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Das Foto des Prototypen zeigt das kompakte Design in Relation zu einer Münze und einem Kugelschreiber.
Das Foto des Prototypen zeigt das kompakte Design in Relation zu einer Münze und einem Kugelschreiber.Bild: retro games ltd.
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Der Amiga 500 kehrt zurück – massiv geschrumpft aber mit viel Charme

Seit Anfang Oktober wird der THEA500 Mini in Serie gefertigt. Wir nehmen dies zum Anlass, die für Anfang 2022 geplante Miniaturversion des legendären Amiga 500 mal im Detail zu analysieren. Ist das hier der neue Traum aller Heimcomputer-Sammler? Oder ist man mit einem gebrauchten Amiga 500 weiterhin besser bedient?
04.11.2021, 20:1305.11.2021, 06:10
Team Games.ch
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46,5 cm breit, 32,2 cm tief, 6,05 cm hoch, ca. 3,1 Kilogramm schwer, vorne eine vollwertige Tastatur, rechts ein Schlitz für 3,5-Zoll-Disketten, hinten eine ganze Bandbreite an Anschlüssen, oben eine Plakette mit der Modellbezeichnung und für gewöhnlich beige gefärbt – der 1987 veröffentlichte Amiga 500 von Commodore hat zwar keine Schönheitswettbewerbe gewonnen, verkaufte sich aber schon damals wie geschnitten Brot. Kein Wunder, denn die vergleichsweise kostengünstige Hardware hatte einiges auf dem Kasten und sorgte dank Motorola 68000-CPU, 512 KB Arbeitsspeicher sowie starken Grafik- und Sound-Chips für viele Aha-Erlebnisse und läutete das 16-Bit-Spiele-Zeitalter mit ein.

Neben 25 vorinstallierten Spielen liegen jedem THEA500 Mini Maus und Gamepad bei.
Neben 25 vorinstallierten Spielen liegen jedem THEA500 Mini Maus und Gamepad bei.Bild: Retro Games Ltd.

Eben dieses Kultgerät soll jetzt Anfang 2022 in deutlich geschrumpfter Form und mit 25 vorinstallierten Spielen ein Revival feiern. Verantwortlich für die Neuauflage ist dabei das in Luton, nördlich von London stationierte Unternehmen Retro Games Ltd. Die Briten hatten bereits 2018 mit dem C64 Mini ein gutes Gespür für eine kompakte Neuauflage eines Heimcomputer-Klassikers bewiesen und wollen dieses Kunststück nun wiederholen. In Anbetracht der neuen Abmessungen von 20,7 x 14,4 x 2,7 Zentimeter (jeweils 45 Prozent weniger als beim Original Amiga 500) könnte dies hinsichtlich des Formfaktors auf jeden Fall gelingen.

«Das CD32 Pad kam damals aus verschiedenen funktionalen und ergonomischen Gründen nicht gut an»
Chris Smith, Chief Technology Officer von Retro Games Ltd.

Wer sich nun allerdings fragt, wie gut sich die Tastatur des THEA500 Mini bei einer solchen Schrumpfkur noch bedienen lässt, dem sei gesagt: Das Keyboard ist nur eine Attrappe und leider nicht nutzbar. Um dieses Manko auszugleichen, kann man jedoch entweder auf eine virtuelle Bildschirmtastatur zurückgreifen oder eine externe USB-Tastatur an einen der drei rückseitigen USB-Anschlüsse anstöpseln. Letztere dienen ausserdem als Schnittstelle für die beiden mitgelieferten Eingabegeräte: eine 2-Tasten-Maus sowie ein 8-Tasten-Gamepad – jeweils ausgestattet mit einem 1,8 Meter langen Kabel.

Frischzellenkur fürs CD32-Gamepad

Während es sich bei der Maus um eine Nachbildung der kantigen Amiga «Tank» Maus handelt, setzt Retro Games Ltd. beim Controller auf eine Eigenentwicklung, die man jedoch eng an das Joypad der am 17. September 1993 veröffentlichten Commodore Spielekonsole CD32 anlehnt. «Das CD32 Pad kam damals aus verschiedenen funktionalen und ergonomischen Gründen nicht gut an», erklärt Chris Smith, Chief Technology Officer von Retro Games Ltd. in einem Interview mit dem britischen Magazin «Retro Gamer». «Also nahmen wir das Design des CD32-Pads, überarbeiteten die Defizite und gelangten – nach vielen Prototypen – zu einem sehr komfortablen Eingabegerät, das zudem aussieht, als würde es zum Amiga gehören.»

Dank drei USB-Anschlüssen können Maus, Tastatur und Gamepad gleichzeitig genutzt werden.
Dank drei USB-Anschlüssen können Maus, Tastatur und Gamepad gleichzeitig genutzt werden.Bild: Retro Games Ltd.

Doch was heisst das jetzt konkret? Ganz einfach: Das einst viel zu labbrige Steuerkreuz auf der linken Seite wurde gegen vier präzise Richtungstasten getauscht, die optisch stark an das D-Pad von Sonys Dual-Shock-Controllern erinnern. Darüber hinaus vereinheitlichte der Entwickler die Grösse der Aktionstasten auf der rechten Seite, ordnete sie karoförmig an und tauschte die kryptischen Tastensymbole gegen einprägsamere Tastenbeschriftungen wie A, B, X und Y. Gleiches gilt für die Schultertasten, die nun ganz simpel mit L und R gekennzeichnet werden. Neu sind ausserdem die Tasten «Menu» und «Home» in der Mitte des Controllers sowie die Farbgebung des Pads, die an das typische Amiga-Beige angepasst wurde. Wer die Farbe des CD32-Joypads bevorzugt, kann das neue Joypad allerdings auch in einer schwarzen Variante nachkaufen.

Das Gamepad-Design basiert auf dem des CD32-Joypads, versucht jedoch dessen Schwächen hinter sich zu lassen.
Das Gamepad-Design basiert auf dem des CD32-Joypads, versucht jedoch dessen Schwächen hinter sich zu lassen.Bild: Retro Games Ltd.

Ebenfalls wissenswert: Dank USB-Stecker funktioniert das neue Pad sowohl am THEA500 Mini, als auch am THEC64, am THEC64 Mini sowie an PCs, Macs und Linux-Rechnern. Ergänzend zu Maus und Controller liegen dem THEA500 ausserdem noch ein 1,8 Meter langes HDMI-Kabel sowie ein USB-C-auf-USB-A-Stromkabel bei. Hingegen schade: Ein USB-Netzadapter ist nicht Teil des Gesamtpakets und muss entweder nachgekauft oder von anderen Geräten zweckentfremdet werden.

Drei Geräte in einem

Noch konnten wir keinen Blick ins Innere des Geräts werfen. Fest steht aber, dass die Hardware des THEA500 Mini drei bewährte Commodore-Chipsätze in einem vereint: das »Original Chip Set» (OCS) des Amiga 500, das «Enhanced Chip Set» (ECS) des Amiga 600 und den «AGA»-Chipsatz des Amiga 1200. AGA steht dabei für «Advanced Graphics Architecture» und erhöht neben der Grafik-Performance auch die zur Auswahl stehende Farbpalette von 4096 auf 16,8 Millionen Farben.

Der Adventure-Hit «Simon The Sorcerer» ist direkt vorinstalliert. Ob in einer eingedeutschten Fassung ist noch unklar.
Der Adventure-Hit «Simon The Sorcerer» ist direkt vorinstalliert. Ob in einer eingedeutschten Fassung ist noch unklar.Bild: Retro Games Ltd.

Der Hintergedanke der 3-System-Strategie: Nutzer sollen nicht nur die 25 vorinstallierten Spiele, sondern auch möglichst viele andere Titel der damaligen Zeit erleben können. Damit Letzteres funktioniert, unterstützt der THEA500 Mini WHDLoad – eine Technik, die den Import von «externen Spielen» via USB-Stick erlaubt. Streng genommen ist das Gerät also ein All-in-One-Amiga-Emulator mit allerlei praktischen Zusatzfunktionen, allen voran diversen Anzeigemodi.

So simuliert beispielsweise der CRT-Filter die Darstellung von Röhrenbildschirmen, eine Bildglättung sorgt für einen weniger pixeligen Look und mithilfe von drei Skalierungsmodi wird das Bild entweder herangezoomt, in einer fixen Grösse angezeigt oder mittels «Screen fit» für eine optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Bildfläche formatiert. Ausgegeben wird das Bild übrigens stets in 720p bei einer Bildwiederholrate von wahlweise 50 Hz oder 60 Hz. Hinzu kommt: Die Firmware lässt sich via USB-Stick upgraden. Weitere Anpassungsoptionen sind für die Zukunft daher nicht ausgeschlossen.

Einsteigerfreundlich: Mittels Save-State-Funktion versucht man knifflige Passagen beliebig oft neu.
Einsteigerfreundlich: Mittels Save-State-Funktion versucht man knifflige Passagen beliebig oft neu.Bild: Retro Games Ltd.

Ebenfalls an Bord ist eine Quicksave-Funktion, die bei vorinstallierten als auch importierten Spielen greift. Insgesamt vier Schnellspeicherplätze stehen pro Spiel zur Verfügung und gestatten es – andere Mini-Konsolen lassen grüssen – an beliebiger Stelle einen Spielstand anzulegen. Besonders fordernde Titel wie etwa der vorinstallierte Horizontal-Shooter «Project X» verlieren so schnell ihren Schrecken.

Für jeden Geschmack das passende Spiel

Apropos vorinstallierte Spiele: Stand 20. Oktober 2021 hat Retro Games Ltd. bereits 16 der insgesamt 25 Titel angekündigt. Das Portfolio ist dabei bunt gemischt und deckt praktisch alle wichtigen Genres ab. Shooter-Fans etwa können sich mit «Alien Breed 3D» (1995) und dem aus Top-Down-Perspektive dargestellten «The Chaos Engine» (1993) austoben, derweil sich Action-Adventure-Liebhaber mit «Another World» (1991) oder «Cadaver» (1990) vergnügen können.

Die Navigation im Interface erfolgt entweder mittels Controller- oder Maus-Eingabe.
Die Navigation im Interface erfolgt entweder mittels Controller- oder Maus-Eingabe.Bild: Retro Games Ltd.

Sportspieler wiederum sind mit «California Games» (1988), «Kick Off 2» (1990) und «Speed Ball 2: Brutal Deluxe» (1990) bestens bedient, Rennspieler geben in «ATR: All Terrain Racing» (1995) Gas, Adventure-Kenner werden sich über das brillante «Simon The Sorcerer» (1993) freuen, Multiplayer-Enthusiasten können in «Worms: The Director’s Cut» (1997) viele Stunden versenken und wer sich für Flugsimulationen begeistert, darf mit dem grafisch spartanischen, dafür aber inhaltlich umso interessanteren «F-16 Combat Pilot» (1989) abheben.

Echte Spassbringer sind ausserdem das von Brian Fargo produzierte, für damalige Verhältnisse sehr aufwändig animierte Schachspiel «Battle Chess» (1988), das von Geoff Crammond entwickelte 3D-Puzzlespiel «The Sentinel» (1988) sowie der mit vier Tischen ausgestattete Flipper-Hit «Pinball Dreams» (1992) von Digital Illusions – heute besser bekannt als DICE. Optisch eine Augenweide, aber spielerisch nur «solide» ist dagegen das kunterbunte Jump’n'Run «Zool: Ninja of the Nth Dimension» (1992) von Gremlin.

Der Top-Down-Shooter «The Chaos Engine» läuft im 2-Spieler-Koop-Modus zu Hochform auf.
Der Top-Down-Shooter «The Chaos Engine» läuft im 2-Spieler-Koop-Modus zu Hochform auf.Bild: Retro Games Ltd.

Und das Interface des THEA500 Mini? Hier setzt Retro Games auf ein klassisches Auswahlkarussell. Ähnlich wie beim THEC64 Mini blättert man also durch die Verpackungs-Cover der vorinstallierten Spiele und erhält für jeden Titel weiterführende Information in der oberen Bildschirmhälfte, darunter eine kurze Inhaltsangabe, die unterstützten Controller, die maximale Spielerzahl und eine vom Nutzer vergebene Sternebewertung. Die Liste selbst kann nach verschiedenen Kriterien sortiert werden und ermöglicht ferner das Anlegen von Favoriten. Ein Import von externen Titeln in dieses Menü ist laut Hersteller allerdings nicht vorgesehen.

Ausblick

Sei es nun das handliche Design, die mitgelieferten Eingabegeräte in Form von «Tank»-Maus und überarbeitetem CD32-Joypad, die Vielfalt an Komfortfunktionen, die WHDLoad-Unterstützung, das aufgeräumte Interface oder die drei USB-Ports auf der Rückseite – mal abgesehen vom fehlenden Netzteil, der nicht funktionsfähigen Tastatur und dem einen Tick zu hoch angesetzten Marktpreis von 129,99 CHF macht das THEA500 Mini definitiv neugierig. Nicht zuletzt weil Retro Games Ltd. auch bei der Wahl der 16 bereits angekündigten Spiele einen sehr guten Riecher beweist. Speziell «The Chaos Engine», «Simon The Sorcerer», «Another World», «Speedball 2», «Pinball Dreams», «Kick Off 2», und «Worms: The Director’s Cut» haben sich ihren Klassikerstatus redlich verdient und dürfen in keiner gut sortierten Amiga-Sammlung fehlen.

Um leidenschaftliche Amiga-Jünger der ersten Stunde vollends zu überzeugen wäre es dennoch wünschenswert, wenn es auch Kulttitel wie «Cannon Fodder», «Die Siedler», «Lemmings», «Syndicate», «The Secret of Monkey Island» und «Turrican 2: Final Fight» noch ins finale Software-Aufgebot schaffen. Sollte dieser Lizenz-Coup gelingen und die Emulation wirklich so gut klappen wie versprochen, hätten die Macher des THEA 500 Mini zum Start Anfang 2022 zweifelsohne ein hochinteressantes Produkt in Petto.

Über das Team Games.ch

Die Redaktion der dienstältesten Schweizer Spiele-Website beschäftigen sich seit über 30 Jahren mit dem Thema Games. Angefangen hat alles in den 80er-Jahren mit einem Disc-Magazin für die Brotbox (C64), die der Plattformgründer, ein ehemaliger Bäcker, herausgegeben hat. Seither begleiten die elektronischen Spiele die Redakteure: Vom Sega-vs-Nintendo-Fanboykrieg der frühen 90er-Jahre über den Aufstieg der Playstation bis hin zum Einstieg der Xbox in den Konsolenmarkt. Die Erinnerungen an die Vergangenheit sind zahlreich – und die Freude auf die aktuellen Gaming-Hits weiterhin ungebrochen.

Bei watson kümmert sich das Games.ch-Team im Blog «Loading...» um exklusive Geschichten aus dem Gaming-Universum für Gamer, Fans, Nerds - und solche, die es noch werden wollen.

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