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Thailänder im Gebet vor einer Buddha-Statue in Nakon, westlich von Bangkok (2016).
Thailänder im Gebet vor einer Buddha-Statue in Nakon, westlich von Bangkok (2016).Bild: EPA
Kommentar

Dieses ständige Religions-Bashing nervt: Glauben verdient unseren Respekt

08.10.2016, 14:0111.10.2016, 10:10

Religionen sind an allem schuld. Vor allem der Islam, aber auch das Christen- und das Judentum (etwas weniger der Buddhismus und Naturreligionen). Schuld an allen Kriegen und allen Übeln dieser Welt. Die Schlussfolgerung «ohne Religionen wären wir besser dran» und die Forderung «Religionen gehören abgeschafft» finden sich regelmässig in unserer Kommentarspalte und ernten stets Applaus.

Mich nervt dieses reflexartige Religions-Bashing. Es zeugt meines Erachtens nicht von Aufgeklärtheit, sondern von Unverständnis.

Unter der Oberfläche mancher Religionskritik schimmert die Geringschätzung des Glaubensakts durch. Ein aufgeklärter Mensch weiss, ein Religiöser glaubt «nur». Als sei Wissen dem Glauben irgendwie überlegen. Es ist der sprichwörtliche Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Wissen gehört in die Wissenschaft, Glauben in die Religion. Sie schliessen einander nicht aus, aber wer sie vermischt, endet in der Sackgasse.

Wenn ein Kreationist behauptet, Intelligent Design sei eine wissenschaftliche Theorie, dann liegt er falsch. Ebenso schiesst ein Atomphysiker am Ziel vorbei, wenn er einem Gläubigen vorhält, es gebe keinen Beweis für die Existenz Gottes.

Wenn überhaupt, dann ist vielleicht der Glaube dem Wissen überlegen: Wissen kann jeder, wenn er denn will (manche wollen leider nicht). Glauben hingegen kann nicht jeder. Auch nicht, wenn er will. Wirklich glauben tut man, oder man tut es nicht. Etwas aus voller Überzeugung zu glauben, ohne es wissen zu können, ist ein beachtlicher Akt emotionaler Intelligenz.

Der private Glauben ist schon in Ordnung, mögen einige einwerfen, aber institutionalisierte Religion nicht, weil sie den Glauben des Einzelnen korrumpiere. Sorry, aber wenn ein einzelner Mensch in seinem Glauben frei ist, dann dürfen doch auch mehrere Menschen dasselbe glauben. Oder gibt es hier eine Obergrenze?

Und der Extremismus? Der sexuelle Missbrauch von Kindern? Diese schändlichen Auswüchse gehören zweifelsohne auch zur Religion. Aber dasselbe liesse sich über Atombomben und die Wissenschaft sagen, um im selben Bild zu bleiben. Natürlich wäre die Welt eine bessere ohne diese mörderischen Waffen. Aber deswegen die gesamte Physik verteufeln?

Ein letzter Gedanke zur Frage, ob die Welt denn ohne Religion besser dran wäre (auf eine Auflistung ihrer vielen zivilisatorischen Leistungen in Kunst, Sprache – und Wissenschaften – wird an dieser Stelle verzichtet): So hypothetisch, wie sie klingt, ist sie gar nicht. 

Es hat in der jüngeren Geschichte durchaus Experimente mit der Verbannung von Religion aus der Gesellschaft gegeben. Verhielten sich kommunistisch regierte Staaten, seien sie in Zentralamerika, Afrika, Europa oder Asien, plötzlich viel moralischer? Haben sie die Menschen freier gemacht? Glücklicher?

Eben.

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345 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Elvenpath
08.10.2016 15:59registriert Februar 2016
Oh, je, viel zu wenig Platz um so viel Unsinn zu besprechen.
1. Religion verdient keinen Respekt. Keine Ideologie verdient Respekt. nur Menschen verdienen Respekt.
2. Religiöser Glaube kann sich nicht der Wissenschaft entziehen. Die Wissenschaft belegt zum Beispiel ganz klar, dass die meisten Geschichten aus der Bibel unwahr sind.
3. Dass es keinen Beweis für einen Gott gibt, ist sehr wohl ein massiver Beleg, dass es keine Götter gibt.
4. Ohne Wissen zu glauben, ist nur die Folge religiöser Indoktrination in der Kindheit und keine besondere Leistung und schon gar keine emotionale Intelligenz
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Lezzelentius
08.10.2016 14:12registriert Mai 2014
Etwas zu glauben ohne es zu wissen ist keine emotionale Intelligenz und ganz bestimmt nicht beachtlich. Und besonders dann nicht, wenn sie höher geschätzt wird als Wissen. Leute die trotz Allem etwas Glauben, Religion hin oder her, bezeichnet man nicht ohne Grund als naiv oder ignorant.

Habe mir nach "Vor allem der Islam" nicht mehr zu viel erhofft. Es wird anderen im Artikel vorgeworfen Äpfel und Birnen zu vergleichen. Aber in manchen Absätzen finden sich Vergleiche zwischen Äpfeln und Computern.
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Lord_ICO
08.10.2016 17:28registriert März 2016
Mein grösstes Problem mit Religionen ist vor allem, dass sie sich immer als die moralische Instanz aufspielen. Beobachten wir die Schweizer Politik, in der die CVP krampfhaft versucht in einigen ihrer Gesetzvorschläge, christliche Ideologien einzubringen. So lange sich die Religion nicht aus unseren Staatsorganen raushält, nehme ich mir auch raus diese zu kritisieren.
Hinzu kommt, dass ich als Atheist keinen religiösen Menschen beleidige oder ihn zu drehen versuche, jedoch schon von einigen religiösen Menschen stark beleidigt wurde, bis hin zum Mobbing. Soviel zu aggresiven Atheisten.
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