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Krisengipfel? Verbandspräsident Urs Lehmann im Gespräch mit Männer-Cheftrainer Tom Stauffer.
Krisengipfel? Verbandspräsident Urs Lehmann im Gespräch mit Männer-Cheftrainer Tom Stauffer.
Bild: KEYSTONE

Präsident Lehmann haut auf den Tisch: Schweiz soll Ski-Nation Nr. 1 sein

Drei Wochen vor der WM im eigenen Land haben die Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer noch Luft nach oben. Verbandspräsident Urs Lehmann hofft in St.Moritz auf einen guten Start und spricht schonungslos darüber, was die Österreicher besser machen.
16.01.2017, 12:5802.02.2017, 07:29

Das Weltcup-Wochenende begann für die Schweiz am Freitag mit einer erfreulichen Sensation: Mit dem nie erwarteten Sieg des 21-jährigen Zürchers Niels Hintermann in der Kombination am Lauberhorn. Nach drei Erfolgen von Lara Gut war es der erste eines Schweizers bei den Männern in diesem Winter.

Gut, die gestern das Abfahrtspodest in Altenmarkt nur um einen Hunderstel verpasste, und Slalom-Ass Wendy Holdener (zwei Mal 2., vier Mal 3.) waren bislang die herausragenden Athletinnen von Swiss Ski. Gemeinsam holte das Duo beinahe einen Drittel aller Schweizer Weltcup-Punkte in diesem Winter.

Aber wieso kommt nicht mehr? Von einem Land, in dem der alpine Skisport vor gar nicht so langer Zeit der wichtigste Sport überhaupt war? Urs Lehmann, der Präsident von Swiss Ski, ortet eine gewisse Genügsamkeit, bisweilen fehlenden Biss bei jungen Athleten. Für ihn gibt es durchaus Gründe dafür, dass die Schweizer zu oft langsamer sind als ihre Konkurrenten. In einem Interview mit der NZZ spricht Lehmann Klartext:

«Wir haben sehr gute Voraussetzungen, gute Trainer, gute Athleten, gute Partner. Aber es kann nicht sein, dass im Riesenslalom von Adelboden der beste Schweizer auf Rang 23 liegt.»

Es möge ja sein, dass jeder einzelne Erklärungen habe, wieso und warum nicht mehr möglich war. Aber in der Summe sei das Ergebnis schlecht.

Gute Stimmung, schlechte Schweizer: In Adelboden holte nur Manuel Pleisch als 23. einige Weltcup-Punkte.
Gute Stimmung, schlechte Schweizer: In Adelboden holte nur Manuel Pleisch als 23. einige Weltcup-Punkte.
Bild: KEYSTONE

Lehmann erzählt von den Weltcup-Rennen im italienischen Santa Caterina, wo er im gleichen Hotel wie das österreichische Team gewohnt habe. Was er sah, machte ihm klar, dass man besser arbeiten könne als die Schweizer:

«Wenn ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, dann sage ich: Wir haben noch Luft nach oben.»

Der Schweizer Verband habe den Anspruch, im Bereich Professionalität mit den Besten wie Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen mitzuhalten, so Lehmann. Zwei Stunden lang habe er sich mit Hirschers Vater Ferdinand und Trainer Mike Pircher unterhalten:

«Es ist unglaublich, was sie machen, ich bin beeindruckt. Und es zeigt mir auch, dass es gut ist, was wir machen – aber wir können noch mehr. Auf einer Skala von 1 bis 10 ist Hirschers Professionalität bei 10. Unser System ist noch nicht dort. Vielleicht sind wir auf einer 7 oder auf einer 8 – und es ist unsere Aufgabe, unsere Athleten zu einer 10 zu treiben.»
Marcel Hirscher beobachtet von Vater Ferdinand.
Marcel Hirscher beobachtet von Vater Ferdinand.
Bild: KEYSTONE

Lehmann hält es für verkehrt, die Ansprüche der Schweiz zu senken – obwohl es das Team in den vergangenen fünf Jahren nur einmal auf Rang 2 der Nationenwertung schaffte und sonst weiter zurück lag. Es sei trotz dieser Bilanz nicht vermessen, Platz 1 zu fordern:

«Wir sollten zu den besten drei gehören – aber die Vision muss Rang 1 sein. Nun rede ich unternehmerisch: Für die Mittel, die wir den Teams zur Verfügung stellen, kommt zu wenig zurück. Punkt.»

Rennen wie der Riesenslalom am Chuenisbärgli in Adelboden, als es der beste Schweizer nur auf Rang 23 schaffte, sorgen nicht für eine überbordende Ski-Euphorie im Land. Drei Wochen vor dem Start der WM in St.Moritz verrät Urs Lehmann in der NZZ immerhin, dass sich das einheimische Team auf einen Heimvorteil freuen dürfe:

«An den WM werden wir im Zielgelände wie schon am Weltcup-Final spezielle Räumlichkeiten haben, die den Fahrern als Aufenthaltsraum und zur Erholung dienen. Die Österreicher machen zwar alles, um auch so einen Rückzugsort in Zielnähe zu erhalten, aber dafür ist der Platz leider, leider zu knapp. Das ist auch Psychologie. Die Athleten sollen spüren, dass der Verband alles gemacht hat für sie und gleichzeitig ihr Zuhause schützt.»

Auch sonst wurde im Vorfeld der Weltmeisterschaften viel unternommen, um die Fahrer im Kopf auf die Aufgabe vorzubereiten. Lehmann, 1993 in Morioka überraschend Abfahrts-Weltmeister geworden, erinnert an die goldenen Tage von Crans-Montana, als die Schweiz fast jedes Rennen gewann:

«Peter Müller lief vor der WM 1987 die Strecke von unten her ab und gewann danach Gold, unser aktuelles Team hat auch eine solche Wanderung gemacht.»

Müller war Teil eines dominierenden Schweizer Abfahrtsteams um ihn, Pirmin Zurbriggen, Karl Alpiger, Franz Heinzer und Daniel Mahrer. Trainer war der legendäre Karl Frehsner, «eiserner Karl» genannt. Auch dank ihm, diesem Schleifer alter Schule, errang die Schweiz damals so viele Erfolge. Braucht es wieder mehr Härte? Die Athleten seien heute mündiger und besser informiert, wirft Lehmann ein:

Der Abfahrts-Weltmeister 1987 und sein Trainer: Peter Müller mit Karl Frehsner.
Der Abfahrts-Weltmeister 1987 und sein Trainer: Peter Müller mit Karl Frehsner.
Bild: KEYSTONE
Wir hatten autoritärere Trainer, und ich glaube nicht, dass man noch so arbeiten könnte. Nur frage ich mich manchmal, ob die Balance stimmt zwischen autoritär und kollegial.»

Auf die Nachfrage, ob er damit weniger Kollegialität meine, antwortet Urs Lehmann klar:

«Ja. Mir ist klar: Der Bereich ist hochsensibel. Aber unsere Vision muss sein, die Professionalität möglichst vieler Athleten nahe an die 10 zu bringen.»

Drei Medaillen gewann die Schweiz an der WM 2015 in Vail/Beaver Creek. Eine Bilanz, die man in St.Moritz natürlich zu toppen versucht. Lehmann hofft, dass das Programm dem Schweizer Team entgegen kommt, denn zu Beginn stehen die Speed-Disziplinen an. Mit einer frühen Medaille, so der Wunsch, käme eine Euphorie auf. (ram)

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