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Trainer Murat Yakin und sein Star Xherdan Shaqiri feiern die erfolgreiche WM-Qualifikation.
Trainer Murat Yakin und sein Star Xherdan Shaqiri feiern die erfolgreiche WM-Qualifikation.Bild: keystone
Kommentar

Was Murat Yakin richtig gemacht hat

Zum fünften Mal hintereinander ist die Schweiz bei einer Fussball-WM dabei. Sie hat sich auf Kosten von Europameister Italien direkt qualifiziert – und das in einer Phase, in welcher auf einen grossen Erfolg ein Neuanfang folgte. Murat Yakin hat als Nationaltrainer erfolgreich von Vladimir Petkovic übernommen.
16.11.2021, 12:3117.11.2021, 08:11

Der Fussball ist schon ein verdammt schnelllebiges Geschäft. 140 Tage nach dem historischen Sieg der Schweizer Nati im EM-Achtelfinal gegen Weltmeister Frankreich qualifiziert sie sich für die WM 2022. 140 Tage, das sind keine fünf Monate. Eine kurze Zeitspanne – und doch eine kleine Ewigkeit.

Wir erinnern uns an den verregneten Sommer 2021. Italien wurde als völlig verdienter Europameister gefeiert. Und verpasste jetzt die direkte Qualifikation für die WM in Katar. Vladimir Petkovic führte die Schweiz als Trainer erstmals in den Viertelfinal eines grossen Turniers und erhielt dafür endlich die Anerkennung, die er so lange vermisst hatte. Und nun ist das schon fast wieder vergessen, denn im Fussball gilt, was einst Bayern-Goalie Oliver Kahn in drei knappen Worten festhielt: Weiter, immer weiter.

Selten bekam die Öffentlichkeit einen so gelösten Petkovic zu sehen wie nach dem Triumph über Frankreich.
Selten bekam die Öffentlichkeit einen so gelösten Petkovic zu sehen wie nach dem Triumph über Frankreich.Bild: keystone

Eine Gelassenheit, die eine Botschaft aussendet

Auf den oft kühl wirkenden und öffentlichkeitsscheuen Tessiner Petkovic, der zurücktrat und nun (bislang eher erfolglos) bei Girondins Bordeaux arbeitet, folgte der kommunikative Basler Lebemann Murat Yakin. Eine Wahl, die vielerorts für Erstaunen sorgte. Das konnte niemanden verwundern, die Yakins – Murat und sein jüngerer Bruder Hakan – sind seit jeher Figuren, die polarisieren. Kenner hielten die Wahl für vielversprechend, galt der Trainer doch als ausgewiesener Taktikfuchs.

Dazu zeichnet Yakin eine unerschütterliche Ruhe aus. Was im Schlechten als Arroganz ausgelegt wird, wird im Erfolgsfall als lässige Coolness interpretiert. Yakin tritt mit einer Gelassenheit auf, die die Botschaft aussendet: Hier hat einer jederzeit alles im Griff. Und sollte das einmal nicht der Fall sein: Keine Angst, es kommt dann schon alles gut.

Yakin, hier im Training mit Silvan Widmer, geht gerne mit einem Lächeln durchs Leben.
Yakin, hier im Training mit Silvan Widmer, geht gerne mit einem Lächeln durchs Leben.Bild: keystone

Schwierige Startbedingungen

Der einstige Abwehrdirigent musste praktisch aus dem Stand erfolgreich sein. Nach dem ersten Testspiel, einem 2:1-Sieg gegen Griechenland, stand sofort das WM-Qualifikationsspiel zuhause gegen Italien auf dem Programm. Gegen das beste Team der Welt, gegen das die Schweiz an der EM beim 0:3 in der Vorrunde chancenlos war. Nun schaute ein 0:0 heraus – die Chancen, Platz 1 in der Quali-Gruppe zu erreichen, blieben intakt. Genau wie nach dem 1:1 in Rom am Freitag.

Das Nationalteam schwebt weiter auf der Wolke der Euphorie, die an der EM einsetzte, nachdem die Nati davor ein wenig an Zuspruch verloren hatte. In Luzern lag vor vollen Rängen schon vor dem Anpfiff in der Luft, dass es mit der WM-Qualifikation klappen wird. Diese neue Popularität der Nati ist gleichermassen der Verdienst von Petkovic und von Yakin. Ersterer sorgte im Sommer für Ekstase, Letzterer knüpft nahtlos an dessen erfolgreiche Ära an.

Es spielt, wer in Form ist und passt

Sieben Spiele, ungeschlagen, ein Torverhältnis von 13:2 – das ist die Startbilanz von Murat Yakin als Nationaltrainer. Und er erreichte sie mitnichten als blosser Verwalter des Erbes, welches ihm Vladimir Petkovic hinterliess. Das wäre nur schon deshalb nicht möglich gewesen, weil viele Spieler verletzt oder gesperrt ausfielen. Beim 4:0-Sieg gegen Bulgarien, mit dem die direkte WM-Qualifikation Tatsache wurde, standen nur vier Spieler in der Startelf, die schon beim EM-Coup gegen Frankreich von Anfang an spielten: Goalie Yann Sommer, Verteidiger Silvan Widmer, Mittelfeldspieler Remo Freuler und Regisseur Xherdan Shaqiri.

Noah Okafor erhielt nach starken Leistungen im Klub ein Aufgebot, stand gegen Italien und Bulgarien gleich in der Startelf und schoss gestern das 1:0.
Noah Okafor erhielt nach starken Leistungen im Klub ein Aufgebot, stand gegen Italien und Bulgarien gleich in der Startelf und schoss gestern das 1:0.Bild: keystone

Yakin machte aus dieser Not eine Tugend. Er vertraut einerseits der Jugend, scheute sich andererseits aber auch nicht davor, mit Fabian Frei einen 32-Jährigen zurückzuholen, dessen Zenit im Nationalteam als überschritten galt. Yakin setzt ein, wer gut in Form ist und wen er für seine jeweilige Taktik braucht – der Rest kümmert ihn weniger.

Das kann durchaus als Ansage verstanden werden an diejenigen, die lange als gesetzt galten. Natürlich haben der etatmässige Captain Granit Xhaka (98 Länderspiele, 12 Tore) oder Torjäger Haris Seferovic (82/24) noch einen Bonus, so wie auch die derzeit ebenfalls verletzten Breel Embolo (50/8) und Nico Elvedi (35/1).

Die Nati-Rekordspieler

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Die Rekordspieler der Schweizer Nati
quelle: epa/keystone / walter bieri
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Aber sie müssen sich genau wie etwa Ricardo Rodriguez (92/9) bewusst sein, dass es jeden erwischen kann. Dass Trainer Yakin keine allzu grosse Rücksicht auf frühere Meriten nimmt. Im Namen der Sache – den Erfolg des Teams – gibt es keine Gefälligkeitsgeschenke. Es spielt, wer in Form ist und passt. Das ist nicht nur eine Ansage an die Etablierten, sondern auch eine Message an die Aufstrebenden: Die Hierarchien sind weniger starr als auch schon.

Die schönen Probleme des Trainers

Goalie Sommer ist zwar über jeden Zweifel erhaben, aber mit Gregor Kobel stünde ein Nachfolger bereit. In der Abwehr tun sich neue Möglichkeiten auf, im Mittelfeld haben Freuler und Denis Zakaria gezeigt, dass die Schweiz auch ohne Xhaka siegen kann. Und im Angriff hat die Nati mit den schnellen und dribbelstarken Breel Embolo, Noah Okafor, Ruben Vargas und Renato Steffen gefährliche Waffen, hinzu kommt natürlich Shaqiri mit seinem Spielwitz und seiner Übersicht. In der Offensive, wo er auch mit klassischen Stürmern wie Seferovic, Mario Gavranovic oder Cedric Itten operieren kann, hat der Trainer ebenfalls viele Varianten im Sortiment.

Am Tag nach der geschafften WM-Quali wurde bekannt, dass sich Yakins Vertrag dadurch automatisch bis im Sommer 2024 verlängert hat.
Am Tag nach der geschafften WM-Quali wurde bekannt, dass sich Yakins Vertrag dadurch automatisch bis im Sommer 2024 verlängert hat.Bild: keystone

Und hoffentlich werden Murat Yakins Probleme noch grösser, aus einer grossen Auswahl an Spielern die richtigen Elf zu finden. Wer weiss heute schon, wie sich ein Andi Zeqiri entwickeln wird? Christian Fassnacht, Zeki Amdouni oder Dan Ndoye? Vielleicht ist für die WM 2022 auch Michi Frey ein Thema, der in Belgien Tor um Tor schiesst und bislang kein Aufgebot erhalten hat.

Es dauert noch ein ganzes Jahr, bis am 21. November 2022 das Eröffnungsspiel im Al-Bayt-Stadion in Al-Chaur über die Bühne geht. Wahnsinnig viel Zeit in diesem so verdammt schnelllebigen Sport namens Fussball, in dem unverändert gilt: Weiter, immer weiter.

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Die Schweiz qualifiziert sich für die WM 2022 – und so feiern die Nati-Stars diesen Erfolg

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