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170 Tote bei Schiffsunglücken im Mittelmeer befürchtet



epa06802822 A handout photo made available by NGO 'SOS Mediterranee' on 12 June 2018 shows some of the 629 migrants boarding rescue vessel 'Aqarius' in the Mediterranean. The rescue vessel 'Aquarius', carrying a total of 629 migrants who were rescued off the Libyan coast, was denied access to ports in Italy and Malta in a diplomatic row between the two countries. Spain and France authorized on 11 June 2018 the landing of the ship at Valencia's port to avoid a humanitarian catastrophe.  EPA/KENNY KARPOV / HANDOUT MANDATORY CREDIT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bei zwei Schiffsunglücken im Mittelmeer werden 170 Tote befürchtet (Symbolbild). Bild: EPA/SOS MEDITERRANEE

Beim Untergang zweier Flüchtlingsboote im Mittelmeer sind vermutlich mehr als 170 Menschen ertrunken. 53 Menschen starben bei einem Bootsunglück zwischen Marokko und Spanien, wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Samstag mitteilte. Weitere 117 Flüchtlinge galten vor der libyschen Küste als vermisst, wo am Freitag ein Schlauchboot in Seenot geraten war.

«Wir dürfen die Augen nicht verschliessen, wenn so viele Menschen an der Schwelle Europas sterben», erklärte der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Derweil rettete ein Schiff einer deutscher Hilfsorganisation erneut Migranten auf dem Meer.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) berichtete von einem Schlauchboot, das am Freitag vor Libyen in Seenot geraten war und auf dem nach Angaben von drei Überlebenden insgesamt 120 Menschen gewesen sein sollen.

Unter den Vermissten seien auch zehn Frauen und zwei Kinder, eines davon erst zwei Monate alt, erklärte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Die Überlebenden hatte die italienische Marine auf die Insel Lampedusa gebracht.

120 Personen auf dem Schlauchboot

Zwar hatte die Marine zunächst von 20 Menschen auf dem Boot gesprochen. Aber laut IOM-Sprecher könnte es weitaus schlimmer gewesen sein. «Sie haben uns gesagt, dass auf dem Schlauchboot, das in Libyen Donnerstagnacht abgelegt hat, 120 Personen waren.

Nach zehn bis elf Stunden Fahrt begann dem Boot die Luft auszugehen und es fing an zu sinken. Die Menschen sind ins Meer gefallen und ertrunken», sagte Di Giacomo der Nachrichtenagentur Adnkronos. An Bord seien demnach vor allem Westafrikaner und etwa 40 Sudanesen gewesen.

Dabei habe sich bereits ein Rettungsboot der libyschen Küstenwache auf dem Weg zur Unglücksstelle befunden, sagte deren Sprecher Ajub Kasim. Unterwegs habe das Boot der Küstenwache jedoch eine Panne gehabt.

Neue Schlepperrouten

Seit die populistische Regierung in Italien die Häfen des Landes für Migranten weitgehend geschlossen hat, kommen dort immer weniger Migranten an, die zumeist in Libyen ablegen. Italien und die EU unterstützen die libysche Küstenwache darin, die Menschen wieder in das Bürgerkriegsland zurück zu bringen. Allerdings sind die Schlepper nun über andere Routen ausgewichen, vor allem in Richtung Spanien.

Auf dieser Route soll es nun im Alborán-Meer zwischen Marokko und Spanien 53 Tote geben, wie das UNHCR unter Berufung auf eine Hilfsorganisation mitteilte. Ein Überlebender habe das in Marokko angegeben, nachdem er 24 Stunden auf dem Meer getrieben und von einem Fischerboot gerettet worden war. Die Angaben zu beiden Schiffsunglücken könnten unabhängig nicht geprüft werden, so UNHCR.

Papst Franziskus betete am Sonntag für die Toten. «Sie suchten eine Zukunft, Opfer vielleicht von Menschenhändlern. Beten wir für sie und für die, die verantwortlich sind.»

Europa uneinig

Europa streitet seit Jahren über eine gleichmässigere Verteilung von Bootsflüchtlingen. Ein grosser Teil reist bislang nach Deutschland. 2017 registrierte Deutschland laut Eurostat 198'000 Asylbewerber, was 31 Prozent aller Erstantragsteller in der EU ausmachte.

«Ohne sichere und legale Wege für Menschen, die Sicherheit in Europa suchen (...), bleibt das Mittelmeer ein Friedhof», twitterte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Seit Beginn des Jahres sind laut IOM im Mittelmeer nun rund 200 Menschen gestorben. Laut IOM überquerten in den ersten 16 Tagen des Jahres bereits 4216 Flüchtlinge das Mittelmeer – knapp doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini sieht die Schuld für die Toten auch bei den privaten Hilfsorganisationen, die Migranten aus dem Meer bergen. «Solange Europas Häfen offen bleiben, solange jemand den Schleppern hilft, machen die Schlepper leider weiter Geschäfte und töten weiter», erklärte er. Allerdings sind derzeit kaum mehr NGOs auf dem Meer aktiv.

Tagelang auf Meer blockiert

Denn seit letztem Sommer wurden mehrere Rettungsschiffe mit Migranten tagelang auf dem Meer blockiert. Darunter waren zuletzt zwei Schiffe der deutschen Hilfsorganisationen Sea-Watch und Sea-Eye, die erst nach wochenlangem Gezerre die Migranten an Malta abgeben durften, wo sie dann auf andere Länder verteilt werden sollten.

Sea-Watch nahm jetzt erneut an anderer Stelle im Mittelmeer Migranten auf. Die Berliner NGO erklärte, dass sie 47 Menschen aus Seenot gerettet habe. Die Menschen von einem Schlauchboot seien nun sicher und versorgt. Wohin die «Sea-Watch 3» fahren kann, ist allerdings unklar.

Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer sagte, man warte nun auf Anweisungen. Salvini erklärte umgehend, nach Italien dürften sie nicht. Sie sollten nach Berlin oder Hamburg fahren. Die nächste Hängepartie zeichnet sich somit ab. (wst/sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • JaneSodaBorderless 21.01.2019 09:55
  • JaneSodaBorderless 21.01.2019 09:54
    Highlight Highlight Unglaublich, was hier einige aus der warmen Stube rausposaunen!
    Mich nähme ja nur wunder, ob ihr nicht auch jedes Risiko eingehen würdet weil ihr derart verzweifelt seid und nix mehr zu verlieren habt. Die Alternative zum Meer ist ein lybisches Flüchtlingslager. Gewalt, Hunger, desolate Hygienezustände, Vergewaltigung, Folter, Mord.







  • le vin 20.01.2019 15:51
    Highlight Highlight Wie wäre es, wenn man - gleich wie bei den Polizeimeldungen, wo die Nationalität nicht mehr genannt wird - auf die Bezeichnung "Flüchtlinge" im Titel verzichten würde?

    Ich habe nämlich mit ziemlichem Schrecken festgestellt, dass ich diesen Artikel beinahe nicht gelesen hätte. Einfach, weil man diese Überschrift tragischerweise wöchentlich liest und weil die Bezeichnung der Betroffenen als "Flüchtlinge" sie von mir abgrenzt und eine persönliche Verbindung zu ihnen erschwert...

    "100 Tote bei Schiffsunglück im Mittelmeer" hat doch einen ganz anderen Klang. Nicht?
    • Watson - die Weltwoche der SP 20.01.2019 16:56
      Highlight Highlight Der Begriff Flüchtling ist in diesem Fall eh irreführend. Seit neustem wird Flüchtling als Synonym für Migrant verwendet, was aber eben falsch ist.
    • Hajdenreich 20.01.2019 18:34
      Highlight Highlight Hat was...
    • Ueli der Knecht 20.01.2019 19:02
      Highlight Highlight Solange watson ums Überleben kämpft, wird sich am fragwürdigen Clickbaiting und der rückläufigen Qualität kaum was ändern.
      https://www.mqr-schweiz.ch/de/mqr-18-de/boulevard-und-pendlerzeitungen/watson-ch.html

      (Man vergleiche mal die Artikel zur Flüchtlingsproblematik von 2015/16 mit den heutigen.)
    Weitere Antworten anzeigen
  • nJuice 20.01.2019 15:22
    Highlight Highlight Mir doch egal. Hauptsache, unsere Waffenhersteller können weiterhin qualitativ hochwertige Schweizer Konfliktverschärfungsunterstützer in Länder mit optimierter staatlicher Kontrolle liefern.
  • pun 20.01.2019 14:55
    Highlight Highlight Es ist echt ein Hohn, dass den NGOs vorgeworfen wird, mit den Schleppern zusammenzuarbeiten und als Gegenmassnahme die libysche "Küstenwache" zu finanzieren. Die besteht unter anderem aus genau den mafiösen Menschenhändlern, die vorher die Flüchtlinge aufs Meer geschickt haben.
  • öpfeli 20.01.2019 14:48
    Highlight Highlight Immer schön, wie man sich aus der warmen Stube in einem sicheren Land, gegen Flüchtlinge äussern kann und meint, man wisse es besser.
    • öpfeli 21.01.2019 07:20
      Highlight Highlight Nun, meine Antwort wurde bisher nicht aufgeschaltet. Evt. Diese 🤷
      Mein Kommentar bezog sich auf Kommentare, die jedoch nachträglich gelöscht worden sind.
      Meine Hilfe: ich gab freiwilligen Deutschunterricht und half bei Dingen bezüglich Integration. Jetzt mit Baby ist das schwierig, vielleicht steige ich später wieder ein.
  • Menel 20.01.2019 14:21
    Highlight Highlight Da kommt mir immer wieder das Lied der toten Hosen in den Sinn:

    Play Icon
  • Maracuja 20.01.2019 13:47
    Highlight Highlight Wurde von den Rechten nicht immer wieder behauptet, dass wenn man NGOs und Rettungsschiffe behindert/aus dem Verkehr zieht, die Zahl der Toten sinken würde, weil sich die Flüchtlingen gar nicht mehr in seeuntüchtigen Booten aufs Meer wagen würden? Offensichtlich trifft dies nicht zu! Schrecklich, dass das Sterben weiter geht und keine vernünftige Lösung möglich scheint.
    • Rabbi Jussuf 20.01.2019 14:25
      Highlight Highlight In beiden Fällen hätten auch NGO-Retter nichts ausrichten können, falls die Fakten stimmen.

      Dass keine "Seenotretter" wartend vor der Küste kreuzen, wirkt sich halt nicht sofort aus.
      Begleitend müsste dazu natürlich die libysche Küstenwache besser aufpassen und Flüchtlinge zurückholen, oder noch besser gar nicht aufs Meer lassen.
    • Töfflifahrer 20.01.2019 15:36
      Highlight Highlight @Rabbi; Sie sprechen von der Lyrischen Küstenwache, die Geschäfte mit den Schleppern macht und von Europa noch finanziert werden?
      Ich nenn das pervers!
    • Maracuja 20.01.2019 16:08
      Highlight Highlight @Rabbi Jussuf

      Ach so, das wirkt sich nicht sofort aus. Muss ich das so interpretieren, dass es mehr Tote braucht, bis sich das irgendwann auswirkt?
      Und was deinen Anspruch betrifft, dass die Libyer mehr machen müssten, um die Flüchtlinge in ihrem Land zu behalten, frage ich mich, wieso die mehr bereit sein sollten, mittellose Flüchtlinge in ihrem Land zu beherbergen als die Europäer. Im Prinzip müsste man viel weiter südlich ansetzen, aber in der Sahara sterben die Menschen unauffälliger als im Mittelmeer.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tom Brady 20.01.2019 13:41
    Highlight Highlight Natürlich hat Italien seine eigenen Probleme und weitere Flüchtlinge können sie kaum gebrauchen.

    Wie egoistisch die italienische Regierung jedoch handelt ist extrem und hat für mich bereits etwas mit rassistischen Hintergedanken zu tun.
    • Töfflifahrer 20.01.2019 15:38
      Highlight Highlight Die Regierung hat, wie alle rechts-Populisten, die Schuld an so ziemlich allem den Ausländern oder der EU zugeschoben. Mit der unmenschlichen Haltung bedienen die nur die Erwartung im Volk, die sie selbst geschaffen haben.
    • atomschlaf 20.01.2019 19:34
      Highlight Highlight Tom, nenn' mir einen einzigen Grund, warum Italien oder auch andere europäische Länder afrikanische Sozialmigranten aufnehmen sollte?
    • Walter Sahli 20.01.2019 21:42
      Highlight Highlight atomschlaf, weil Italien und andere europ. Länder mit ihren Kolonien und ihren Konzernen dafür gesorgt haben, dass Afrika wirtschaftlich keinen Fuss vor den anderen kriegt?
      Ja, atomschlaf es gibt sowas wie Verantwortung! Und Europa hat eine sehr grosse Verantwortung bzgl. der Verhältnisse in der ganzen 2. und 3. Welt. Und wenn Du es nicht glaubst, dann frag' Dich, wie Dein Leben wohl aussehen würde, wenn Du schon nur Deine Kleider aus CH Produktion beziehen müsstest. Du und Deinesgleichen halten es immer für selbstverständlich, dass Euch Menschen unter widrigsten Umständen zudienen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Posersalami 20.01.2019 12:12
    Highlight Highlight RIP 😪
    • Töfflifahrer 20.01.2019 15:40
      Highlight Highlight Darf ich mal in die Runde fragen, wer so kaltherzig ist, den Opfern nicht mal ein Rest in Peace zu gönnen? Was sind das für Leute, kennen die eigentlich unsere Werte die diese immer vorschieben? Ich denken nicht!
    • bossac 20.01.2019 16:05
      Highlight Highlight Ich habe den obrigen Kommentar jetzt selbst nicht altiv gewertet, aber offen gesagt nervt es mich persönlich immer solche Kommentare zu lesen, weil sie, gerade noch mit einem Emoji versehen, so oberflächlich und fast schon auf eine Art pietätlos rüberkommen.
  • Hajdenreich 20.01.2019 11:34
    Highlight Highlight Kranker S××eiss

    Die Motivation überhaupt in dieser Zeit das zu Riskieren ist halt schon Beeindruckend.
    Das Risiko ist glaub allen bewusst aber es wird sicher gegenseitig runtergespielt.

    Das Größte Problem bleibt einfach die Propaganda der lebenden Verwandten. Die in den kurzen Ferien Aufenthalt zeigen was man locker erreichen kann durch einen guten Job in Europa. Dabei ist die Realität eher ernüchternd.

    Mein Beileid an die Familie
    • Töfflifahrer 20.01.2019 15:41
      Highlight Highlight Alle die diesen Weg gehen kennen die Gefahren und versuchen es trotzdem. Wie verzweifelt muss man sein um das zu tun?
    • SgtRambooo 20.01.2019 21:18
      Highlight Highlight So verzweifelt, dass man die auswahl hat in seinem Land 100% zu sterben oder eine Lange reise zu riskieren welche man vielleicht überleben kann. Ruht in Frieden.

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