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epa05319486 Thai Buddhists hold candles as they circle in prayer a statue at the Buddha Monthon park to celebrate Buddha Day in Nakon Pathom Province, west of Bangkok, Thailand, 20 May 2016. Thai Buddhists across the country mark the United Nations Day of Vesak or Visakha Bucha (Buddha Day) which commemorates the Birth, Enlightenment and Passing Away of the Buddha Gautama.  EPA/NARONG SANGNAK

Thailänder im Gebet vor einer Buddha-Statue in Nakon, westlich von Bangkok (2016). Bild: EPA

Kommentar

Dieses ständige Religions-Bashing nervt: Glauben verdient unseren Respekt



Religionen sind an allem schuld. Vor allem der Islam, aber auch das Christen- und das Judentum (etwas weniger der Buddhismus und Naturreligionen). Schuld an allen Kriegen und allen Übeln dieser Welt. Die Schlussfolgerung «ohne Religionen wären wir besser dran» und die Forderung «Religionen gehören abgeschafft» finden sich regelmässig in unserer Kommentarspalte und ernten stets Applaus.

Mich nervt dieses reflexartige Religions-Bashing. Es zeugt meines Erachtens nicht von Aufgeklärtheit, sondern von Unverständnis.

Unter der Oberfläche mancher Religionskritik schimmert die Geringschätzung des Glaubensakts durch. Ein aufgeklärter Mensch weiss, ein Religiöser glaubt «nur». Als sei Wissen dem Glauben irgendwie überlegen. Es ist der sprichwörtliche Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Wissen gehört in die Wissenschaft, Glauben in die Religion. Sie schliessen einander nicht aus, aber wer sie vermischt, endet in der Sackgasse.

Wenn ein Kreationist behauptet, Intelligent Design sei eine wissenschaftliche Theorie, dann liegt er falsch. Ebenso schiesst ein Atomphysiker am Ziel vorbei, wenn er einem Gläubigen vorhält, es gebe keinen Beweis für die Existenz Gottes.

Wenn überhaupt, dann ist vielleicht der Glaube dem Wissen überlegen: Wissen kann jeder, wenn er denn will (manche wollen leider nicht). Glauben hingegen kann nicht jeder. Auch nicht, wenn er will. Wirklich glauben tut man, oder man tut es nicht. Etwas aus voller Überzeugung zu glauben, ohne es wissen zu können, ist ein beachtlicher Akt emotionaler Intelligenz.

Der private Glauben ist schon in Ordnung, mögen einige einwerfen, aber institutionalisierte Religion nicht, weil sie den Glauben des Einzelnen korrumpiere. Sorry, aber wenn ein einzelner Mensch in seinem Glauben frei ist, dann dürfen doch auch mehrere Menschen dasselbe glauben. Oder gibt es hier eine Obergrenze?

Und der Extremismus? Der sexuelle Missbrauch von Kindern? Diese schändlichen Auswüchse gehören zweifelsohne auch zur Religion. Aber dasselbe liesse sich über Atombomben und die Wissenschaft sagen, um im selben Bild zu bleiben. Natürlich wäre die Welt eine bessere ohne diese mörderischen Waffen. Aber deswegen die gesamte Physik verteufeln?

Ein letzter Gedanke zur Frage, ob die Welt denn ohne Religion besser dran wäre (auf eine Auflistung ihrer vielen zivilisatorischen Leistungen in Kunst, Sprache – und Wissenschaften – wird an dieser Stelle verzichtet): So hypothetisch, wie sie klingt, ist sie gar nicht. 

Es hat in der jüngeren Geschichte durchaus Experimente mit der Verbannung von Religion aus der Gesellschaft gegeben. Verhielten sich kommunistisch regierte Staaten, seien sie in Zentralamerika, Afrika, Europa oder Asien, plötzlich viel moralischer? Haben sie die Menschen freier gemacht? Glücklicher?

Eben.

Wie hältst du es mit der Religion?

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