    Highlight Highlight Hmm, Bern hat nun 60 Tore in 36 Spielen erhalten, ich würde sagen ein aussergewöhnlicher Wert. In einzelnen Spielen mag das ja klappen, aber ob sich der SCB von irgendeiner Mannschaft überrennen lässt in einer Playoffserie? Defense wins Championships! Für mich ist da einzig die Frage, ob vorne dann auch genug produziert wird. Ich sehe beim SCB momentan eine immer besser verteilte Offense und wenn noch ein Blueliner kommt... we will see! Zug ist für mich immer noch Topfavorit. Ich wünsche dem Z die Tigerli im Viertelfinal, die liegen ihnen besonders ;-)
    • Max Dick 26.01.2019 10:34
      Highlight Highlight Naja zu den Davos-Blütezeiten hat Del Curto noch so manche Playoff-Serie gegen defensiv bestens organisierte Teams gewonnen mit seinem Überfall-Hockey (und auch Meisterschaften gewonnen ) Aber auch einige verloren. Daher kann eine allfällige solche Serie jeden möglichen Ausgang haben. Die Zahlen und Statistiken der Quali sind dann noch so bedeutend wie die Wetterprognosen für die Falklandinseln.
  • Jüre51 26.01.2019 09:55
    Highlight Highlight Wer hat in Freiburg den Z gecoacht… war es nicht Arno oder habe ich etwas verpasst? Seit 14 Tagen hat sich der Chlöisu nur um Arno oder seine Tigers gekümmert. Es gibt noch 10 andere Teams lieber Klaus!
    • HabbyHab 26.01.2019 14:41
      Highlight Highlight Das Spiel gegen Fribourg war nicht so einseitig, wie ein 7-2 es vermuten liesse. Zürich hat einfach keine Tore geschossen, Fribourg schon.
  • HotIce 26.01.2019 09:34
    Highlight Highlight naja zaugg, es ist ein unberechenbares spiel auf rutschiger unterlage...
    aus „neutraler“ sicht machte es auf mich eher den eindruck, dass zug nach dem 3:0 sehr passiv wurde. zsc hat das dann gut genutzt.
  • Lümmel 26.01.2019 09:20
    Highlight Highlight Richtiges Arno Hockey? Könnte sogar sein. Ich erinnere mich da z.B. an 2015 als Marc Wieser in Goalie Tobias Stephan fährt und dieser verletzt ausschied.
  • Cyman 26.01.2019 09:19
    Highlight Highlight Irgendwie erschreckend, dass ein Foul gegen einen Goalie so wenig Beachtung bekommt. Das sollte doch im Zentrum stehen in diesem Bericht und weshalb ein Schiedsrichtergespann mit bestem freien Blick das nicht ahndet...
    • Darkside 26.01.2019 13:02
      Highlight Highlight Es war nur vielleicht ein Foul, aber der Goalie hat das Bein stehen lassen. Soll Suter sich in Luft auflösen?
    • HabbyHab 26.01.2019 14:42
      Highlight Highlight So wenig Beachtung? Deshalb wird es nun überall hochgepusht..
  • Andy14 26.01.2019 09:14
    Highlight Highlight Das war ein geiles Spiel. Wenn der Z weiterhin so ein auf und ab hat bis zum Ende der Qualifikation, dürften sie aber kaum über die Plätze 6-8 hinaus kommen. Ev. Warten dann EVZ oder SCB im 1/4. kann mir sehr gut Vorstellen dass keine der beiden Teams sich den Z schon im 1/4 wünscht, aber weiter zurück fallen in der Tabelle können die ja gar nicht mehr, oh wie blöd... :-)
    • MARC AUREL 26.01.2019 12:33
      Highlight Highlight 👍 zu 100% richtig analysiert Danyboy.
  • Lümmel 26.01.2019 09:11
    Highlight Highlight Äschlimann heisst übrigens Sandro und nicht Joel.
    • SaraSera 26.01.2019 12:37
      Highlight Highlight @Lümmel: Danke, ist korrigiert.
  • glass9876 26.01.2019 09:05
    Highlight Highlight Ich würde jetzt weder Arno noch die Mannschaft für den Sieg verantwortlich machen, sondern eher den EVZ und die Schiris: der EVZ hätte 3 Minuten vor Schluss das Ding runterspulen können, leisten sich aber eine Unkonzentriertheit und die Schiris ist ja selbsterklärend...
    • miarkei 26.01.2019 09:23
      Highlight Highlight Ja, die Jungs haben es gekonmt selbst vergeigt, wie so oft gegen den Z, langsam nervt mich dieser "Angstgegner", aber Aeschlimann hat Zug vor dem 1:0 lange im Spiel gehalten.
    • Andy14 26.01.2019 09:44
      Highlight Highlight Ok 4:3 in der Verlängerung war irregulär. Aber warum musste der EVZ überhaupt in diese gehen? Das 3:3 hätte es nie und auf diese Art geben dürfen, selbst als Diaz die Scheibe verloren hatte nicht, er hätte Baltisberger locker einholen müssen, der musste ja einen riesen Bogen fahren um überhaupt aufs Tor zu kommen. Wenn Diaz vergisst zu laufen hat das überhaupt nichts mit den Schiris zu tun Sorry..
    • glass9876 26.01.2019 09:59
      Highlight Highlight @ Andy: Deine vielen Worte hättest du dir sparen können, wenn du etwas genauer gelesen hättest. Das sind die letzten drei Minuten, die auf die Kappe des EVZ gehen, die ich angesprochen habe. Wir sind uns einig. ;-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jein 26.01.2019 09:01
    Highlight Highlight Ja ja Chlöusu, ein Sieg gegen den Leader und schon wird der Meistertitel herbeigeschrieben. Wird werden es inden Playoffs sehen, sofern der ZSC es rein schafft.
    • Joplin 26.01.2019 09:50
      Highlight Highlight Denke schon, dass der ZSC die Playoff schafft. Und dann plötzlich zum Angstgegner mutiert. zb. von Zug.
    • Ah-Jah 26.01.2019 23:16
      Highlight Highlight Der Leader ist seit heute nicht mehr der Leader!! Gruss aus Lugano

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