Sport
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epa05196305 The peloton is on the way during the 2016 Strade Bianche cycling race from Siena's Fortezza Medicea to the Piazza del Campo in Siena, Italy, 05 March 2016. The Strade Bianche is a 176km road cycling race containing seven sectors of white gravel roads.  EPA/CLAUDIO PERI

Beim Rennen Strade Bianche filmten Reporter mit einer Wärmebildkamera. Bild: EPA/ANSA

Kommentar

Motörli in den Velos der Profis? Solange es keine Beweise gibt, ist gar nichts bewiesen. Aber …

Freunde einer populären Sport-Verschwörungstheorie haben wieder Hochkonjunktur. Ein TV-Beitrag behauptet, dass Veloprofis tatsächlich Motoren einsetzen. Konkret sind die Anschuldigungen aber nicht.



Seit Sonntag ist die Radsport-Welt wieder in Aufruhr – und noch vielmehr die Welt ausserhalb der zwei Räder, die einmal mehr mit dem Finger auf Fabian Cancellara und Co. zeigen darf. Fette Schlagzeilen werden gedruckt und mit einer Wärmebildkamera geschossene Fotos kursieren, die belegen sollen, dass Veloprofis wie Grosis auf E-Bikes fahren.

Zwar bin ich weit davon entfernt, für irgendeinen Profisportler die Hand ins Feuer zu legen, dass er nicht betrügt. Aber solange es keine hieb- und stichfesten Beweise für das Motörli-Doping gibt, sind die Anschuldigungen einfach nur Behauptungen.

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«Was könnte denn sonst im Rahmen oder in der Nabe sein?»

Die Frage aller Fragen

Der Beitrag des TV-Senders France 2 zeigt mögliche Betrugsfälle. Er liefert Indizien, welche die Zuschauer stutzig machen. Wieso hantiert Alberto Contadors Mechaniker an seiner Uhr herum und schaut dabei genau das Hinterrad an? Was macht Fabian Cancellara am Schalthebel und wieso fährt er just nach seinem Griff dorthin der Konkurrenz auf und davon? Und kann es wirklich sein, dass Chris Froome nur dank viel Training so schnell die Pässe hoch kommt?

Wir sehen die Bilder, wir lauschen den Experten. Und wir fragen uns: Was könnte denn sonst im Rahmen oder in der Nabe sein, das eine höhere Temperatur hat als der Rest des Velos? Mit der elektronischen Schaltung – längst etabliert – kann es nichts zu tun haben, sonst würde man dies bei jedem Velo erkennen können.

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Der knapp 20 Minuten lange Beitrag von France 2. YouTube/Francetv Sport

«Die Geschichte des Radsports lehrt uns, dass noch immer beschissen wurde, wo man bescheissen konnte.»

Die bittere Erkenntnis

Der Beitrag erinnert in seiner Machart an zahlreiche Dokumentationen über 9/11: Informationen werden so präsentiert, dass am Ende auch rational denkende Menschen an der Lauterkeit der Akteure zweifeln. Dabei liefern die französischen Reporter keinen einzigen Beweis dafür, dass irgendein Radprofi ein Motörli in seinem Velo hat, niemand wird überführt.

Wieso wurden die Beschuldigten nicht dem Weltverband UCI gemeldet, so dass ihre Velos unmittelbar im Ziel und vor laufender Kamera kontrolliert wurden? Etwas hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen Frankreichs, welches die Tour de France Jahr für Jahr als grosses Spektakel aufplustert, jedenfalls erreicht: Der Radsport ist in aller Munde.

Der Glaubenskrieg wird so lange weiter gehen, bis der erste Fahrer im Strassenradsport – im Radquer flog anfangs Jahr die belgische Nachwuchsfahrerin Femke Van Den Driessche auf – mit einem E-Bike erwischt wird. Gerne möchte ich bis dahin daran glauben, dass der Profi-Radsport zumindest in dieser Hinsicht sauber ist. Es gibt nur eines, das mich an diesem Glauben zweifeln lässt: Die Geschichte des Radsports. Denn die lehrt uns, dass noch immer beschissen wurde, wo man bescheissen konnte.

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Okabe Rintarou 21.04.2016 07:49
    Highlight Highlight seht es so:
    Die 2 Typen hatten einen Monat lang etwas zum arbeiten :P
  • Matrixx 21.04.2016 06:32
    Highlight Highlight Motor in der Stange?

    Habt ihr schon mal ein Rennvelo aus der Nähe gesehen? Die Stange hat einen Durchmesser von vielleicht knapp 3 cm. Was soll dort drin sein? Da hat eine Drohne ja einen grösseren Motor...

    Ich zweifle noch etwas an dieser Geschichte, weil ich den Nutzen eines so kleinen Elektromotors für nutzlos halte...
    • Fumo 21.04.2016 08:27
      Highlight Highlight Drohnen haben mehrere Motoren und keiner der von mir bisher gesehen war grösser als 2cm.
      Eletromotoren können bis ins mm Bereich gehen.
    • Matrixx 21.04.2016 10:09
      Highlight Highlight Da fragt sich dann aber, wie effektiv diese Motoren sind.

      Kann ein einzelner Mini-Motor genug Kraft auftreiben, um ein Fahrrad samt Fahrer unterstützend den Berg hinauf zu stossen?
    • Fumo 21.04.2016 10:17
      Highlight Highlight unterstützend ist das richtige Stichwort. Es stosst einen ja nicht rauf, es nimmt nur etwas vom Kraftaufwand ab. Also ja, kann es.
  • Toerpe Zwerg 20.04.2016 22:46
    Highlight Highlight Das wäre doch sowas von einfach aufzudecken ...
  • Cabonga 20.04.2016 19:07
    Highlight Highlight Im Sport gehts um viel weniger als in der Politik und trotzdem ist es in der Politik einfacher und oft straflos zu bescheissen.
  • alea iacta est 20.04.2016 18:33
    Highlight Highlight Der Vergleich der Machart vom Motörli-Film und den Filmen, die sich mit dem Tag als die 3 Türme einstürtzen, befassen ist ganauso treffend wie der Vergleich von Blocher.
  • Gigi,Gigi 20.04.2016 17:19
    Highlight Highlight Etwas ist falsch an diesem Bericht. Es wird nicht nur im Radsport beschissen, wo es nur geht. Es wird überall beschissen und betrogen, ob Politik, Wirtschaft oder eben Sport.
  • kobL 20.04.2016 15:23
    Highlight Highlight Die Aufnahmen in der Doku von den offiziellen Rennen sind einfach zu schlecht und zu wenig eindeutig, dass man daraus Rückschlüsse ziehen könnte als Zuschauer. Die Aufnahme, auf der man sehr eindeutig die Erwärmung sieht im Sattelrohr, wurde ja nicht während dem Rennen aufgenommen. Ich glaube nicht, dass Motordoping eingesetzt wird. Das müsste meiner Meinung nach einfach durch die Geräusche und dass ein und Ausschalten von "versteckten" Schaltern auffallen.

    GCN hat übrigens noch ein gutes Video zu versteckten Motoren und was sie wirklich bringen:
    Play Icon
  • ElBarto1994 20.04.2016 14:57
    Highlight Highlight Viele Profis im Feld fahren elektrische Schaltungen, die Akkus befinden sich im Rahmen und können sich wie alles elektrische erwärmen. Die Schaltbefehle werden drahtlos übertragen, also nochmals eine Wärmequelle...
    Der Antrieb kann sich logischerweise auch erwärmen, reibungsfreie Ketten gibt es nicht und Reibung = Wärme.
    Dermassen blind kann die UCI nicht sein, alleine das Mehrgewicht des Velos müsste auffallen...
    • Raffaele Merminod 20.04.2016 15:14
      Highlight Highlight Schon aufgefallen das viele kurz vor dem Ziel ihr Rad wechseln? Das dürfen sie ja auch, gerade bei Defekten. Es ist also einfach, während des Rennens ein Defekt vorzutäuschen und das Motorisierte Rad mit einem normalen auszutauschen und damit durchs Ziel zu rollen.
    • rundumeli 20.04.2016 15:22
      Highlight Highlight tja , wegen dem gewicht ist das ne crux :
      "Laut UCI-Reglement ist aber bei Wettbewerbsrädern ein Mindestgewicht von 6,8 kg zu beachten" ... wiegt zb. ein deutsches versender bike für 2899 euro grad mal 6,7 kg ... und noch lange nicht ende der fahnenstange !
    • ElBarto1994 20.04.2016 15:37
      Highlight Highlight Mit einem kleinen Motörchen kann der Zeitverlust eines vorgetäuschten Defekts niemals aufgeholt werden, so gewinnt man keine Rennen. Aber natürlich würde die UCI am besten sämtlich Velos auf den Teamfahrzeugen kontrollieren.
    Weitere Antworten anzeigen
  • 7immi 20.04.2016 14:45
    Highlight Highlight diemotoren im sattelrohr sind ein klares indiz. die lagermotoren aber erscheinen mir zu klein, um einen positiven effekt zu haben. ausserdem können sich diese lager auch einfach so leicht erwärmen wegen mangelnder schmierung o.ä.
  • Raffaele Merminod 20.04.2016 14:26
    Highlight Highlight Also sorry! Die Wärmebildkamera ist Beweis genug und wenn man sich auch im Internet den Antrieb von Viwax (Vivax Forza CF) anschaut, dann gibt es keine zweifel mehr.
    Play Icon
    • Cabonga 20.04.2016 18:44
      Highlight Highlight Motoren fallen durch Geräusche auf. Ich denke das ist das Hauptproblem, dass man nicht von der Konkurenz im Feld entlarvt wird. Zumal die Rennräder sehr leise sind.
    • Raffaele Merminod 21.04.2016 07:07
      Highlight Highlight Also wenn man den französischen Beitrag von Antenne 2 anschaut, dann merkt man das dieses Geräusch praktisch nicht auffällt. Selbst mein Flyer mit Bosch-Motor hört man nicht ständig und der ist im Vergleich einiges lauter.
  • Scaros_2 20.04.2016 13:37
    Highlight Highlight Verstehe nicht wieso man es nicht auch wie in der F1 macht. Wagen in Besitz nehmen, Checken weiter gehts.
    • Fumo 20.04.2016 14:06
      Highlight Highlight Wahrscheinlich weil mehr als nur 20 Fahrer mitmachen. Da würden die Kontrollen entweder Tagen dauern oder man müsste 200 Menschen dafür hinstellen.
    • Scaros_2 20.04.2016 14:28
      Highlight Highlight Das ist kein Argument. In der Dopingkontrolle, z.b. Leichtathletik müssen auch immer die Top 3 bei einer WM o.ä. zwingend zur Kontrolle und random werden bis zu 5 weitere ausgewählt. Hier wäre ähnliches möglich. Die Top 5 nihmst du zwingend raus + weitere 5 welche du auswählst. Entweder per zufall oder aber weil du im Rennen Wärmebildkameras nutzt an gewissen Stellen und anhand der Daten diese dann rauspickst weil die Kamera selbst ist ja kein Beweis, sie stellt eine Vermutung in den Raum ;-)

      Man könnte die Kosten ja auch vom Preisgeld abziehen - generell ;)
    • Fumo 20.04.2016 14:36
      Highlight Highlight Du hast mit den zweiten Vorschlag recht, aber mein Argument galt den ersten.
      In der F1 kann man alle Autos prüfen weil es nur wenige sind. Wenn aber 100 am Start sind wäre es zu zeitintensiv.
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