Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06546385 (L-R) Danny aus den Birken, goalkeeper of Germany, Yannic Seidenberg of Germany and Fabrice Herzog and Eric Blum of Switzerland fight for the puck during the Men's Ice Hockey play-off qualification match between Switzerland and Germany in the Kwandong Hockey Center during the PyeongChang 2018 Olympic Games, in Gangneung, South Korea, 20 February 2018.  EPA/GIAN EHRENZELLER

Die Deutschen wurden Helden, die Schweizer Eishockey-Nati enttäuschte. Bild: EPA/KEYSTONE

Interview

Schweizer Olympia-Boss Stöckli: «Wenn man sieht, wie weit Deutschland kam …»

Das Schweizer Team hat die Erwartungen an den Olympischen Spielen von Pyeongchang klar übertroffen. 15 Medaillen (5x Gold, 6x Silber, 4x Bronze) und 26 Diplome sind die beste Bilanz an Winterspielen aller Zeiten. Die Bilanz des Schweizer Chefs de Mission, Ralph Stöckli.

Stefan Baumgartner, südkorea



Ralph Stöckli, die Schweizer Delegation sollte mit «elf Medaillen plus» aus Pyeongchang zurückreisen. Nun wurden es 15 und damit so viele wie erst einmal: 1988 in Calgary. Viel glücklicher könnte der Chef de Mission nicht sein, oder?
Ralph Stöckli:
Es könnte mir nicht besser gehen. Ich bin froh, dass das «plus», das wir mit Absicht nach oben offen definiert haben, noch seine Anwendung gefunden hat. Es ist sensationell, was das gesamte Schweizer Team in Pyeongchang abgeliefert hat. Darauf darf man als Schweiz, aber auch ich als Chef de Mission, stolz sein.

Chef de Mission Ralph Stoeckli poses at the final media conference of Swiss Olympic in the House of Switzerland at the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Sunday, February 25, 2018. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Stöckli vor dem House of Switzerland, wo Plaketten der Schweizer Medaillengewinner angebracht wurden. Bild: KEYSTONE

Inwiefern relativiert sich diese ausgezeichnete Bilanz, wenn man bedenkt, dass in Calgary 47 Medaillensätze vergeben wurden, 20 Jahre später in Pyeongchang aber 102?
Man muss aufpassen mit Vergleichen. Der Wintersport hat sich extrem entwickelt, die Spiele ebenso. Das muss man in Relationen setzen. Wichtig ist das Bild, das der Schweizer Sport gezeichnet hat. Das ist viel wichtiger als der Vergleich.

Wird es in Ihren Analysen eine Rolle spielen, dass in Turin noch in sieben Disziplinen Medaillen geholt wurden, in Sotschi und in Pyeongchang aber nur in fünf?
Das wird in der Tat eine Rolle spielen. Letztlich geht es bei den Disziplinen-Einstufungen um Förderbeiträge. Wenn man sieht, dass der asiatische Wintersport-Schnellzug heuer mit Südkorea langsam Fahrt aufnimmt, müssen wir uns ständig selber hinterfragen, wie wir künftig intelligente Förderung der Wintersportarten betreiben. Die Chinesen werden uns alle überraschen, das kann ich garantieren. Wir sind gefordert, an unserer Effizienz zu arbeiten.

Es gibt Beispiele von Schweizer Sportlern wie Nevin Galmarini, die offen vom Gewinn der Goldmedaille sprechen, dem Druck standhalten und ihre Leistung am entscheidenden Tag auch abrufen. Hat sich diesbezüglich im Schweizer Sport in den letzten Jahren eine neue Mentalität entwickelt?
Das würde ich doppelt unterstreichen und mit Ja beantworten. Wir durften das schon in Rio mit dem Leichtgewichts-Vierer im Rudern erleben, nun mit Nevin Galmarini. Wenn die ganze Vierjahres-Planung auf einen Tag ausgerichtet ist und alles aufgeht, kann man nur sagen: Chapeau!

Welcher war Ihr emotionalster Olympia-Moment 2018?
Ich finde es extrem schwierig, alles auf einen Moment zu reduzieren. Es gab zum Beispiel diese Gold-Tage, die wir erleben durften. Oder es gab die junge Disziplin mit dem Frauen-Slopestyle im Ski mit dem Doppelpodium und neuen Namen, denjenigen von Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud.

Und welches Bild würden Sie gerne aus der Erinnerung löschen?
Streichen würde ich insofern keines. Es gibt auch Erlebnisse, die negativ sind, aber zur Gesamtgeschichte gehören. Enttäuschend, auch für sie selber, verlief Olympia zum Beispiel für das Eishockey-Team. Es konnte nicht an die Leistungen aus der Vergangenheit anknüpfen, die man hätte erwarten können. Die Mannschaft kam überhaupt nicht in Fahrt. Wenn man sieht, wie weit Deutschland kam, weiss man, was möglich gewesen wäre.

Was wird von den Spielen in Pyeongchang generell hängenbleiben?
Einerseits der wunderschöne Ort oder das Konzept, das den Namen Nachhaltigkeit verdient. Es wurde viel Infrastruktur genutzt, die bereits vorhanden war und dort erstellt, wo sie nötig war, teils mobil. Dazu kam die Stimmung in der zweiten Woche: Was ich in den letzten Tagen erlebt habe in den Stadien, war Hühnerhaut-Feeling. Die Koreaner haben Gastfreundlichkeit vorgelebt. Die am einen oder anderen Ort fehlende Wintersport-Kompetenz, auch in der Organisation, hat man mit Lächeln wettgemacht.

Die besten Bilder von Olympia

Im Medaillenspiegel steht mit Norwegen ein Land zuoberst, das 5,5 Millionen und damit weniger Einwohner hat als die Schweiz. Darf die Schweiz den Vergleich mit Norwegen anstellen? Und was kann sie von diesem Land im Bezug auf Sport lernen?
Wir müssen über den Gartenzaun hinaus schauen und sicher nach Norwegen blicken. Sie haben schon vor Jahren eine tolle Wintersport-Förderung implementiert, es gelingt ihnen im Nachwuchs, weniger auf absoluten Erfolg, sondern vielmehr auf Freude und Spass an der Bewegung zu setzen. Das hilft, den Antrieb zu fördern, irgendwann voll auf den Spitzensport zu setzen. Andererseits haben die Norweger ein System, das die besten Sportler und Trainer zentralisiert zusammenzieht, wo Austausch und Begegnung stattfinden. Das schafft eine Atmosphäre von Höchstleistung. Das dürfte man für die Schweiz kopieren.

Inwiefern wäre dies für Swiss Olympic überhaupt machbar?
Wir haben mit dem Standort Magglingen, wo verschiedenste Partner des Schweizer Sports ein- und ausgehen, bereits eine relativ gute Grundlage. Kleine Zellen treffen sich dort bereits in regelmässigen Abständen. Nun ginge es darum, das zu institutionalisieren.»

Der finale Medaillenspiegel:

Bild

tabelle: pyeongchang2018

Die Schweizer Medaillengewinner in Pyeongchang

Südkoreaner jodeln für den Bundesrat

abspielen

Video: srf

Mit Full-Doublefull-Full springt Sonny Schönbächler zum Olympiasieg

Link zum Artikel

16.02.2002: Der krasse Aussenseiter Steven Bradbury schreibt das schönste Olympia-Märchen überhaupt 

Link zum Artikel

26.02.1988: Vreni, vidi, vici

Link zum Artikel

26.02.2002: Hexerei, von der Putzfrau geweihtes Wasser und Doping – Johann Mühlegg läuft, bis er auffliegt

Link zum Artikel

Strassenbauer, Pistencowboy, Pechvogel, Stehaufmännchen, Olympiasieger

Link zum Artikel

Pirmin Zurbriggen krönt seine Karriere mit dem Abfahrts-Olympiasieg in Calgary

Link zum Artikel

Tanja Frieden freut sich schon über den silbernen «Plämpu», da schenkt ihr Jacobellis Gold

Link zum Artikel

07.02.1972: Wie «Aroma-Kaffee» Bernhard Russi zum Abfahrts-Olympiasieger machte

Link zum Artikel

04.02.1932: Eisschnellläufer Jack Shea wird Olympiasieger und ahnt nicht, was er damit auslöst

Link zum Artikel

Steven Bradbury schreibt das schönste Olympia-Märchen überhaupt 

Link zum Artikel

10.02.2002: Simon Ammann, der voll geile Harry Potter der Lüfte, wird Olympiasieger

Link zum Artikel

Heinzers Bindung bricht – was für eine Blamage für den Olympia-Favoriten

Link zum Artikel

09.02.1964: Die Schweiz erlebt mit der «Schmach von Innsbruck» ein historisches Debakel

Link zum Artikel

17.02.2006: Tanja Frieden freut sich schon über den silbernen «Plämpu», als Lindsey Jacobellis ihr Gold schenkt

Link zum Artikel

03.02.1972: «Ogis Leute siegen heute» wird zum Motto einer ganzen Nation

Link zum Artikel

Der historische Schrei des berühmtesten Münstertalers

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

Liechtenstein ist so klein, dass es fast in eine Gondelbahn passt. Wieso uns der Nachbar 1980 trotzdem abgetrocknet hat

Link zum Artikel

12.02.2006: Die Ösi-Reporter reiben schon gierig die Hände – da klaut ein Franzose doch tatsächlich noch «ihr» Abfahrts-Gold

Link zum Artikel

23.02.1980: Das zweite «Miracle on Ice» – in neun Tagen fünfmal Olympiasieger

Link zum Artikel

20.02.2014: Ein Sturz produziert das beste Photo-Finish aller Zeiten – zumindest für Profiteur Armin Niederer

Link zum Artikel

18.02.2006: Als die «Eisgenossen» kanadischer spielen als die Kanadier und sich für eine uralte Schmach rächen

Link zum Artikel

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

Link zum Artikel

Strassenbauer, Pistencowboy, Olympiasieger, Pechvogel, Stehaufmännchen

Link zum Artikel

11.02.1972: Wie die DDR dem Vogelmenschen die Flügel stutzte 

Link zum Artikel

27.02.2010: Alles scheint nach dem Sturz verloren – da schwimmt sie einfach übers Eis und rettet Deutschland in den Final

Link zum Artikel

Der Adler ist gelandet – «Eddie the Eagle» springt in die Herzen der Fans

Link zum Artikel

25.02.1994: Am Ende strahlt die Schöne Nancy Kerrigan und das Biest Tonya Harding vergiesst bittere Tränen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«Dass die jungen Spieler gehen, kann ich nachvollziehen. Mein Weg wäre es nicht»

In den ersten zwei Jahren als Captain der ZSC Lions erlebt Patrick Geering Himmel und Hölle: Meistertitel in der ersten Saison, Seuchenjahr mit verpassten Playoffs ein Jahr darauf. Im Gespräch mit watson erzählt er von der Aufarbeitung einer verpatzten Saison, dem Talentexodus beim ZSC und dem nie verwirklichten Auslandstraum.

An einem der letzten richtig heissen Sommertage dieses Jahres bietet das Innere der Kunsteisbahn Oerlikon eine willkommene Abkühlung. Patrick Geering trifft sich direkt nach dem Eistraining mit mir im Restaurant der KEBO. «Sorry, falls ich etwas streng rieche», entschuldigt er sich schmunzelnd.

Patrick Geering, wie schnell war die missglückte letzte Saison abgehakt? Patrick Geering: Das war ein längerer Prozess, der schon direkt nach der letzten Saison begonnen hat. Wir hatten nach den …

Artikel lesen
Link zum Artikel