Migration
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Auswanderer in Bremerhaven, 2. Hälfte 19. Jh.

Aufbruch in eine ungewisse Zukunft: Auswanderer besteigen einen Dampfer (um 1880).

Arm, kulturfremd, schlecht qualifiziert: Als wir Schweizer noch selber Wirtschaftsflüchtlinge waren

Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit: Wirtschaftliche Not trieb im 19. Jahrhundert zehntausende Schweizer ins Ausland. Sie waren unsere Wirtschaftsflüchtlinge. Andere wurden zur Emigration gezwungen.



Der Abschied war vermutlich für alle endgültig: 305 Auswanderer mussten am Dienstag, dem 27. Februar 1855 auf dem Rössliplatz im aargauischen Niederwil – heute Rothrist – ihren Angehörigen und Freunden Lebewohl sagen. Dann bestiegen sie die Pferdefuhrwerke, die sie nach Basel brachten. Dort ging es weiter nach Le Havre an der französischen Kanalküste und von dort mit dem Dreimaster «Globe» nach New Orleans in der Neuen Welt. 

Rothrist Verabschiedung Auswanderer 1855, Gemälde Walter Lehmann (1959)

Das Werk des Malermeisters Walter Lehmann aus dem Jahr 1959 zeigt den Verlad der Auswanderer beim Restaurant Rössli in Rothrist.  Bild: ZVg

Die Emigranten, sage und schreibe 13 Prozent der Rothrister Bevölkerung, gingen nicht freiwillig. Sie verliessen ihr Heimatland, weil wirtschaftliche Nöte und die Behörden sie dazu drängten. Das starke Bevölkerungswachstum – Rothrist wuchs von 1803 bis 1850 um 83 Prozent – fiel mit der Textilkrise zusammen, die zahllose kleinbäuerliche Heimarbeiter brotlos machte. Diese Verlierer der Industrialisierung wurden armengenössig, was die verschuldete Gemeinde finanziell schliesslich nicht mehr verkraften konnte. 

Le Havre um 1850

Le Havre um 1850. Bild: www.hugv-denzlingen.de/hugv_auswanderung.html

Dazu kam noch der Hunger. Die Kartoffelfäule, die ab 1845 in Irland eine Million Menschen in den Hungertod und zwei Millionen in die Emigration trieb, wütete auch hierzulande. Die Hungersnot war zwar nicht so schlimm wie jene von 1817, die auf das «Jahr ohne Sommer» (1816) folgte, als der indonesische Vulkan Tambora ausgebrochen war. Doch auch jetzt litten viele kleine Leute unter Hunger und Mangelernährung. 

Die frühen Auswanderer waren Reisläufer

Auswanderung war kein neues Phänomen in der Schweiz. Von der zweiten Hälfte des 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Wanderungsbilanz wahrscheinlich immer negativ – es wanderten mehr Leute aus als ins Land kamen. Lange Zeit war dies allerdings vornehmlich auf den Aderlass des Reislaufens zurückzuführen: Von 1400 bis zur Gründung des Bundesstaats 1848 gingen schätzungsweise eine Million Schweizer Männer als Söldner in ausländische Dienste. Viele von ihnen kehrten nie zurück. 

Neben dieser militärischen Emigration kam es auch zu Auswanderungswellen, in denen Schweizer Bauern und Handwerker vom Krieg verwüstete europäische Landschaften neu besiedelten. Nach dem Dreissigjährigen Krieg wanderten so zwischen 1660 und 1740 im Elsass und in der Freigrafschaft Burgund schätzungsweise 15'000 bis 20'000 Personen aus der Schweiz ein. 

Der Exodus nimmt zu

Die Auswanderung nach Übersee kam dagegen nur langsam auf Touren. Erst die allgemeine Verarmung im Gefolge der Napoleonischen Kriege und die Hungerjahre nach dem Ausbruch des Tambora liessen 1816-1817 den Strom der Auswanderer anschwellen. Hauptsächliches Ziel dieser ersten Welle war Lateinamerika, besonders für Romands. 

Von Massenauswanderung konnte allerdings erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wirklich die Rede sein, als auch die 305 Auswanderer aus Rothrist sich auf den Weg machten. Von 1851 bis 1860 erreichte der Exodus einen ersten Höhepunkt: In diesen zehn Jahren wanderten rund 50'000 Personen nach Übersee aus. 

Überseeauswanderung aus der Schweiz (1816-1953)

Massenauswanderung ab Mitte des 19. Jahrhunderts: Emigranten nach Übersee aus der Schweiz, 1816-1953. Grafik:  Rey, U. (2003). «Demografische Strukturveränderungen und binnenwanderung in der Schweiz 1850-1950».

Nach einem leichten Rückgang in den 1860er und 1870er Jahren, in denen je 35'000 Menschen das Land Richtung Übersee verliessen, waren es im Jahrzehnt von 1881 bis 1890 über 90'000. Danach pendelte sich die Zahl der Auswanderer pro Jahrzehnt auf zwischen 40'000 und 50'000 ein, bevor sie in den 1930er Jahren auf wenige tausend sank. 

Plakat: Land zu verkaufen in Iowa und Nebraska

Billiges Land für Farmer im amerikanischen Mittelwesten. Bild: Americaslibrary

Das bedeutendste Ziel der Emigranten waren nun die USA, das sprichwörtliche Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein gemässigtes Klima, riesige unerschlossene Ländereien und eine boomende Wirtschaft lockten dort die Einwanderer. Mehrere Goldräusche von 1848 bis 1896 zogen zusätzlich Abenteurer an. Nur der Sezessionskrieg führte zu einem vorübergehenden Rückgang der Immigration. Zudem warben zahlreiche Agenten um Amerikagänger – freilich waren es nicht selten dubiose Gestalten, die sich an den Auswanderern skrupellos bereicherten. 

Bessere Berufschancen

Auch die Überfahrt war gefährlich: Viele Passagiere starben an Krankheiten oder fanden bei Schiffsunglücken den Tod. Allerdings verminderten sich die Risiken der Transatlantiküberfahrt laufend durch den technischen Fortschritt – so lösten ab 1850 Dampfer zunehmend die Segelschiffe ab. Nun wagten auch vermehrt ganze Familien die Emigration nach Übersee. 

Trotz aller Mühsal und Gefahr nutzten immer mehr Menschen die Chancen, die ihnen die Emigration bot. In der zweiten Jahrhunderthälfte entstand eine neue Wanderungsform, die nicht mehr vornehmlich durch die Flucht vor grimmiger Not gekennzeichnet war. Nun entschlossen sich auch Leute zur Auswanderung, die bessere Berufschancen und sozialen Aufstieg suchten – mit einem Wort: Wirtschaftsflüchtlinge. 

Auswanderer im Zwischendeck

Auswanderer im Zwischendeck. Die Verhältnisse auf den Schiffen waren äusserst beengt. Männer, Frauen und Kinder verbrachten hier sechs oder mehr Wochen mit wenig Tageslicht und Luft und oft ohne sanitäre Einrichtungen. Bild: PD

Der alte Kontinent lud so einen Teil seines Bevölkerungsüberschusses in der Neuen Welt ab. Zwischen 1820 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 dürften rund 60 Millionen Menschen den Atlantik Richtung Amerika überquert haben. Bei weitem nicht alle von ihnen fanden den erhofften Wohlstand; so mancher mittellose Auswanderer strandete bereits im Zielhafen. Sicher aber ist, dass diese massive Abwanderung für die Herkunftsgebiete in Europa – in der Schweiz waren dies ab 1850 namentlich die Kantone Graubünden, Tessin, Aargau, Schaffhausen und Wallis – eine merkliche Entlastung darstellten. 

Hafen von New Orleans im 19. Jahrhundert

Der Hafen von New Orleans im 19. Jahrhundert. Bild: New Orleans Public Library

Amtlich verordnete Abschiebung

Kein Wunder, dass die Behörden in manchen Gemeinden dem Auswanderungswunsch nach Kräften nachhalfen. Die Grenzen zwischen staatlich unterstützter Auswanderung und Abschiebung waren fliessend; besonders arbeitsunfähige oder kriminelle Bürger wurden gern mittels Landesverweis zur Emigration gezwungen. Nicht wenige dieser unerwünschten Arbeitsunfähigen, Kranken oder Alten kamen bereits während der Überfahrt ums Leben

Die Auswanderer aus Rothrist überlebten die beschwerliche Reise, doch am Ziel stiessen sie auf Ablehnung: Als sie am 1. Mai 1855 nach 46 Tagen Überfahrt in New Orleans ankamen, wurden sie nicht an Land gelassen. Zu gross war die Angst vor Schikanen durch fremdenfeindliche Einheimische. Nur dank einem ortskundigen Helfer, der ein Dampfboot charterte und die Einwanderer damit direkt vom Segelschiff abholte, gelangten die Rothrister auf dem Mississippi nach St.Louis. In heutigen Begriffen, könnte man sagen, war es ein «Schlepper», der sie ins Land ihrer Zukunft brachte. 

Familienfoto Schweizer Auswanderer 1925 von Bremen nach New York

Schweizer Auswanderer 1925 in Bremen vor der Überfahrt nach New York. User Ruedi Rohr schickte dieses Familienfoto mit seinem Uronkel Mathieu Jehle (hinterste Reihe, 2.v.r.).   Bild: Ruedi Rohr

User-Input: Wie Käser Jehle aus Leibstadt in Connecticut viel Geld verdiente, das er in Frankreich wieder verlor

Ruedi Rohr: «Mein Onkel, Mathieu Jehle aus Leibstadt, hatte Käser gelernt. Er fuhr mit der ‹Bremen› nach New York und von dort nach Connecticut, wo er – mit überall geliehenem Geld – bei den Bauern Milch aufkaufte und zu ‹käsen› begann. Mit Vorliebe Emmentaler und irgend etwas, was er cool ‹Swiss cheese› nannte. Er muss viel Geld verdient haben, kam 1939 – noch vor dem Krieg – zurück und kaufte in Frankreich, bei Vesoul, eine Käserei, die er nach Schweizer Ideen umbaute, von den Bauern die Milch aufkaufte. Mit dem Geld, das er in den USA verdient hatte, kaufte er in Frankreich Gold, als es nach Krieg aussah. Als dann die Nazis Frankreich angriffen, vergrub er das Gold hinter seinem Haus – als er es Ende des Krieges ausgraben wollte, war es weg. Jemand musste ihm beim Vergraben zugeschaut haben... Shit happens!» 

Tausende Flüchtlinge auf hoher See

Migration

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

95
Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

10
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

28
Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

170
Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

52
Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

158
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

62
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

95
Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

10
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

28
Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

170
Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

52
Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

158
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

62
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

71
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
71Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • per scientam 13.11.2015 22:48
    Highlight Highlight Wenn ich die Kommentare lese dreht sich ja vieles um "Wirtschaftsflüchtlinge".
    Warum ist die Schweiz kein 3. Weltland mehr heute? Wie startete die Entwicklung zur Industrienation?
    Richtig, der Billiglohnsektor hatte sich angesiedelt. Uhren und Textilindustrie. (Uhren waren damals Handarbeit...)
    Dies war der Start der Entwicklung.
    In Asien hatte sich das gleiche abgespielt.
    Japan, Korea usw. waren alles mal Billiglohn Länder.
    China entwickelt sich in Riesen Schritten...

  • splatter 03.09.2015 00:50
    Highlight Highlight Aber nein, das kann nicht sein. Das waren doch Eidgenossen!
  • dracului 02.09.2015 07:29
    Highlight Highlight Lieber Daniel Huber, herzlichen Dank! Journalismus mit Mehrwert, der (neutral) Sichtweisen erweitert. Eine Seltenheit heute, umso mehr erfreue ich mich an solchen Artikeln!
  • Jol Bear 01.09.2015 21:40
    Highlight Highlight Der interessante Artikel erinnert zunächst mal daran, dass Migration von grossem Ausmass nichts Neues ist. Ebenfalls, dass Ursachen und Folgen oftmals von Gewalt begleitet sind. Der Besiedlung des dünn bevölkerten amerikanischen Kontinents ging ein Gemetzel an Indianern voraus, in Europa war Krieg auch die Tagesordnung und oft Ursache für die Flucht. Heute findet allein schon aus Südeuropa ein Exodus von perspektivlosen jungen Menschen statt (Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe oft über 50%!), zusätzlich dann die Immigration aus Afrika und Asien. Was immer die Absicht des Autors ist, der Beitrag kann keinesfalls im Sinn einer Verharmlosung der aktuellen Flüchtlingswelle in Richtung Europa gedeutet werden. Ich befürchte eher, dass, als weitere historische Parallele, neben der Gewalt in den Herkunftsländern solche auch in den Zielländern (also in Europa) eskalieren könnte.
  • AdiB 01.09.2015 18:00
    Highlight Highlight "Leute zur Auswanderung, die bessere Berufschancen und sozialen Aufstieg suchten – mit einem Wort: Wirtschaftsflüchtlinge"
    so gesehen sind die leute aus der eu, die in den letzten jahren herkammen auch wirtschaftsflüchtlinge? eigendlich besteht ja fast die halbe schweiz aus aus wirtschaftsflüchtlingen.
    • blueberry muffin 02.09.2015 10:35
      Highlight Highlight Und ganz amerika. Okay, nicht ganz, die Schwarzen kamen nicht freiwillig.
  • Nick Name 01.09.2015 16:13
    Highlight Highlight Danke für diesen Beitrag – gut, wird das endlich aufgegriffen.
    @ Kommentatoren: Logisch, kann das oben nicht 1:1 mit heute verglichen werden. Kann Geschichte ja eh nie. Aber es vermittelt Einsichten – zumindest jenen, die dafür bereit sind.
    Im Übrigen: Wer kann beweisen, welche der heutigen Flüchtlinge "echt" und welche "falsch" sind?
    Vor allem: Warum, zum Henker, soll ein Mensch nicht einfach einen besseren Ort suchen, wenn es ihm – aus welchen Gründen auch immer! – nicht mehr passt? Wir zügeln auch. Und wandern sogar mitunter aus ...
    Im Grund ist die einzige Antwort: migrationscharta.ch
    • stiberium 02.09.2015 08:38
      Highlight Highlight http://www.hintergrund.de/201508223637/feuilleton/zeitfragen1/vorboten-einer-neuzeitlichen-voelkerwanderung.html?utm_source=feedburner&utm_medium=twitter&utm_campaign=Feed%3A+hintergrund%2FZboE+%28hintergrund.de%29
  • CDahinden 01.09.2015 14:08
    Highlight Highlight Danke für diesen Artikel - das sind Tatsachen aus unserer eigenen Vergangenheit, die man sich vor Augen halten sollte. Und was den Fleiss der alten Schweizer und die "hohle Hand" der Flüchtlinge betrifft: Glaubt wirklich jemand, die Schweizer hätten vom System nicht profitiert, wenn es das damals gegeben hätte? Mängel im System sind kein Grund, Menschen mit dem verzweifelten Wunsch auf ein besseres Leben mit Hass zu empfangen.
  • huck 01.09.2015 13:41
    Highlight Highlight Und?
    Soll es "uns" ebenso ergehen wie den Indianern vor zweihundert Jahren?
    Oder kann man das eben doch nicht vergleichen?
    • RFC 01.09.2015 14:25
      Highlight Highlight Die Indianer wurden "aktiv ausgerottet".
      Der "Schweizer" wird nicht ausgerottet, er dezimiert sich von sich aus. (Geburtenrate).
      Denke das ist nicht ganz vergleichbar.
    • dnsd 01.09.2015 15:35
      Highlight Highlight Ja weil Kinder zum Luxusgut geworden sind... Warum?
    • meerblau 01.09.2015 15:45
      Highlight Highlight Nein kann man nicht vergleichen. Die Indianer wussten nicht, dass da noch weitere Kontinente mit anderen Menschen existierten. Dementsprechend wurzelte bei ihnen die Zurückhaltung in der Frage: "Was ist das?" und nicht in "was willst du?". Und ich gehe davon aus, dass du weisst, was ennet dem Mittelmeer liegt.
      Was sich aber sehr wohl vergleichen lässt, ist das Motiv der Auswanderer: Keinen Hunger, Friede, etc. Und wie thotha schon behauptet, sehe ich das auch, die meisten der Flüchtlinge kommen, um keinen Hunger mehr zu haben, um in Frieden zu leben und zu arbeiten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Str ant (Darkling) 01.09.2015 13:40
    Highlight Highlight die Weltgeschichtliche Lage lässt allerdings nur schwer 1:1 auf heute ummünzen
  • Hater111 01.09.2015 13:16
    Highlight Highlight Hätten sich die Indianer damals besser verteidigen können, würden sie immer noch in ihrem Paradies leben.

    Immer beide Seiten beachten!
    • Wilhelm Dingo 01.09.2015 13:28
      Highlight Highlight Ein wahrhaft starker Vergleich!
    • dnsd 01.09.2015 14:16
      Highlight Highlight BINGO!!!
    • Pitar 01.09.2015 18:04
      Highlight Highlight man sagt ja immer in der natur überlebe der stärkere...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Monti_Gh 01.09.2015 13:09
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen Artikel!
  • Amanaparts 01.09.2015 12:46
    Highlight Highlight Für manche "Patrioten" "Eidgenossen" "Besorge Bürger besteht die Schweizer Geschichte nur aus dem Bundesbrief 1291, der Schlacht am Morgarten 1315 und dem Nein zur EWR 1992...

    Quasi nur aus den Best-of`s und Greatest Hits.
  • dnsd 01.09.2015 12:32
    Highlight Highlight fleissig! Mit der Idee etwas aufzubauen... nicht mit der Idee einfach dahin zu gehen wo schon alles steht und die hohle Hand zu machen!
    • joe 01.09.2015 13:26
      Highlight Highlight Es gab/gibt also tatsächlich Schweizer und Schweizer!
      Da waren sicher auch ein paar Schweizer dabei, die nicht so fleissig waren und sich nur ein Leben erhofften wo ihnen alles Geschenkt wird! Im Text wird ja drauf hingewiesen das man Leute regelrecht verbannte.



    • Yolo 01.09.2015 13:53
      Highlight Highlight ??? Wer kommt und macht die hohle Hand? Der gebeutelte Syrer der ein Jahr zu fuss nach Europa pilgert? Keiner kommt her und mach die hohle Hand, nur hohle Köpfe posaunen solch hohle Kommentare.
    • Alnothur 01.09.2015 14:22
      Highlight Highlight Viele kommen und machen die hohle Hand. Sie dürfen gerne mal nach Biel kommen und sich das ansehen. Das sind aber normalerweise nicht die Asylanten, die die hohle Hand machen, sondern andere Einwanderer, die gezielt herkommen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • freaky 01.09.2015 12:25
    Highlight Highlight Der Artikel ist gut und stimmt auch, jedoch weisst er einen Fehler auf:Die Schweizer sind ausgewandert als Wirtschaftsflüchtlinge
    Jedoch wanderten sie nicht in andere Sozialsysteme ein, weil die gab es damals nicht.
    Heute stellt man Anwa.älte und Dolmetscher zu. lasten des Steuerzahlers zur verfügung. So wird die Integration gedammt, durch grosszügige Leistungen. Bald sind die, die Arbeiten endgültig in der Minderzahl und subventionieren andere Menschen, denenen unsere Sprache und Kultur egal sind
    • Nico Rharennon 01.09.2015 13:46
      Highlight Highlight Du hast den Artikel nicht sauber gelesen. Es steht das unsere Gemeinden durch die Armengenössigen (aka Sozialschmarotzers) finanzielle Schwierigkeiten bekamen. Das heisst wenigstens bei uns gab es sowas wie Sozialhilfe und diese wurden entlastet, so dass wir zu dem Staat werden konnten den wir heute sind.
    • Yolo 01.09.2015 13:58
      Highlight Highlight Früher war alles besser, wa? Ich lese schon, sie haben keine Ahnung von unserem Land und deren System. Lieber unreflektiert die Worthülsen von gewissen politischen Exponenten nach plappern. Aber das macht nix, wissen ist macht und nicht wissen macht nix.
    • daenu 01.09.2015 16:38
      Highlight Highlight Die meisten sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge reisen lediglich ihren Rohstoffen hinterher welche bei für ordentliche Profite sorgen. Das lässt die Frage aufkommen wer hier wen finanziert?
  • Sagitarius 01.09.2015 12:23
    Highlight Highlight In Niederurnen (GL) gibts einen Amerikaweg!
    Ratet mal wieso der so heisst? Die Leute wanderten nach Amerika aus, weil Sie hier schlicht verhungert wären!
    • blueberry muffin 02.09.2015 18:51
      Highlight Highlight Es gibt auch genug New Berns und co in der USA. Von wegen integration ;)
  • Wilhelm Dingo 01.09.2015 12:18
    Highlight Highlight Egal wieviele solcher Artikel Waston bringt: Es ändert nichts daran, dass viele Menschen in der Schweiz die Folgen der aktuellen Migrationsbewegung nicht wollen. Geht endlich mal darauf ein statt ständig alles schönzureden.
    • Olaf 01.09.2015 13:02
      Highlight Highlight Hier wird nichts schön geredet. Es ist ein Blick zurück. Nicht mehr, nicht weniger.
    • Wilhelm Dingo 01.09.2015 13:37
      Highlight Highlight okay, schönreden passt nicht, vom Thema ablenken wäre besser gewesen. Als Journalist ist man sich im Klaren, dass man durch die (einseitige) Auswahl von Themen die öffentliche Meinung beeinflussen kann. Ich bin überzeugt, auch das Watson Team weiss das. Aber wir reden einmal mehr um den heissen Brei: Thematisiert endlich mal was die Leute bei der aktuellen Migrationsbewegung nicht wollen. Fragt dazu aber bitte nicht den durchschnittlichen Watson User.
    • Yolo 01.09.2015 14:01
      Highlight Highlight Naja, nur ein Bruchteil der Schweiz will dies, die grosse Mehrheit schwieg oder durfte nicht wählen... Von dem her ist ihre aussage falsch. Richtig wäre; ... eine knappe Mehrheit der Wahlberechtigten blabla...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lumpirr01 01.09.2015 12:17
    Highlight Highlight Hochinteressanter Artikel und eigentlich noch gar nicht lange her. Der aufmerksame Leser hat gemerkt, dass es auch heute jederzeit einen Vulkanausbruch geben könnte, der monatelang einen bedeckten Himmel verursachen könnte. Ich bin zwar kein Anhänger von Horrorszenarien, aber der Einfluss auf die Vegetation wäre genauso schlimm wie damals. Nicht daran zu denken, was bei uns alleine der Kampf um die vorhandenen Lebensmittel bringt???
  • Butschina 01.09.2015 12:15
    Highlight Highlight Ich liebe diese Geschichte. Es ist immer interessant, wenn sich Leute über die Immigration aufregem aber keinen Dunst von der Schweizer Grschichte haben. Wenn man dann nach Argumenten oder nach schlechten Erfahrungen fragt, können 80% keine Angabe machen oder labern bereits wiederlegtes Zeugs.
  • Pitar 01.09.2015 12:10
    Highlight Highlight lieber daniel huber. was willst du damit sagen?
    • philipp meier 01.09.2015 15:29
      Highlight Highlight ich bin zwar nicht daniel huber, aber nach dem lesen des artikels kann ich mir gut vorstellen, was er damit sagen will: nicht wenige schweizer waren auch mal wirtschaftsflüchtlinge.
    • Daniel Huber 01.09.2015 15:50
      Highlight Highlight Damit trifft Philipp Meier den Nagel auf den Kopf!
    • Pitar 01.09.2015 19:08
      Highlight Highlight schade ich habe gehofft du hast dir dabei ein bisschen mehr gedacht...
    Weitere Antworten anzeigen
  • atomschlaf 01.09.2015 12:07
    Highlight Highlight Ja, und sind diese Schweizerinnen und Schweizer damals unter Umgehung der dortigen Einwanderungsgesetze in die USA eingewandert?
    Konnte man sich dort ins gemachte Nest legen und von Sozialhilfe profitieren?
    Da werden nicht nur Äpfel und Birnen sondern Äpfel und Zucchetti verglichen!
    • Yolo 01.09.2015 14:04
      Highlight Highlight Was habt ihr immer mit dem Sozialsystem und dem gemachten Nest. Geht ja gar nicht..
    • Wilhelm Dingo 01.09.2015 14:21
      Highlight Highlight @Yolo: was genau geht da nicht?
    • philipp meier 01.09.2015 15:36
      Highlight Highlight @atomschlaf: der vergleich funktioniert nicht 1:1. aber die schweizer waren in den usa auch nicht willkommen und benutzten eine art «schlepper», damit sie ins landesinnere vordringen konnten (btw: das steht so im artikel)
      keine ahnung, ob du jemals arbeitslos warst oder von der sozialhilfe leben musstest; aber das ist alles andere als ein zuckerschlecken; und es ist v.a. eine unterstellung, dass das das ziel der meisten flüchtlinge ist; und wenn sie dann erfolgreiche (klein)unternehmer/arbeitnehmer sind, nehmen wir gerne steuern; und ohne zuwanderung würden wir eh aussterben (geburtenrate)
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bijouxly 01.09.2015 12:07
    Highlight Highlight Warum immer so ein Topfdenken? Kann man sich nicht darüber aufregen, auch wenn man es nachvollziehen kann? Ich rege mich darüber auf! Nicht über die Menschen, sondern über die unfähige EU, diesen Leuten genug früh zu vermitteln, dass Europa eben genau nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und günstigen Ländereien ist.
    • Tsunami90 01.09.2015 15:32
      Highlight Highlight Das ist es aber nun mal. Selbst nur etwas Hoffnung ist besser als keine Hofnung. Da hilft alle negativ Werbung in den Krisenländern nichts.
    • philipp meier 01.09.2015 15:37
      Highlight Highlight aber die bauern, fastfoodketten, reinigungsdienste, detail- und onlinehändler stellen dann gerne die billigen arbeitskräfte ein; die die arbeiten erledigen, die kein europäer mehr erledigen möchte (oder habe ich da was falsch verstanden?)
    • Baba 01.09.2015 21:43
      Highlight Highlight Und doch waren es die Bauern & Co. (ländliche Gebiete), die die MEI haushoch angenommen haben (deutsche CH > 60%), obwohl sie ihren Kohl ohne die Arbeit ausländischer Erntehelfer gar nicht von den Feldern brächten...
  • lily.mcbean 01.09.2015 12:01
    Highlight Highlight Diese Historischen Artikel liebe ich! Freue mich jedesmal!!

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

Artikel lesen
Link zum Artikel