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Nichts erreicht – die bittere Klima-Bilanz armer Staaten

13.12.2018, 15:0913.12.2018, 18:04
Bild: Tripadvisor

Der Ex-Präsident des vom Untergang im Ozean bedrohten Inselstaats Malediven zieht eine vernichtende Bilanz der seit einem Vierteljahrhundert laufenden Weltklimakonferenzen.

«Nichts haben wir erreicht», sagte Mohamed Nasheed am Donnerstag an der Uno-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz mit Blick auf die voranschreitende Erderhitzung. «Der Kohlendioxidausstoss steigt und steigt und steigt. Und wir reden, reden und reden.»

Der Gipfel der fast 200 Staaten soll an diesem Freitag enden. Auch nach elf Tagen sind zentrale politische Streitpunkte ungelöst. Ziel ist ein Regelwerk für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Proteste in Kattowitz.
Proteste in Kattowitz.Bild: AP/AP

Damals wurde vereinbart, dass die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad begrenzt werden soll, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Die zugesagten Massnahmen der Staaten reichen dafür aber bei weitem nicht aus.

Schweiz für verbindliche Regeln

Die scheidende Umweltministerin Doris Leuthard forderte an der Konferenz in Kattowitz verbindliche Regeln für die Berechnung der nationalen CO2-Ziele. Doch die Verhandlungen seien «sehr hart».

Viele Staaten wehrten sich gegen Transparenz oder verlangten Ausnahmen, sagte die Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber die Schweiz werde keine abgeschwächten Regeln akzeptieren.

Mehr Investitionen in saubere Energie

Nasheed sagte, moralische Appelle an die reichen Industriestaaten, ihren Ausstoss von Treibhausgasen zu drücken, halte er inzwischen für nutzlos. «Sie hören nicht zu.» Die jährlichen Klimakonferenzen kosteten inzwischen mehr als 75 Millionen Dollar, doch Fortschritte gebe es quasi keine.

Stattdessen regte er an, einen weltweiten Wettlauf der Staaten anzustossen, wer es schaffe, am meisten Investitionen in erneuerbare, saubere Energie zu lenken. Damit würden Industrien, die auf Kohle, Öl und Gas fussen, von allein unwirtschaftlich.

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Der Sprecher der Gruppe der ärmsten Staaten, der Äthiopier Gebru Jember Endalew, verwies darauf, dass in seinem Land in Folge der Erderwärmung oft monatelang kein Regen falle und die Felder austrockneten.

Seine Bürger stünden an der «Front» des Klimawandels. «Wir bezahlen das mit Menschenleben», sagte Endalew. «Es geht um unsere Gesundheit, unser Eigentum, unsere Zukunft.» Die Folgen des Stillstands beim Klimaschutz trügen die verletzlichsten Staaten, die am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen hätten.

Drei bis vier Grad wärmer?

Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren.

Macht die Welt weiter wie bisher, leben wir Ende dieses Jahrhunderts wohl in einer drei bis vier Grad wärmeren Welt. Die fatalen Folgen je nach Region: mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser.

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Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan verlangte, alle Staaten müssten nach den dramatischen Warnungen der Wissenschaft schnellstmöglich ihre Treibhausgasemissionen drastisch herunterfahren. «Die Existenz der Menschheit steht auf dem Spiel.» Keiner könne sich vor den Folgen des Klimawandels verstecken.

«Keine Zeit mehr»

Der Umweltminister der Marshall-Inseln, David Paul, sagte, die Menschheit sei eine Familie. Es habe schon zu viele fruchtlose Verhandlungen über den Kampf gegen die Erderhitzung gegeben. «Wir haben keine Zeit mehr.» Seine Nation stehe vor der Auslöschung.

Ein Streit an der Konferenz ist, dass die ärmeren und vom Klimawandel besonders betroffenen Staaten verlässliche und längerfristige Finanzzusagen wollen. Zudem fordern sie eine deutliche Anerkennung der Schäden, die Klimawandel-Folgen wie Hitze, Dürre oder Überschwemmungen anrichten. (aeg/sda/dpa)

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Eh Doch
13.12.2018 16:03registriert April 2018
"Aber die Schweiz werde keine abgeschwächten Regeln akzeptieren."

In etwaso wie bei der CO2 Debatte in Bern

HA
HA
Ha
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Scaros_2
13.12.2018 15:18registriert Juni 2015
Recht hat er. Man redet und redet und redet.
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G. Samsa
13.12.2018 15:38registriert März 2017
Auch er redet und redet, ohne konkret etwas zu tun.
Die maledivische Regierung ist hochgradig korrupt und unternimmt nichts, aber rein gar nichts gegen die Umweltverschmutzung, welche sie selber generieren.
Abfälle werden im Meer entsorgt, Riffe kaputt gemacht, kein Geld fliesst in eine Müllverbrennungsanlage usw.

Es ist klar dass die grossen Nationen ebenfalls aktiv werden müssen, die Malediven (um bei diesem Beispiel zu bleiben) müssen jedoch ihren Teil auch dazu beitragen. Und das tun sie nicht. Sie reden und reden, wie alle anderen auch.
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