Schweiz
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epa07401012 Pope Francis arrives to lead the weekly general audience in Saint Peter's Square, Vatican City, 27 February 2019.  EPA/ETTORE FERRARI

Bild: EPA/ANSA

Papst bittet Schweizer Missbrauchsopfer um Vergebung – und bezeichnet Täter als «Monster»



Der Papst hat erstmals eine Gruppe von Schweizer Missbrauchsopfern im Vatikan persönlich empfangen. Bei der Privataudienz am Samstag bat Franziskus die Betroffenen laut deren Angaben um Vergebung.

An dem Treffen am späten Morgen in den Räumen des Pontifex nahmen der Initiator der Wiedergutmachungs-Initiative, Guido Fluri, sowie eine Frau und ein Mann teil, die im kirchlichen Umfeld sexuellen Missbrauch erlebt hatten. Die beiden Betroffenen berichteten Franziskus von ihren Erlebnissen, wie die Guido Fluri Stiftung mitteilte.

Guido Fluri, Initiant der Wiedergutmachungsinitiative, zweiter von links, fotografiert mit seinen Kinder waehrend des grossen Treffens ehemaliger Verdingkindern, am Samstag, 30. Juni 2018 in Muemliswil. Nach dem erfolgreichen Kampf fuer eine Anerkennung treffen sich zum ersten Mal in der Schweizer Geschichte ueber 800 ehemalige Verdingkinder und andere Opfer von fuersorgerischen Zwangsmassnahmen in Muemliswil, wo die nationale Gedenkstaette fuer Heim- und Verdingkinder steht. Sie sind die letzten Zeuginnen und Zeugen, die dieses dunkle Kapitel der Schweizer Geschichte miterlebt haben. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Guido Fluri mit seinen Kindern. Bild: KEYSTONE

Der heute 63-jährige Mann war laut eigenen Angaben als Jugendlicher in einer Erziehungsanstalt in Bad Knutwil LU von Mönchen mehrfach geschlagen und sexuell missbraucht worden. Die 74-jährige Frau erlebte in einem von katholischen Nonnen geführten Kinderheim in Malters LU ebenfalls Gewalt und sexuellen Missbrauch.

Papst spricht von «Monstern»

Der Papst bat die Opfer im Namen der Kirche um Verzeihung und um Vergebung. Ein Mensch, der Kinder missbrauche – sei es ein Priester, ein Ordensmann oder eine Ordensfrau – werde zu einem «Monster», habe der Papst wörtlich gesagt, heisst es in der Mitteilung.

Nach dem Treffen zeigte sich Opfervertreter Fluri zufrieden. Die Begegnung des Papstes mit den Schweizer Missbrauchsopfern sei ein wichtiges Zeichen an die Betroffenen, dass die Kirche das grosse Leid, das den Opfern im kirchlichen Umfeld angetan worden sei, umfassend anerkenne. Der Papst habe sich ohne Wenn und Aber für die Null-Toleranz und für die strafrechtliche Verfolgung der Täter ausgesprochen. Diesen Worten müssten nun Taten folgen.

Anti-Missbrauchsgipfel

Das Treffen zwischen Papst Franziskus und der Delegation aus der Schweiz fand eine Woche nach dem Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan statt. Bei diesem hatte Papst Franziskus erneut ein hartes Durchgreifen der katholischen Kirche gegen sexuellen Missbrauch und ein Ende der Vertuschung versprochen - jedoch ohne konkrete Konsequenzen aus der jahrzehntelangen Krise zu benennen.

Es war das erste Mal, dass eine Gruppe von Schweizer Missbrauchsopfern dem Papst von ihrem Leid berichten konnte. Beim Treffen war auch Kurt Kardinal Koch anwesend. Der Vatikan lud Fluri und eine Gruppe von Missbrauchsopfern bereits 2015 zu einer Generalaudienz ein.

Ende 2014 reichte der Solothurner Unternehmer Guido Fluri die Wiedergutmachungs-Initiative ein, die 500 Millionen Franken für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen forderte. Knapp zwei Jahre später hiessen die Räte einen indirekten Gegenvorschlag gut, der für die Ausrichtung der Solidaritätsbeiträge 300 Millionen Franken zur Verfügung stellte. Gegen 9000 Betroffene haben ein Gesuch gestellt.

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen waren in der Schweiz bis 1981 angeordnet worden. Zehntausende von Kindern und Jugendlichen wurden an Bauernhöfe verdingt oder in Heimen platziert, viele wurden misshandelt oder missbraucht. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zwei Fallende Stimmen 03.03.2019 11:42
    Highlight Highlight Reine PR zur Schadensbegrenzung. Konkrete Massnahmen, wie zum Beispiel finanzielle Wiedergutmachung, konkrete Aufarbeitung der Taten, die Aufhebung des Zölibats u.ä.: Natürlich nada.
  • lilie 03.03.2019 11:09
    Highlight Highlight Das ist doch eine gute Nachricht soweit. Zumindest scheint die Problematik ins Bewusstsein des Papstes gelangt zu sein. Nun bleibt abzuwarten, ob er auch den Mut hat, konkrete Schritte einzuleiten.
    • Jein 03.03.2019 11:48
      Highlight Highlight Seit wann braucht es Mut um sexuellen Misbrauch an Kindern zu verurteilen?
    • lilie 03.03.2019 12:54
      Highlight Highlight @Jein: Verurteilt wurde er bereits (dazu müsste man allerdings den Artikel lesen).

      Was fehlt sind nun konkrete Taten, um neue Übergriffe zu verhindern bzw. sofort zu ahnden. Denn die Täter von damals können womöglich nicht mehr verfolgt werden.
    • Silent_Revolution 03.03.2019 15:36
      Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Oxymora 03.03.2019 10:47
    Highlight Highlight Mit Entschlossenheit wird der Papst gegen Missbrauch, Homophobie vorgehen und sich für Wissenschaft, Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter etc. ins Zeug legen. Und mit dem nächsten Papst und den folgenden werden die Betroffenheitsbekundungen mit beten, büssen, appellieren die Kirche total verändern.

    Die Kirche findet Ihre Worthülsen offenbar werbewirksam.

    Wer glaubt dem Verein noch?


    Aus dem Verein austreten und/oder Politiker zu wählen, die auf eine klare Trennung von Religion und Staat hinarbeiten, ist sicher die wirksamer als auf die nächsten 100 Päpste zu vertrauen.
    • infomann 03.03.2019 12:40
      Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Pbel 03.03.2019 13:09
      Highlight Highlight Leider muss ich als Firmenbesitzer den Verein über Unternehmenssteuern zwangsfinanzieren. Bei den hier dargestellten Themen kommt mir jeweils die Galle hoch, dass das auch mit "meiner" Unterstützung passiert.
      Dabei geht es mir nicht darum weniger Steuern zu zahlen sondern bitte einfach für was anderes.
    • Oxymora 03.03.2019 13:49
      Highlight Highlight @Pbel

      Vielleicht sollten die Firmen auf die Lohnausweise schreiben:

      Dürften wir die Kirchensteuer an unsere Mitarbeiter/innen verteilen, so wären es für Sie diesen Monat 100.00 Fr. mehr gewesen.

  • rodolofo 03.03.2019 08:30
    Highlight Highlight Der Papst meidet es wieder mal "wie der Teufel das Weihwasser", darüber nachzudenken, wie solche Monster in die Kirche hinein gelangen und warum sie dort regelrecht gezüchtet werden!
    Übrigens ist das sie Kehrseite JEDER Zucht:
    Wir züchten mit der "Kultivierung" die "Schädlinge" und "Krankheiten" immer gleich mit!
    Diese werden sich nämlich auf die jeweilige Kultur einstellen und Methoden und Wege finden, mit denen sie innerhalb der jeweiligen Kultur überleben und sich behaupten können.
    So ist es doch erstaunlich und erschütternd, wie viele Misshandlungen gerade auch in Kirchen passieren.
  • Astrogator 03.03.2019 08:04
    Highlight Highlight Die Täter sind nicht Monster sondern Priester und andere Kleriker wie der Papst selbst auch die uns täglich begegnen - deshalb ist das vertuschen und verstecken vor der Justiz so gefährlich.

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